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31. August 2013

Grasschrift

草書 cǎoshū (Gras, Entwurf + Schrift)

Graschrift-tenchi-Ryokan

天地
(tenchi = Himmel und Erde) von Ryōkan Taigu (良寛大愚)
Von den beiden Ausgangszeichen sind die Ausgangsformen fast nicht mehr zu erkennen. Beide Schriftzeichen wurden in einem Zug durchgeschrieben.

 

„Der Dichter Lù Yóu [陸游] (1125 - 1210) aus der Song-Dynastie [宋朝 Sòngcháo] hat mehr als 9.300 Werke hinterlassen. Sein Cǎoshūgē [草書歌] ‚Lied der Grasschrift’ erzählt von Kummer und Trübsinn im Schaffensprozeß.

war ein Patriot und setzte sich sein ganzes Leben für die Verteidigung des Reiches ein. In jungen Jahren meldete er sich freiwillig und ging mehrmals an die Front. ... Mit 57 Jahren zog er sich traurig und empört in seinen Heimatort zurück. Eines Tages vertrieb er wieder einmal durch Trinken seine Schwermut. Wir versuchen im Folgenden den Inhalt des Gedichtes ungefähr wiederzugeben:

‚Ich habe vielerlei Tränke destilliert, aber die Trübsal sitzt mir dennoch im Magen. Heute nehme ich in berauschter Stimmung den Pinsel und widme mich der Grasschrift. Auf einmal werden Himmel und Erde klein und überschaubar.

Wie der Wind die Wolken treibt, so fegt mein Pinsel über das Papier. Meine Zeichen tanzen wie ein göttlicher Drache, und ein dunkler, blutgeschwängerter Nebel erhebt sich. Dann stürzen meine Zeichen wie Dämonen die Gipfel der Berge um, bis auch das Mondlicht vom Dunkel verschluckt wird.

Ich bin fertig, und meine Bitternis ist verflogen. Ich schreie und schlage gegen das Bett, mein Kopftuch fällt mir herunter. Auf dem Papier zu schreiben ist mir noch nicht genug, ich möchte in der großen Halle zehn Meter hoch auf die Wand schreiben, um meine Leidenschaft und meine Freude an der Kalligraphie zum Ausdruck zu bringen.’

Leider ist die Kalligraphie, von der das Gedicht spricht, nicht überliefert. Es war sicherlich ein wechselvolles Meisterwerk der schwebenden Gestalten.“
(China Radio International: Chinesische Kalligraphie -Empfindung und Geist des Weines)

Der Name Grasschrift kommt von der schnellen Art, in der sie ausgeführt wird. Es gibt viele Unterkategorien der Gras- oder Konzeptschrift, zum Beispiel die „verrückte Konzeptschrift“ (狂草 kuángcǎo), die gar nicht mehr versucht, leserlich zu sein.

Die Grasschrift (auch: Konzeptschrift) ist der schnellste Stil, ihre Form ist noch weiter als die Kursivschrift (行書) von den Basiszeichen der Regelschrift  (楷書) entfernt. Das Ausgangszeichen ist verformt, die Striche sind miteinander verschlungen, manche Striche oder Teile sind stark verkürzt. Daher ist die Grasschrift schwer zu schreiben und nicht leicht zu lesen.

Grasschrift-ki-Ingen-Ryuki Grasschrift-En-Ikeda-Harumasa
氣 (ki) von  Ingen Ryūki (隱元隆琦) 円 (en) von Ikeda Harumasa (池田治政)
Der chinesische Begriff qì (氣 / 气 , japanisch 気) bedeutet Energie oder Atem, kann aber wörtlich auch Luft, Gas, Dampf, Hauch,  Temperament, Kraft oder Atmosphäre bedeuten.  
Grasschrift-shinnyo-Jiun-Onko   
真如 (Shinnyo) von Jiun Onkō (飲光)  唐雙年“飛狂草書”作品“山”。
Der Sanskritbegriff Tathatā (तथता, chinesisch 真如 zhēnrú,  japanisch: 真如 shinnyo, Soheit) steht im Buddhismus für die Form  fundamentaler Wirklichkeit  

 

In der Grasschrift sind die Striche durchgehend verbunden, auch wenn sie manchmal abgesetzt erscheinen. Sie sind uneinheitlich, verstreut eine Mischung feuchter und trockener Linien. Zwischen den Zeichen sieht man hier eine Verbindung, dort eine Überschneidung. Nichts ist statisch oder fest.

Merkmale sind schnell geschriebene und fließende Linien, eine oft stark vereinfachte Struktur der Schriftzeichen, ineinanderlaufende Striche und eine geringe Lesbarkeit.



Kalligrafie 書法, die Kunst des Schreibens

Siegelschrift
篆書
Kanzleischrift
隸書
Regelschrift 
楷書
Kursivschrift
行書
Grasschrift
草書

(Quelle: Wikimedia) 

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