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05. Dezember 2012

Guo Moruo

郭沫若 Guō Mòruò / Kuo Mo-jo (Pseudonym - Guo + Schaum + ähnlich)
郭開貞 Guō Kaizhen (Geburtsname)
1892 - 1978

„Zur Zeit der Kulturrevolution, als die meisten seiner Schriftstellerkollegen Schreibverbot hatten, als viele seiner Genossen, die – wie er – jahrzehntelang für ein befreites China gekämpft hatten, Latrinen putzen mußten, gequält, erniedrigt oder gar in den Tod getrieben wurden – damals wurde Guō Kaizhen, bekannt unter dem Pseudonym Guō Mòruò, in das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas gewählt."
(Egbert Baqué in der Zeit: Wassertelegramme)
 
Der chinesische Schriftsteller Guō Mòruò gehörte zu den wenigen Literaten, die verschont blieben. Er war stellvertretender Vorsitz des Weltfriedensrates und Mitglied im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas.
 
Guō Mòruò wurde als Sohn einer Grundbesitzerfamilie in der südwestchinesischen Provinz Sichuan geboren. Sein Clan der Guo ist einer der reichsten der Gegend, der Vater wurde mit Schnapsbrennerei und Opiumhandel wohlhabend. Das Dorf ist ein Räubernest, aber die Kinder hegen Bewunderung für die Anführer der Banden, weil sie den Helden aus alten Volksromanen – wie „Die Räuber vom Liangschan-Moor“ – gleichen.

Von Kindheit an las Guō gern. Nach seinem Schulabschluss 1914 ging er dann nach Japan, um dort Medizin zu studieren. Dort musste man aber außer Medizin auch Deutsch lernen und zudem noch Englisch und Latein. Im Sprachunterricht wurde vor allem Werke im Original gelesen. So kam Guō Mòruò mit ausländischer Literatur in Kontakt:
 
„Dieser Literaturunterricht brachte meine Vorliebe für Literatur, die ich gerade mit Mühe überwunden hatte, wieder voll zum Tragen. Damals begann ich, mich mit der deutschen Literatur, besonders mit Goethe und Heine zu beschäftigen.“
 
1921 gründete er mit Freunden die Schöpfungsgesellschaft (创造社 Chuangzaoshe), eine der ersten und bedeutendsten Literaturgesellschaften Chinas. Den Gründern war gemein, dass sie ein Auslandsstudium in Japan absolviert hatten.
女神 沫若自傳
Nǚshén Mòruò Zìzhuàn

Mit der Publikation seines Gedichtbandes Göttinnen gelang Guō Mòruò 1921 der Durchbruch als Lyriker. Es war auch der Beginn der modernen chinesischen Lyrik. Guo  scherte sich nicht um die Formgesetze der klassischen Dichtung. Als erster chinesischer Lyriker schrieb er freie Verse, und das nicht in der klassischen Schriftsprache. Die Beseitigung der Schriftsprache zugunsten der gesprochenen Sprache, war eine der Forderungen der Schriftsteller nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung, eine Bedingung für die kulturelle Erneuerung Chinas.
Ungeheuerlich auch – für chinesische Ohren – war das stürmische, romantische Pathos der Verse Guo Moruos. Die 'Göttinnen' waren ein Lobgesang auf Whitman und die europäischen Vorbilder, eine bombastische Huldigung der Kraft des rebellischen Individuums – auch das war ungewöhnlich für eine Gesellschaft, in der der einzelne traditionell wenig galt." (Die Zeit: Wassertelegramme)

Guōs vierbändige Autobiografie gibt einen tiefen Einblick in sein Leben.
„Ich beschreibe lediglich ein bestimmtes Individuum, das von dieser Gesellschaft hervorgebracht wurde, oder, sagen wir, das Leben eines bestimmten Menschen in dieser Epoche.“
Guō will so früh wie möglich studieren. Doch die Lehrer  hatten genaue Vorstellungen: „Ohne Schläge wird man kein vernünftiger Mensch; durch Prügel erzieht man einen Mandarin.“ Von nun an ist er „ein Büffel mit einem Seil durch die Nase“ – Gedichte werden mit der Bambuslatte in den Kopf gedroschen, und beim Empfang einer Strafe muß er demütig die Hosen vor dem Schulaltar des „allervollkommensten und höchst heiligen Meisters Konfuzius“ herunterlassen.
Enttäuscht von sich selbst, weil er sich auf eine arrangierte Ehe eingelassen hatte, reiste Guō schon wenige Tage später ab und gelangte über verschiedene Zwischenschritte schließlich 1913 nach Japan.
甲骨文字研究 浮士德
Jiǎgǔwén yánjiū Fúshìdé
Das von Guō Moruo 1929 veröffentlichte Forschung über die Orakelknocheninschriften gilt als ein wichtiges Werk in diesem Bereich. Auf Schildkrötenpanzern und Tierknochen sind über 4.000 Schriftzeichen zu finden, von denen mehr als 1.000 entziffert werden konnten.
Guō analysierte zum Beispiel aus den Orakelknochen-Formen des Zeichens 辰, dass es ursprünglich ein steinernes landwirtschaftliches Gerät bezeichnete. Dieser Zusammenhang ist auch im Zeichen für Landwirtschaft noch erhalten, jedenfalls in der ungekürzten Form: 農 (Kurzzeichen: 农). Hier findet sich 辰 als untere Komponente.
Es dauerte zehn Jahre, bis Guōs Übersetzung von Goethes Faust I veröffentlicht wurde: „Ja, der Grund dafür war wirklich eine schlimme Sache. Als ich den ersten Teil übersetzt hatte, begann das neue Semester… Ich legte meine Manuskripte in einen kleinen Wandschrank. Als ich sie zwei Monate später wieder hervornahm, war ein Drittel davon von Mäusen angefressen.“ Guō war so verärgert, dass er die Arbeit zehn Jahre liegen ließ.
Guos Übersetzung wird vorgeworfen, dass Wörter daraus aus dem Heimatdialekt Guos, nämlich der Sprache Sichuans, stammen.
 
chinesische Schriftsteller
Ba Jin 巴金 - Cao Yu 曹禺 – Gao Xingjian 高行健 - Guo Moruo 郭沫若 - Lao She 老舍- Lin Yutang 林語堂- Liu Xiaobo 刘晓波 - Lu Xun 鲁迅 - Mao Dun 茅盾- Mo Yan 莫言

japanische Schriftsteller
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sonstige Schriftsteller
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