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05. Dezember 2012

Großer Sprung nach vorn

大跃进 dà yuèjìn (groß + springen + nach vorne)

农业大跃进,社社放卫星 出炉
nóngyè Dà​yuè​jìn wèi​xīng chū​lú
Propagandaplakat für den Großen Sprung kommunale Hochöfen
 
„Eine wichtige Losung damals hieß: „Stahl und Eisen stählen“. Diese Bewegung fiel zeitlich mit der Bildung der Volkskommunen zusaminen. Die Bauern waren gezwungen, in den Kantinen, die eingerichtet wurden, zu essen. Bei jeder Bauernfamilie machte man eine Art Hausdurchsuchung, um Töpfe oder Geschirr aus Eisen einzusammeln. Das kam dann in einen kleinen Hochofen, der in jeder Einheit errichtet worden war, wurde eingeschmolzen und dann als Eisenblock herausgeholt. Meine Tochter kam von der Schule nach Hause und hat uns überredet, ihr unseren einzigen Hammer zu überlassen. Den brachte sie in die Schule, er kam nie mehr wieder. Die Schulkinder sollten Nägel auf der Straße sammeln und überhaupt alles, was aus Eisen war. Die älteren Schüler machten sich daran, im Schulhof ebenfalls kleine Hochöfen zu bauen. Das Eisen lag dort wie Goldbarren aufgestapelt, und die Lehrerin äußerte sich begeistert und meldete die Zahlen nach oben. So sah in Wirklichkeit die vielpropagierte Stahlproduktion aus.“

Was passierte mit diesem Stahl?

„Der einzige Zweck war, die Eisenblöcke statistisch zu erfassen. Alles zusammengerechnet hieß es dann, soundso viel Millionen Tonnen Stahl sind produziert worden. Aber der Stahl ist weiter für nichts verwendet worden? Nein, den konnte man auch zu nichts verwenden. Die Qualität war zu schlecht. In vielen Einheiten wurde das gleiche gemacht. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.“

Solche Eisenblöcke mußten doch irgendwo gelagert werden?

„Weil man dafür keine Verwendung hatte, wurden sie aus der Stadt transportiert und irgendwo aufgestapelt. In der Nähe von Städten entstanden so regelrecht Berge, Eisenberge. Wo ich zu dieser Zeit arbeitete, dort gibt es den Eisenberg noch heute.“
(Wolfgang Hieber: Chinesen über China. 1983. ISBN 3 430 14575 9)

Der Große Sprung war die Parole für die Politik Chinas von 1958 bis 1960. Ziel war es, China zu einer wirtschaftlichen Großmacht zu machen. Es wurde propagiert, dass der menschliche Wille allein die Entwicklung der Wirtschaft beschleunigen konnte. Durch die Überbetonung der Stahlproduktion standen nicht mehr genügend Bauern für die Landwirtschaft zur Verfügung. So kam es zu einer katastrophalen Hungersnot, der 20 bis 40 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Dieses Ereignis gilt als eine der größten Hungersnöte der Menschheit und sie war von Menschen verursacht.
 
Die Zeit von 1959 bis 1961 wird in China auch als die Drei bitteren Jahre (三年困难 Sānnián kùnnan) oder die Drei Hungerjahre (三年大饥荒 Sānnián dà jīhuāng) bezeichnet.
 

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