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05. Dezember 2012

Gesicht

面子 miànzi
脸 liǎn
颜 yán

mian

„Ehre ist eine Sache des Gewissens und der Wirklichkeit, das Gesicht aber eine Angelegenheit des Rufes und des äußeren Scheins. Ehrverlust ist ein Flecken auf der Haut, Gesichtsverlust ein verschmiertes Make-up. Ein Mann von Ehre mag dem Blinden nur einen Groschen spenden, aber er beraubt ihn nicht; der Mann, der um sein Gesicht besorgt ist, mag den Blinden bestehlen, wenn niemand zusieht, wird ihm aber eine Mark in den Hut werfen, wenn genügend Augenzeugen vorhanden sind.“
(Dennis Bloodworth: Chinesenspiegel. 3000 Jahre Reich der Mitte. 1968)
 

miàn

liǎn

yán
面目
miànmù
(Gesicht + Auge)
Anschein
臉面
liǎnmiàn
(Gesicht + Gesicht)
Selbstachtung
顏面
yánmiàn
(Gesicht + Gesicht)
Prestige
面皮
miàn​pí
(Gesicht + Haut)
Schamgefühl
臉皮
liǎnpí
(Gesicht + Haut)
Mitleid
厚顏
hòuyán
(dick + Gesicht)
schamlos
 
面子很重要国人最喜欢什么样的中级车
Miànzi hěn zhòngyào guórén zuì xǐhuan shénmeyàng de zhōngjíchē
《面子》
miànzi
Das Gesicht ist sehr wichtig. Welche Art Mitteklassewagen mögen die Landsleute am meisten? Saving Face ist eine US-Filmkomödie aus dem Jahr 2004, , die an das Hochzeitsbankett (喜宴 Xǐyàn) von Ang Lee (李安 Lǐ Ān) erinnert.

Schon immer waren die Chinesen der Überzeugung, das „Gesicht“ eines Menschen sei sein Vermögen. Deshalb waren sie auch immer bereit, sich und ihre Familien zu ruinieren, um ihrem Sohn eine eindrucksvolle Hochzeit und den Eltern ein standesgemäßes Begräbnis bieten zu können. Faule Geschäftsleute lassen nachts die Lichter in ihren Büroräumen brennen, um aller Welt zu zeigen, wie erfolgreich und beschäftigt sie sind; gehen sie pleite, wird sie der Verlust an Gesicht härter treffen als der Verlust an Geld, denn beides bedeutet Verlust an Kredit.

„Der Wunsch, das Gesicht zu wahren, führt zu Heuchelei und Verstellung. Der Chinese denkt nicht nur an sein eigenes Gesicht, sondern auch an das der anderen. In einer öffentlichen Debatte wird er seinen Gegner nie so weit außer Gefecht setzen, daß der arme Kerl nichts mehr zu sagen weiß und wie ein Narr dasteht. Es genügt ihm, den Mann wissen zu lassen, daß er es tun könnte, wenn er wollte.

Das Gesicht wahren

„DAS GESICHT WAHREN gehört zu den Redensarten der neuesten Zeit, die im Deutschen gleichsam vor unseren Augen und Ohren volkstümlich geworden sind, allerdings ohne dass dieser Vorgang von anderen als zwei, drei Sprachforschern beachtet worden wäre.

Im Jahre 1908 wurde eines Abends in einer deutschen Kleinstadt ein Stadtverordneter wegen öffentlicher Trunkenheit festgenommen. Als er am nächsten Morgen nüchtern entlassen wurde, raffte er seine ganze stadtväterliche Würde zusammen: ‚Da ich nun einmal hier bin, wünsch ich die Arrestantenzellen zu inspizieren.’

Eine Zeitung berichtete darüber unter der Überschrift: ‚Er wahrt sein Gesicht’, und die kleine Nachricht mitsamt der Überschrift machte die Runde durch die deutsche Presse.

Noch im gleichen Jahre kehrte dann diese mit einem Schlage verbreitete Wendung auch in anderen Zusammenhängen in der deutschen Presse wieder, Damals veröffentlichte der ‚Daily Telegraph’ ein aufsehenerregendes und beunruhigendes Interview mit Wilhelm II. über das deutsch-englische Verhältnis, und hätte dann nach einiger Zeit der Kaiser nicht öffentlich erklärt, er werde die Politik des Reichskanzlers nicht mehr durch persönliche Einmischung stören, so hätte Deutschland, so las man damals in einzelnen Zeitungen, vor aller Welt ‚das Gesicht verloren’.

Die Philologen, die so unvermittelt eine vorher ganz unbekannte Redensart in den Zeitungsspalten auftreten sahen, standen zunächst einem Rätsel gegenüber. Da sich zeigte, dass englische Zeitungen zu gleicher Zeit to save the face, französische sauver la face gebrauchten, beschuldigten deutschen Journalisten und Politiker, die sich dieses ‚Modewortes’ bedienten, sie äfften wieder einmal den westlichen Nachbarn nach.

Die Erörterungen, die sich auf Anregung von Wülfling in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins an die Redensart knüpften, brachten es aber bald an den Tag, dass sie weder englischen noch französischen Ursprungs sei, sondern — chinesischen. Schon früher hatten Forschungsreisende und Missionare in Schilderungen Chinas gelegentlich die chinesischen Ausdrücke ‚das Gesicht wahren, das Gesicht verlieren’ angeführt, aber erst der Expeditionsfeldzug der europäischen Großmächte gegen die aufständischen ‚Boxer’ brachte es mit sich, dass der chinesische Ausdruck nach Europa verschleppt wurde.

In allen Kriegen werden aus der Sprache der fremden Zivilbevölkerung Wörter und Redensarten aufgeschnappt. Während sich aber sonst meistens nur Wörter der alltäglichen Dingwelt in die Umgangssprache der Soldaten einnisten, hat in diesem Falle ein Feldzug dazu geführt, dass eine abstrakte Redensart, die mit einem wesentlichen und tiefverwurzelten Charakterzug eines Volkes zusammenhängt, in einen anderen Erdteil verpflanzt worden ist.

Ein rheinischer Missionar in China, Pater Hötzel in Tungkun, beschrieb ausführlich, welchen Wert für den Chinesen die Wahrung des Gesichtes hat, Die Wirklichkeit hat für den Sohn der Mitte weniger Wert als der Schein. Wenn nur dieser gewahrt wird, ist alles gut, Gibt einer das Gesicht auf, so ist es gleichsam sittlicher Selbstmord, der oft zum wirklichen führt. Die Welt, die jeder Chinese um sich her bereitet und bereiten muss, besteht absichtlich und grundsätzlich aus Schein. Wahrhaftigkeit und Unwahrhaftigkeit sind nur verschiedene Mittel, ihn zu wahren. Ist der Schein gewahrt, so betrachten alle Beteiligten. auch jene, die sich wissentlich durch den Schein täuschen ließen, die Sache als vollkommen erledigt. Das Verlieren des Gesichtes ist eben ein Versagen in der ständig geübten Meisterschaft, den Schein zu wahren. Pater Hötzel protestiert übrigens gegen die Aufnahme der Redensart ‚das Gesicht wahren’ in die deutsche Sprache, da sie sich auf eine uneuropäische Art der Heuchelei beziehe. Der Ausdruck dürfe höchstens für chinesische Verhältnisse gebraucht werden.

Mittlerweile hat sich aber die Redensart ganz durchgesetzt. Vom Boxerkrieg bis 1908 war noch eine Frist von acht Jahren nötig, bis die zunächst nur gelegentlich zwischen ‚Gänsefüßchen’ angeführte chinesische Redensart in Deutschland und in Europa allgemeingültig wurde. In Deutschland setzte sie sich dank des geschilderten Arresterlebnisses jenes Stadtverordneten schlagartig durch. Den alten chinesischen Sinn, den Schein zu wahren, auch um den Preis einer zwar nicht verkannten, doch geduldeten Lüge, diesen ursprünglichen Sinn hat das Schlagwort bei uns allerdings fast ganz eingebüßt.“
(Adolf Josef Storfer: Gelbe Post. Ostasiatische illustrierte Halbmonatsschrift. Heft 1 - 7. Shanghai, 1933. Reprint: Turia + Kant. ISBN 3-85132-210-X)

Das Gesicht verlieren

Das Gesicht zu verlieren ist gleichbedeutend mit dem „sozialen Tod". Es gibt dafür drei Ausdrücke:

丢面子 丢脸 丟顏
diū miànzi diūliǎn diūyán
 

Verhaltensweisen
Aizuchi 相槌 - Amae 甘え - Gesicht 面子 - Gibun 기분 – Guanxi 关系 - Honne - Tatemae 本音 - 建前  - Ja はい - Nunchi 눈치

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