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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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05. Dezember 2012

Gelber Fluss

黄河 Huánghé (gelb + Fluss - in älteren Atlanten Hoang-ho)

 
(Laufverlegungen des Gelben Flusses
(Karte: Wikimedia)

Der Gelbe Fluss fließt nicht mehr wie bisher.

„Während der sommerlichen Flut im Jahre 1851 durchreißen die Wasser des Huánghé unterhalb Kāifēng ([開封] bei Lóngménkǒu [龍門口] = Mund des Drachentors) den Damm des Nordufers und ergießen sich teilweise in die Ebene; im folgenden Jahr erweitert sich der Dammbruch so weit, dass sich der Wasserstand in dem bisherigen Unterlauf stark vermindert; 1853 stürzt sich das gesamte Wasser des Flusses in die neue Richtung. Noch merkwürdiger müssen die Veränderungen auf die Bevölkerung am bisherigen Unterlauf des Flusses gewirkt haben. Die Leute aus der Stadt Huainan (östlich des oft erwähnten Hongze-Sees [洪澤湖 Hóngzé Hú]) fanden den sonst wegen seiner starken Strömung nur unter Mühe und Gefahr mit Fährbooten zu kreuzenden Strom in der zweiten Hälfte des Jahres 1852 plötzlich zum Durchwaten seicht, und im Frühling des folgenden Jahres gehen die Reisenden trockenen Fußes durch das Bett; seitdem ist es, wie es in einem chinesischen Bericht heißt, ‚trocken wie Staub‘. Auch weiter oberhalb bei der Stadt Xúzhōu [徐州], wo der Fluß über 1 km breit war und eine so starke Strömung besaß, dass die Boote bei der Überfahrt 2 - 3 km stromab getrieben wurden, verminderte sich das Wasser binnen kurzer Zeit derart, dass Kinder hindurchwaten konnten. ...

Nach dem Eintritt einer Katastrophe von solcher Tragweite muß sich dann wohl eine starke Erregung aller Bewohner der Großen Ebene, ihrer Regierung, ja, des ganzen Reichs bemächtigt haben! - die Nachricht: „Der Gelbe Fluß ist aus den Fugen geraten“ wie ein Lauffeuer über die Welt hingeeilt sein! - O nein! die Tatsachen lauten ganz anders. In dem chinesischen Reichsanzeiger, der „Staatszeitung“ in Peking, geschah des gewaltigen Vorgangs, der Millionen von Staatsbürgern auf nachhaltigste betroffen hatte, zunächst gar keine Erwähnung. Im Jahre 1856 (!) war in dem Blatt die kurze Andeutung zu lesen: „Der über den Unterlauf des Huánghé gesetzte Beamte berichtet, dass von den 22 seiner Aufsicht unterstellten Kreise 9 völlig trocken gelegt seien“, und erst noch später beschäftigte sich ein kaiserliches Edikt mit dem bösen Omen: ‚Der Fluß fließt nicht mehr wie bisher‘ und spricht die Erwartung auf weitere Aufklärung aus. Noch länger dauerte es natürlich, bis die Kunde nach Europa drang. Erst 1854 kamen unbestimmte Gerüchte zu den Ohren der Europäer in Shanghai, demzufolge sich die Wasser des Gelben Flusses allmählich vermindert hätten, und dabei liegt Shanghai nur 250 km von der alten Mündung des Huánghé entfernt und es steht in lebhaftem Verkehr mit dem von diesem gekreuzten Kaiserkanal [大運河 Dà Yùnhé]. Ein dort anwesender Engländer machte einige Zeit darauf eine Reise nach dem Gelben Fluß und fand zu seiner höchsten Überraschung das Bett gänzlich trocken und sandig; er beschreibt die höchst eigenartige Szene, wie der alte Flußlauf nun von unzähligen Reisenden als Straße benutzt wurde. Dabei war es fürs erste gar nicht mit Bestimmung in Erfahrung zu bringen, wohin die Wasser des Stromes verschwunden waren; die eingeholten Erkundigungen ergaben widersprechende Berichte.

Es ist überhaupt schwer festzustellen, wie und wann der neue Lauf des Huánghé zuerst von einem Europäer gesehen und als solcher erkannt worden ist; auch können wir uns nicht auf die Einzelheiten dieses fesselnden Kapitels einlassen. Wenige bezeichnende Tatsachen seien noch hervorgehoben: Bei dem Konflikt von England und Frankreich mit China hatte Lord Elgin 1858 den Auftrag bekommen, die Mündung des Huánghé zu blockieren, die an der vermeintlichen Stelle seit mindestens fünf Jahre nicht mehr vorhanden war. Während des weiteren Verlaufs des Krieges geschahen wohl die ersten sicheren Feststellungen über die Existenz und die Richtung des neuen Laufs, aber von den wenigen der damals in China weilenden Europäern wurde wiederum auf das entschiedenste bestritten, dass der Gelbe Fluß die frühere Mündung des Dajing (Qi-Flusses) in Shandong in Besitz genommen hätte. Eine eigentliche, planmäßige Erforschung des neuen Laufs fand erst Ende 1868 durch Ney Elias statt und erst 1879 erschien der untere Huánghé in seiner veränderten Richtung auf den in Europa gezeichneten Karten.“
(Ernst Tiessen: China, das Reich der achtzehn Provinzen 1. Teil: Die allgemeine Geographie des Landes. Berlin: Schall, 1902)

gelber-flusslauf

 

Lauf des Gelben Flusses Mündungsgebiet des Gelben Flusses
Der Gelbe Fluss ist der viertlängste Fluss der Erde (4.845 Kilometer) und der zweitlängste Chinas. Seinen Namen trägt der Gelbe Fluss aufgrund der gelblichen Färbung, die durch abgetragenen Löss entsteht, der in den Fluss gespült wird.

Kein Fluss unseres Planeten führt mehr Schlamm mit sich. Der Gelbe Fluss schleppt im Durchschnitt 38 Kilogramm Schlamm je Kubikmeter mit sich. Andere große Flüsse sind da weniger eifrig:

Ganges:  
3,9 kg
Nil: 1,4 kg
Amazonas: 0,07 kg
Mississippi: 0,6 kg
Indus: 4,3 kg
Die unterschiedlichen Beinamen lassen das zwiespältige Verhältnis seiner Anwohner durchschimmern:
濁流 中國的驕傲 中國的痛
Zhuóliú Zhōngguó de jiāo'ào Zhōngguó de tòng
Fluss trüber Fluss Chinas Stolz Chinas Sorge

Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass der Strom seinen Mündungsbereich seit dem Jahr 602 v. u Z. insgesamt neunmal verlegt hat. Daher wurden massive Eindeichungen errichtet, um dies zu verhindern. Seitdem fließt der Gelbe Fluss zwischen zehn Meter hohen Deichen in einem Bett, das über dem Niveau der Ebene liegt, sodass er im Unterlauf über mehrere hundert Kilometer keinen einzigen Nebenfluss mehr hat.
 
Bei Kāifēng (开封) fließt er zwischen Deichen, die dreizehn Kilometer auseinander liegen. Aus der Luft erscheinen die Rinnsale wie ein Gewirr von gelben Nudeln. Stromaufwärts wurde ihm mehr als die Hälfte seines Wassers zur Bewässerung entnommen.

In der Provinz Shāndōng (山东) führt der Gelbe Fluss oft so wenig Wasser, dass er ganz austrocknet. Aber plötzlich füllt sich das Flussbett, wenn Wolkenbrüche den Fluss anschwellen lassen und wird wieder zur Gefahr.
 

Flüsse, Seen und Meere
Gelber Fluss 黄河 - Huai-Fluss 淮河 - Jangtse 长江 - Li-Fluss 漓江 - Perlfluss 珠江 - Shimanto 四万十川 - Yalu 압록강, 鸭绿江
Biwa-See 琵琶湖 - Lop Nor 罗布泊 - Westsee 西湖
Japanisches Meer 日本海, 조선동해, 동해 - Seto-Inlandsee 瀬戸内海 - Südchinesisches Meer 南海

 

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