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30. September 2013

Erlinghagen (Helmut Erlinghagen)

ヘルムート エルリンハーゲン Herumūto Erurinhāgen

„Was Japan wirklich ist, wurde mir erst voll bewusst, als ich nach meiner Rückkehr in die Bundesrepublik erlebte, wie unrealistisch das Bild sein kann, das sich der Nichtjapaner von Japan macht. Rücksichten diplomatischer Art, sensationelle Vermengung von längst Vergangenem mit gegenwärtigen Problemen oder schlichte Befangenheit lassen Japan in vielen Büchern in einem recht unwahrscheinlichen Licht erscheinen.’ So begründet Professor Helmut Erlinghagen seinen Entschluss, nach 34 Jahren in Japan 1974 sein ‚Ein deutscher Japaner über Japan’ zu schreiben. Ein Standardwerk kam heraus, das seitdem in keinem Literaturverzeichnis von Japanbüchern fehlt. Erlinghagen  war Jesuit, Philosophieprofessor an der Sophia-Universität in Tokyo, hatte sein eigenes Fernsehprogramm, sprach Japanisch so fließend wie Deutsch. Käme er heute zurück, er könnte seinen en Satz über die Unkenntnis der Deutschen ohne jede Einschränkung wiederholen. Sein Buch beeinflusste zwar das Bild der Deutschen von Japan sehr stark, aber eben nur bei dem sehr kleinen Teil, der sich intensiv mit diesem fernöstlichen Wirtschaftsgiganten beschäftigt.

Vor meiner Übersiedlung nach Tokyo führte ich einige Gespräche mit Helmut Erlinghagen in seiner Fluchtburg im Hochtaunus. Er brauchte dringend die frische Luft der Höhe, sein Atem ging schwer, und selbst im warm geheizten Haus musste er sich in mehrere Decken hüllen, weil ihm ständig kalt war. Erlinghagen war ein Opfer des Atombombenabwurfs in Hiroshima. Als junger Priester lebte er 1945 im Konvent von Hiroshima, befand sich nur vier Kilometer vom Epizentrum der Explosion entfernt. In den folgenden Tagen arbeitete er in der strahlenverseuchten Stadt, half bei Rettungsarbeiten, tröstete die sterbenden Menschen. Die Gefahr der Radioaktivität war völlig unbekannt. Erlinghagens Tagebuch über Hiroshima ist eine der eindrucksvollsten Beschreibungen dieser totalen Katastrophe. ...

Erlinghagen empfahl mir, mich auf keinen Fall im Umgang mit den Japanern japanischen Sitten zu unterwerfen, sondern Deutscher, Europäer zu bleiben. ... Und er gab mir den guten Rat, nicht ins Grübeln zu kommen, nicht ständig hinterfragen zu wollen: ‚Warum sind die Japaner so?’, ‚Warum machen sie das?’, ‚Warum ...?’. Ich solle die Dinge nehmen, wie sie sind, und mit diesen Tatsachen umzugehen lernen.“
(Günter Ederer: Das leise Lächeln des Siegers. Was wir von Japan lernen können. 1991. ISBN 3-430-12312-7)

Helmut Erlinghagen (1915 -1994) gehörte dem Jesuitenorden an und übersiedelte 1937 nach Japan. 1945 erhielt er dort die Priesterweihe und erlebte als einer der wenigen Europäer den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima, als dessen Spätfolge er 1978 schwer lungenkrank wurde.

Nach einem Philosophiestudium in den USA zog er erneut nach Japan und lehrte dort Ethik an der Sophia-Universität (上智大学 Jōchi Daigaku) von Tōkyō (東京). 1971 kehrte er nach Deutschland zurück und hatte bis zu seinem einen Lehrauftrag an der Universität Mainz.


 
Japan - Ein deutscher Japaner über die Japaner (1974) Hiroshima und wir - Augenzeugenberichte und Perspektiven (1982)
 „Ein Autor, dem Japanisch so vertraut ist wie Deutsch - seine in japanischer Sprache geschriebenen Bücher haben eine Auflage von 100.000 Exemplaren erreicht - schrieb ein Standardwerk mit allen Aspekten: Geschichte, Gegenwart und Zukunft-Sprache, Kunstphilosophie, Religion, Ethik-östliche und westliche Elemente, Erziehungssystem, Generationenkonflikt Gewerkschaften, Wohnsystem, Wirtschaftsstrukturen-Nationalismus, Stellung des Kaisers und des Militärs-Verhältnis zu Deutschland und anderen Ländern-Alltag, Verkehr, Umwelt-Leben und Tod. Der Autor beseitigt die Mythologie und Konfusion, die solange charakteristisch war für unser Bild von Japan. Man lernt in diesem Buch, was wichtig ist für zukünftige Beziehung zu einem Land das für die EWG und deren wichtigstes Wirtschaftsland, die Bundesrepublik, das wichtigste Wirtschaftsland Asiens ist und die künftigen Daten der Weltgeschichte entscheidend mitbestimmen wird. “ „Es war meine erste Begegnung mit den Schrecken der Verwundeten. In ihrem Haus lagen sie dicht nebeneinander, Körper an Körper. Aber der Zustrom ließ nicht nach, sondern wuchs stetig an. Es kamen immer neue, meistens in geschlossenen Reihen von sieben bis acht Personen, vorwiegend Frauen, die am Kopf und im Gesicht so verbrannt waren, dass die Brandblasen sie völlig unkenntlich machten. ... Viele von ihnen konnten wegen der geschwollenen Fleischteile im Gesicht nicht mehr sehen, sie hielten deshalb in Gruppen Tuchfühlung zueinander, indem sie gegenseitig die Hände auf die Schultern legten oder die Arme einhakten. In ihrem großen Leid halfen sich die Verletzten gegenseitig, niemand, es waren meist, wie gesagt, Frauen, wurde allein gelassen. Von zwei anderen unter die Arme genommen, gingen die Erblindeten klagend, der Orientierung wegen stets sprechend, oft genug nur im Schmerz vor sich hin summend, aber immer mit Geduld langsam schlürfend aus der Stadt.” (Helmut Erlinghagen)
   
Japan - Eine Landeskunde (1979) Selbstmord und Lebenssinn im Atomzeitalter (1994)
   

 

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