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Prof. Dr. Frank Rövekamp

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0621-5203-423

Sekretariat
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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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04. Dezember 2012

Einkindpolitik

一胎制 yī​tāi​zhì
独生子女政策 dú​shēng ​zǐ​nǚ​ zhèng​cè (allein + gebären + Kind + Politik)
计划生育政策 jìhuà shēngyù zhèngcè (planen + gebären + Politik)

familienplanung
Propagandaplakat aus dem Jahr 1979
计划生育好
jìhuà shēngyù hǎo
(Familienplanung ist gut.)

„Chinas alljährliche Skurilitätentage sind angebrochen. Seit Montag tagt der Nationale Volkskongress [全国人民代表大会 Quánguó Rénmín Dàibiǎo Dàhuì], das Parlament, in dem knapp 3.000 Abgesandte der Provinzen Gesetzesvorhaben diskutieren und größtenteils durchwinken. Aufmerksam verfolgt man die Großkopferten und missachtet die Unbekannten. Die bringen zu diesem Anlass gern Ideen vor, um von sich reden zu machen und Debatten anzustoßen, die in Chinas Politik kaum geführt werden. Und seien sie noch so absurd. Li Xinghao [李星浩?] etwa will gleich zwei Probleme auf einmal lösen. Der Abgeordnete aus der Provinz Guǎngdōng [广东] hat vorgeschlagen, die Einkindpolitik für eine Art Zertifikatehandel zu nutzen. Paare, die das Recht auf ein Kind haben, aus Kostengründen aber verzichten, könnten den Anspruch an Wohlhabendere veräußern, die sich mehr Nachwuchs wünschen. Sein Vorstoß soll Ärmeren zusätzliches Einkommen verschaffen und dank mehr Kindern in besser ausgebildeten Schichten die intellektuelle Qualität des Nachwuchses heben. …

Lis Vorschlag hat die Debatte nicht unbedingt vorangebracht. ‚Geburtsquoten für zweite Kinder handelbar zu machen bedeutet, das Geburtsrecht der Armen gegen das Geld der Reichen einzutauschen. Das ist so unmenschlich und irrwitzig wie der Kauf menschlicher Organe‘, ätzt die regierungstreue ‚People's Daily‘ [人民日报 Rénmín Rìbào]. ‚Wird Herr Li auch vorschlagen, dass Arme, denen eine Heirat zu teuer ist, ihre ‚Quote‘ an die Reichen abtreten, die sich dann eine zweite Frau leisten können?‘, fragt ein Nutzer in einem Mikroblog.“
(Claudia Wanner in der Financial Times Deutschland vom 6. März 2012, S. 1)

Nach Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 bezeichnete Máo Zédōng (毛泽东) Geburtenkontrolle zunächst als Mord am chinesischen Volk und ließ zu, dass 1960 Ma Yinchu (马寅初), Rektor der Peking-Universität (北京大学 Běijīng Dàxué), der vor dem Bevölkerungswachstum warnte, aus allen Ämtern entlassen wurde.. Erst unter dem Eindruck der durch den Großen Sprung (大跃进 dà yuèjìn) nach vorn ausgelösten Hungerkatastrophe wurde 1962 eine konsequente Geburtenplanung aufgenommen. Die Ein-Kind-Politik wurde erst 1979 – drei Jahre nach seinem Tod – eingeführt.

Das Einzelkind wird bei der medizinischen Betreuung und in der Schule bevorzugt. Kommt ein zweites Kind dazu, werden diese Vergünstigungen wieder rückgängig gemacht. Bei weiteren Kindern müssen die Eltern sogar Strafsteuern zahlen.

Doch die Einkindpolitik ist weniger strikt als vermutet. So dürfen Eltern, die beide Einzelkinder sind, zwei Kinder haben. Auf dem Land dürfen Paare ein zweites Kind haben, wenn das erste ein Mädchen ist. Außerdem denkt man schon länger daran, die Vorschriften zu lockern, da die Bevölkerung zu überaltern beginnt und in manchen ländlichen Gebieten ein hoher Männerüberschuss herrscht.

 

Eine Folge sind die so genannten schwarzen Kinder  (黑孩子 hēi háizi). Schwarz steht hier nicht für die Hautfarbe, sondern für den Status als nicht offiziell registrierte Kinder. Die Familienpolitik hat überwiegend nur in den großen Städten Früchte getragen. Aber auf dem Lande wird kaum von den überlieferten Vorstellungen abgewichen. Die Presse ist voll von Berichten, dass Ehefrauen verprügelt werden, wenn sie Mädchen gebären. Man tötet Mädchen, um weiter ein „Anrecht“ auf einen Sohn zu haben. Schwangere Frauen besuchen weit entfernt lebende Verwandte und kommen nach der Geburt mit einem „Pflegekind“ wieder zurück. Auch „falsche Ehescheidungen“ sind nicht selten: Paare lassen sich scheiden, um anschließend in wilder Ehe weiter zu leben. Denn sind die Paare nicht verheiratet, steht jedem Partner ein Kind zu. Ähnliche Geschwister werden teilweise auch als Zwillinge gehandelt.

einkind-slogan
Wand in einem chinesischen Bauerndorf 
(Foto: Wikimedia)

Oben steht eine Werbung für Schweinezucht:

仔猪直销
zǐzhū zhíxiāo
Direktverkauf von Ferkeln

Auf der Wand darunter ein Slogan für Geburtenplanung, der nichts mit dem Schweineplakat zu tun hat:

农村招生二孩, 罚款结扎一齐走
Nóngcūn zhāoshēng èrhái, fákuǎn jiézhā yīqí zǒu.
Wer im Dorf mehr als ein Kind hat, wird mit einer Geldbuße und Abbindung der Eileiter bestraft.

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