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20. November 2014

Durihana

두리하나 Durihana „Zwei werden eins“

„Aus Nordkorea zu entkommen, ist ein schwieriges Unterfangen. Chinesische Schlepperbanden sind eine der wenigen Möglichkeiten, um Kim Jong Uns Diktatur zu entkommen. …

‚Snakeheads‘ – Schlangenköpfe [蛇头 shétóu] – nennen sich die chinesischen Schlepperbanden. Sie müssen im Geheimen agieren. Wer dabei erwischt wird, wie er von Nordkorea nach China flüchten will, wird zurückgeschickt. Denn China erkennt Bürger aus Nordkorea nicht als Flüchtlinge an, sondern bezeichnet sie als illegale Immigranten.“
(Focus vom 19. November 2014: So schaffen Schlepperbanden nordkoreanische Flüchtlinge nach China)

Wer nach einer erfolglosen Flucht zurück nach Nordkorea muss, hat mit Folter zu rechnen. Wer es aber schafft, in China nicht aufgegriffen wird und nach Südkorea will, muss sich Tausende von Kilometern bis nach Laos durchschlagen, um nach Thailand zu gelangen, denn Nordkoreaner, die dort aufgegriffen werden, schickt die thailändische Regierung nach Südkorea.

Niemand bereitet sie auf den Kulturschock in Seoul vor. Ein Einwanderer meint: „Wer es vom Norden in den Süden schafft, fühlt sich, als sei er in einem anderen Jahrhundert gelandet.“

„Diese Welt ist komplizierter und fremder als alles, was die Immigranten bisher gesehen haben. Das wenige, das sie über den Süden wissen, ist durch die nordkoreanische Propaganda verzerrt – demnach ist der Süden Feindgebiet, ein Land erbarmungsloser Kapitalisten. Diejenigen, die früher illegal in ihre alte Heimat geschmuggelte südkoreanische Seifenopern und Filme sehen konnten, haben hingegen ein völlig verklärtes Bild: Für sie ist der Süden das Land ungeahnter Möglichkeiten.“
(Tom O'Neill in National Geographic: Flucht aus Nordkorea)

Nach ihrer Ankunft in Südkorea werden die Flüchtlinge erst einmal verhört, um sicherzustellen, dass sie keine Spione sind. Schließlich werden sie für zwölf Wochen ins Umerziehungslager Hanawon (하나원) gesteckt, wo sie in die südkoreanische Kultur eingewiesen werden. Hier lernen sie auch, wie man U-Bahn fährt oder ein Bankkonto eröffnet. Dann erhalten sie die südkoreanische Staatsbürgerschaft, eine Niederlassungsprämie von etwa 3.600 Euro sowie eine kleine monatliche Pension.

Sprache ist ein wichtiger Teil der Ausbildung. Das Südkoreanische ist nämlich mit englischen Begriffen durchsetzt, die die Nordkoreaner nicht verstehen. Außerdem bedeuten die selben koreanischen Worte auf den beiden Seiten der Grenze bisweilen etwas vollkommen Anderes.
Pyongsil (병실) zum Beispiel bedeutet auf Südkoreanisch „Krankenhaus“, auf Nordkoreanisch hingegen „ein Haus, in dem Soldaten schlafen“. Da kann es schon zu Missverständnissen kommen: „Sie müssen ins Pyongsil!“ – „Nein, da will ich nicht hin!

In den 1990er Jahren wurden die wenigen Flüchtlinge noch begeistert und mit Belohnungen empfangen. Die meisten waren hochrangige Militärs oder Parteikader, die wichtige Informationen mitbrachten. Die heutigen Einwanderer sind meist Bauern, Fabrikarbeiter, einfache Soldaten und Angestellte, die schlechter ausgebildet sind als die Südkoreaner. Außerdem leiden viele von ihnen an körperlichen und seelischen Krankheiten. Und weil sich Südkorea darum nicht kümmert, besteht die Gefahr, dass diese Asylanten zu einer neuen Unterschicht werden.

Ungefähr 50 000 Nordkoreaner halten sich in China versteckt, die meisten nahe der 1.450 Kilometer langen Grenze zwischen beiden Ländern. Unzählige kommen nur für Monate nach China und kehren mit Lebensmitteln und Geld in ihr Land zurück. Ein heimlicher Fluchtplan wird als Hochverrat angesehen und Folter, manchmal sogar mit öffentlicher Hinrichtung bestraft.

Den Grenzfluss Tumen (图们江 Túmen Jiāng) zu überqueren ist noch das Einfachste, denn oft werden die Flüchtlinge von Fluchthelfern an Gangster verkauft, für die sie sich prostituieren oder Drogen schmuggeln sollen. Deshalb macht ein Rat unter den Flüchtlingen die Runde: „Such dir ein Kreuz.“

Kirchen gewähren den Nordkoreanern vorübergehend Zuflucht und versorgen sie mit Essen und Kleidung. Die Pastoren bekommen keine Schwierigkeiten, so lange sie nicht offen für das Christentum werben oder als Fluchthelfer auffallen.

Vor zehn Jahren wurde die Durihana-Mission („Zwei werden eins“) gegründet, eine von vielen christlichen Flüchtlingsorganisationen in Südkorea, die Hunderten Nordkoreanern die Flucht aus China ermöglichte. Sie gehört zu einer bunt gemischten Gruppe aus humanitären Helfern, die den Menschenschmuggel in die Freiheit organisieren. Einige hoffen, damit den Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes herbeizuführen; andere wollen die Nordkoreaner zum Christentum bekehren.

 

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