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04. Oktober 2013

Die umzingelte Festung

圍城 Wéichéng (umzingeln + Stadt, Stadtmauer)
1946
Autor: Qián Zhōngshū 錢鍾書 (1910 - 1998)

(Bild: Wikpedia)

Der Roman wurde zunächst als Fortsetzungsroman veröffentlicht und wurde von der Kritik freundlich aufgenommen.

Handlung

Der verbummelte 27-jährige Auslandsstudent Fāng Hóngjiàn (方鴻漸), für den bereits eine Ehe arrangiert wurde, kehrt nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Europa mit dem fabrizierten Diplom der nicht existierenden irischen „Carleton University“ (克萊登大學 Kèláidēng Dàxué) nach China zurück, da er für einen regulären Abschluss zu faul war – also eine typische „Meeresschildkröte" (海龜 Hăīguī).

Als ihn, der von seinen zukünftigen Schwiegereltern zum Studium ins Ausland geschickt worden war, ein Brief seines Vaters erreicht, der ihn vom Tod seiner  Braut unterrichtet, liest er den Brief „mit der Freude eines begnadigten Verbrechers."

An Bord des Schiffs, das ihn nach China zurückbringt, bändelt er mit jungen  Chinesinnen an, muss aber feststellen, dass sie schon längst an langweilige Männer vergeben sind. Als er auf eine Stelle an die (fiktive) Sanlü-Universiät 三閭大學 Sānlǘ Dàxué)  berufen wird, lernt er seine spätere Ehefrau kennen, die den Taugenichts nach Shanghai begleitet, wo er in Abhängigkeit seiner angeheirateten Verwandten gerät. Angesichts seiner Erfolglosigkeit trennt sich seine Frau schließlich von ihm, und Fāng kann nur noch dem Schlagen der falsch gehenden Ahnenuhr in der leeren Wohnung lauschen:

Die alte Ahnenuhr läutete gelassen, als habe sie vom Tage Zeit aufgespart, um sie in tiefer Nacht hervorzuholen. Exakt schlug sie sechs Uhr - dang, dang, dang, dang, dang, dang."

Der Roman trägt autobiographische Züge. Unkonventionalität waren auch prägende Eigenschaften von Qián Zhōngshū (錢鍾書). Er war einer der letzten Schriftsteller, die Werke in klassischem Chinesisch verfassten und galt aufgrund seiner Belesenheit und seiner Sprachenkenntnisse als „der größte Gelehrte Chinas".
(Foto: Wikimedia)
Als literarische Vorlagen dienten Qián Zhōngshū nicht nur der europäische Schelmenroman – seine Ehefrau Yáng Jiàng (楊絳)  übersetzte den Don Quixote von Cervantes -, sondern ebenso die chinesischen Klassiker und die gesamte Breite der europäischen Literaturgeschichte.
(Foto: Wikimedia)


Nachwirkung

Wurde das Buch in Festlandchina wegen seiner individualistischen Tendenzen in den folgenden dreißig Jahren nicht mehr neu aufgelegt, so war man auch in Taiwan offiziell über den Roman nicht erfreut, wurden doch darin die Verhältnisse unter der Regierung des Generalissimus Chiang Kai-shek in ein wenig freundliches Licht gestellt. Dennoch wurde das Buch 1961 als „bester Roman der modernen chinesischen Literatur" (C. T. Hsia) bezeichnet.

Wéichéng gehört heute zum chinesischen Lesekanon, manche Redensarten und Ausdrücke sind sprichwörtlich geworden. In der Zeitung Daily China vom 24. Januar 2010 wird der Roman als „ein allzeit gültiger China-Knigge" bezeichnet.


Titel

Der Titel geht auf ein französisches Sprichwort zurück, wonach „die Ehe einer belagerten Festung gleicht, in der die, die davor stehen, hinein wollen, und die, die drin sind, hinaus."

「婚姻是被圍困的城堡,城外的人想衝進去,城裡的人想逃出來」
Hūnyīn shì bèi wéikùnde chéngbǎo , chéngwàide rén xiǎng chōngjìnqù, chénglǐde rén xiǎng táochūlái.
Le mariage est une forteresse assiégée, ceux qui sont dehors veulent y entrer, ceux qui sont dedans veulent en sortir.

Der Titel bezieht sich nicht nur auf die Situation der Romanfiguren, sondern kennzeichnet ganz allgemein eine Lebenshaltung, die auf der Selbsttäuschung fußt, es sei überall besser als dort, wo man sich gerade aufhält.

 

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