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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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23. August 2013

drei Pfeile

三本の矢 sanbon no ya (drei + Zähleinheitswort + Genitiv + Pfeile)

‚Japans Ministerpräsident Shinzo Abe [安倍晋三 Abe Shinzō] lässt in seinen Reden gerne historische Bezüge anklingen. Im Wahlkampf setzte der rechtskonservative Politiker und außenpolitische Hardliner auf Nationalstolz und führte seine Kampagne, die ihn mit einem Erdrutschsieg ins Amt trug, unter dem Motto ‚Japan zurückerobern‘. Bei der Präsentation seiner Wachstumsstrategie erinnerte Abe an Tadakata Ino [伊能忠敬 Inō Tadataka], der dafür berühmt ist, dass er zwischen 1800 und 1818 die erste vollständige Karte von Japan mit einer erstaunlichen Genauigkeit erstellt hat.

Diese große Leistung, bei der Inō in 17 Jahren insgesamt 40.000 Kilometer zu Fuß zurücklegte, machte ihn zu einem Architekten des modernen Japans. Mit dem größten wirtschaftspolitischen Experiment seit der Nachkriegszeit will Abe nun dieses Japan wieder auf den Weg des Wachstums zurückbringen: ‚…Das großartige Werk von Tadakata Inō lässt auch uns in der heutigen Zeit Mut schöpfen.‘


Um die radikale Wende einzuleiten, hält Abe drei Pfeile zum Abschuss bereit – und greift damit erneut auf eine historische Symbolik zurück, die in Japan von jedem Schulkind verstanden wird. Mit den drei Pfeilen bezieht sich Abe auf den Fürsten Motonari Mōri [毛利元就 Mōri Motonari], der von 1497 bis 1571 in Yamaguchi [山口] regierte, der Präfektur im äußersten Südwesten der Insel Honshū [本州], aus der Abes Familie stammt und wo er selbst geboren wurde.

Das Mon (紋, Wappen) des Mōri-Clans stellt nicht die drei Pfeile dar, sondern die drei Gürtelsterne des Sternbilds Orion.


Die Geschichte des Fürsten Mōri, die zwar historisch nicht belegt ist, aber in den Schulen gelehrt wird, handelt von seinen drei Söhnen. [毛利隆元 Mōri Takamoto, 吉川元春 Kikkawa Motoharu und 小早川隆景 Kobayakawa Takakage] Damals war Japan von Machtkämpfen und Kriegen zwischen Regionalfürsten zerrissen. [戦国時代 Sengoku-jidai, Zeit der Streitenden Reiche, 1477 - 1573] Um seine Söhne auf ihre künftigen Aufgaben vorzubereiten, übergab Mōri jedem Sohn einen Pfeil. Dann befahl er ihnen, die Pfeile zu zerbrechen, was sie auch taten.

Anschließend händigte er ihnen ein Bündel von drei Pfeilen aus und befahl ihnen wieder, sie zu zerbrechen. Aber keiner von ihnen war dazu in der Lage. Mit dieser griffigen Metapher ermahnte der Vater die Söhne zur Einigkeit. Tatsächlich schafften es die Mōri, zu einer der mächtigsten Familie im Südwesten Japans aufzusteigen und weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die drei Pfeile des Shinzo Abe bestehen aus einer aggressiven Geldpolitik, einer expansiven Finanzpolitik und strukturellen Reformen. Bisher hat Abe aber nur einen Pfeil abgeschossen: Ohne Rücksicht auf die Unabhängigkeit der Bank of Japan installierte er einen neuen Notenbankgouverneur, der zu einer radikalen Wende in der Geldpolitik bereit ist. ...

Der zweite Pfeil, ein massives Konjunkturpaket, wird seine Wirkung erst in den kommenden Monaten zeigen. Angesichts der hohen Staatsverschuldung ist es ein riskantes Unterfangen. Sollte dieser Schuss daneben gehen, droht ein weiterer Anstieg der Staatsschulden...

Der dritte Pfeil zu den Strukturreformen steckt noch völlig unberührt in Abes Köcher. Es wird der entscheidende Schuss sein, der ins Ziel treffen muss. Der Exportsektor der japanischen Wirtschaft weist eine hohe Wettbewerbsfähigkeit auf, doch in der Binnenwirtschaft – besonders in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsbereich – gibt es viele Betriebe, die wenig effizient arbeiten. ...

Gefahr droht Japan aber auch aus einer anderen Richtung: Es ist kaum zu übersehen, dass die ‚Abenomics‘-Pfeile nicht nur für ein Wirtschaftsprogramm stehen, sondern auch für eine nationalistische Politik, die besonders bei den asiatischen Nachbarn für Unruhe sorgen könnte. Mit dem Symbol der drei Pfeile wirbt Abe auch für ein geeintes Japan, das in der Auseinandersetzung mit dem aufstrebenden China seinen Platz als Großmacht in Asien behaupten will.“
(Andreas Plecko im Wall Street Journal: Die gefährlichen Pfeile des Shinzo Abe)

 

sanfrecce

Der Name des Fußballvereins Sanfrecce Hiroshima (サンフレッチェ広島 Sanfuretche Hiroshima; von japanisch san = drei, italienisch frecce = Pfeil) erinnert ebenfalls an dieses Gleichnis aus dem 16. Jahrhundert.
 
Seitdem sind die drei Pfeile ein bekanntes Symbol dafür, dass man mit vereinten Kräften mehr erreichen kann als alleine.

Von diesem Sprichwort gibt es natürlich auch eine chinesische Variante:


一根筷子易折断,十根筷子硬如铁。
Yīgēn kuàizi yì zhéduàn, shígēn kuàizi yìng rú tiě.
Ein Stäbchen wird leicht gebrochen, zehn Stäbchen sind hart wie Stahl.

Die japanische Version lautet folgendermaßen:

 一条の矢は折るべく、十条は折るべからず。
Ichijō no ya wa orubeku, jūjō wa orubekarazu.
Ein Pfeil bricht, zehn Pfeile brechen nicht.

 

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