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22. Juni 2013

Das wahre Buch vom quellenden Urgrund

列子 Lièzĭ (Familienname Liè + Meister)
列子冲虛眞經 Lièzĭ chōngxū zhēnjīng
The Book of Lieh-tzŭ
Das wahre Buch vom quellenden Urgrund
um 350 v. u. Z.

Die Großmut des Königs

In Handan war es einst üblich, dem König am Neujahrstage gefangene Tauben zu schenken. Das bereitete ihm Freude, und er dankte stets mit reichen Belohnungen. Jemand fragte, welchen Sinn das habe.

„An diesem Festtag lasse ich die Tauben wieder fliegen und zeige also jedermann meine Großmut", sagte der König.

Der andere erwiderte: „Seitdem die Leute wissen, daß Ihr Tauben wünscht, um sie freizulassen, wetteifern sie im Taubenfangen. Dabei werden auch viele Tauben getötet. Wenn Ihr sie wirklich zu schützen wünscht, dann solltet Ihr dem Volk das Taubenfangen verbieten. Laßt Ihr sie aber fangen, um sie hernach wieder freizugeben, so kann Eure Großmut nicht wettmachen, was Ihr an Schaden verschuldet."

Dem mußte der König zustimmen.

Der morsche Baum

Ein Mann besaß eine alte Platane.

„So ein morscher Baum bringt Unglück", sagte sein Nachbar.

Als nun der Mann seinen Baum gefällt hatte, fragte ihn der Nachbar, ob er etwas Brennholz bekommen könne.

Wie der Mann das hörte, sagte er mißmutig: „Deshalb also hast du mir geraten, den Baum zu fällen. Wie kann ein Nachbar nur so hinterhältig sein!"

Der Axtdieb

Es war einmal ein Mann, der seine Axt nicht mehr fand. Trotz ausgiebiger Suche blieb sie unauffindbar. „Jemand muss sie gestohlen haben!“, ging es ihm durch den Kopf.
 
Sein Verdacht fiel auf den Nachbarsjungen. Er beobachtete ihn genau und sagte zu sich: „Der Junge läuft wie ein Axtdieb, er verhält sich wie ein Axtdieb und spricht wie ein Axtdieb. Alles deutete darauf hin, dass er die Axt gestohlen hatte.“
 
Schon wollte der Mann den Jungen zur Rede stellten. Da erblickte er auf dem Weg zum Nachbarn die Axt unter etwas Reisig in seinem Garten.
 

Als er am nächsten Tag den Nachbarsjungen begegnete, stellte er fest: „Der Junge hat ja eigentlich gar keinen verdächtigen Gang, er verhält sich auch nicht wie ein Axtdieb und spricht auch nicht wie ein Axtdieb. Was für ein Glück, dass ich die Axt rechtzeitig gefunden habe.“

疑邻偷斧
yí lín tōu fǔ
den Nachbarn verdächtigen, eine Axt gestohlen zu haben

Yu Gong versetzt Berge

In alten Zeiten lebte im Norden Chinas ein Greis, namens Yu Gong (愚公 Dummer Alter), der sich darüber ärgerte, dass der Weg, der von seiner Haustür nach Süden führte, von zwei großen Bergen versperrt war. So fasste er den Entschluss, gemeinsam mit seinen Söhnen diese Berge mit Hacken abzutragen.

Ein anderer Greis namens Zhi Sou (智叟 Weiser Alter) lachte ihn aus und sagte ihm, dass es unmöglich sei, mit so wenig Leuten zwei so große Berge abzutragen!

Yu Gong aber antwortete: „Sterbe ich, bleiben meine Kinder; sterben die Kinder, bleiben die Enkelkinder, und so werden die Generationen in einer endlosen Reihe sich ablösen. Diese Berge sind zwar hoch, aber sie können nicht mehr höher werden; um das, was wir abtragen, werden sie niedriger: Warum sollten wir sie da nicht abtragen können?“

Und Yu Gong machte sich mit Eifer daran, die Berge abzutragen. Das rührte Gott, und er schickte zwei Engel, die die Berge davontrugen.

愚公移山
Yú Gōng yí shān

Wer war Meister Lie?

Meister Lie (列子 Lièzĭ, um 450 v. u. Z.) war ein daoistischer Philosoph, der das Werk Das wahre Buch vom quellenden Urgrund (übersetzt von Richard Wilhelm) verfasst haben soll, das auch Liezi genannt wird.

Das Buch ist unter den Klassikern des Daoismus das verständlichste. Es enthält fantastische, allegorische Geschichten und Parabeln und handelt von unterschiedlichen Themen.

Die Wundergeschichten sollen von späteren Anhängern zusammengestellt worden sein. Dabei wurden alte Volkssagen und Mythen verwendet, weshalb das Buch auch eine wichtige Quelle für altchinesische Volkskunde ist.

 

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