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11. Januar 2013

Der hässliche Chinese

醜陋的中國人 Chǒulòu de Zhōngguórén (hässlich + Genitiv + China + Mensch)
Autor: Bó Yáng (柏楊)
1985

boyang-hesslich

„Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, sagten die Erwachsenen zu mir: ‚Die Zukunft Chinas liegt in den Händen deiner Generation!’ Ich fand, daß diese Verantwortung viel zu groß sei, um sie auf mich nehmen zu können. Später dann. sagte ich zu meinem Sohn: ‚Die Zukunft Chinas liegt in den Händen deiner Generation!’ Jetzt sagt auch mein Sohn zu seinem Sohn: ‚Die Zukunft Chinas liegt in den Händen deiner Generation!’ Eine Generation macht es wie die andere – wie lange denn noch? Mit welcher Generation wird es denn endlich besser werden?

Auf dem großen chinesischen Festland schloß sich an die ‚Kampagne gegen die Rechten Elemente’ 1957 noch jene ‚Große Kulturrevolution’ 1966 bis 1969 an, die Himmel und Erde ins Wanken brachte. Nie zuvor in ihrer Geschichte ist die Menschheit mit einer so großen, von Menschen geschaffenen Katastrophe geschlagen gewesen. Das betrifft nicht nur den Verlust an Menschenleben; der größte Verlust entstand durch die Zerstörungen an Menschlichkeit und moralischer Gesinnung, ohne die es zwischen Menschen und wilden Tieren keinerlei Unterschied mehr gibt. Diese ‚Zehnjährige Katastrophe’ machte zahllose Menschen zu wilden Tieren. Wie kann ein Volk, das charakterlich so tief gefallen ist, je wieder auf die Beine kommen? Es bringt nicht nur große Mühsal, ein Chinese zu sein, sondern auch Leid und Schmach.
 
Auf der ganzen Welt gibt es kein anderes Land, das eine so lange Geschichte hat wie China und eine so kontinuierlich überlieferte Kultur wie wir. Die Griechen der Gegenwart haben nichts mit den alten Griechen zu tun, ebensowenig stehen die Ägypter von heute in irgendeiner Beziehung zu den alten Ägyptern. Die heutigen Chinesen aber sind direkte Nachkommen der alten Chinesen. Doch warum sank ein so gewaltiges Land, ein derart gewaltiges Volk, auf eine solche Stufe der Häßlichkeit herab? Wir wurden nicht nur von Ausländern schikaniert; viel mehr noch waren es unsere eigenen Leute – despotische Fürsten, tyrannische Beamte und grausames Volk –, die uns drangsalierten.“
(Helmut Martin und Christiane Hammer: Die Auflösung der Abteilung für Haarspalterei. Texte moderner chinesischer Autoren. Reinbek: Rowohlt, 1991. ISBN: 3-498-02907)

„Vor zwanzig Jahren [1985] erregte der chinesisch-taiwanische Essayist und Historiker Bó Yáng [柏楊] mit seinem Buch ‚Der hässliche Chinese und die Krise der chinesischen Kultur’ internationales Aufsehen. In jener Selbstkritik verglich er China mit einem Bottich zäher Sojapaste [Sojasauce, 醬油 jiàngyóu], eine Metapher, die er auch heute noch für gerechtfertigt hält. …
 
In diesem bissig-zynischen Essay prangerte Bó Yáng die chinesische Kultur als solche an, hauptsächlich die seiner Meinung nach inhärenten destruktiven Elemente des Konfuzianismus, etwa den traditionellen chinesischen Bürokratismus, aber auch das Fehlen von Selbstrespekt: ‚Ein Chinese mit einem Minderwertigkeitskomplex ist ein Sklave. Einer mit einem Superioritätskomplex dagegen ein Tyrann.’“
(Matthias Messmer in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22. November 2005)
 
Das Buch löste eine Art Bo-Yang-Fieber aus, das sich bis in die Führungszirkel des Pekinger Machtzentrums ausbreitete. Während ihn die einen als Visionär bezeichneten, der die Schwächen Chinas erkannte, brandmarkten ihn andere als Verräter am chinesischen Volk. Bó Yáng bemängelt die große Anzahl von Büchern über die Größe Chinas und dessen Kultur, bei gleichzeitigem fast vollständige Fehlen von Beiträgen, die gegensteuern.
 
„Bo Yangs heftige Kritik an der chinesischen Kultur ist lediglich China-Kennern zu empfehlen, die zu differenzieren gelernt haben. Sonst entsteht leicht ein falsches Bild. Das entspräche nicht der Absicht Bo Yangs und wäre einmal mehr Ausdruck westlicher Arroganz.“
(Matthias Messmer in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22. November 2005)

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