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04. Dezember 2012

Die Räuber vom Liang-Schan-Moor

水滸傳  Shuǐhǔ Zhuàn (Wasser + Ufer + Geschichte)

All Men Are Brothers (Übersetzung von Pearl S. Buck, 1933)
Outlaws of the Marsh (Übersetzung von Sidney Shapiro, 1980)
Autoren: Shī Nài'ān (施耐庵) und Luó Guànzhōng (羅貫中)

„Die blutigeren Kapitel der Gegenwartsgeschichte mögen einer Reihe von Büchern wie ‚Das Kapital’ oder ‚Mein Kampf’ anzukreiden sein, aber vielleicht hat kein gedrucktes Wort je einen so winzigen Funken geliefert, der imstande war, eine leichtentzündliche Welt in Brand zu setzen, wie ein paar anscheinend abgedroschene Zeilen aus diesem chinesischen Roman des 17. Jahrhunderts, der von Räubertaten unter der Sung-Dynastie erzählt. Im zehnten Kapitel wird ein tüchtiger und treuer Offizier von einem korrupten Minister, dessen Sohn es nach seiner Gemahlin gelüstet, verleumdet und zur Flucht gezwungen. Ein wohlmeinender Freund rät ihm, sich in Sicherheit zu bringen: ‚Das Dorf ist von schilfbewachsenen Seen umgeben und heißt Liángshānbó [梁山泊]. In der Mitte befindet sich ein Bollwerk, und in einem Umkreis von 500 Kilometer gibt es nur Wasserpflanzen und Binsen...’

Das ist das Sherwood des chinesischen Robin Hood, ganz groß angelegt und in jeder Weise ebenso bekannt und geliebt wie sein westliches Gegenstück. In diesem warmen, feuchten Schoß eines Räuberlagers versammeln sich nicht weniger als 108 große Helden (die mystische Zahl, mit der die Triaden den Menschen bezeichnen), Opfer ihres Dranges, die Schwachen zu beschützen, Opfer ihrer eigenen impulsiven und oft erschreckenden Wildheit und der Ungerechtigkeiten der Behörden. Eine Bande vortrefflicher Schwertfechter und falkenäugiger Bogenschützen bildend und von einem listigen Ränkeschmied und einem dicken (aber streitbaren) Bruder Tuck begleitet, führen uns die Räuber durch eine Reihe aufregender, wenn auch manchmal widerlich blutrünstiger Abenteuer (denn das sind keine Farbfilmrenegaten in Lincolngrün, mit einer manikürten und von schlechten Gerüchen befreiten Jungfer Marion in ihrer Mitte). Und dann kommt der unumstößliche Beweis dafür, daß das Verbrechen sehr wohl lohnt: den prächtigen Halsabschneidern wird die himmlische Unsterblichkeit verheißen, welchselbige sodann mit einer letzten, gigantischen Sauferei geziemend gefeiert wird.

Unter den vielen Jünglingen, die diese Erzählung in ihren Tornistern mit sich geführt haben, war auch einmal ein etwas aufrührerischer, schweigsamer Student namens Máo Zédōng
[毛泽东], der seines Vaters autoritäre Tyrannei bitter übelgenommen hatte und zutiefst von dem Gefühl des Unrechts durchdrungen war. Die ‚Männer im Moor’ ließen aus diesem Groll eine Vision erstehen. Es war die Vision eines Menschen unserer Zeit, der dem jahrhundertealten Ruf zur Revolte folgt, einem Ruf, der da lehrte, daß die Rettung nur von jenen armseligen, in billige Baumwolle gekleideten Gestalten kommen könne, die da in strömendem Regen aus den Bergen kamen, von den als Banditen gebrandmarkten Männern, die, im wahrsten Sinne des Wortes, das unbezwingbare Recht im Kampf gegen die Macht der imperialen Ungerechtigkeit darstellten.“
(Dennis Bloodworth: Chinesenspiegel. 3000 Jahre Reich der Mitte. 1968)
 
Der Roman schildert den Verlauf des Aufstandes der Jahre 1119 - 1121 unter dem Gelehrten Sòng Jiāng (宋江) in der Provinz Shāndōng (山東), doch liegen ihm kaum authentische Quellen zugrunde. Er geht vielmehr auf eine mündliche Erzähltradition zurück.
 

klassische chinesische Romane
Der Traum der Roten Kammer 紅樓夢 - Die Geschichte der Drei Reiche 三國演義 - Die Räuber vom Liang-Schan-Moor 水滸傳 - Die Reise nach dem Westen 西遊記 - Kin Ping Meh 金瓶梅

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