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04. Dezember 2012

Dialekte

方言 fāngyán (Gegend + Sprache)
 
„Indien, das zweite Milliardenland unserer Erde, wird auch bei weiter explodierendem Bevölkerungswachstum niemals mit China und seinen Han gleichziehen können, weil der Subkontinent extrem zersplittert in eigenständige Volksgruppen ist, nicht nur eine eigene Sprache, sondern auch eine eigene Schrift besitzen. Auch die Han sind, ethnologisch betrachtet, alles andere als eine homogene Gruppe und sprechen Hunderte von unterschiedlichen Lokal- und Regionalsprachen, auch Dialekte genannt. Würde man in die geographische Mitte des Gebietes, das von Han besiedelt wird, einen gewaltigen Turm bauen und Vertreter aus den verschiedenen Regionen durcheinander reden lassen, so erhielte man die chinesische Variante des Turms von Babel. Kaum ein Dialektsprecher wäre in der Lage, sich in seiner Heimatsprache mit einem jeweils anderen zu verständigen, selbst wenn dieser nur 100 Kilometer von ihm entfernt wohnte.“
(Marcus Hernig: China. Ein Länderporträt. Berlin. Ch. Links, 2012. ISBN 978-3-86153-689-5)
 
„Es mag aufgefallen sein, dass ich bei all den erwähnten Beispielen nie den chinesischen Wortlaut selbst angeführt habe. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die chinesische Zeichenschrift fast in jeder Provinz anders gelesen und ausgesprochen wird. Wir unterscheiden ein Pekinger Mandarin, die alte kaiserliche Beamtensprache, und eine Shanghaisprache, das Kantonesische im engerem Sinn oder Punthi, dann das Hakka und das Hoklo, zwei weitere Sprachen der Kanton-Provinz, die auch von je 10 Millionen Menschen gesprochen werden, usw.
 
Man nennt diese Unterschiede oft Dialekte. Das ist falsch. Dialektische Eigentümlichkeiten gibt es außerdem noch gerade genug. Die eben berührten Sprachen aber haben jede ihre eigene Ausdrucksweise, ihre eigenen Laute und Töne und sind nur durch die gemeinsame Bilderschrift verbunden. Es ist also eigentlich nur die Schrift- oder Bildersprache ein ‚Chinesisch' schlechthin, das aber von Provinz zu Provinz anders gelesen wird.“
(Frohmeyer: Kwangtung, 1930)
 
Mandarin (官话 guānhuà bzw. 北方话 Běifānghuà)  ist nicht gleich Chinesisch (汉语 Hànyǔ). Es gibt eine Anzahl von Regionalsprachen, die sich zum Teil gewaltig unterscheiden.

Die verschiedenen Formen des Chinesischen werden als Dialekte bezeichnet, obwohl man sie genau so gut Sprachen nennen könnte. Diese Sprachen haben eigene Ausdrücke, eigene Laute und Töne und sind eigentlich nur durch die gemeinsame Schrift verbunden.

Einen gewissen Einblick in die Unterschiedlichkeit der Aussprache gibt eine Gegenüberstellung der Zahlwörter:

chinesischesprachendialekte

Die sieben größten chinesischen Sprachen

dialekt-mandarin
官話

Guānhuà

Mandarin (= Amtssprache), die Sprache der Mandarine (官人 = Beamten), die im ganzen Land eingesetzt werden sollten, ist mit rund 900 Millionen Sprechern die am meisten gesprochene Muttersprache der Erde.
Es basiert auf dem Peking-Dialekt, ist aber nicht identisch mit ihm. Der auffälligste Unterschied ist, dass die Pekinger gerne ein er oder -r (儿, 兒) an Silben anhängen, wodurch ihre Sprache ziemlich rau klingt (兒話).
Abgesehen davon enden Silben im Mandarinchinesischen nur auf einem Vokal, auf –n, auf –ng oder eben auf –r. Das ist ein bisschen mehr als beim Japanischen, bei dem Silben nur auf Vokal oder –n enden. Dies hat zur Folge, dass sehr viele Worte ähnlich klingen

dialekt-wu
吳語

Wúyǔ

wird von 80 Millionen Menschen an der Jangtse-Mündung, in Shanghai sowie den Provinzen Jiangsu 江苏 und Zhejiang 浙江 (deshalb auch 江浙話 = Jiangzhe-Sprache) benutzt.
Die meisten Wu-Dialekte haben die Verschlusslaute aus dem Mittelchinesischen bewahrt. Deshalb hat der Militärdiktator Chiang Kai-shek (蔣介石) einen Namen, den er auf Hochchinesisch Jiǎng Jièshí aussprechen musste. Die Wu-Aussprache der Schriftzeichen wurde übrigens ins Japanische als Go-Lesung (Go-on 呉音) übernommen. Deshalb heißt der Diktator auf Japanisch auch Shô Kaiseki.

dialekt-min
閩語

Mǐnyǔ

Mǐn wird von 60 Millionen Menschen in der Provinz Fujian (deshalb auch die Bezeichnung Hokkien), auf der gegenüberliegenden Insel Taiwan und auf der südchinesischen Inselprovinz Hainan gesprochen. Es ist benannt nach dem Min-Fluss (閩江 Mǐnjiāng), der auch der Provinz ihren Kurznamen gegeben hat.
Außerdem ist es bei den Überseechinesen in Südostasien sehr verbreitet. Bei den philippinischen Chinesen heißt die Sprache Lán-lângoē (= Sprache unseres Volkes).

dialekt-xiang
湘語

Xiāngyǔ

Xiāng („Hunan-Dialekt“) ist nach dem Xiang-Fluss (湘江) benannt und wird von 36 Millionen Menschen (überwiegend in der Provinz Hunan) gesprochen.
Xiāng war auch der schwer verständliche Dialekt des Kommunistenführers Mao Zedong, der in späteren Jahren „Dolmetscher“ benötigte, die sein Gebrabbel ins Hochchinesische übersetzten, denn er sprach ausschließlich den Dialekt seiner Heimatprovinz.
Da Xiāng auf drei Seiten von Gebieten mit Mandarin-Sprechern umgeben ist, hat es sich allerdings bereits etwas angeglichen.

dialekt-gan
贛語

Gànyǔ

Gàn („Jiangxi-Dialekt“) wird von etwa 20 Millionen Menschen gesprochen und ist benannt nach dem Gan-Fluss (贛江 Gànjiāng), der auch der Provinz Jiangxi ihren Kurznamen gegeben hat.
Gàn ähnelt den südchinesischen Sprachen und hat wie diese einiges altertümliches Vokabular bewahrt. Für das Wort schmutzig (臟 zāng) verwendet man deshalb den Ausdruck 下里巴人 (Mandarin: xiàlǐbārén), der aus einem Lied des altchinesischen Staats Chu stammt.
Außerdem verwenden die Gan-Sprecher zahlreiche Interjektionen (wie 哈, 噻 oder 啵), um Aussagen zu verstärken oder Gefühle auszudrücken.

dialekt-hakka
客家話

Kèjiāhuà

Hakka wird von etwa 33 Millionen Menschen im Grenzgebiet der Provinzen Fujian und Guangdong sowie von zahlreichen Überseechinesen gesprochen.
Die Hakka (客家人 = Gastmenschen) wanderten vor Jahrhunderten von Nord- nach Südchina und haben die Verschlusslaute -b, -d, -g, bewahrt, die das Mandarin-Chinesische verloren hat.
Die Hakka sprechen von ihrer Sprache oft als Tu-gong-dung-fa (土廣東話 = einheimische Guangdong-Sprache, Mandarin: Tǔ Guǎngdōnghuà).
Wie im Kantonesischen werden 食 (sitı) und 飲 (jimıı) für essen und trinken verwendet. Damit unterscheidet es sich vom Mandarin, das dafür 吃 (chī; Hakka: kiɛtı) und 喝 (hē, Hakka: hɔtı) benutzt, was aber in Hakka „stottern“ und „durstig“ bedeutet.

dialekt-kantones
粵語

Yuèyǔ
廣東話
Guǎngdōnghuà

Kantonesisch wird von 70 Millionen Menschen in der Provinz Guangdong (daher der Name Kanton), Hongkong, Macau sowie von zahlreichen Überseechinesen gesprochen.
Es unterscheidet sich vom Hochchinesischen erheblich in der Aussprache und dem Vokabular. Sun Yat-sen (孫逸仙, Mandarin: Sūn Yìxiān) stammte aus der Provinz Guangdong, deshalb kann die mittlere Silbe seines Namens mit dem Verschlusslaut –t enden.
Für etliche Wörter hat das Kantonesische eigene Zeichen, wie zum Beispiel 冇 (mou = nicht haben), für das Mandarin zwei Zeichen benötigt (没有 méiyǒu).
Zusammengesetzte Begriffe werden gerne umgedreht. Deshalb heißt der Gast 人客 (Mensch + Gast), während er auf Hochchinesisch 客人 (Gast + Mensch) heißt. Darin ähnelt das Kantonesische dem Vietnamesischen, mit dem es auch den Namen gemeinsam hat, der nur jeweils anders geschrieben wird (越 und 粵). Auf Mandarin heißt beides Yuè, auf Kantonesisch Yüd und auf Vietnamesisch Việt.

 

chinesische Sprache und Schrift
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