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04. Dezember 2012

Deshima

出島 Dejima (Vorinsel)

dejima

„Wir dürfen die Insel nicht verlassen. Dürfen keinen Gottesdienst halten. Dürfen unsere Frauen nicht mitbringen aus Europa. Statt dessen hat die Handelsgesellschaft einige minderwertige Prostituierte zu bezahlen, die uns die Regierung zur Verfügung gestellt hat. Und an zweihundert japanische Diener, Kulis, Lagerhilfskräfte und Dolmetscher; miserable Dolmetscher, aber bestimmt gute Spione und Aufpasser. Und jedes einlaufende Handelsschiff hat sofort eine detaillierte Personalliste abzuliefern. Und ein penibel genaues Inventurverzeichnis.“
 
„Deshima hat nach meiner angestellten genauen Messung in der Breite 82, in der Länge nach ihrer Krümme durch die Mitte 236 gemeine Schritte [...]. Eine Kreuzgasse läuft durch die ganze Insel und auch eine Gasse, die rund um die Insel geht. Die Kreuzgasse hat an beiden Seiten Häuser [...]. Es sind sehr schlechte Gebäude, die etwa das Ansehen von Ziegenställen haben, von Tannenholz aneinandergepappt; sie bestehen aus zwei Stockwerken, von denen der untere zu Packkellern und Niederlagen, der Söller aber zur Wohnung dient. [...] Auch ist hier ohnlängst ein blutiger Gerichtsplatz eingerichtet worden, wo die Schleichhändler künftig hingerichtet werden sollen, und zwar (wie uns der Statthalter noch ohnlängst versicherte) nicht nur die Japaner, sondern auch die Holländer [...]. So ist der enge Raum eingerichtet, auf welchem die Holländer in diesem Reiche beschränkt sind.

Wenn unsere Schiffe in diesen Hafen einlaufen (welches alle Jahre einmal geschieht), so dürfen sie ihre Leute (nachdem jeder vorher auf das genaueste visitiert und aufgezeichnet worden) nacheinander auf die Insel abtreten lassen, um sich zu verfrischen. Nach derselben Abzuge muß das Oberhaupt mit noch verschiedenen Personen, sieben gemeiniglich [...], hier bleiben. Obgleich nun die japanische Nation von diesen wenigen Oberbleibenden nichts Nachteiliges befürchten darf, keine Feindseligkeit wegen der so kleinen und unbewehrten Anzahl, keinen Schleichhandel, weil alle Waren mit ihren eigenen Siegeln bewahrt und in ihren Tabellen auf das genaueste verzeichnet sind — und ob sie auch in Absicht des Punktes der Religion schlechterdings nichts von uns zu befürchten haben, da das Licht unseres christlichen Glaubens allhier aus unserm Lebenswandel und Betragen schlechterdings nicht hervorleuchtet: so werden aller dieser Gründe ungeachtet unsere Leute doch noch in diesem Gefängnis ganz ausnehmend genau und strenge bewacht von verschiedenen Wachen, Gesellschaften und Zünften. [...] Wir werden hier nicht wie ehrliche Menschen, sondern wie Übeltäter, Kundschafter und Gefangene oder, aufs gelindeste geredet (und nach dem sehr vorsichtigen Ausdruck der Japaner), wie Geiseln Seiner Kaiserlichen Majestät behandelt. [...]

In dieser Dienstbarkeit haben wir uns viele beschränkende Einschränkungen von diesen stolzen Heiden müssen gefallen lassen. Wir dürfen keine Sonn- und Feiertage feiern, keine geistlichen Gesänge und Gebete hören lassen; niemals den Namen Christi nennen, kein Bild des Kreuzes oder irgendein äußerliches Zeichen des Christentums bei uns führen. Dabei müssen wir noch viel andere beschimpfende Zumutungen ausstehen, die einem edelmütigen Herzen allemal sehr empfindlich Die einzige Ursach, welche die Holländer bewegt, alle diese Leiden so geduldig zu ertragen, ist bloß die Liebe des Gewinns und des kostbaren Marks der japanischen Gebirge."

Der Gewinn der Holländer ist trotz aller Behinderungen nicht unerheblich:

Der Direktor (Opperhoofd) des Kontors und die übrigen Holländer dürfen Waren zum eigenen Gebrauch mitbringen und gegen japanische Artikel umtauschen. ... Ich darf dem Leser versichern, daß dieses Amt [eines opperhoofd] für 30.000 Gulden jährlich vom Besitzer nicht abgestanden würde."

In den 250 Jahren Abgeschlossenheit ändert sich nichts auf Deshima. Der Schwede Karl Peter Thunberg, der später, 1775/76, ebenfalls als Arzt in Deshima lebt, berichtet:

In allen japanischen Städten werden mehrere Häuser dem Dienste der zyprianischen Göttin [Venus, Göttin der Liebe] gewidmet. [..] Falls einer von uns eine Gefährtin für seine Zurückgezogenheit sucht, so meldet er dies einem gewissen Beamten, der zu diesem Zweck jeden Tag auf die Insel kommt.
Bis zum Abend besorgt er dann ein Mädchen, das von einer Dienerin begleitet ist. [...] Man kann diese weibliche Gefährtin drei Tage behalten – oder so lange wie man will – und zahlt für jede Nacht und gibt ihr reiche Geschenke. [...]"
(zitiert nach Gertrude C. Schwebell: Die Geburt des modernen Japan in Augenzeugenberichten. München: dtv, 1970. ISBN: 3-423-02708-8)

Eine versandete künstliche Insel in der Bucht von Nagasaki (長崎) legt Zeugnis ab von dem Durchhaltevermögen einer Handvoll holländischer Kaufleute, die   nacheinander   200 Jahre lang um des Profits willen erniedrigende Bedingungen der Japaner akzeptierten. Während der Edo-Zeit (江戸時代 Edo jidai; 1603 - 1868) war sie der einzige Ort des direkten Handels und Austauschs zwischen Japan und Europa. In dieser Zeit waren die Holländer die einzige Nation, denen der Handel mit Japan erlaubt war.

Die Leiter der Niederlassung waren verpflichtet, einmal jährlich in die japanische Hauptstadt Edo (江戸, heute Tōkyō 東京) zu reisen. An dieser Reise durfte auch der Arzt der Handelsstation teilnehmen. Ansonsten blieben die Angestellten der Niederländischen Ostindien-Kompanie auf ihre kleine Insel beschränkt. Zugleich wurde der Zugang von Japanern streng kontrolliert.

 

Japan verschließt sich vor der Welt.
William Adams 三浦按針 - Deshima 出島 - Hollandstudien 蘭学 - Engelbert Kaempfer - Landesabschluss 鎖国 - Matthew Calbraith Perry  ペリー - Schwarze Schiffe 黒船 - Philipp Franz von Siebold

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