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25. Januar 2010

Die Seele Chinas

《中國魂》 Zhōng​guó hún (Mitte + Reich + Seele)
1926
Autor: Richard Wilhelm (衛禮賢 Wèi Lǐxián)

Chinesisch im Schlaf lernen

„Ich kann wohl sagen, dass ich im Schlaf Chinesisch gelernt habe. Irgendwelche vorgebildeten Lehrer gab es nicht. Man mietete sich einen chinesischen Dorfschullehrer oder einen etwas heruntergekommenen Schreiber, setzte ihn vor das Lehrbuch und ließ ihn lesen, während man selber nachsprach. Als Lehrbuch war damals allgemein das Buch des amerikanischen Missionars Mateer: Mandarin Lessons, im Gebrauch. Es fing an mit den Sätzen: „yígè rén, liǎnggè rén, sāngè nǚrén, sìgè mén", [一個人, 兩個人, 三個人, 四個門] zu deutsch: „Ein Mensch, zwei Männer, drei Frauen, vier Türen".
 
 
 
Der Tiefsinn dieser Sätze wirkte überwältigend, zumal da die Stunden am frühen Nachmittag bei 25 - 28 Grad Wärme abgehalten wurden. Anfangs wurden Lehrer und Schüler durch die Fliegen munter gehalten, von denen es zwei Arten gab, eine gewöhnliche graue Sorte, die sich nur durch träge Klebrigkeit auszeichnete, und die sogenannten Grünebohnenfliegen, grünschillernde Tiere mit großen roten Augen, die in ihrem stumpfen Trotz die ganze Bosheit rücksichtsloser Bestialität zeigten. Das einzig Gute an ihnen war, dass sie nicht Tigergröße hatten. Aber auch so haben sie genug Menschen unter die Erde gebracht.
 

An Wänden klackte hier und da ein Gecko, der ein schlafendes Moskito erschnappte, die sonst gegen Abend die Fliegen abzulösen pflegten. So ging das Lernen in plätscherndem Takt weiter: „yígè rén, liǎnggè nánrén" [一個人, 兩個男人] der Lehrer, „yígè rén, liǎnggè rén" [一個人, 兩個人] der Schüler. Einmal fuhr ich auf, wie man in einer Mühle erwacht, wenn das Räderwerk stille steht. Ich hatte aufgehört zu reden und war eingenickt; als ich aber zu mir gekommen war, schief auch der Lehrer fest in seiner Ecke, und nur langsam und undeutlich entströmten ihm schnarchende Laute: „......rén" [一 ... 個 ... 人] ...

Chinesisch ist die leichteste Sprache, wenn sie unbefangen gelernt wird, vom Sinn her eher als vom Einzelausdruck. Aber für neugierige Frager bietet die Sprache eitel Tücken. Da hilft auch die modernste Methode nichts. In Peking ist jetzt eine Language School mit reichlichem Aufwand amerikanischer Millionen erbaut. Dort hängen Tafeln lautphysiologischer Art, Zunge, Zähne und Kehlkopf sind abgebildet, wie sie bei den verschiedenen Laute stehen müssen, und schließlich machen die Schüler die Zunge krumm und hängen sie zum Mund heraus, und ihr Chinesisch klingt darum doch nicht besser.

Auch die Berlitzsche Unterrichtsmethode hilft solchen Menschen nichts; denn als ein chinesischer Lehrer auf sich deutend „wǒ" [我] und auf die amerikanische Schülerin deutend „nǐ" [你] gesagt und dies eine halbe Stunde wiederholt hatte, begann die Schülerin endlich zu begreifen, und ging aus der Stunde weg mit der Überzeugung, dass „" [我] die Nase heiße und „nǐ" [你] der „Zeigefinger."
(Richard Wilhelm: Die Seele Chinas. Berlin, Hobbing, 1926)

wilhelmrichard

Richard Wilhelm

 

So lernte der deutsche Gelehrte Richard Wilhelm vor mehr als einhundert Jahren Chinesisch. Und es hat geholfen, Wilhelm wurde einer der wichtigsten deutschen Sinologen.

„Ich habe das große Glück gehabt, fünfundzwanzig Jahre meines Lebens in China zu verbringen. Ich habe Land und Volk lieben gelernt wie jeder, der lange dort weilte. Aber gerade die jetzt vergangenen fünfundzwanzig Jahre waren besonders wichtig, weil sie es waren, in denen Altes und Neues sich trafen. Ich habe noch das Alte China gesehen, das für die Jahrtausende zu dauern schien. Ich habe seinen Zusammenbruch miterlebt und habe erlebt, wie aus den Trümmern neues Leben blühte. Im Alten wie im Neuen war doch etwas Verwandtes: eben die Seele Chinas, die sich entwickelte, aber die ihre Milde und Ruhe nicht verloren hat und hoffentlich nie verlieren wird. Wenn etwas von dieser Seele Chinas dem Leser offenbar wird, dann ist der Zweck dieses Buches erfüllt."
(Aus dem Vorwort)

  

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