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Lecturer for Modern Korean Business & Society

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06. November 2009

China im Jahre 1907

《1907年中國紀行》 1907 nián Zhōng​guó jìxíng (1907 + Jahr + China + Aufzeichnung + Reise)
В старом Китае. Дневники путешествий.1907 W starom Kitaije. Dnewniki puteschestwij. 1907 (Im alten China. Reisetagebücher. 1907)
China im Jahre 1907 - Ein Reisetagebuch
Autor: Vasilij Michajlovic Alekseev (Василий Михайлович Алексеев; 1881-1951) - 阿列克谢耶夫 Ālièkèxièyéfū

alekseev-china-1907

 

 

alekseev-wasili

Алексеев и Китай
(Alekseev und China)

Vasilij Michajlovic Alekseev (1881-1951)

Bedeutender russischer Sinologe, begleitete als junger China-Wissenschaftler seinen Lehrer, den berühmten französischen Sinologen Éduard Chavannes (1855-1918), 1907 auf dessen langer China-Reise und führte dabei Tagebuch. Alekseev beherrschte nicht nur das Chinesisch der Gebildeten, sondern auch die Sprache der Bootsleute und Bauern. Dem Volk galt sein Interesse und er gewann einen tiefen Einblick in die Wahrnehmungen der Chinesen. Seine Beobachtungen liefern die wahrscheinlich zutreffendste Bestandsaufnahme der chinesischen Verhältnisse wenige Jahre vor dem Sturz der überkommenen Autokratie. [Folgende Zitate nach: V. M. Alekseev, China im Jahre 1907 - Ein Reisetagebuch, Leipzig und Weimar, 1989]

 

Einer der Palasteunuchen, hochgestellten Beamten oder irgendein Magnat, seiner ständigen Untaten überdrüssig, kommt vielleicht auf den Gedanken, sein zusammengeraubtes Gold für den Bau eines Klosters oder eines Tempels zu verwenden. Zu diesem Zweck werden die geschicktesten Handwerker und Architekten herbeigeholt, die sich mit beispiellosem Eifer ans Werk machen ... Wer sein Seelenheil durch einen Tempelbau zu sichern gedenkt, überlegt: '[Solche] Gebäude werden gewiß nicht nur hundert Jahre bestehen. Dann sind alle meine Sünden bestimmt getilgt. Was nachher kommt, ist mir gleichgültig. ... (Seite 19)
 
Die Habgier dieser Typen läßt sich nicht beschreiben ... Ihr stumpfsinniger Dogmatismus wird von vielen Sprichwörtern aufs Korn genommen, die alles andere als schmeichelhaft sind. Und ein solcher Typ sollte sich um die Erhaltung der Gebäude, Sauberkeit, Reparaturen usw. kümmern? Er denkt nicht dran! (Seite 19)
 
China ist das Land der Inschriften. Alle Stellen, die bei uns frei von Aufschriften sind, werden in China gewöhnlich mit ihnen bedeckt; Türrahmen, Türfüllungen, die Wände über den Fenstern usw. Die Inschriften stammen natürlich nicht von den Bewohnern der ärmlichen Häuser und Läden, auch nicht von unserem Bootsmann, der die Aufschrift nicht einmal lesen kann, obwohl er das, worauf sie anspielt, sehr gut kennt. Das Wichtigste jedoch ist, daß alle diese wenig oder gar nicht gebildeteten Liebhaber von literarischen Zitaten Gefallen daran finden. Die Tiefe der kulturellen Durchdringung Chinas zeigt sich hier besonders deutlich. (Seite 38)
 
Die Ereignisse ihrer eigenen Geschichte mit ihrem Heroismus und ihren Kämpfen, die Theaterparade ihrer nationalen Kultur - das alles berührt immer wieder das Herz des Chinesen, auch dann, wenn er nur wenige chinesische Zeichen, ja sogar, wenn er kein einziges kennt. (Seite 45)
 
Am Morgen erscheint eine alte Frau zu einem Schwatz. Der Bootsmann erkundigt sich galant nach ihrem Alter: "Du bist wohl bald achtzig, wie?" Die Alte ist sichtlich geschmeichelt, erklärt jedoch bescheiden, sie sei erst sechsundfünfzig. "Nun, Alte, viel Glück! Aussehen tust du aber wahrhaftig wie achtzig!" Ich möchte wissen, wie es einem ergehen würde, der einer europäischen Matrone solch ein Kompliment macht! Hier aber wirkt so etwas ganz natürlich. Im patriarchalischen China ist Alter immer ehrwürdig. (Seite 49)
 
Jedenfalls ist religiöser Fanatismus in China viel weniger entwickelt als in anderen Ländern. (Seite 64)
 
Besonders charakteristisch sind die Ladenstraßen mit ihren kalligraphischen Firmenschildern an den Wänden. Es gibt auch Inschriften auf besonderen Pfosten vor den Läden. Manchmal sind die Pfosten mit prächtig vergoldetem Schnitzwerk verziert, doch gleich daneben Schmutz, Gestank, Müll ... (Seite 79)
 
Die alte chinesische Erziehung, die in dem Auswendiglernen der wichtigsten Werke der alten Literatur besteht, die schematische und planlose Lehre ohne Einteilung in Spezialfächer müssen abgeschafft werden. Wenn man aber die neue Ausbildung ganz nach dem in Europa üblichen Programm ausrichtet, würde der gebildete Chinese sich überhaupt nicht von einem entsprechend gebildeten Europäer unterscheiden. So würde der Chinese sich Europa aneignen, aber China - und damit die Fähigkeit zur Fortsetzung der chinesischen Kultur - verlieren. Wird China nur zu einem chinesisch redenden und schreibenden Teil von Europa bzw. Amerika werden oder wird es verstehen, sein eigenes Gesicht zu bewahren? Das ist die Frage, die alle bewegt, denen die nationale Kultur am Herzen liegt. Darüber gibt es endlose Auseinandersetzungen. (Seite 88f)
 
Beim Besuch eines Tempels, der wie viele andere, in seiner Ausstattung und Dekoration alles zusammenwirft: religionsfernen Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus: So treffen wir Vertreter dreier im Verlauf von Jahrtausenden einander bekämpfender Lehren friedlich in einem Tempel beisammen, denn das chinesische Volk hat mit erstaunlicher Gutmütigkeit und einer bemerkenswerten (bei anderen Völkern fehlenden) Gleichgültigkeit alle diese Lehren zu einer verschmolzen, der man sogar einen besonderen Namen gegeben hat: 三教 Sān Jiào, Drei-Lehre. Auf Heiligenbildern werden manchmal alle drei Patrone - Konfuzius, Buddha und Laozi - ohne Unterschied in einem Rahmen zusammengefaßt. (Seite 106)
 
Beim Anblick terrassierter und landwirtschaftlich genutzter Berge: Ich frage einen neben mir stehenden Alten: "Wie sind diese Terrassen entstanden?" Die Antwort: "Menschenwerk." Man stelle sich vor: umgepflügte Berge! Man weiß nicht: Soll man erschrecken oder begeistert sein, wenn man solche Zeugnisse menschlicher Beharrlichkeit vor sich sieht? Das heißt chinesische Arbeit! (Seite 109)
 
Die Geschichte Chinas erscheint dem Chinesen überhaupt als etwas nahezu Religiöses ... (Seite 117)
 
Aber ist es nicht auch etwas Entsetzliches, daß Bildung so schwer erworben werden muß, und derjenige, der in China als Gelehrter gelten will, vom sechsten bis nahe ans dreißigste Lebensjahr, seine ganze Zeit, vom Morgen bis in die Nacht, dem Lernen seiner Sprache widmet? (Seite 118)
 
In allen Tempeln (und es gibt sie wie Sand am Meer) beobachte ich ein synkretistisches Chaos, d.h. die vollkommene Vermischung der 'drei Lehren': Konfizianismus, Daoismus und Buddhismus. Der chinesischen Religion ist eine solche Unlogik völlig gleichgültig. In dieser Religion ist im Grunde jeder Beter sein eigener Priester. (Seite 128)
 
Die 'chinesische Etikette' hat sich bewährt. ... Mit [ihr] hängt die fast übernatürliche Furcht des Chinesen zusammen, 'sein Gesicht zu verlieren', d.h. in eine solche Lage zu geraten, in der sogar die 'Etikette' nicht imstande ist, sein Verhalten zu bemänteln. Mit dem 'Gesichtsverlust' haben sogar so einfache Dinge zu tun wie z.B. eine Absage der Bitte um ein Darlehen, und so ist der Chinese ständig bemüht, solche Fälle nur unter vier Augen zu besprechen. (Seite 158)
 
Ich ... versuche, ein Gespräch in Gang zu bringen, aber es gelingt nicht gleich. Beim Anblick von Ausländern glaubt der Mann zuerst, überhaupt nichts von dem begreifen zu können, was ihm gesagt wird. (Seite 165)
 
Wir erreichen das Dorf 交城村 Jiāochéngcūn. Wir fragen die herbeigeströmte Menge, ob es hier alte Steine gebe. Sie führen uns in einen 观音 Guānyīn -Tempel und zeigen uns einen Stein, der zwischen einem Zaun und einem neuen Gedenkstein in der Erde steckt. Wir machen uns inmitten einer riesigen Menschenmenge in der glühenden Sonne an die Arbeit. Der Stein wird ausgegraben, abgewaschen, abgeformt [Chavannes fertigt Abdrücke der Inschriften /Bilder auf Papier an]. "Hier war noch ein Stein in der Mauer", sagen sie und zeigen auf einen Abort, "aber der ist verschwunden" (!). Sie wissen also, wo es alte Steine gibt und trotzdem gehen sie so schauderhaft mit ihnen um. ... Die Einwohner, die dem Schicksal aller dieser Denkmäler gegenüber so unglaublich gleichgültig schienen, hatten plötzlich begriffen, daß die Tafel verkauft und fortgebracht werden sollte: Schon stürzen sie sich auf den Verkäufer, und wie! Ihr Patriotismus war durchgebrochen. (Seite 176f)
 
Wir schließen die Türen der Kapelle, um dem Gedränge der Neugierigen, die die Arbeiten behindern, zu entgehen. Trotzdem kriechen sie über die Mauer, bilden einen engen Ring, sehen zu und rauchen. Ihre Ruhe ist unwahrscheinlich. Man ärgert sich, drängt sie zurück - sie lachen nur. Dabei bleiben sie immer höflich und dienstbereit. Wenn sie die Fragen verstehen, antworten sie zuvorkommend und genau. Das alles wirkt entwaffnend: Einfachheit, Gutherzigkeit und kindliche Lachlust. (Seite 177f)
 
In den Tempeln verkaufen geschäftstüchtige Mönche gegen Bargeld 'Liegeplätze' für Raucher, verwandeln den Tempel in eine Opiumspelunke, so daß man manchmal Mühe hat, sich seinen Weg zwischen den Reihen der unheilvollen Lämpchen und betäubten Scheintoten zu bahnen. (Seite 179)
 
Es folgt [in开封 Kāifēng] die Besichtigung des 行宫 Xínggōng, des 'Reisepalastes', in dem vor sechs Jahren, während des 'Boxerauftsandes' der Kaiser und die Kaiserin-Witwe zeitweilig Wohnung genommen hatten, als sie auf dem Rückweg von ihrer Flucht wieder nach Peking zurückkehrten. Da es niemandem gestattet ist, einen kaiserlichen Palast zu bewohnen, steht er jetzt da und verfällt. ... Die Gemächer der Kaiserin, der Eunuchen, der Konkubinen sind alle gleichförmig und ohne Mobiliar. ... Die Möbel sind verkauft. So steht es also mit dem 'unberührbaren' Palast! Im Hof wuchert Unkraut. "Wenn der Kaiser kommt, bringen wir alles wieder in Ordnung", erklärt [der begleitende Beamte des 'Amtes für ausländische Angelegenheiten'] 张 Zhāng. (Seite 191f)
 
Die letzten Spuren des religiösen Judentums verlieren sich [in China] Mitte des 19. Jahrhunderts. China ist das einzige Land, in dem sich das Judentum niemals zusammengeschlossen und abgetrennt hat, in dem es keine Judenpogrome gab und wo die jüdische Nation von der chinesischen vollkommen aufgesogen wurde, abgesehen von einigen semitischen Eigentümlichkeiten, die man hin und wieder beobachten kann. (Seite 192)
 
Als wir auf dem Rückweg an der katholischen Kirche vorbeikommen, beschließen wir, ihr einen Besuch abzustatten. ... Da stehen sie als Statuen nebeneinander: auf der einen Seite die ihren Säugling mit entblößter Brust nährende Jungfrau, auf der anderen Seite Christus, mit geöffneter Brust, aus der das bluttriefende Herz herausgeschnitten und mit einer Krone versehen ist. In unglaublicher Weise wird hier dem Chinesen Gewalt angetan: Eine Jungfrau mit einem unehelichen Kind ist für ihn nur eine skandalöse und nirgendwo in seiner Geschichte mit Lobpreisungen bedachte Angelegenheit; dazu gesellt sich noch ein zerschnittener, blutender Körper - ein Anblick, der für einen Chinesen unerträglich ist. (Seite 194)
 
Die steife Förmlichkeit zerbröckelt jedoch bald, die Unterhaltung wird lebhafter. Unsere Bekanntschaft mit der chinesischen Kultur erobert immer und überall die chinesischen Herzen, und sobald man diese Bekanntschaft auch nur angedeutet hat, ist sofort ein völlig anderes Verhältnis hergestellt. (Seite 198)
 
Nomaden aller Stämme und Zeiten haben China ihrer Herrschaft unterworfen ... Das innere Leben Chinas jedoch blieb auch unter dem fremden Joch seinen Traditionen treu. (Seite 208)
 
[In 洛阳 Luòyáng, zum Essen bei einem italienischen Unternehmer dort namens Molinatto eingeladen. Auch dabei: ein Belgier und zwei Franzosen, die alle dort arbeiten.] Bei Tisch entbrennt ein heftiger Streit. Molinatto und die Franzosen haben die schlechteste Meinung von den Chinesen. Erzählen allerlei Schauergeschichten. ... Wenn man die Antworten und Meinungen dieser 'gebildeten Leute' zusammenfassen wollte, würde China etwa so aussehen: "Die Chinesen haben alle die gleichen Gesichter; es ist unmöglich, einen vom andern zu unterscheiden. Ein sehr komisches Volk ... Wenn sie jemand begrüßen wollen, halten sie sich die Fäuste vor das Gesicht, den Händedruck kennen sie nicht. Ihre Rede steckt voller Höflichkkeiten: "Wie ist Ihr erwürdiger Familienname?" ... Als unanständig gilt bei ihnen, nach der Gesundheit der Frau oder der Schwester zu fragen, den Hut beim Eintritt abzunehmen. Ihre Kleidung ist blödsinnig: Mützen mit einem aus unbegreiflichen Gründen oben angenähten Knopf; Westen über den Jacken, die Jacken aus Leinen mit Wattefüllung; auch die Socken sind aus Leinen und werden sogar gestärkt. Die Männer tragen Röcke, die Frauen Hosen. Die Männer haben außerdem noch Zöpfe und halten Fächer in den Händen. Die Frauen haben verkrüppelte Füße und eine flache Brust. Ihre Schminke ist übertrieben und ungeschickt: Rot um die Augen, die Wangen weiß, mitten auf den Lippen einen roter Punkt. Und der Harem? Fast in jedem Haus zu finden! Und das Essen? Würmer, Spinnen, jeder Dreck! Als höchste Delikatesse gelten ... Schwalbennester, d.h. Mist mit Stroh! Serviert wird nicht auf Platten, sondern in Schüsselchen, gegessen wird mit Stäbchen. Bei Tisch überhaupt keine Damen, falls man nicht gerade Hetären bestellt hat. Die Religion? Ihre Tempel sind Lagerhäuser voller Götzenbilder. Welches Glaubensbekenntnis? Nicht festzustellen: heute Buddhist, morgen Konfuzianer. Ihr Theater - ein einziger Alptraum! Eine Scheune mit einer primitiven Bühne, von der herab gräßliche Kakophonien ertönen. ... Die Malerei - ohne Schatten, ohne Perspektive, entsetzlich eintönig. Na, und schließlich ihre, wie heißt das doch, 'Hieroglyphen'? Denken sie nur, wieviele Jahre die das lernen müssen und schließlich bekennen sie selbst, daß sie wenig davon verstehen ... Ihre Bücher fangen am Ende an, die Anmerkungen sind oben, kein Punkt, kein Komma. Die Umgangssprache? Jede Stadt hat ihren Dialekt! Kein Chinese versteht den anderen; sie zeichnen sich irgendetwas auf die Handflächen, um sich verständlich zu machen ... Was in aller Welt hat Sie bewogen, Sinologe zu werden! Sind Sie etwas lebensmüde? (Seite 210 ff)
 
Zu [...] 'Hymnen' in 'östlicher Exotik' neigen [...] auch Gelehrte. Es kommt darauf an, die Schwärmerei für sein Thema innerlich zu überwinden. In jeder Reise lauert die Gefahr einer unmäßigen Begeisterung für das fremde Land, einer Entdeckung Amerikas bei jedem Schritt. (Seite 251)
 
Am zweiten und sechzehnten eines jeden Monats zünden die Familien der Ladeninhaber vor solchen Bildern [des rechtschaffendsten und darum zum Gott gewordenen Generals/Beamten 关帝 Guāndì / 关羽 Guān Yŭ] Räucherkerzen an und flehen den geldlosen, uneigennützigen 关帝 Guāndì um Silber und Gold an. (Seite 267)
 
Im 'Tempel der Menschenliebe' [in 西安 Xī'ān] besichtigen wir den berühmten Nestorianer-Stein, über den viel geschrieben worden ist. Die Stele ist im Jahr 781 unter der唐Táng-Dynastie errichtet und 1625 in 西安府 Xī'ān fŭ entdeckt worden. Zur Zeit besteht deutlich die Gefahr, daß der Stein in militärische Bauvorhaben einbezogen wird: Der Zaun der Militärschule ist unmittelbar an den Tempel herangerückt. Historische Denkmäler wie dieses und die Ruinen der Synagoge, die wir in 开封 Kāifēng gesehen haben, sind das einzige, was Religionen wie das Nestorianertum, der Manichäismus, das Judentum, die sonst in China spurlos verschwunden sind, hinterlassen haben. (Seite 282)
 
Aber schon eine volkstümliche Redewendung besagt, daß 'das Urteil bei den Prüfungen [der Beamten-Kandidaten] nicht vom literarischen Können abhängt', sondern lediglich von der Person der Kandidaten und der ihnen von irgendeiner Seite gewährten Protektion. Und diese irdische Protektion war vermutlich bei weitem wirksamer als die göttliche, besonders wenn ihr mit einer gehörigen Bestechungssumme nachgeholfen worden war. (Seite 283)
 
Eine Heirat ... ist der einzige Festtag im Leben eines Menschen, die nächste pompöse Feier ist schon ... die Bestattung. (286)
 
Trunkenheit ... ist jedoch in China das Ziel des Spottes und des Abscheus, und ich habe niemals Alkohohl-'Leichen' auf den Straßen oder 'schwankende Gestalten' gesehen. (Seite 325)
 
Die Orientierung nach der Himmelrichtung ist in China unvergleichlich weiter verbreitet als bei uns. Bei Fragen nach dem Weg erteilte Auskünfte sind immer auf die Windrose bezogen. Die Bezeichnungen 'rechts' und 'links' sind bei den Chinesen überhaupt nicht beliebt. ... auch Zimmer in den Häusern, ja sogar in den Zimmern befindliche Gegenstände werden mit 'nördlich', 'südlich', 'östich' oder 'westlich' bezeichnet. (Seite 331)
 
Beim Stadttor von 赵城 Zhàochéng [Provinz 山西 Shānxī] lesen wir auf einem Stein eine interessante Inschrift, der zufolge das Töten von Ausländern verboten ist, denn die Gnade des Kaisers reicht hinab bis zu Katzen und Hunden. (Seite 336)
 
Ausnahmen, die sich vom allgemein in der Beamtenschaft herrschenden Hintergrund aus Unterschlagung und Nichtstun abheben, sind offensichtlich nur eine Bestätigung der Regel. Ein konfuzianischer Beamter ist in der Theorie ein vollkommener Mensch, in der Praxis jedoch ein Dieb, der sich heuchlerisch hinter der konfizianischen Moral versteckt oder auch offen das Volk bestiehlt. Konfuzius hatte seine Lehre auf den Glauben an den Edelmut des Menschen aufgebaut. Der Konfuzianismus aber ist schon seit langer Zeit zum Karrierismus entartet. Position und Gehalt eines Beamten boten die beste Möglichkeit zur Bereicherung ... (Seite 349)
 

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