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04. Dezember 2012

Chinoiserie

中国趣味 Zhōngguó qùwèi (China + Geschmack)

chinoiserie
 
Chinesen lachen, wenn sie das sehen. Schon die Nase ist zu groß. Auch hatten die Chinesen andere Hüte und tranken nicht ständig Tee. (Foto: Max Baur)

 

„Vor Jahren strahlte das ZDF eine Diskussion zwischen chinesischen Studenten und einem bundesdeutschen Ministerpräsidenten, der zu Besuch in China weilte, aus. Einige der jungen Chinesen äußerten tiefergehendes Interesse an der Bundesrepublik. Nach der Sendung meldeten sich mehr als hundert Bundesbürger beim ZDF und boten ihre Unterstützung an. Die meisten wollten zunächst Kontakte knüpfen, doch immerhin vierzehn luden kurzerhand junge Chinesen aus der Sendung ein — mit Kostenübernahme für Flug, Aufenthalt und Taschengeld. Jungen Türken oder Marokkanern wäre wohl kaum eine vergleichbare Herzlichkeit entgegengeschlagen. Warum aber zeigten sich Bundesbürger von den jungen Menschen dieses fernen Landes so angerührt?

Schon früh waren die Europäer von einem ebenso fernen wie geheimnisumwitterten Land ganz weit im Osten fasziniert. Sagenhafte Kunde wurde berichtet, die auch die Deutschen in den Bann schlug. 1697 stellte Gottfried Wilhelm Leibniz, Philosoph und Universalgenie, die bange Frage: ‚Aber wer hätte einst geglaubt, daß es auf dem Erdkreis ein Volk gibt, das uns, die wir doch nach unserer Meinung so ganz und gar zu allen feinen Sitten erzogen sind, gleichwohl in den Regeln eines noch kultivierteren Lebens übertrifft?’
 
Vor allem der sich der Aufklärung zuwendende Adel sog begierig alle Nachrichten über Sina, Tschina, Cathay oder Catai, wie das Reich der Mitte hieß, auf.

Eine regelrechte Chinabegeisterung griff um sich: Adelige sammelten chinesisches Porzellan, auch Seide und Papiertapeten fanden reißenden Absatz – alles zuvor in Europa unbekannte Erzeugnisse. Die Berichte der meist jesuitischen Missionare wurden zur beliebten Lektüre, Schriftsteller verfaßten Romane mit dem Schauplatz China. Neben den Philosophen studierte auch ein leibhaftiger preußischer König, Friedrich II., genannt der Große, chinesisches Gedankengut. Bauherren wie Architekten nahmen chinesische Elemente auf.

Natürlich währte diese Begeisterung nicht ewig. Ihr folgten verschiedene Perioden, in denen das Reich der Mitte mal schlechter, mal besser wegkam. Allen Bewertungen war eines gemeinsam – es mangelte ihnen an der Untermauerung durch Tatsachen! Die ungenauen oderunvollständigen Nachrichten waren immer von europäischen Denkschablonen geprägt. So verselbständigten sich alle Sichtweisen Chinas derart, daß sie weit mehr über ihre Urheber als über das Land aussagten.“
(Hartwig Bögeholz: Anders Reisen: China. Ein Reisebuch in den Alltag. Reinbek: Rowohlt, 1997. ISBN: 978-3-4991-9095-7)
 
„Mehr als 150 Jahre lang neigte der Westen dazu, dem dekadenten, zerfallenen Reich der Mandschus und dem Chaos, das ihrem Sturze folgte, mißtrauisch und geringschätzig gegenüberzustehen, so daß der Einfluß des kaiserlichen China auf das Maulaffen feilhaltende Europa des 18. Jahrhunderts oft vergessen wird. Zu dieser Zeit hieß ein lendenlahmer, vom pompösen Barock gelangweilter und für das Rokoko reifer Kontinent Chinas bemalte Seide und Porzellan begeistert willkommen. Watteau und John Cozens malten ‚chinesisch’, Chippendale stellte Möbel ‚nach chinesischem Geschmack’ her, und während die Pavillons und Pagoden in ganz Europa aus dem Boden schossen, beeinflußte die Mode der Chinoiserie alles von ‚chinesisch-englischen’ Gärten bis zu ‚chinesischen’ Tapeten, von Goldfischen, Sonnenschirmen und Tee bis zu lackierten Truhen und Sänften und schuf schließlich mit ‚chinesisch-gotisch’ einen die Architektur betreffenden Ausdruck, dessen entsetzliche Bedeutung einem noch heute das Blut in den Adern gerinnen lassen kann.

Revolutionäre Denker dieser Tage waren von den zuweilen idealisierten Berichten über China, wie Jesuitenmissionare sie nach Europa brachten, tief beeindruckt. Leibniz vertrat die Meinung, chinesische Missionare sollten nach Europa gebracht werden, um Naturtheologie zu lehren, Voltaire erklärte, die Organisation des chinesischen Reiches sei die beste, die die Welt je gesehen hätte, und hob in seinen Angriffen gegen die römisch-katholische Kirche (die zu dieser Zeit ein Fünftel von ganz Frankreich in Besitz hatte) die Vorzüge einer solchen säkularen Regierungsform hervor. Die drückende Herrschaft des Adels und des Klerus in Europa mußte grausame Vergleiche mit der gerechten Verwaltung Chinas hinnehmen, und Reichwein nannte Konfuzius den ‚Schutzpatron der Aufklärung’.“

(Dennis Bloodworth: Chinesenspiegel. 3000 Jahre Reich der Mitte. 1968)
 
Tiepolo: Fresken in der Villa Vallmarana, Vicenca: Landschaft mit Mandarinenbaum Chinesischer Turm im Englischen Garten, München
(Bild: Wikimedia) (Foto: Wikimedia)
 Ludwigsburger Porzellan Pagode in Kew
(Foto: Wikimedia) (Foto: Wikimedia)
 
Kenntnis von China gelangte im 17. Jahrhundert über Jesuitenmissionare nach Europa. China wurde so dargestellt, dass eine Mission förderungswürdig schien. Das chinesische Reich wurde deshalb in seiner Idealform präsentiert. Den französischen Physiokraten Quesnay beeindruckte 1767 dies so sehr, dass er sich auch für Europa einen chinesischen Despotismus wünschte.

Dass in China die Vergabe öffentlicher Ämter nach einem Prüfungssystem erfolgte, übte auch eine große Faszination auf das Bildungsbürgertum Europas aus, das sich gegen feudale Erbstrukturen durchsetzen wollte.
 
An den Fürstenhöfen des Barocks entwickelte sich ein Interesse an der ostasiatischen Kunst, die in der Zeit des Rokokos die Chinamode (französisch: Chinoiserie) entstehen ließ. Durch Reisebeschreibungen wurde das Bild eines heiter verspielten Lebensstils in China wiedergegeben.
 

Modewellen
Chinoiserie 中国趣味 - Cool Japan クールジャパン - Japonismus ジャポニスム - Koreanische Welle 한류, 韓流

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