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02. Oktober 2013

Bälz (Erwin Bälz)

エルヴィン・フォン・ベルツ Eruwin fon Berutsu
1849 - 1913


„In den Jahren der Reichsgründung nach 1870/71 beginnt in Leipzig eine der erstaunlichsten Karrieren, die das wilhelminische Deutschland hervorgebracht hat. Ein junger Arzt aus der schwäbischen Provinz folgt einem Ruf nach Japan, bleibt dort fast drei Jahrzehnte, prägt entscheidend die japanische Medizin, wird Leibarzt des Tennō [天皇], heiratet eine japanische Adelige und stirbt hoch geachtet 1913 im heimatlichen Stuttgart. Das ist in wenigen Worten die Geschichte des Japanarztes Erwin Bälz, dem der württembergische König am Endes seines Lebens noch den persönlichen Adelstitel verlieh; der zu einem großen Kulturmittler zwischen Europa und Ostasien wurde, und in Japan bis heute unvergessen ist. In Deutschland kennt man ihn hingegen kaum noch. Meine Mutter, die aus den schwäbischen Familien der Bälz und Bühler stammte, erzählte gelegentlich davon. Meine alte Tante Hedwig hatte ihn noch persönlich gekannt und beschrieb einen vitalen, würdevollen Mann mit dem lakonischen Humor des Weitgereisten.

Auch in Bietigheim an der Enz, wo Bälz 1849 geboren wurde, lebte er nur noch in den persönlichen Erinnerungen der Familie fort, bis sich eines Tages eine große japanische Delegation ankündigte, um ihn zu ehren. Das war 1962, noch mitten in der tiefsten Nachkriegszeit. Der Bürgermeister von Bietigheim, einer aus der Wehrmachtsgeneration, hatte schon Wochen zuvor die Bevölkerung auf das große Ereignis einzustimmen versucht. In der Heimatzeitung, dem Enz- und Metterboten, wurden japanische Grußformeln veröffentlicht, die man der Delegation beim Festumzug zurufen sollte. Die ganze Stadt war auf den Beinen, als die Japaner dann tatsächlich kamen. Es regnete in Strömen, an diesem schwülheißen Augusttag des Jahres 1962, die schwarzen Anzüge des Empfangskomitees tropften vor Nässe. An der Spitze des Festumzug fuhr der Bürgermeister mit seinem Ehrengast, Professor Choei Ishibashi. Er ruderte wild mit den Armen, um seine Bietigheimer zu Jubelrufen zu animieren. Noch heute höre ich eine alte Schwäbin neben mir sagen: ‚Dem winke mir net, der winkt sich selber.‘"
(Johann Michael Möller: Erinnerungen der Familie Bälz)

Prof. Dr. Dr. Ishibashi (石橋) rühmte Bälz mit folgenden Worten: „Solange die japanische Medizin fortbesteht, wird der Geist der Wissenschaft, den Bälz uns hinterlassen hat, immer wieder anerkannt und hochgeschätzt werden."

 

 

Der Internist Erwin Bälz war Leibarzt der japanischen Kaiserfamilie. Er gilt gemeinsam mit dem ebenfalls aus Deutschland stammenden Chirurgen Julius Scriba (ユリウス・スクリバ Sukuriba) als Mitbegründer der modernen Medizin in Japan.

Über Kontakte mit einem japanischen Patienten wurde Bälz 1876 als Kontraktausländer (お雇い外国人 O-yatoi gaikokujin) für zunächst zwei Jahre an die Medizinische Hochschule Tokyo als Nachfolger eines anderen deutschen Arztes berufen. Er blieb dann nahezu 30 Jahre in Japan und unterrichtete über 800 Medizinstudenten.

戸田花子 Toda Hanako
Hana Bälz
Toku Bälz

„Bälz heiratet Hana aus der alte Familie Toda, die im letzten Aufflackern der untergehenden Welt der Samurai geboren, ihm vier Söhne schenkt; ihn nach Europa begleitet und nach seinem Tod die geistige Enge der Kriegsjahre in Deutschland erlebt, unter der auch Bälz zeitlebens gelitten hatte.“
(Johann Michael Möller: Erinnerungen der Familie Bälz)

26 Jahre lebte sie beim Leibarzt des Kaisers als seine Geliebte. Als Geliebte eines Ausländers wurde sie diskriminiert. Ihr Ansehen glich dem einer Madame Butterfly. Erst kurz vor seiner Heimkehr heiratete sie Bälz und nahm sie mit nach Stuttgart. Aber in Deutschland lebte sich Hana nie ein, obwohl sie dort 17 Jahre lang lebte. Nach seinem Tod kehrte sie mit deutschem Pass nach Japan zurück.

„In seinen Tagebüchern, die Sohn Toku 1930 veröffentlichte, beschreibt Bälz diesen Weg: wie er in einem Junitag 1876 nach beschwerlicher mehrmonatiger Überfahrt zum ersten Mal im Hafen von Yokohama japanischen Boden betritt und auf ein fremdes, verschlossenes Land trifft, das ihm für lange Zeit Heimat werden sollte. Keiner nimmt Notiz von dem jungen, vom Seewasser bis auf die Haut durchnässten Fremden. Als Bälz nach fast dreißig Jahre das Land wieder verlässt, reichen ihm die Spitzen der japanischen Gesellschaft zum Abschied die Hand.“
(Johann Michael Möller: Erinnerungen der Familie Bälz)
Toku Bälz (Hg.): Erwin Bälz. Das Leben eines deutschen Arztes im erwachenden Japan. Stuttgart 1930
Dr.BAELTZ Kale 草津
Kusatsu
Als er bei einer seiner Reisen im Hotel die verhärmten Hände eines Dienstmädchens sah, entwickelte Bälz ein Balsamtinktur, die als „Bälz-Wasser“ als „Eau de Bälz" berühmt wurde. Heute gibt es in Japan eine Körperpflegeserie, die in lateinischen Lettern seinen Namen trägt. Heutige Japaner duschen mit einem Duschgel von „Dr. Baeltz". Bis Mitte der 70er Jahre wurden in Japan aufgrund seines Einflusses die Krankenkarten in deutscher Sprache geführt. Auf seine Initiative hin wurden die vulkanischen Quellen von Kusatsu zu dem heute erfolgreichsten Kurort in Japan ausgebaut. (Foto: Wikimedia)
Seit 1961 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Kusatsu und Bietigheim-Bissingen.
Erwin Bälz: Über die Todesverachtung der Japaner Ume Kajima: Hana Bälz. Die Frau des Japanarztes Erwin Bälz
Zur Einführung
Zum Verständnis der heutigen japanischen Volksseele
Über den kriegerischen Geist und die Todesverachtung der Japaner
Ehrung Verstorbener in Japan;
Ume Kajima war Präsidentin des Kajima Friedens-Instituts und Vorstandsmitglied der UNICEF Japan. 1972 bereiste sie auf Einladung von Bundespräsident Walter Scheel die Bundesrepublik und besuchte dabei auch Bietigheim-Bissingen.

 

 Expats
Erwin Bälz - Norman Bethune - Pearl S. Buck - Giuseppe Castiglione - Franz Eckert - Helmut Erlinghagen - Werner Gerich - Engelbert Kaempfer - Emil Krebs - Paul von Möllendorff - Marco Polo - John Rabe - Matteo Ricci - Adam Schall von Bell - Klaus Schlappner - Philipp Franz von Siebold - Joseph Stilwell - Alfred Graf von Waldersee - Richard Wilhelm


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