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21. August 2013

Berg der ausgesetzten Alten

姥捨て山 Ubasute-yama

‚Am nächsten Morgen stand Makoto [誠] vor Sonnenaufgang vor seiner Hütte. Er starrte in Richtung des Ubasute-Yama. ... Er presste sich die Hände auf die Ohren, eine Träne löste sich aus seinem rechten Auge und floss langsam die Wange entlang. ... Er spürte noch immer, wie seine Mutter auf seinem Rücken saß, wie sie ihn antrieb, immer weiter den Berg hinauf. Es brannte in seinen Lungen, die Seiten schmerzten von den Tritten seiner Mutter, die sofort anfing ihn zu kneifen und zu treten wenn er einen Moment stehen blieb…

… Der Daimyō [大名] kannte keine Gnade, wenn seine Untertanen versuchten, die ihm zustehende Steuer dadurch zu umgehen, dass sie sich versteckten, Kinder nicht angaben oder gar ihre alten Verwandten während der Volkszählung in die Berge schickten. Wer keine Mittel hatte, um die Beamten zu bestechen, musste korrekte Angaben machen. …

Sechs Wochen nachdem der Beamte zum ersten Mal im Dorf war, arbeitete Makoto am Abend vor seiner Hütte. Er spürte, dass es nur noch wenige Augenblicke dauern würde, bis Takeo Hideyoshi wieder auftauchen würde. …

Er ging Takeo Hideyoshi entgegen, der ihm unter seinem Hut entgegenblickte.

‚Es tut mir leid. Wir haben keine Urkunde.’, sagte Makoto.

‚Ubasute?’, fragte Hideyoshi nur.

Makoto nickte stumm.

‚Das Aussetzen der alten Menschen ist verboten. Schon lange. Das ist dir bekannt, oder?’

Makoto nickte wieder. Seine Mutter und seine Frau hatten ihn dazu überredet. Das Essen war knapp – die junge Akemi sollte geschützt werden. Er hatte seine Mutter auf den Berg getragen, damit sie dort, fernab der Familie sterben würde, so wie es früher in seinem Dorf der Brauch war. Seine Mutter verhungerte. Für seine kleine Tochter.

Er spürte den trockenen, harten Griff des Beamten an seinem Arm. ... Dann wurde er vom Beamten in die andere Richtung gezogen und folgte ihm, den Weg hinunter und aus dem Dorf hinaus."
(Knut Finke: Ubasute)

Der Überlieferung nach brachten in Japan Angehörige ihre alten Verwandten in Notzeiten auf einen Berg, um sie dort sterben zu lassen:

„Vor Zeiten lebte am Fuße eines Berges ein altes Mütterchen mit ihrem Enkel, der ob seiner Gutherzigkeit und Tüchtigkeit im ganzen Dorf hochgeachtet war. Er pflegte sie sehr treu und liebevoll und war allezeit gehorsam und ehrerbietig gegen sie.

Nun traf es sich, dass das Dorf in die Gewalt eines unbarmherzigen und unmenschlich grausamen Lehnsherrn kam. Der erließ eines Tages den Befehl an die Dorfleute, sie sollten alle alten Leute auf dem Berg aussetzen und Hungers sterben lassen; denn er meinte, sie seien zu nichts mehr nütze in der Welt und verstünden nichts als Reis zu essen. Den armen Dorfbewohnern blieb nichts übrig, als dem Befehl zu gehorchen, so schrecklich er auch war. Und so stieg das ganze Dorf an dem bestimmten Tage auf den Berg hinauf, überließ dort die armen Alten ihrem Schicksal und kehrte kummervoll heim.“
(Der Berg Obsute)

 

 das alternde Japan
Berg der ausgesetzten Alten 姥捨て山 - Kinsan-Ginsan きんさんぎんさん - Silbermarkt シルバーマーケット

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