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03. Dezember 2012

Briefe in die chinesische Vergangenheit

写给过去中国的信 Xiěgěi guòqù Zhōngguó de xìn
1983
Autor: Herbert Rosendorfer

Das Fest des Herbstmondes

„Ich habe nicht angenommen, daß es öffentliche Lustbarkeiten für die Großnasen gibt; aber es gibt sie doch. Ich sage Dir: sie sind schrecklicher als der Mißmut. ... In regelmäßigen Abständen spielt die ohnedies alles übertönende Musik noch lauter ein sehr kurzes, offenbar äußerst beliebtes Lied, dessen Sinn mir nicht ganz klar war. Es lautete: Wan-tswa-xu-fa´..., worauf auf einer gewaltigen Trommel drei mächtige Schläge erdröhnen. Das ist das Zeichen, daß jeder seinen Ma-'ßa-Krug ergreift und soviel in sich hineingießt, wie ihm möglich ist.“
(Herbert Rosendorfer: Briefe in die chinesische Vergangenheit. 1986)

Der offensichtlich unterbeschäftigte Münchner Amtsrichter Herbert Rosendorfer verfasste einen Roman in Briefform, in dem er einen Chinesen aus der chinesischen Song-Zeit [宋朝 Sòngcháo, 960 - 1279]  in das München des 20. Jahrhunderts reisen ließ.

Der etwa 50 Jahre alte Mandarin Kao-tai und sein Freund Dji-gu konstruieren um 985 einen Zeitreisekompass. Damit katapultiert er sich 1000 Jahre in die Zukunft. Weil die beiden die Erdumdrehung nicht berücksichtigten, findet er sich an einem fremden Ort wieder, landet im Land Ba Yan (Bayern) und in dessen Metropole Min-chen (München), von wo er er seinem Freund Dji-Gu in 37 Briefen von seinen Erfahrungen mit den „Großnasen“ berichtet.
 
„Gelacht habe ich auch, allerdings nicht auf jeder Seite und vor allem noch am Anfang des Buches. Die Brandopfer [Zigaretten] waren zum Brüllen komisch... Mit der Zeit ging er mir dann doch auf den Geist, der ewig meckernde, Schampus saufende und vögelnde bzw. Frauen begaffende Kao-tai, der anscheinend an nichts als der Musik des kleinen Hausquartetts Freude finden konnte und immerzu sein Hundefleisch (es lebe das Vorurteil...) vermisste. ...

Auch sonst bleiben Fragen offen oder lassen sich Gegebenheiten nicht erklären. Kein Schwein kommt auf die Idee, dass der gute Kao-tai aus China kommt, und das obwohl er gar Schriftzeichen aufschreibt (vierter Brief), und auch Shi-shmi, der an der LMU München zu arbeiten scheint, die eine auch in den 80er Jahren schon existierende Sinologie besitzt, kommt nie auf den Gedanken seinen Gast mal mitzunehmen. Wo wir schon bei Shi-shmi sind, die Umschrift, die keine ist, nervt gewaltig, in ein Wörterbuch hätte der Autor dann schon mal blicken können.

Davon abgesehen haben sich Fehler eingeschlichen, oder sind ganz bewusst gemacht worden, wer weiß. Immerhin kann man sein eigenes Geschichtswissen überprüfen.

Auch wenn die Technik des Füßebindens (zwanzigster Brief) in der Südlichen Tang-Zeit [後唐 Hou Tang, 923 - 936)] das erste Mal auftauchte, dass Kao-Tai sie kannte, davon ist eigentlich nicht auszugehen. Denn von einer Mode und einem Schönheitsideal gebundener Füße kann zu diesem Zeitpunkt nicht gesprochen werden. … Ähnlich verhielt es sich mit den von Kao-tai vermissten Zöpfen (achter Brief), die noch später [清朝 Qīngcháo, Qing-Dynastie, 1644 - 1911] im Reich der Mitte ankamen. Apropos Reich der Mitte [中國 Zhōngguó], dies war keine Bezeichnung, die man im China der Song-Zeit benutzte. Der Dynastiename war der Staatsname, erst mit der Republik tauchte erstmals Zhōngguó in Staatsnamen auf. …

Alles in allem würde ich sagen: Man kann's schon lesen und stellenweise ist es auch witzig – aber es ist eben kein Buch über China oder einen Chinesen, sondern eine Gesellschaftskritik der 80er Jahre. Durchweg ziemlich pessimistisch und ohne wirklich Lösungsansätze anzubieten - ich verbanne es wohl zurück ins Regal.“
(ChinaSeite.de – Nutzerin Linnea im China-Forum vom 24. 11. 2009)
 
 

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