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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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03. Dezember 2012

Bonze

坊主 bōzu
 
Bonze
(Bild: Wikimedia)
 
Aus dem Umfeld des Japan-Missionars Franz Xaver ist folgende Anekdote überliefert:

Jene Bonzen (in Fukushō-ji) haben den Brauch, daß sie sich in einem Jahre 100 Tage lang für eine oder zwei bestimmte Stunden in Betrachtung versenken, was sie Zazen nennen... In ihrer Körperhaltung zeigen sie eine solche Bescheidenheit, Sammlung und Ruhe, als wären sie in göttlicher Beschauung verzückt.

Als P. Magister Francisco einmal mit diesem alten Bonzen, dem Oberen des Klosters, durch den gemeinsamen Raum schritt, wo alle Bonzen (gerade) damit beschäftigt waren, ihre Betrachtung zu halten, fragte der Pater Ninjit: ‚Was tun diese Ordensleute hier?'

Da lächelte jener und antwortete ihm: ‚Die einen berechnen, wieviel sie die vergangenen Monate von ihren Gläubigen eingenommen haben; andere überlegen, wo sie bessere Kleider und Behandlung für ihre Person bekommen können; andere denken an ihre Erholungen und ihren Zeitvertreib; kurz, keiner an etwas, das irgendwelche Bedeutung hätte.’“

(http://www.capurro.de/xaver.html)
 
 
Bonze als Schimpfwort
 
Bonze ist eigentlich ein Ehrentitel, der Priestern in Japan verliehen wurde. Durch die europäischen Kolonialherren kam das Wort nach Europa, wo es zu einem Schimpfwort wurde. Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert verweltlicht und auf Staatsmänner, Vorgesetzte und Inhaber von hohen Ämtern angewandt. Um 1890 wurde es außerdem zu einer spöttischen Bezeichnung für Gewerkschaftsfunktionäre.
 
Wörter und ihre Schicksale
 
„Im deutschen Schrifttum kommt das Wort Bonze seit Mitte des 17. Jahrhunderts vor, wobei man vier Phasen unterscheiden kann.

1. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lautet es im Deutschen Bonzier (Mehrzahl Bonzy) und bedeutet schlechthin einen buddhistischen Priester.

2. Im Jahre 1732 definiert Hübners Lexikon: ‚Bonziers heissen in China die Pfaffen, welche sich selbst auf allerhand Art martern, um die Sünden derer zu büssen, die ihnen dafür Geld geben.’
Diese Definition deckt zwar nicht genau den Sinn, den das Wort im 18. Jahrhundert bekommen hatte, wesentlich ist jedenfalls, dass in der Aufklärungszeit der Akzent auf das Abergläubische, auf das übertrieben Religiöse gelegt würde. Immer mehr wurde das Wort zum Spottwort gegen bigotte Priester jedes Glaubensbekenntnisses, Wieland — durch den anscheinend die Form Bonze eingeführt war unterschied 1782 ‚einen echten christlichen Pfarrherrn von den Pfaffen, Bonzen usw.’
Die Aufklärungszeit brachte auch Weiterbildungen wie Bonzerei, Bonzenwesen, Bonzengift. (Ein Jahrhundert später schrieb Johannes Scherr, der kirchlichen Intrigen gegen Joseph II. gedenkend, von einem Bonzengegrunze.)

3. Im 19. Jahrhundert wurde der Bonzenbegriff aus dem Religiösen und Kirchlichen mehr in das Gebiet des Staats- und Gesellschaftswesens verschoben. Als Bonzen galten nun in respektloser Sprache die Vorgesetzten, Würdenträger (ungefähr das, was uraltbayrisch-österreichisch die Großkopfeten nennt).

4. Neben diesem jetzt noch gültigen allgemeinen Sinn tritt im letzten Jahrzehnt noch ein engerer Sinn in die Erscheinung. Bonze ist im besondern ein mehr oder minder unfreundliches Spottwort geworden, mit dem Angehörige der Arbeiterbewegung ihre eigenen, in staatlichen und kommunalen Ämtern oder in der Gewerkschaftsbureaukratie tätigen Führer bezeichnen. Dieser Bezeichnung liegt gleichsam der Vorwurf zugrunde, die Führer seien verbürgerlicht, der Masse und ihren revolutionären Neigungen entfremdet. Die Bezeichnung Bonze ist schließlich auch von den Gegnern des Sozialismus als Schlagwort gegen dessen Führer aufgegriffen worden. Auch in dem bekannten Roman von Hans Fallada, ‚Bauern, Bomben, Bonzen’ sind mit Bonzen sozialdemokratische Verwaltungsbeamte gemeint. Auch Weiterbildungen hat das Schlagwort Bonze erfahren. So ist z. B. das Zeitwort ‚umbonzen’ aufgekommen, in dem Sinne: die Bonzen einer Richtung durch solche einer andern ersetzen. Neu ist auch die Bildung ‚Bonzokratie.’“
(Adolf Josef Storfer: Wörter und ihre Schicksale. Berlin: Atlantis, 1935)
 

 

buddhistische Schlüsselbegriffe
Amitabha अमिताभ - Bodhidharma बोधिधमृ - Bodhisattva बोधिसत्त्व - Bonze 坊主 - Buddha बुद्ध - Buddhismus 佛教 - Daibutsu 大仏 - Dalai Lama ཏཱ་ལའི་བླ་མ་ - Dickbauch-Buddha 笑佛 - Drei Religionen 三教 - Jadebuddha-Tempel 玉佛禅寺 - Jizo 地藏 - Kannon 観音 - Lama 喇嘛, Лам, བླ་མ - Maitreya मैत्रेय - Om mani padme hum ॐ मणिपद्मे हूँ - Pagode 塔 - Pantschen Lama པན་ཆེན་བླ་མ་ - Reines Land 净土 - Zehn Ochsenbilder 十牛圖 - Zen ध्यान - Zengarten 枯山水
  

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