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03. Dezember 2012

Barbaren

戎夷蠻狄 Róng Yí Mán Dí

Bis zum Opiumkrieg im Jahre 1840 verharrten die Chinesen in der Auffassung, China sei der Mittelpunkt der Welt (天下 tiānxià), die umliegenden Länder seien unkultiviert und ihre Bewohner Barbaren.

„Kennzeichnend für die Haltung der Chinesen war die Auffassung: ‚Verehrung des Königs und Vertreibung der Barbaren.’ Denn ‚wer nicht von meinem Stamm ist, dessen Seele ist bestimmt anders. Daher hätte eine Erhebung der Barbaren das größte Unglück für China bedeutet. Um diese Gefahr zu bannen, hielten es die Chinesen für die beste Methode, die Barbaren durch die chinesische Kultur umzuwandeln. ...

Die Außenpolitik Chinas, die sich von der Qin-Zeit [秦朝 Qíncháo; 221 - 207 v. Chr.] bis zum Opiumkrieg 1840 kaum geändert hat, basierte also auf der Auffassung, daß das ‚Reich der Mitte’ ([中國] Zhōngguó) die eigentliche Welt sei und daß es keine Staaten gebe, sondern nur Kultivierte und Barbaren. Die China umgebenden barbarischen Völker konnten sich entscheiden, ob sie die chinesische Kultur annehmen wollten oder nicht. Von China ging dabei keinerlei Zwang aus. Wenn sie sich China unterstellen wollten, so wurden sie zu Vasallen erklärt und waren zu regelmäßigem oder unregelmäßigem Tribut verpflichtet. Dafür erhielten die Vasallen großzügige Gegengeschenke. China seinerseits leistete ihnen Beistand, wenn in ihrem Land Unruhen ausbrachen oder wenn sie von außen angegriffen wurden.“
(Kuo Heng-yü: China und die Barbaren. Eine geistesgeschichtliche Standortbestimmung. Pfullingen: Neske, 1967

suedliche-noerdliche-botschafter

Ausländische Botschafter bei ihrer Aufwartung des Liang-Kaisers (von links):
Uar (滑 Huá); Persien (波斯); Baekje (백제 / 百濟, Korea); Qiuci (Kucha (كۇچار), 庫車 Kùchē); Wo (倭Wō, Japan); Langkasuka (狼牙脩 Langyaxiu); Dengzhi (鄧至); Zhouguke (周古柯), Hebatan (呵跋檀), Humidan (胡蜜丹), Baiti (巴伊提); Qiemo (且末).

Jedes Mal, wenn ein untergebener Staat den Tribut zahlte, war dies für die Chinesen der Beweis, dass der Sohn des Himmels (天子 tiānzǐ) das Mandat des Himmels (天命 tiānmìng) auch wirklich innehatte. Während die Chinesen die Anzahl der Tribut zahlenden Gesandtschaften als Maßstab für die Güte des Kaisers ansahen, war für die Barbaren der Tribut nichts weiter als die Lizenz, Handel zu treiben.

Noch bis ins 19. Jahrhundert glaubten selbst gebildete Chinesen, die Völker Europas seien umherschweifende Nomadenstämme wie Chinas Nachbarn in den Steppen. England wurde mit Portugal verwechselt und Amerika einmal für eine kleine, Großbritannien vorgelagerte Insel gehalten. Als 1840 der Opiumkrieg (鴉片戰爭 yāpiàn zhànzhēng) ausbrach, war Europa in den Augen des Kaisers immer noch ein unkultiviertes Gebiet. Im Jahr 1841 schrieb der Generalgouverneur von Guǎngdōng [廣東]  und Guǎngxī [廣西] an den Kaiser:

„Das Land der (englischen) Barbaren ist ein barbarisches Land. Sein gegenwärtiger Herrscher [Queen Victoria] ist eine schwache junge Frau. Sie kann die Hauptverantwortlichen nicht kommandieren, sondern kann sie nur gehen lassen. Und das Land lebt allein vom Handel.“

Rhabarber ist lebensnotwendig für die Barbaren.

Rhabarber (大黃 dàhuáng), Tee (茶 chá) , Porzellan (瓷器 cíqì) und Seide (絲綢 sīchóu), die nur China besitze, seien notwendige Waren für die westlichen Länder. Besonders Rhabarber und Tee, so glaubten die Chinesen, könnten die Barbaren keinen Tag entbehren. Der Zensor Zhou Xu zum Beispiel schrieb in einer Eingabe an den Kaiser:

„Wenn die Barbaren im Inland, wie Untersuchungen ergeben haben, einige Monate keinen Rhabarber und Tee genossen haben, dann werden sie blind, die Eingeweide werden verstopft, und sie können nicht mehr leben.“
(Kuo Heng-yü: China und die Barbaren - Eine geistesgeschichtliche Standortbestimmung; Pfullingen: Neske-Verlag, S. 40)

barbarenfutter

Da Rhabarber und Tee für die Barbaren unentbehrlich seien, sei es eine Gnade des Kaisers, wenn er ihnen erlaube, diese Güter zu exportieren. Die Chinesen waren davon überzeugt, dass die Barbaren sterben müssten, wenn man den Export untersage. Lín Zéxú (林則徐) stellte schon im Jahr 1839 in einer Eingabe an den Kaiser fest, dass der Export an Rhabarber eigentlich sehr gering sei und keineswegs etwas Unentbehrliches darstelle. Aber man glaubte ihm nicht.

Die Verachtung der Barbaren hat in China eine lange Tradition. Der Tang-Kaiser Tàizōng (唐太宗 Táng Tàizōng) sagte über die Fremdvölker:
 

„Die Barbaren haben das Antlitz von Menschen und das Herzen von Tieren.“
戎狄人面兽心。
Róngdí rén miàn shòu xīn.

Die Chinesen waren auf Jahrtausende von Nomadenvölkern umgeben, die sie als Barbaren verachteten. Meistens waren sie auch auf einer niederen Kulturstufe.
 

Barbaren mit Barbaren bekämpfen

„Sich demütigen, um einem Starken zu dienen, ist kleiner Staaten Art. Kleine zusammenschließen, um Große anzufallen, ist die Art eines ehrgeizigen Staates. Sich der Barbaren zu bedienen, um Barbaren zu bekämpfen, ist die Art des Reiches der Mitte.“

以夷制夷。
Yǐ yí zhì yí.

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