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03. Dezember 2012

Bada Shanren

八大山人 Bādà Shānrén / Pa-ta-shan-jen (Mensch von acht großen Bergen)
朱耷 Zhū Dā (Familienname Zhū + herabhängende Ohren)
1625 - 1705

badashanren

„Am Schluss setzt Shanren sich noch einmal hin, um ein letztes Bild zu malen. Doch die Kräfte verlassen den Gealterten. Der Pinsel fällt ihm aus der Hand. Das Fässchen Tusche kippt um, Shanren bricht über seinen Utensilien zusammen. Sein Gewand saugt sich mit Schwärze voll. Bildlicher könnte man sich diesen Tod kaum vorstellen.“
(Matthias Echternhagen in der TAZ vom 3.Juni 2003: Treibgut in einem Meer des Ungefähren)
 
Zhū Dā, der Abkömmling eines Ming-Prinzen galt als Wunderkind und begann bereits in frühester Kindheit mit dem Malen und dem Schreiben von Gedichten. Nach dem Sturz der Ming-Dynastie floh er im Alter von zwanzig Jahren in ein buddhistisches Kloster und wurde Mönch. Nach einem Nervenzusammenbruch zeigte er Züge einer Geisteskrankheit, die ihn zu abrupten Wechseln zwischen euphorischer Hochstimmung und Depression führten.
 
Die stilisierte senkrechte Schreibung des Pseudonym Bada Shanren (八大山人) ähnelt den Schriftzeichen für lachen (笑 xiào) und weinen (哭 kū), womit er wohl seine innere Zerrissenheit ausdrückte. Man kann es mit „Eremit der Acht Himmelsrichtungen" übersetzen.
 
Eines Tages schrieb er das Zeichen 啞 (yǎ stumm) an seine Tür und sprach kein Wort mehr, obwohl er weiterhin lachte, schrie und gestikulierte. Viele seiner Bilder entstanden unter dem Alkoholeinfluss. Als er sein hohes Alter erreichte, beruhigte er sich allmählich und vergnügte sich mit dem Malen.
 
bada-shanren-1
 
„In Zhū Dās Bildern verloren die Gegenstände, besonders die Pflanzen ihre festen Strukturen. Die Kontur der Stämme und Äste bei Kiefer und Bambus und die gestochene Kalligraphie der Bambusblätter und Gräser lösten sich auf. Die Brüchigkeit der Verwitterung führte zu zerhackten Linien aus wässeriger Tusche. Der Eindruck der Flüchtigkeit und des Verschwimmens des als sicher geglaubten Symbolwerts der traditionellen Pflanzen- und Tiermotive wurde höchst absichts- und kunstvoll erzeugt. Zhū Dās gemalte Natur ist krank und vom Verfall bedroht. Unter den Tieren, die er seinen brechenden Bäumen beigesellte, bevorzugte er Fische; und auf den letzten herabhängenden Ast eines verdorrten Baumes setzte er gern eine sich eitel putzende Haubenmaina [Acridotheres cristatellus], jenen Vogel aus der Familie der Stare, der, da er in der Lage ist, menschliche Laute nachzuahmen, gern als negatives Symbol benutzt wurde für Menschen, die sich durch die Fähigkeit des Nachplapperns als willige Werkzeuge neuer Umstände erzeigten.

Durch die Auseinandersetzung mit den strengen Meditationsformen des Buddhismus kam Zhū Dā schließlich so weit, auf alles malerische Beiwerk in seinen Bildern zu verzichten. Im kleinen Museum in Wúxí [无锡] stand ich erstaunt und zugleich erregt vor einigen seiner Blätter: ein Fisch, der von einem großen Fisch gefressen wird; eine Katze im Sprung; eine Schale, auf deren Rand eine rote Frucht liegt, dargestellt nur durch einen einzigen kreisrunden schwarzen Pinselstrich, den ein rotflächiger Kreis schneidet. Die Welt des Bildes reduziert zur fast abstrakten Form. Mit der Tradition der Literaten-Maler, die den ‚ Abdruck des Herzens’ durchaus mit ‚ einfühlenden Mitteln’ zu erzeugen suchten, hatte Zhū Dā gebrochen; kein Wunder, daß man ihn als ‚verrückten Mönch’ und noch geringschätziger als ‚Individualisten’ bezeichnete.“
(Friedemann Berger: Die Milchstraße am Himmel — und der Kanal auf Erden. 1988. ISBN 7-119-00621-5/Z.242)
 
Literatur
Richard Weihe: Meer der Tusche. Erzählung mit zehn Bildern. Zürich: Nagel & Kimche, 2003. ISBN: 978-3-31200312-9

 

chinesische Maler
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