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03. Dezember 2012

Abakus

算盘 suanpan (Rechenbrett)
そろばん soroban (Rechenbrett)

Herbst 1983 in einem chinesischen Hotel. Der Mann an der Rezeption war fortschrittlich: Er ermittelte den Zimmerpreis schon mit einem Taschenrechner. Doch dann traute er dem Ergebnis nicht, griff nach seinem vertrautem Abakus und prüfte das Ergebnis mit flinken Fingern nach.

Der Abakus (griechisch: ὁ ἄβαξ, ἄβακος,  ho abax, abakos = das Brett) ist ein altes mechanisches Rechenhilfsmittel, das in Ostasien noch bis in die Gegenwart hinein im Alltag sehr gebräuchlich war. Er wird allerdings immer mehr vom Taschenrechner verdrängt, auch wenn es jetzt schon elektronische Geräte gibt, die beides - Abakus und Taschenrechner - miteinander verbinden.

Wettbewerb zwischen Abakus und Computer
Im November 1945 – kurz nach Kriegsende – fand in Japan ein interessanter Wettkampf statt:
Der Japaner Matsuzaki Kiyoshi war Champion des Soroban im japanischen Postverwaltungsministerium. Der US-Soldat Thomas Woods war der beste Bediener elektrischer Rechenmaschinen. Die beiden Kontrahenten hatten fünf Aufgaben zu lösen.

Der Wettkampf wurde von der amerikanischen Armeezeitung Stars and Stripes organisiert. Das Ergebnis des Wettkampfes war überraschend:

  • Additionen mit drei- bis sechsstelligen Zahlen Matsuzaki schlägt Woods
  • Subtraktionen mit sechs- bis achtstelligen Zahlen Matsuzaki schlägt Woods
  • Multiplikationen fünf- bis zwölfstelliger Zahlen Woods schlägt Matsuzaki
  • Divisionen fünf- bis zwölfstelliger Zahlen Matsuzaki schlägt Woods
  • Gemischte Aufgabe: Additionen, Subtraktionen, Multiplikationen,
  • Divisionen (sechs- bis zwölfstellige Zahlen)
  • Matsuzaki schlägt Woods

Endergebnis: Woods, mit seiner elektrischen Rechenmaschine, wird 4:1 von Matsuzaki und seinem Soroban geschlagen. Stars and Stripes kommentierte:
„Die Maschine hat gestern im Ernie Pyle-Theater einen Rückschlag hinnehmen müssen, als das Jahrhunderte alte Kugelbrett die modernste Rechenmaschine der Vereinigten Staaten vernichtend schlug.“

Wie leicht ist die Handhabung?

Der britische Japanologe Basil Hall Chamberlain war nicht so sehr überzeugt von der Funktionsweise und schien sich auch nie die Mühe gemacht zu haben, den Abakus zu verstehen, was nicht übermäßig schwer ist. So schrieb er in seinem 1809 erschienenen Buch „Things Japanese“:

„Lerne mit dem Rechenbrett umzugehen ... und du wirst nicht selten bei deinen Einkäufen einen recht beträchtlichen Prozentsatz ersparen. Das Rechenbrett besteht aus Kügelchen, die sich an in einem Rahmen befestigten D rähten bewegen, das heißt es ist jenes Instrument, mit dem viel von uns als Kinder das Einmaleins lernten. ... Nehmen wir an, du hast in einem Altertumsladen gefeilscht, und der Kaufmann kam in Verwirrung. Er informiert sich in seiner Preisliste und berechnet dann auf dem Brett (in der sicheren Voraussetzung, dass du nicht damit umzugehen verstehst) den niedrigsten Preis, für den er dir den fraglichen Gegenstand lassen könnte. Dann erhebt er das Haupt und versichert dir mit einem sanften Lächeln, dass ihn der Artikel selbst so und so viel kosten würde, und er nennt dir einen Preis, der beträchtlich höher ist als der wirkliche. Wenn du seine Berechnung auf dem Brette folgen kannst, so wird er den Kürzeren ziehen, andernfalls steht zehn gegen eins, dass du den Kürzeren ziehst.

Das Prinzip des Rechenbretts ist folgendes. Jede der fünf Kugeln in der breiten unteren Abteilung des Brettes repräsentiert eine Einheit, und jede einzelne Kugel in der schmäleren oberen Abteilung fünf Einheiten. Demnach hat jede senkrechte Kolumne den Wert von zehn Einheiten... Auf dem Rechenbrett kann jede arithmetische Rechnung ausgeführt werden, sogar bis zum Ausziehen von Quadrat- und Kubikwurzeln; ...

Wir gestehen, dass wir die Divisionstabelle nicht verstehen, selbst mit Dr. Knotts (schottischer Schriftsteller) Erklärungen nicht. In der Tat, wir gestehen noch mehr: Wir haben nie das Rechenbrett beherrschen gelernt! Wenn wir anderen dieses Studium empfehlen, so geschieht es, weil wir hoffen, dass sie in ihrem eigenen Interesse tun werden, was wir ihnen sagen und nicht, was wir selbst tun. Persönlich sind wir zur Überzeugung gekommen, dass eine Rechenmethode schon genug und mehr als genug ist, um das Glück eines Menschenlebens zu vergiften.“
(Basil Hall Chamberlain: ABC der japanischen Kultur. Zürich: Manesse, 1990. ISBN: 978-3-71758172-7)

 


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