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03. Dezember 2012

Amakudari

天下り amakudari (vom Himmel herabsteigen)

amakudari
Buchtitel

 

„Obwohl ein neues Gesetz die Geldspenden begrenzt, die ein Politiker von Industriefirmen akzeptieren darf, bleibt Korruption in Nippons Regierungssystem sozusagen ‚eingebaut’. ‚Schwarzer Nebel’ sagen die Japaner dazu. Was nicht heißen soll, daß das Land mit diesem politischen System bisher schlecht gefahren ist. Denn so allmächtig, wie die Politiker auf den ersten Blick scheinen, sind sie gar nicht, und es fällt selten ins Gewicht, wenn der eine oder der andere versagt. Politiker sind viel zu beschäftigt, um ihre Wahl oder Wiederwahl zu organisieren, in ihren Fraktionen zu antichambrieren und für ihre Wahlkreise zu spenden, als daß sie sich mit der Tagespolitik und der Gesetzgebung ausgiebig beschäftigen könnten. Das überlassen sie Nippons heimlichen Regenten: der äußerst kompetenten, tüchtigen und hart arbeitenden Schicht der höheren Beamten.

In die Ministerialbürokratie steigen nur die intelligentesten und fähigsten Akademiker des Landes auf – einer von 150 Kandidaten übersteht die Prüfungen. Die Elite-Universität ‚ Tōdai’
[東大] ist das beste Sprungbrett und stellt fast jeden zweiten Karriere-Beamten. In einem noch weit größeren Ausmaß als in der Bundesrepublik werden Gesetze außerhalb des Parlaments vorbereitet, und auch die Durchsetzung und Interpretation obliegt der Bürokratenschicht. Ex-Premier Tanaka [田中角榮 Tanaka Kakuei] hat einmal gesagt, 80 Prozent seines Jobs bestünde darin, die Beamtenschaft auf seinen Kurs einzuschwören, und das gilt bis heute. Nur so kann sich Japan den raschen Wechsel an der Spitze der Ministerien leisten: Die ‚Generalisten’-Chefs gehen, die sachkundigen Spitzenbeamten bleiben. ...

Die Karriere im höheren Staatsdienst gilt nicht nur deshalb als attraktiv, weil sie Einfluss und ordentliche Bezahlung verspricht. Sie verschafft auch finanzielle Sicherheit für den Lebensabend. Höhere Beamte können bis zu ihrem 55. Lebensjahr, oft noch länger im Amt bleiben, wenn sie wollen, aber auch schon mit 50 ausscheiden und einen lukrativen ‚Pensions-Job’, etwa als Berater in einem Industriebetrieb, übernehmen. ‚Himmelfahrt’ (‚Amakudari’) nennen die Japaner diesen finanziellen Aufstieg. Die Ministerialbürokraten sind für die freie Wirtschaft so interessant, weil sie wissen, wie die Querverbindungen zwischen Politikern, der Verwaltung und dem ‚Big Business’ laufen. Schon in ihrer Amtszeit halten sie die Kontakte zu dem dritten Wagen in der Troika, die den japanischen Staatskarren zieht: den Wirtschaftskonzernen.“
(Dieter Blum und Erich Follath: Nippon. Stuttgart: Fink, 1989. ISBN: 978-3-92382702-2)
 
Hochrangige Bürokraten nehmen in Japan häufig nach ihrer Pensionierung - nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepause von zwei Jahren - einen Platz im Management von Unternehmen ein. Sie wechseln gern als Berater in die Wirtschaft - oft in jene Branche, für die sie bisher zuständig waren: Der Ministerialdirektor aus dem Finanzministerium bezieht dann ein neues Büro in der Führungsetage einer großen Bank.
 
Herabsteigen vom Himmel“ (Amakudari) heißt dieser Vorgang. Tatsächlich steigen die Beamten finanziell eher in den Himmel auf.

Als Gegenstück kommt noch das „Aufsteigen“ hinzu: „Amaagari“ (天上がり). Damit ist die Entsendung von Personal aus Unternehmen in die Behörden gemeint.
 
japanische Nachkriegspolitik
Amakudari 天下り - Artikel 9 第九条 - Einkommensverdopplungsplan 所得倍増計画 - Erbabgeordnete 世襲議員 - Friedensvertrag von San Francisco 日本国との平和条約  - Lautsprecherwagen 街宣車 - Liberaldemokratische Partei 自由民主党 - Lockheed-Skandal ロッキード事件 - Douglas MacArthur マッカーサー - MITI 通商産業省 - Tanaka Kakuei 田中角榮
 

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