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11. November 2012

Im Brunnen sitzend den Himmel betrachten

坐井观天
Zuò jǐng guān tiān

  • „Es gibt da ein chinesisches Sprichwort, ‚der Frosch am Boden des Brunnens sieht nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels.‘“
In einem verfallenen Brunnen lebte ein glücklicher Frosch. Er suhlte sich im Schlamm und schlief in den Löchern der Brunnenmauer.
Als eines Tages eine Schildkröte aus dem Meer vorbeikam und von oben fragte, wie es da unten so sei, schwärmte er von seinem Brunnen: „Hier ist es herrlich! Komm und sei Gast in meinem Reich, in dem ich König bin.“

Doch als die Schildkröte ihren rechten Fuß in den Brunnen setzen wollte, blieb sie mit dem linken Fuß an einem Mauervorsprung hängen und zögerte. Dann erzählte sie dem Frosch vom Meer: „Kennst du das Meer? Du glaubst gar nicht, wie gewaltig es ist. Selbst wenn du dir eine Entfernung von tausend Meilen vorstellst, hast du noch keine Idee von der Weite des Meeres - und selbst wenn du dir tausend Meter vorstellst, hast du noch keine Idee von seiner Tiefe. Vor langer Zeit gab es eine neunjährige Flut - aber der Meeresspiegel stieg nicht. Später gab es eine siebenjährige Dürre - aber der Meeresspiegel sank nicht.“

Da war der Brunnenfrosch vor Staunen starr und die Schildkröte ging ihres Weges.

Seit dieser Begegnung ist ein Frosch im Brunnen ein Sinnbild für eine stolze Person mit einem beschränkten Horizont.

Der Frosch auf dem Boden des Brunnens
井底之蛙
Jǐng dǐ zhī wā


井    jǐng    Brunnen
底    dǐ    Boden, Grund
之    zhī    Genitiv
蛙    wā    Frosch

In diesem Zusammenhang sollte man auch die folgende Geschichte erzählen:

In einem tiefen Brunnen lebte eine Kolonie von Fröschen. Sie waren durch ihre Abgeschiedenheit geschützt vor der Außenwelt. Die einzige Gefahr, der sie gelegentlich ausgesetzt waren, war der Wassereimer.

Nun kam eines Tages ein junger Frosch namens Froggy (蛙蛙 Wāwā) auf die Idee, diesen Eimer zu einem Ausflug nach oben zu nutzen. Er sprach darüber und erntete herbe Kritik: Der Himmel wird uns bestrafen; die Welt außerhalb des Brunnens ist schrecklich!

Doch unser neugieriger Froggy ließ sich nicht entmutigen: Mit dem nächsten Eimer reiste er ins Unbekannte. Daraufhin verbot der Froschkönig (蛙王 Wāwáng) auch nur die Erwähnung dieses Vorfalls.

Monate vergingen, ohne dass Froggy vergessen worden wäre. Da hörte man eines Tages ein vertrautes Quaken von oben. Froggy saß am Brunnenrand, neben ihm seine Frau und sieben kleine Frösche. „Hier oben ist eine wunderbare Welt“, quakte er in den Brunnen hinein.

Der Froschkönig drohte: „Wehe dir, du Verräter! Du bist des Todes, wenn du es wagst, heimzukommen.“

Doch Froggy entgegnete nur schnippisch: „Auf keinem Fall komme ich in Euer dunkles Loch zurück. Schönen Tag noch.“

Im Brunnen brach nun ein Aufruhr los, den der Froschkönig mit Gewalt beenden ließ. Am nächsten Tag aber, als der Eimer wieder nach oben gezogen wurde, war er voller Frösche.

Im Brunnen sitzend den Himmel betrachten
坐井观天
Zuò jǐng guān tiān

坐    zuò    sitzen
井    jǐng    Brunnen
观    guān     betrachten; Langzeichen: 觀
天    tiān    Himmel

Froschperspektive
井蛙之见
Jǐngwā zhī jiàn
Die Sicht eines Frosches

Will man sich über jemanden beklagen, der nur einen beschränkten Horizont hat, kann man mit dem Philosophen Zhuāngzǐ (庄子) sagen: „Mit einem Brunnenfrosch kann man nicht über das Meer reden, er ist beschränkt auf sein Loch. Mit einem Sommervogel kann man nicht über das Eis reden, er ist gebunden durch seine Zeit. Mit einem Gelehrten kann man nicht vom Leben reden, er ist gebunden durch seine Lehre.“
(南华真经 Nánhuá Zhēnjīng. – Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, Kapitel 17, Herbstfluten. – Übersetzung von Richard Wilhelm)

Mit einem Frosch kann man nicht über das Meer sprechen.
井蛙不可以语于海者。
Jǐng wā bù kěyǐ yǔ yú hǎi zhě.

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