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Prof. Dr. Frank Rövekamp

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Christine Liew, M.Litt.
0621-5203-423

Sekretariat
Conny Scheurer
0621-5203-410

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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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05. September 2012

Mönche und Unsterbliche

Im Gegensatz zu Anhängern anderer Religionen gehen die Buddhisten friedlich vor: Sie überreden „Ungläubige“ nicht mit dem Schwert zum „richtigen Glauben“. Stattdessen lassen sie die Kulte der einheimischen Bevölkerung gelten: Als sie nach Japan kamen, beteten die Menschen dort ihre alten Naturgötter an. Was taten die buddhistischen Mönche? Sie erklärten, dass diese Shinto-Gottheiten in Wirklichkeit Buddhas seien. Und schon konnten Japaner zum neuen Glauben übertreten, ohne sich umstellen zu müssen.

Bedenken wir, dass in China ursprünglich nur den Verbrechern der Kopf kahl geschoren wurde, hat der Kahlkopf der Mönche eine besondere Bedeutung. Heute leben überall in China Tausende buddhistische Mönche. Sie sehen einander in ihrer schlichten Kleidung und mit kahl geschorenen Köpfen ziemlich ähnlich.

Auf dem Emei-Berg (峨眉山 Éméi Shān) gab es viele Klöster. Die Mönche der großen Klöster waren reich, die der kleinen dagegen arm.

Eines Tages kam ein armer Mönch aus einem kleinen Kloster zu einem der reichen Mönche, um sich von ihm zu verabschieden; er wollte eine Pilgerfahrt zum heiligen Berg Pǔtuóshān (普陀山) unternehmen, einer Insel im Östlichen Meer. Das war eine sehr weite Reise, die über viele Berge und reißende Ströme führte.

Der reiche Mönch wunderte sich: ‚Was nimmst du mit?’ fragte er.

‚Nur einen Becher für Wasser und eine kleine Schüssel, um etwas Reis zu erbitten.’

‚Ich habe selbst vor, zum Pǔtuóshān zu pilgern’, sagte der reiche Mönch, ‚seit mehreren Jahren treffe ich schon Vorbereitungen dazu, aber es fehlt immer noch das Eine oder Andere. Ich glaube, mein Freund, du stellst es dir zu einfach vor.’

Nach einem Jahr kehrte der arme Mönch von seiner Pilgerfahrt zurück und berichtete dem reichen Mönch von seinen Erlebnissen. Der wurde zwar etwas verlegen, behauptete aber auch jetzt, dass seine Vorbereitungen immer noch nicht abgeschlossen wären.

Ein Mönch mit Schirm
和尚打伞 — 〈无发无天〉
Héshang dǎsǎn –– wú fà wú tiān.
Ein Mönch mit Schirm — kein Haar und kein Himmel

Ein oft zitierter Satz aus Edgar Snows Interview mit dem Kommunistenführer Máo Zédōng (毛泽东) vor dem ersten Besuch eines US-Präsidenten in China entpuppte sich im Nachhinein als Fehlübersetzung. 1971 schrieb Snow, Mao sehe sich als „einsamen Mönch mit einem löchrigen Regenschirm“ (和尚打伞 héshang dǎsǎn). Da Maos Dolmetscherin die Anspielung auf das bekannte Sprichwort nicht erkannte, übersetzte sie seine Worte als „ein einsamer Mönch, der die Welt mit einem undichten Schirm durchwandert“.
Edgar Snow folgerten daraus, dass Mao sich für einen tragischen Einzelgänger hielt. In Wahrheit aber wollte Mao deutlich machen, dass er selbst Gott und Gesetz sei: wúfǎ wútiān. (无法无天)“
Erst 1990 wurde dieses Missverständnis von einem Historiker, der bei dem Interview anwesend war, klargestellt. Mao hatte den ersten Teil eines zweiteiligen Sprichworts zitiert und sich als „buddhistischen Mönch mit Schirm“ bezeichnet. Der zweite Teil, den Mao nicht ausgesprochen hatte, lautet „hat weder Haar noch Himmel“ (无发无天wúfà wútiān).
Ein buddhistischer Mönch hat ein kahlgeschorenes Haupt, der Schirm nimmt ihm die Sicht auf den Himmel. Das im ersten Teil beschriebene Bild dient lediglich als Aufhänger für ein Sprachspiel, das auf den ähnlichen Klang von „Haar“ (发 fà) und „Gesetz“ (法 fǎ) beruht. Es bedeutet „irdischen und himmlischen Gesetzen trotzen“.
Mao fühlte sich also keineswegs einsam, sondern verwies scherzhaft auf seine uneingeschränkte Macht. Das Bild des „einsamen Mönchs, der die Welt mit einem löchrigen Regenschirm durchwandert“ verselbstständigte sich indes und ist auch Jahrzehnte später in der westlichen Presse anzutreffen:

和    hé    Harmonie
尚    shang    immer noch
打    dǎ    schlagen
伞    sǎn    Schirm
无    wú    nicht haben; Langzeichen: 無
发    fà    Haar; klingt ähnlich wie fǎ (法 = Gesetz)
无    wú    nicht haben; Langzeichen: 無
天    tiān    Himmel

Die acht Unsterblichen überqueren das Meer.
八仙过海 — 各显其能。
Bāxiān guò hǎi — gè xiǎn qí néng.
Die acht Unsterblichen überqueren das Meer – jeder zeigt, was er kann.

Die acht Unsterblichen sind Teil der daoistischen Mythologie. Die Legende besagt, dass jeder von ihnen ein besonderes Requisit besaß. Diese Zauberwaffen kamen u. a. dann zum Einsatz, wenn die Unsterblichen das Meer überqueren wollten, um zum Geburtstag der Königsmmutter des Westens (西王母 Xīwángmǔ) ins Paradies des Westens (西天 Xītiān) zu gelangen: Jeder machte sich seine übernatürlichen Fähigkeiten zunutze und stellte sein besonderes Können zur Schau.
So warf Zhōnglí Quán (钟离权) als Erster seinen Fächer ins Wasser, legte sich auf ihn und schwamm davon. Hé Xiāngū (何仙姑) warf ihre Lotosblüte ins Wasser, stellte sich auf sie und ließ sich vom Wasser treiben. Ähnliches taten die anderen Unsterblichen und überquerten auf verschiedene Art und Weise das Meer. Lǐ Tiěguǎi (李铁拐) warf seine Krücke ins Wasser und segelte darauf über das Meer. Hán Xiāngzi (韓湘子) setzte auf ihrem Blumenkorb über usw.

Verwendung:
Das Sprichwort wird verwendet, um eine Situation zu kommentieren, in der jeder seine besonderen Fähigkeiten einsetzt, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

八    bā    acht
仙    xiān    Unsterbliche/r
过    guò    überqueren: Langzeichen: 過
海    hǎi    Meer
各    gè    jeder, jede
显    xiǎn    zeigen; Langzeichen: 顯
其    qí    sein, seine
能    néng    Fähigkeit

Yelang hält sich für groß.
夜郎自大。
Yèláng zì dà.

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde das geheimnisvolle Königreich Yèláng in Südchina wieder entdeckt, das man eigentlich nur noch von einem Sprichwort her kannte.
Dieses Königreich bestand für zwei Jahrhunderte und ging dann unter. Im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung reiste ein Gesandter der chinesischen Han-Dynastie (汉朝 Hàncháo, 206 v. u. Z. - 220) in verschiedene südwestchinesische Königreiche. Bei einem Gespräch mit dem Gesandten fragte der König von Yèláng, welches Reich größer sei, das der Han oder sein Reich. Dabei war Yelang lediglich ein auf ein regionales Berggebiet beschränktes Reich, während die Han-Dynastie über ein riesiges Reich mit mehreren Millionen Quadratkilometern Fläche herrschte.

Verwendung:
Seither stand Yelang für dummstolze Beschränktheit und Einbildung.

夜    yè    Nacht     Yèláng (夜郎) war ein kleines Königreich während der Westlichen Han-Dynastie.
郎    láng    Korridor    
自    zì    selbst
大    dà    groß - das Schriftzeichen für groß, zeigt einen Menschen (人) mit ausgebreiteten Armen.

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