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09. April 2013

Die Angst vor dem Bruder und dem Rest der Welt

Die Angst vor dem Bruder und dem Rest der Welt

Focus-Online-Autor Harald Wiederschein im Interview mit Christine Liew

7. April 2013

„Es sind martialische Töne, die derzeit aus Pjöngjang [평양, 平壤] erklingen: Der seit mehr als einem halben Jahrhundert bestehende Waffenstillstand gelte nicht mehr, man befinde sich mit Südkorea im Kriegszustand, ein Angriff gegen die USA mit Atomwaffen sei offiziell genehmigt. Und das vor dem Hintergrund, dass Nordkoreas Militärs erst im Februar einen erneuten Atomtest durchgeführt haben. Zwar werden die Raketen des jungen Diktators Kim Jong-un [김정은, 金正銀] den amerikanischen Kontinent nicht erreichen können, doch Südkorea sowie US-Stützpunkte im Pazifik sind gefährdet. Die USA haben ihrerseits auf die Provokationen militärisch geantwortet und Tarnkappenbomber sowie Kriegsschiffe in die Region geschickt.

Wie aber ist es überhaupt dazu gekommen, dass sich zwei Bruderstaaten derart feindselig gegenüberstehen – mit etwa einer Million Soldaten als Grenzwächter entlang des 38. Breitengrads, der am stärksten militarisierten Grenze der Welt? Und ist es lediglich kühl kalkulierte Propaganda, dass sich das diktatorisch regierte, verarmte und zugleich hochgerüstete Nordkorea von ausländischen Mächten bedroht sieht? Der Blick zurück zeigt, dass Hass, Angst und Paranoia auf der koreanischen Halbinsel nicht zuletzt in den schrecklichen Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts wurzeln.

Vereint gegen die Feinde von außen
Dabei hätte sich in der Zeit vor und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wohl niemand vorstellen können, was für eine unüberwindliche Grenze einmal die koreanische Halbinsel durchziehen sollte. Ganz im Gegenteil fühlten sich die Menschen der Region in besonderer Weise zu einer Einheit zusammengeschlossen. Das lag nicht nur an den geographischen Verhältnissen – das Meer und Gebirgszüge im Norden schirmten das Land gegen Nachbarn ab und bildeten gewissermaßen natürliche Grenzen. Auch die prekäre Lage im Interessenschnittpunkt der Großmächte China, Russland, Japan und zwischenzeitlich der Mongolen schweißte die Bevölkerung zusammen.

Seit dem frühen Mittelalter – mehr als 1000 Jahre lang – war Korea in einem Königreich vereint. ‚Der massive Druck von außen führte außerdem dazu, dass sich eine starke gesellschaftliche und kulturelle Identität ausbildete’, erklärt die Korea-Expertin Christine Liew vom Ostasien-Institut der Hochschule Ludwigshafen. Zwar sei vor allem der chinesische Einfluss sehr stark gewesen, doch hätten die Koreaner trotzdem massiv versucht, sich abzugrenzen. Beispielsweise, indem sie im 15. Jahrhundert eine eigene Schrift entwickelten, das so genannte Hangeul [한글].

Stolz auf die eigene Identität
Bis heute seien die Koreaner von dieser Vergangenheit geprägt, glaubt Liew. ‚Sie sind sehr stolz auf ihre eigene Identität und auch empfindlich gegenüber Kritik von außen.’ Ohne ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und ihre geschlossene Gesellschaft hätten sie auch keine Chance gehabt gegen die Invasionen der sie umgebenden Großmächte, sondern wären aufgerieben worden.

Trotz aller Entfremdung der beiden koreanischen Staaten, den Wunden der Vergangenheit, der Angst vor fremder Dominanz – es ist wohl nicht zu erwarten, dass der Norden mit seinen Kriegsdrohungen gegen Südkorea und die USA ernst macht. ‚Den Machthabern in Pjöngjang ist sehr wohl bewusst, dass ein atomarer Erstschlag zugleich auch ihr letzter sein würde’, glaubt Liew.

Riskantes Spiel des jungen Diktators
Vielmehr vermutet die Expertin, dass es der nordkoreanischen Führung mit ihrer martialischen Rhetorik vor allem darum geht, Hilfslieferungen aus dem Ausland zu erpressen. ‚Gerade jetzt, am Ende des Winters, sind die Nahrungsmittel besonders knapp und das Land auf Unterstützung dringend angewiesen.’ Doch es ist ein höchst riskantes Spiel, auf das sich der noch unerfahrene Kim Jong-un und seine Clique eingelassen haben. ‚In einer solchen aufgeheizten Situation, in der auch die Schatten der Vergangenheit mit hineinspielen, kann es leicht zu einer Überreaktion kommen – und jede Seite in einen zerstörerischen Strudel hineingezogen werden, aus dem es kein Entkommen gibt’, fürchtet Liew.“

(Focus-Online-Autor Harald Wiederschein am 7. April 2013 im Interview mit Christine Liew: Die Angst vor dem Bruder und dem Rest der Welt)

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