Der begeisterte Selbstmord

《我在北京洗脑》 Wǒ zài Běijīng xǐnǎo (ich + in + Peking + Gehirn + waschen)
I was Brainwashed in Peking. Three Years in the Prison of Mao Tse-tung
De enthousiaste zelfmoord
Der begeisterte Selbstmord. Im Gefängnis unter Mao Tse-tung
1965
Autor: Dries van Coillie

„Einzelne Leser fragten mich nach dem Buch ‚Der Begeisterte Selbstmord‘ des flämischen Priesters Dries van Coillie, andere, was Harrer, ‚Sieben Jahre in Tibet‘, zu meiner Auffassung von Tibet sagen würde. Beide Bücher haben zum Unterschied von aller sonstigen Literatur über China hohe Auflagen erreicht.

Harrer beschränkt sich dabei auf das alte Tibet und seine persönlichen Eindrücke, die bis zu seinem Abschied im März 1951 reichen. Politischer Äußerungen des bekannten Bergsteigers in seinem vorzüglich illustrierten Buch entsinne ich mich nicht.

Die Erlebnisse Coillies in dem Gefängnis Mao Tse-tungs sind erschütternd und müßten ins Chinesische übersetzt werden, damit nachträglich der chinesischen Regierung die grausame Torheit ihrer geistigen und körperlichen Torturen klar wird.“
(Werner Otto von Hentig in der Zeit vom 8. April 1966: Wie ist China wirklich?)

Der katholische Priester Dries van Collie beschrieb 1960 seine dreijährige Haft einschließlich des damit verbundenen Versuches einer Gehirnwäsche:

Der begeisterte Selbstmörder — Sinnbild des Volkes im kommunistischen China.

„Viele haben, getrieben durch Wahnsinn und Verzweiflung und müde aller Plackereien, müde von dem Elend ohne Ende, Schluß gemacht mit dem Leben.

Es gab eine Zeit, da in Shanghai auf Regierungsbefehl alle Fenster mit Aussicht auf Straßen mit Drahtgeflecht gesichert werden mußten.
Daß viele Bürger durch einen Sprung aus dem Fenster sich das Leben nahmen und dann zerschmettert auf Straßen und Fußwegen gefunden wurden, wirkte sehr störend auf die Einbildungskraft und das Unterbewußtsein der Menschen und hemmte die Propaganda.

Abgesehen von den physischen Selbstmördern, gibt es viele Millionen, die Selbstmord verüben an ihrer Persönlichkeit, ihrer Individualität, ihrer Freiheit. ... Man fürchtet und flieht seine früheren Freunde und betrachtet sie als Feinde, weil sie zuviel wissen.

Kinder beschuldigen ihre Eltern — die fortschrittliche Frau spuckt ihrem reaktionären Mann mit Verachtung ins Gesicht — Studenten fordern aus Vaterlandsliebe ihre Lehrer vor den Klassenrat — Mitglieder der Partei schließen unerbittlich säubernd ihre Parteigenossen aus — der Präsident setzt der Staatssicherheit zuliebe den Vizepräsidenten (Kao-Kang) ab. Der eine bespitzelt den andern, man übt Verrat, man beschuldigt und erstattet Anzeigen.

Keine Freundschaft mehr, es sei denn auf politischer Basis. Keine Intimität, es sei denn ‚auf marxistischer Grundlage’. Keine Familienabende mehr, es sei denn, die kommunistische Partei habe sie eingespielt. Kein Geld oder Besitz, es sei denn um den Preis absoluter Folgsamkeit. Bürgerrecht nur noch im Pferch der ideologischen Sklaverei. Sicherheit nur noch gegen blindes Ducken unter die diktatorischen Befehle der Volksregierung. Auch keine Lebenssicherheit mehr, es sei denn, du zerstörst dich selbst durch gefügiges Nachsagen, Denken und Tun, ganz wie die Partei es sagt, will, denkt und tut.“
(Dries van Coillie: Der begeisterte Selbstmord. Im Gefängnis unter Mao Tse-tung. Donauwörth: Ludwig Auer: ISBN. 3-403-00023-0)

 

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