Dschingis Khan

Тэмүүжин Temüüdschin (der Schmied)

Чингис Хаан Tschingis Chaan
成吉思汗 Chéngjí Sīhán
1155 - 1227
Regierungszeit: 1206 - 1227

 

„Die damalige Heimat der Mongolen erstreckte sich von Sibirien bis zur großen Chinesischen Mauer und von der Mandschurei bis zur tibetischen Hochebene des Koko-nor [青海湖 Qīnghǎi Hú; Qinghai-See], dem Altai- [Алтай] und Tianshangebirge [天山 Tiānshān]. Über die frühe Geschichte dieses Nomadenvolkes geben verhältnismäßig wenige Dokumente Auskunft. Das ausführlichste Quellenmaterial liefern die großen chinesischen Reichsannalen, nach denen die Abstammung der Mongolenfürsten auf sagenhafte Könige von Tibet zurückgeführt wird. Darin findet auch die Geschichte von Jesugei Bagatur [Есүхэй баатар, Yesukhei baatar] Erwähnung, der eines Tages, als er mit seinem Bruder Schneehasen jagte, der Karawane des Stammes der Tatar begegnete und bei dieser Gelegenheit das Mädchen Ciegelen Eke [Өэлүн эх, Hoelun Ech, Mutter Ech] raubte, das seine Gattin wurde. Im Jahre 1162 gebar sie ihm unter seltsamen Zeichen einen Sohn, in dessen Hand sich Tropfen geronnenen Blutes befanden. Die Eltern gaben diesem Stammhalter den Namen Temüjin und erzogen ihn nach den überlieferten Sitten des Steppenvolkes. Im Alter von dreizehn Jahren nahm ihn sein Vater Jessugei auf einen Ausritt mit, um unter den Verwandten seiner Schwäger nach einer Braut Ausschau zu halten.

Dabei wurde der Vater von den Tataren bei einem Festessen vergiftet, so daß der junge Temüjin fortan ausschließlich unter der Obhut seiner Mutter aufwuchs. Zahlreiche Fehden mit feindlich gesinnten Nachbarstämmen füllten die nächsten Jahre, wobei der junge Fürst häufig in große Not und Gefahr geriet, die jedoch seinen Charakter formten und stählten. Im Jahre 1189, als Temüjin 28 Jahre alt war, wurde er im Grasland von Kerülen [Хэрлэн гол Cherülen gol] zum Khan ernannt. Eine alte Chronik berichtet darüber folgendes: Von diesem Tage an ließ sich drei Morgen nacheinander ein bunter Vogel in Lerchengestalt auf einem viereckigen Stein vor dem Haus nieder und rief: ‚Dschingis, dschingis‘ Daher erhielt Temüjin den Namen Sutu Bogda Dschingis Khan, unter welchem er in allen Gegenden berühmt wurde. Danach sprang jener Stein plötzlich von selbst auseinander, und aus dessen Mitte kam das Siegel, Has-bao genannt, zum Vorschein.

Mit der Wahl Dschingis-Khans zum Oberfeldherrn beginnt die ruhmreichste Episode in der Geschichte des Mongolenvolkes.“
(Walter Bosshard: Kühles Grasland Mongolei. Zauber und Schönheit der Steppe. Frankfurt: Gutenberg, 1950)

(Bild: Wikimedia)

Dschingis Khan (ursprünglich Temüdschin) einte die mongolischen Stämme und führte sie zum Sieg gegen benachbarte Völker. Nach der Ernennung zum Großkhan aller Mongolen begann er mit der Eroberung weiterer Gebiete; im Osten bis an das Japanische Meer und im Westen bis zum Kaspischen Meer. Er schuf damit ein Reich, dessen Ausdehnung sogar das Römische Reich, wie das Reich Alexanders des Großen in den Schatten stellte. Ein Jahrhundert nach seinem Tod bot Innerasien jedoch wieder das Bild der Zersplitterung in unbedeutende Nomadenstämme, die im Sommer von einem Weideplatz zum anderen zogen und in den Wintermonaten ihre Zelte in der Nähe ihres Bannerherrn aufschlugen.

„Am 18. August 1227 [...] ‚verließ Dschingis Khan die vergängliche Welt und hinterließ Thron, Habe und Herrschaft seiner berühmten Familie’, wie Raschid ad-din berichtet. Er hatte wenige Stunden zuvor seine letzten Anordnungen erteilt: ‚Gebt meinen Tod nicht bekannt, weint nicht und klagt nicht [...]

Doch wenn der König der Tanguten und die Bevölkerung zur vorgesehenen Zeit die Stadt verlassen, dann vernichtet sie!’ Sogar über den Tod hinaus wollte er dafür sorgen, daß das von ihm begonnene Werk zur furchtbaren Vollendung gelangte. Und wie im Leben gehorchte ihm sein Volk auch im Tode: Als die Einwohner von Chung-hsing mit Schidurgo [der neue Herrscher der Xī Xià, nachdem der alte geflohen war;  aus den Toren ihrer Stadt strömten, hieben die Mongolen von allen Seiten auf sie ein. Wie in einer schaurigen Trauerfeier für ihren verstorbenen Khan hoben und senkten sie ihre schwertbesetzten Arme über den wehrlosen Menschen. [...]

Nun ging es heimwärts; die trauernde Armee brach aus  Xī Xià [西夏] auf – und auf diesem Marsch wurde, wie es die schauerliche Tradition verlangte, kein Lebewesen verschont. Menschen, Wild und Vögel – alles, was den Kriegern begegnete, wurde niedergemacht, um dem Verstorbenen im Jenseits zu dienen."
(http://www.mongolen-dschingis-khan.de/seite-9.html)


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