Daibutsu

大仏 daibutsu (groß + Buddha)

Der Ushiku Daibutsu (牛久大仏) in der japanischen Präfektur Ibaraki (茨城県 Ibaraki-ken) ist mit rund 100 Meter Höhe eine der höchsten Statuen der Welt.
(Quelle: Buddha & Asian antiques blog)
 
„Endlich, nachdem der herumführende Geistliche seinen Obolus erhalten hat - man ist auch in Japan sehr für Obolus und Teegeld - gehts mit Spannung zum Daibutsu, wörtlich großer Buddha, der jedoch durch vorgepflanzte Kiefern so verdeckt ist, daß er sich erst im letzten Augenblicke, da man sich schon fast in Greifnähe befindet, den erstaunten Blicken darbietet.
 
Ohne Zweifel - der große Buddha, der ebenfalls auf den Shogun Joritomo [源 頼朝 Minamoto no Yoritomo, 1147 - 1199, der erste Shōgun] zurückgeführt wird, ist eines jener wenigen menschlichen Kunstwerke, die den Besucher und Beschauer ergreifen und förmlich in ihren Bann nehmen.
 
Ähnlich ergriffen haben mich nur die Reiterstatue Marc Aurels auf dem Kapitol, der Zeus-Petrus mit der blank geküßten Zehe in der Peterskirche, die sechs echten Ephesussäulen, einst der Diana geweiht, in der Sophienmoschee zu Stambul, der ruhende Merkur im Neapler Museum und vielleicht auch die ältesten, archaischen Athenestatuen im Museum zu Athen.
 
 
 
Mit gesenktem Haupte und edlen, ausdrucksvollen Gesichtszügen sitzt der große Religionsstifter aus edlem Metall - die Bronze soll sehr viel Gold enthalten - in riesigem Ausmaße nachgebildet vor uns; er befindet sich im Zustande der Meditation und absoluter Seelenfrieden, fest begründet auf völliges Erkennen und gänzliche Unterjochung aller Leidenschaften, liegt in seinem Antlitze; aber je mehr ich zusehe, um so mehr will es mir dünken, als ob sich ein kaum definierbarer, deutlicher Zug von Verachtung hinein mischte.
 
Viele Besucher werden beim Studium des bronzenen Antlitzes überhaupt nichts sehen, einige anderes als ich, sicher aber auch einige mit mir jenen Zug der Welt- und Menschenverachtung darin erkennen. Die inneren Augenwinkel der Statue zeigen unverfälschten, mongolischen Schnitt, die Ohrläppchen eine ringförmige, durch das Tragen schwerer Ohrringe entstandene Verlängerung nach abwärts, die Haare sind in einzelne, perlförmige Locken frisiert und die sichtbaren Daumennägel sind mehr lang als breit, ein Zeichen aristokratischer Rasse.
 
Der mongolische Augenschnitt ist ein Buddha fremdes, in Japan hinzugekommenes Element, während die ausgezogenen Ohrläppchen seiner indischen Heimat entsprechen. Das ehrwürdige Bild des unsterblichen Mannes, den selbst die katholischen Kirchenväter als heiligen Josaphat in die Legende der Heiligen aufnahmen, war früher von einem sicher sehr stilvollen Tempel bedeckt. Zweimal wurde dieser durch Feuer zerstört und wieder errichtet, bis ihn anno 1495, just zur Zeit da Columbus in Amerika am Entdecken war, eine Flutwelle hinwegriß. Seit dieser Zeit trotzt der Daibutsu ohne sichtbare Veränderung dem Zahn der Zeit und der Gewalt der Elemente.
 
Wie bei unserer Bavaria in München kann man das Innere betreten, welches durch zwei im Rücken des Bildwerks befindliche Fenster erhellt wird, und auf einer schmalen Treppe kann man Buddha in den Kopf steigen."
(Ernst Cordes: Kleines Volk – großes Volk. Japan-China. Eine Gegenüberstellung japanischer und chinesischer Wesensart in Erlebnisberichten. Berlin, 1939)
 
Der historische Buddha muss eine stattliche Erscheinung gewesen sein: Im Volksglauben war er etwa 4,80  Meter groß. Es gibt aber Statuen, die noch größer sind und die nennt man auf Japanisch Daibutsu (大仏), wenn sie mindestens doppelt so groß sind wie dieses Original.
 

Dieses Gardemaß erreichen zwei berühmte Statuen:

daibutsu-kamakura daibutsu-todaiji
高徳院
Kōtoku-in
Hof der hohen Tugend
東大寺
Tōdaiji
Östlicher großer Tempel
13 Meter hoch - in Kamakura (鎌倉) 16 Meter hoch - in Nara (奈良)
 

buddhistische Schlüsselbegriffe
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