Cuju

Chinesisch
蹴鞠 cùjú (auch Ts’u Chü)
蹴 cù = 踢 tī (stoßen)
鞠 jú = 球 qiú (Ball)

„Die Engländer sollen den Fussball erfunden haben. Are you kidding? Dann schon eher die Basler. Im Ernst muss aber zuerst einmal mehr klipp und klar festgestellt werden, dass der Fussball in China erfunden worden ist. Wo sonst? Eben!“
(Die Fussball-Wühlmaus vom 23. Jun 2014)

„Es war kein geringerer als FIFA-Präsident Sepp Blatter höchstselbst, der vor knapp 10 Jahren, nämlich am 15. Juli 2004, vor die Kameras trat und der Welt erklärte, dass das moderne Fußballspiel von einem Spiel abstamme, das ‚Cuju‘ heiße und vor vielen Hundert Jahren in der Stadt Zībó (淄博; Provinz Shāndōng, China) erfunden worden sei.“
(Deutsch-Chinesische Allgemeine Zeitung: Das heutige Fußballspiel wurde in China erfunden)

Kaiser mit Ministern beim Fußballspielen

Fußball-Vorläufer in China

Cùjú war ein chinesisches Ballspiel, das als Vorläufer des Fußballs gilt. Es heißt, dass der mythische Gelbe Kaiser (黃帝Huángdì; 2698 – 2598 v. u. Z.) das Spiel zur militärischen Ertüchtigung erfunden habe. Es wurde mit Gewissheit aber erst im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gespielt. Der ursprünglich mit Federn und Haaren gefüllte Lederball musste durch eine nur 30 bis 40 Zentimeter breite Öffnung (Torwand?) in ein Netz befördert werden, das an zwei Bambusstangen befestigt war. Es verbreitete sich im Volk und man versuchte mit strengeren Regeln, die Gewalt einzuschränken.


 球門 qiúmén
Tor

Forschungen ergaben, dass es bis ca. 600 sogar Nationalsport gewesen ist und es damals schon eine Profiliga gegeben haben könnte. Es gab bereits Fußballregeln (Tore, Torhüter und Spielführer). Etwa 100 Jahre später geriet das Ballspiel allerdings wieder völlig in Vergessenheit und hat deshalb keinerlei Bezug zum modernen Fußballspiel.

Während der Tang-Dynastie (唐朝 Tángcháo; 681 - 907) wechselte man zu einem mit Luft gefüllten Ball. Daraus bildeten sich die Varianten chùqiú (触球) und báidǎ (白打).

Im 10. Jahrhundert gab es einen Club namens Qíyúnshè (齊雲社), der die jährliche „Richtige Meisterschaft der Berge“ (山嶽正賽 Shānyuè Zhèngsài) organisierte.

In der Ming-Dynastie (明朝 Míngcháo; 1368 - 1644) ließ das Interesse an dem Sport nach. Erst im 20. Jahrhundert, als das Fußballspiel globalisiert wurde, erlangte das Spiel in China wieder an Bedeutung.


Fußball in China heute

Der chinesische Fußballverband (中国足球协会 Zhōngguó Zúqiú Xiéhuì) wurde bereits 1924 gegründet und trat schon 1931 der FIFA. Die Fußballnationalmannschaft der Männer (中国国家足球队 Zhōngguó Guójiā Zúqiúduì; kurz: 国足 Guózú; Spitzname: Drachenteam, 龙之队 Lóng zhī Duì) konnte sich nur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 qualifizieren, weil ihnen die Hauptkonkurrenten Japan und Südkorea als Gastgeber nicht im Weg standen. Sie schieden dann aber nach 3 Niederlagen mit 0:9 Toren als Gruppenletzter aus.

Viel besser war das Nationalteam der Frauen (中国国家女子足球队 Zhōngguó Guójiā Nǚzǐ Zúqiúduì; kurz: 国足 Guózú; Spitzname: Die Stahlrosen, 铿锵玫瑰 Kēngqiāng Méiguī), das bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 1999 bis ins Finale kamen und bislang an vier Olympischen Spielen teilnahmen. Das Team gehörte lange zu den stärksten Frauenfußball-Nationalteams der Welt. Dann begann der Abstieg. Zuletzt konnte es sich weder für die Weltmeisterschaft in Deutschland noch für die Olympischen Spiele in London qualifizieren und gab die führende Position in Asien an Japan ab.

csl

中国足球协会超级联赛
Zhōngguó Zúqiú Xiéhuì Chāojí Liánsài

Die höchste chinesische Spielklasse für den Vereinsfußball ist die Chinese Super League (中超联赛 Zhōngchāoliánsài, die seit 2009 nach dem Hauptsponsor Pirelli den schönen Namen Pirelli Super Liga hat. Die CSL ersetzte 2004 die Jia A League, bei der mindestens die Hälfte der Spiele manipuliert worden waren. 2006 drohte der chinesische Fußballverband, die Liga wegen anhaltender Korruption zu schließen.

Der deutsche Ex-Nationalspieler Jörg Albertz wechselte 2003 als erster deutscher Profi in die chinesische Liga. Er spielte aber nur zwei Jahre in China und wunderte sich über haarsträubende Entscheidung der Schiedsrichter sowie kuriose Fehler seiner Mitspieler.

„Beweise gab es keine. Aber an allen Ecken und Enden hörte man, dass es Manipulationen gab, dass beispielsweise eine Mannschaft eine andere schmiert oder dass ein Verein einzelne Spieler des Gegners bezahlt, um ein Spiel zu gewinnen. Vor einem Spiel wurde schon mal der gegnerische Torwart oder ein Abwehrspieler angerufen, die dafür bezahlt wurden, zum Beispiel Elfmeter zu verursachen."
(Interview von Johannes Ehrmann mit Jörg Albertz)
 

Warum ist der chinesische Fußball so schwach?

Die New York Times stellte 2010 die Frage „Warum steht China beim Fußball so weit im Abseits, obwohl das Land doch in vielen olympischen Sportarten sehr aggressiv konkurriert?”

„Einer der wichtigsten Gründe ist das Fehlen eines echten Marktes. Fußball-Liebhaber können sich nur auf sich selbst verlassen, um berühmt zu werden und ein anständiges Leben zu führen. Wenn sie versagen, verlieren sie ihre Jugend und ihr Leben ist ruiniert, weil sich ihr Wert auf den eines Kindes in der Volksschule reduziert. Der Fußballplatz hat keinen Raum für zweit oder drittklassige Spieler, die sich ihren Lebensunterhalt nur außerhalb des Fußballfeldes verdienen können. Das Risiko ist für die Fußball-Liebhaber einfach zu groß.“

„Die Entwicklung des chinesischen Fußballspiels wird nicht vom Fußballverband geleitet, über ihm steht das Sport-Büro und der Verband muss die ‚Befehle‘, richtig oder falsch, die aus dem Büro kommen, ausführen.“
(GlobalVoices: Warum ist der chinesische Fußball so schwach?)