Museum

Das Ostasieninstitut beherbergt ein kleines Museum mit über 300 Objekte aus China, Japan und Indonesien, darunter alte Keramik und Porzellan, Metallarbeiten, Rollbilder, Textilien, Waffen und Möbel. Hinzu kommt eine Bibliothek, die u.a. alte holländische Reisewerke enthält.

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Diese so genannte Helfferich-Sammlung entstammt dem Nachlass des Kaufmanns Dr. Emil Helfferich (1878 – 1972), der von 1901 bis 1927 in Indonesien, dem damaligen Niederländisch-Indien, tätig war. Aus Neustadt an der Weinstraße gebürtig, vermachte er sie vor seinem Tode als „Helfferich-Stiftung" seiner Vaterstadt, von der sie das Ostasieninstitut als Dauerleihgabe erhielt.
 

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Als Junge träumte Emil Helfferich von fernen Ländern, kühnen Entdeckern und von einer Karriere in der Marine des neu erstandenen deutschen Kaiserreichs. Da ihm die Seeoffizierslaufbahn aber wegen einer leichten Sehschwäche verschlossen blieb, wählte er zur Freude seines Vaters den Beruf eines Überseekaufmanns. Von Anfang an strebte Helfferich eine Berufslaufbahn an, die es ihm erlaubte, auch „hinaus in die Welt“ zu gehen. Entstanden war dieser Wunsch dadurch, dass er als Junge Bücher über Entdeckungs- und Forschungsreisen in Afrika gelesen hatte. Afrika war dann auch sein Jugendtraum. So ist es nicht überraschend, dass eine Reihe von Büchern über Afrika in der Bibliothek vertreten sind.
 
Über Helfferich
 
Emil Helfferich (Wikipedia-Artikel)
Lebendige Pfalz in Geschichte(n) erzählt von Karl Scherer am 3. März 2013: Emil Helfferich (1878-1972). Kaufmann, Pflanzer, Journalist, Schriftsteller, Wirtschaftspolitiker, NSDAP-Mitglied. Ein Leben zwischen Neustadt, Hamburg und Batavia/Jakarta
(Herwig Zahorka: Die Geschichte des deutschen Soldatenfriedhofs Arca Domas in Indonesien)
Fundstücke aus einem Leben in der Fremde. Das Ostasieninstitut in Ludwigshafen erhält die Sammlung des Kaufmanns Emil Helfferich aus Neustadt (Die Rheinpfalz vom 12. Juli 2001)
Ein-Leben
The Pepper Trader: True Tales of the German East Asia Squadron and the Man who Cast them in Stone
Equinox, 2006. ISBN: 9-7937-8026-6
Emil Helfferich: Ein Leben – Band I–V. Dulk, Hamburg 1948
Emil Helfferich: Ein Leben – Band V. Mettcker und Söhne, Jever 1965
Emil Helfferich: Südostasiatische Geschichten. Mettcker und Söhne, Jever 1966
“The Pepper Trader takes the reader on a romantic journey from Helfferich's village in Germany to the exotic East Indies and back again to his native land. A memorable cast of real characters, mystical creatures and the Queen of the South Sea accompany the reader on this fascinating voyage. This true story is a unique account of long-forgotten events from the last century - and how they continue to affect us today.”

1917 begann Helfferich mit ersten autobiografischen Veröffentlichungen; eine Auswahl davon fasste er 1938 in dem kleinen Bändchen Erlebtes zusammen. Ab 1948 veröffentlichte er systematisch seine autobiografischen Materialien. Der erste Band von Ein Leben erzählt ausführlich über seine Zeit in Indonesien. Als lebendig geschriebenes Gemälde des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens eines „expatriate“ in Niederländisch-Indien ist es ein auch heute noch lesenswertes Buch.

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Silbertablett mit den Unterschriften der Deutschen Niederländisch-Indiens zum Abschied von Emil Helfferich nach 28 Jahren in Südostasien Auf dem Holzsockel ein graviertes Messingschild: „Konvoischiff  'Das Wapen von Hamburg' in Dienst gestellt 1669, verbrannt auf der Reede von Cadiz 1683. Modell von Prof. Alexander Schönauer. Herrn Staatsrat Emil Helfferich in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um Hamburg. Karl Kaufmann, Gauleiter und Reichsstatthalter in Hamburg, im Dezember 1941."
Geschenk an Helfferich anlässlich seines Ruhestands
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Die Darstellung der Rikscha dürfte von den miniaturhaften japanischen Netsuke-Schnitzereien inspiriert worden sein, unter denen man vergleichbare Darstellungen findet. Netsuke waren bei Europäern sehr beliebt: sie waren „kurios“, „typisch Japanisch“ und ließen sich leicht transportieren.
So nimmt es nicht Wunder, dass auch Miniaturschnitzereien, hergestellt wurden, die nicht als Netsuke verwendet wurden, und dass Motive wie die Rikscha aufgegriffen wurden, die nicht aus dem traditionellen Repertoire stammten.

1970 sagte Helfferich in einem Interview, seine Sammlung bestehe aus Objekten, die ihm der Zufall und Freunde zugetragen hätten. Zur Gruppe der letzteren gehören diverse Geschenke, wie die ländliche Szene in einer Muschel, die ihm in den 1920er-Jahren von japanischen Geschäftskollegen gegeben wurde.
Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass dieses Darstellung von Wäscherinnen am Fluss explizit als eine Art Andenken hergestellt wurde. Es ist jedoch von einer Tradition miniaturhafter Schnitzarbeiten inspiriert, die sowohl in China wie in Japan existierte. 
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Das Repertoire figürlicher Darstellungen beschränkte sich auf Gestalten aus dem Schattenspiel. Solche Darstellungen waren nicht zuletzt bei europäischen Kunden, die Geschmack am Schattenspiel gefunden hatten, beliebt.  

Als „wundersam“ und „edel“ empfand Helfferich diesen Buddhakopf aus Borobodur. Als 1910 ein deutscher Geschäftskollege in Batavia wegen Repatriierung seine Sammlung von Ethnographica und Kunsthandwerk aus Indonesien anbot, hatte Helfferich noch keine Interesse an solchen Objekten. Nur dieser Kopf war ihm schon seit geraumer Zeit aufgefallen. Obwohl der Kopf eigentlich nicht im Angebot stand, konnte Helfferich den Besitzer schließlich doch überreden, ihn zu verkaufen.

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Paradiesvogel  
Die Bewohner Irian Jayas brachten die Paradiesvogel-Bälge ohne Füße auf den Markt. Da kein Europäer einen lebenden Paradiesvogel gesehen hatte, kam es zu einem kuriosen Missverständnis: Man glaubte, der Paradiesvogel habe keine Füße, und noch Linné klassifizierte 1760 eine Art als „Paradisea apoda“ („fußloser Paradiesvogel“). Künstlerisch galt Helfferichs Interesse zum einen der Malerei. Dieses Interesse dürfte nicht unmaßgeblich davon beeinflusst worden sein, daß seine Lebensgefärtin, die Niederländerin Dina Uhlenbeck-Ermeling, mit der er bis an ihr Lebensende (1939) treu verbunden war, selbst malerisch tätig war. Das hier gezeigt Bild stammt von ihr.