Die folgenden Publikationen wurden von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Ostasieninstituts verfasst. Es sind dies (in umgekehrter chronologischer Reihenfolge):

Mit dem Wasser kommt der Tod

Manuel Vermeer

Mit dem Wasser kommt der Tod

Hillesheim: KBV, 2016 (2. Auflage)

395 Seiten

ISBN: 978-3-9544-1264-8

 

Praxishandbuch Indien

Manuel Vermeer und Clas Neumann

Praxishandbuch Indien: Wie Sie Ihr Indiengeschäft erfolgreich managen

189 Seiten

Wiesbaden: Gabler, 2016 (2. Auflage)

ISBN: 978-3-8349-4702-4

 

Central Banking and Financial 2015 

Frank Rövekamp, Moritz Bälz und Hanns Günther Hilpert (Ed.)

Central Banking and Financial Stability in East Asia

Berlin: Springer, 2015

212 Seiten

ISBN: 978-3-319-17379-5

 

China de

Manuel Vermeer

China.de: Was Sie wissen müssen, um mit Chinesen erfolgreich Geschäfte zu machen

179 Seiten

Wiesbaden: Gabler, 2015 (3. Auflage)

ISBN: 978-3-8349-4704-8

 

 Currency-Cooperation-in-East-Asia

Frank Rövekamp und Hanns Günther Hilpert (Ed.)

Currency Cooperation in East Asia

Berlin: Springer, 2014

166 Seiten

ISBN: 978-3-319-03061-6

 

Die-Provinz-Fujian

Siegfried Englert

Die Provinz Fujian in der VR China

Eine Einführung in das Partnerland von Rheinland-Pfalz

Annweiler: Plöger, 2013

352 Seiten

ISBN 978-3-89857-289-7

 

Ethics

Frank Rövekamp und Friederike Bosse

Ethics in Science and Society - German and Japanese Views

München: Iudicium, 2013

166 Seiten

ISBN: 978-3-86205-075-8

 

Quanzhou-Zhongwenban

Siegfried Englert

走近泉州

Zǒujìn Quánzhōu

Shanghai: Wén​huàchū​bǎn​shè, 2013

ISBN 978-7-5535-0079-9

 

Christine Liew

Kyūshū Daisuki II

Ludwigshafen: Puster, 2013

1beben11perspektiven

Students of East Asia Marketingmanagement e.V. (StEAM)

Ein Beben - Elf Perspektiven

München: Iudicium, 2012

116 Seiten

ISBN: 978-3-86205-078-9

 

liew-japanisch-2-0

Christine Liew

Japan 2.0 - Eine Lesetour durch Social Media und andere Welten

197 Seiten

Hamburg: Buske, 2012

ISBN: 978-3-87548-625-4

 

liew-geschichte-japans

Christine Liew

Geschichte Japans

176 Seiten

Stuttgart: Theiss, 2012

ISBN: 978-3-8062-2542-6

 

deutscheinchina1920bis1950

Barbara Schmitt-Englert

Deutsche in China 1920-1950: Alltagsleben und Veränderungen

667 Seiten

Großgossen: Ostasien Verlag, 2012

ISBN: 978-3-940527-50-9

 

englert-quanzhou

Siegfried Englert

Quanzhou - Versuch einer Annäherung

Annweiler: Plöger, 2012

280 Seiten

ISBN: 978-3-89857-269-9

 

rudolph_2010_2

Jörg-M. Rudolph und Thomas Heberer

China - Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zwei alternative Sichten

297 Seiten

Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für politische Bildung, 2010

ISBN: 978-3-927-127-87-3

 

liew-japan

Christine Liew

Japan: Unterwegs in einem Land zwischen Tradition und Innovation

510 Seiten

Trescher, 2010

ISBN-13: 978-3897941618

 

liew-reisegast-in-korea

Christine Liew

Reisegast in Korea 

224 Seiten

Iwanowski-Reiseverlag, 2010

ISBN: 978-3-861970040

 

liew-schattenlaufer

Christine Liew

Schattenläufer und Perlenmädchen: Abenteuer Alltag in Japan

234 Seiten

Oldenburg: Dryas-Verlag, 2010

ISBN: 978-3-940855-22-0

 

funatsu_2008_2

Kayo Funatsu-Böhler

Wortschatztraining Japanisch

PONS mobil Wortschatztraining Japanisch (Audio CD)

PONS Verlag; 2008

ISBN: 978-3125614178

 

liew-tohoku

Christine Liew und Aya Puster

Kyūshū Daisuki I: Landeskunde auf Japanisch für Anfänger

88 Seiten

Ludwigshafen: Puster, 2008

ISBN 978-3-9811583-4-2

 

liew-kyushu

Christine Liew, Aya Puster und Arno Moriwaki

Tōhoku Daisuki I: Ein japanisches Lesebuch für Anfänger

Ludwigshafen: Puster, 2009

88 Seiten

ISBN: 978-3-9811583-3-5

 

funatsu_2007_2

Kayo Funatsu-Böhler

PONS Grammatik Japanisch kurz und bündig. Einfach, verständlich, übersichtlich

128 Seiten

PONS, 2007

ISBN: 978-3-125613317

 

wetzler_2006_2

Peter Wetzler und Moriyama Naomi

ゆがめられた昭和天皇像

Yugamerareta Shōwa Tennō-zō - Ōbei to Nihon no gokai to goyaku

442 Seiten

Tokyo: 原書房 (Hara shobō), 2006

ISBN: 978-4562039548

 

kontrastive-analyse

Satomi Adachi-Bähr

Kontrastive Analyse von Gliederungsprinzipien in argumentativen schriftlichen Texten im Deutschen und Japanischen: am Beispiel der Textsorte Leitartikel / Kommentare

Mannheim: Institut für Deutsche Sprache: 2006

341 Seiten

ISBN: 978-3-9372-4112-8

 

Grundfragen-und-Organisation

Barbara Darimont, Ulrich Becker und Gongcheng Zheng

Grundfragen und Organisation der Sozialversicherung in China und Deutschland

Nomos: 2004

322 Seiten

ISBN: 978-3-8329-1532-2

 

Barbara Darimont

Sozialversicherungsrecht der V. R. China

Nomos, 2004

ISBN: 978-3832906191

 

rudolph_2005_2

Jörg-M. Rudolph

Wenn China über die Welt kommt...: Die Chinesen, ihre Gesellschaft, Staat, Partei und Wirtschaft

172 Seiten

Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für politische Bildung, 2005

ISBN: 978-3927127630

 

wetzler_2002_2

Peter Wetzler

昭和天皇と戦争

Shōwa Tennō to sensō

409 Seiten

原書房 (Hara Shobō), 2002

ISBN: 978-4-562035731

 

roevekamp_1999_2

Frank Rövekamp

Die Struktur der Chemieindustrie in Japan: Entwicklung und Analyse im internationalen Kontext und im Vergleich mit Deutschland

239 Seiten

Frankfurt: Peter Lang, 1999

ISBN: 978-3631339572

 

vermeer_1999_2

Manuel Vermeer

Langenscheidts Sprachführer, Chinesisch 

227 Seiten

München: Langenscheidt, 1999

ISBN: 978-3468220913

 

wetzler_1998_2

Peter Wetzler

Hirohito and War: Imperial Tradition and Military Decision Making in Prewar Japan

294 Seiten

Honolulu: University of Hawaii Press, 1998

ISBN: 978-0824819255

englert_1985_2

Siegfried Englert und Folker Reichert

Shanghai: Stadt über dem Meer

257 Seiten

Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 1985

ISBN: 978-3920431352

 

englert_1980_2

Siegfried Englert und Gert Grill

100 x China. Das Wichtigste auf 100 Text- und 100 Bildseiten

209 Seiten

Mannheim: Bibliographisches Institut, 1980

ISBN: 978-3-825370237

 

Zeitschriftenartikel

Manuel Vermeer bei ISPSW Strategy Series: Corruption, Guanxi, Family and Favors – An Intercultural Approach to Doing Business in Asia
Christine Liew im Focus-Online: Japans Premierminister Shinzo Abe provoziert China
Christine Liew im Focus-Online: Japans Mount Fuji – vom Müllberg zum Weltkulturerbe
Christine Liew im Focus-Online: Koreas Männer schlagen nicht mehr ungestraft zu.
Christine Liew im Focus Online:Japanische Massenbewegung heißt Stromsparen.
Christine Liew im Focus-Online: Nordkoreas Wunderwurzeln heilen (fast) alles.
Christine Liew im Focus-Online: Die Angst vor dem Bruder und dem Rest der Welt
Jörg-Meinhard Rudolph in der FAZ: Barbaren mit Barbaren in Schach halten 

 

Corruption, Guanxi, Family and Favors – An Intercultural Approach to Doing Business in Asia
Dr. Manuel Vermeer
January 2014


Executive Summary
Everybody knows you have to be corrupt in order to do business in Asia. Or at least this what you can hear from so-called experts, who will tell you the Western way of keeping in mind compliance rules won’t work over there. This paper tries to separate corruption from Asian ways of doing business, which is not the same. What about Chinese Guanxi, Indian family ties? Not everything we do is good and everything they do is bad. Try to understand Asian way of doing business and you will be more successful. Without being corrupt!

Weiterlesen ...

Barbara Schmitt-Englert

Es gibt Zeiten da fließt der Neckar in den Huangpu

272 Seiten

Annweiler: Plöger Medien, 2015

ISBN: 978-3-89857305-4

Es gibt ZeitenKlappentext

Nach über einem halben Jahrhundert reist Ernest Bloomberg gemeinsam mit seiner an Demenz erkrankten Schwester Rose in die elterliche Wohnung nach Heidelberg zurück. Ihre Familie hatte 1936 die Flucht vor dem NS-Terror nach Shanghai angetreten. Die Wohnung ist mittlerweile eine Studenten-WG. Der Besuch wirbelt nicht nur das Leben der studentischen Bewohner völlig durcheinander, die tief in die Geschichte der 1930er Jahre und einer abenteuerlichen Flucht eintauchen.

Leseprobe

Heidelberg, Donnerstag, 4. Juli

An manchen Tagen empfindet man bereits den Gedanken ans Aufstehen als Zumutung. Nun, dieser, so entschied Sebastian Renner mit dem ersten Augenaufschlag, war ein solcher. Noch dazu wäre er heute genau ein Jahr mit Evi zusammen gewesen! Doch nicht allein das Datum legte eine gewisse Verweigerungshaltung nahe. Auch der seit Stunden ununterbrochen prasselnde Regen, der im Rhythmus des Pochens in seinen Schläfen an das Fenster trommelte, der deprimierende Mangel an Licht und überhaupt – der Tag schien verratzt, so viel war klar. Warum sollte er sich an einem solch düsteren Morgen eigentlich aus dem warmen, weichen Bett quälen? Eine eigene Entscheidung blieb Sebastian erspart, denn bevor es so weit kommen konnte, schrillte das nervtötende Geräusch der Türglocke in seiner eustachischen Röhre und quälend laut in seinem pulsierenden Schädel. Es war eher ein Reflex, denn eine bewusste Handlung: Er schwang die Beine über die Bettkante, stemmte seinen trägen Körper wie von einem Stromschlag angetrieben in eine aufrechte Position und schnellte in voller Lebensgröße und Shorts, ohne Pantoffeln – diese hatten sich scheinbar in Luft aufgelöst – zur Tür. Im selben Moment, als er die Tür erreicht hatte, hätte er auch schon wieder kraftlos zusammen sacken können, denn sein geplagter Kopf machte ihm schlagartig deutlich, dass solch ruckartige Bewegungen momentan nicht angesagt waren. Er lehnte sich an die Tür ohne zu ahnen, dass mit dem Öffnen eben dieser, nicht nur die Luft im Flur, sondern sein gegenwärtiges Leben ziemlich durcheinandergewirbelt würde!!! Aber das ist eine lange Geschichte!

Der Reihe nach.

 

Barbara Schmitt-Englert

Es gibt Zeiten da fließt der Neckar in den Huangpu

Die-Provinz-FujianSiegfried Englert

Die Provinz Fujian in der VR China. Eine Einführung in das Partnerland von Rheinland-Pfalz

Schriftenreihe der Rheinland-Pfälzischen Fujian-Gesellschaft

Annweiler: Plöger, 2013

352 Seiten

ISBN 978-3-89857-289-7

 

Kurzbeschreibung

„Die Provinz Fújiàn liegt im Südosten der VR China an der Küste, der Insel Taiwan gegenüber. Seit 1989 ist sie die Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz. Heute leben dort 37 Millionen Menschen auf einer Fläche von 124.000 Quadratkilometern mit einer teilweise atemberaubenden Küste von über 3.000 Kilometern Länge.

Die Städte Neustadt an der Weinstraße und Trier haben bereits eine lebendige Partnerschaft mit den Städten Quanzhou und Xiamen, weitere Städte bereiten derzeit entsprechende Verträge vor, Grund genug für eine kleine Landeskunde in der vorliegenden Form.“

Vorwort

„Seit 1989 unterhält das Land Rheinland-Pfalz eine Partnerschaft mit der Provinz. 1995 begann die erste Städtepartnerschaft zwischen Neustadt/Weinstraße und Quánzhōu [泉州], 2010 wurde eine weitere Partnerschaft zwischen Trier und Xiàmén [厦门] besiegelt, 2012 werden weitere Städtepartnerschaften angestrebt. Damit wird auch schon das Ziel der Partnerschaft sichtbar: miteinander reden ist immer besser als übereinander. Trotz vieler kultureller Unterschiede bietet die Partnerschaft eine Plattform des Dialoges zur Förderung des gegenseitigen Verstehens, eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung wechselseitigen Respekts, ohne den keine Völkergemeinschaft auf Dauer existieren kann.

Seit 2005 wird die deutsche Sprache an der Universität Fuzhou gelehrt, seit 2008 wird auch an der Universität
Xiàmén das Fach Deutsch angeboten. Chinesisch gibt es in Rheinland-Pfalz an den Universitäten Mainz-Germersheim und Trier, sowie am Ostasieninstitut der Fachhochschule Ludwigshafen. Studierende aus Fújiàn [福建] studieren mittlerweile auch bei uns, vor allem an der Technischen Universität Kaiserslautern, während Studierende unseres Landes in vorwiegend in Fúzhōu [福州] und Xiàmén Chinesisch lernen.

Die Provinz Fújiàn unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den anderen 26 Provinzen und autonomen Regionen: Fújiàn ist nicht nur die Heimat eines Großteils der Bevölkerung von Taiwan, sondern darüber hinaus die Heimat vieler sogenannter Überseechinesen in Südostasien, den USA und in Europa. Fújiàn wurde 1979 neben ihrer Nachprovinz Guǎngdōng [广东] dazu auserkoren, mit Hilfe der ersten Sonderwirtschaftszonen China in die Marktwirtschaft zu führen. Nach dreißig Jahren strenger planwirtschaftlicher Experimente, die alle nicht nur erfolglos geblieben waren, sondern zum Teil in Katastrophen geendet hatten, bedeutete die Einrichtung von vier Sonderwirtschaftszonen
[经济特区 jīngjì tèqū] den Aufbruch in eine neue Ära, die seitdem wegen ihrer Erfolge weltweit bestaunt oder beargwöhnt wird.

Das vorgestellte statistische Material basiert, falls nicht anders angegeben, auf Veröffentlichungen der VR China für das Jahr 2010.“

Eine kleine Landeskunde

Fujian heißt die chinesische Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz – Ein neues Buch stellt sie vor
(Stefan Keller in der Rheinpfalz vom 29. Oktober 2013)

China und Deutschland, das ist eine wechselvolle Beziehung seit Jahrhunderten. Rheinland-Pfalz und die Provinz Fujian, das ist eine Partnerschaft seit 24 Jahren. Auf der Ebene darunter gibt es bislang drei Städtepartnerschaften. Die jüngste ist Speyer gerade mit Ningde eingegangen. Weitere stehen vor der Gründung. Nach wie vor aber ist eine Reise nach China ein Aufbruch ins Unbekannte.

Das Reich der Mitte ist ein altes Land mit großer Vergangenheit und -wahrscheinlich - großer Zukunft mit spürbaren Auswirkungen auf den Rest der Welt. Ein Land, das Ängste wecken kann - weil es so unbekannt ist -, allen Reiseführern, allen wirtschaftlichen Beziehungen und menschlichen Kontakten zum Trotz. Aufklärungsbedarf besteht. Insofern ist es - besonders für Rheinland-Pfälzer - ein Glücksfall, dass sich eine neue Informationsquelle aufgetan hat: „Die Provinz Fujian in der Volksrepublik China. Eine Einführung in das Partnerland von Rheinland-Pfalz", heißt ein neues Buch. 352 Seiten stark, stellt es die Provinz an der Südostküste Chinas umfassend vor. ...

„Eine kleine Landeskunde" steht auf dem Rücken des gelb-orange gebundenen Buchs. Die Titelseite ziert ein alter Stich der „Provincia Fokien" aus dem Novus Atlas Sinensis von1655 von Joan Blaeu. Der Titel selbst ist eine kleine Untertreibung. Denn die Autoren zeichnen ein facettenreiches Bild Fujians, dessen wechselvolle und interessante Geschichte bis ins 6. Jahrtausend vor Christus zurückreicht, also in die Neusteinzeit.

Historie, Volksstämme, Sprachen, Einflüsse von außen, Religionen, Politik, Wirtschaft, der Wandel ,von der landwirtschaftlich geprägten Provinz zur heute boomenden Industrie-Region, Infrastruktur, Verkehr, Bildung und Erziehung werden angesprochen, in Beziehung gesetzt, Zusammenhänge und Entwicklungen hergeleitet. Dabei erfährt der Leser auch, dass Fujian Heimat vieler „Überseechinesen" in USA, Südostasien und Europa ist - und was das für die Aufgeschlossenheit der Region und letztlich von ganz China bedeutet. Vorzüge und Probleme werden anhand von Zahlen und Fakten schonungslos benannt: „Grundsätzlich muss jedoch betont werden, dass in formaler Hinsicht zwar alle Institutionen vorhanden sind, die eine Demokratie für die Gestaltung einer politischen Willensbildung braucht, de facto aber existiert in der VR China keine Demokratie im westlichen Sinne", analysieren Englert & Co. „Gleichwohl konnten in den letzten 30 Jahren Veränderungen in der Haltung der Regierenden registriert werden, die den Schluss erlauben, dass eine Demokratisierung der Gesellschaft (... ) wohl die logische Konsequenz (... ) sein wird", lautet ein Fazit der Bestandsaufnahme. Eigene Erfahrungen, aber auch die akribisch ausgewerteten Forschungsergebnisse Dritter liegen dem zugrunde.

Die kleine Landeskunde ist deshalb aber keine trockene Faktensammlung. Im Gegenteil: Sie liest sich leicht, Daten und Fakten sind gut aufbereitet, Grafiken, Karten und Tabellen ergänzen und helfen beim Verstehen. Den neun Verwaltungsbezirken Fujians sind jeweils eigene Kapitel gewidmet. Von Autokennzeichen über Telefonvorwahl und Postleitzahl bis hin zu den Sehenswürdigkeiten und einer Liste mit Prominenten findet sich auf alle Fragen eine Antwort. Chinesische Schriftzeichen in den Texten vervollständigen die Handhabbarkeit des Buches für Kenner. Zitate und Beschreibungen früherer China-Reisender vom spanischen. Augustinermönch Mitte des 16. Jahrhunderts bis zu Marco Polo im 13. Jahrhundert, die pointierten, teils versteckten Wertungen und süffisanten Anmerkungen von Siegfried Englert sowie das Kapitel „Praktische Tipps für Besucher" machen das Buch zur amüsanten, informativen Lektüre.

Das Werk kommt gerade noch rechtzeitig: 2014 wird die Partnerschaft 25 Jahre alt. Es sei weder als Reiseführer, noch als Investitionshilfe gedacht, so die Verfasser. Das stimmt: Als Führer ist das Buch viel zu schwer. Aber der China-, vor allem der Fujian-Reisende, sollte es zweimal lesen: Vor dem Flug zur Vorbereitung und danach zum Verständnis dessen, was er erlebt hat. Die Einführung in das Partnerland ist die erste zusammenfassende Darstellung Fujians. Sie war dringend nötig und kommt gerade noch rechtzeitig: 2014 wird die Landes-Partnerschaft 25 Jahre alt."

Nils fragt: Wo liegt die Provinz Fujian?

China ist ein riesiges Land: Nach Russland und Kanada ist es das drittgrößte Land der Erde. Fast 1,4 Milliarden Menschen leben dort, also ein Fünftel der Weltbevölkerung. Weil China so groß ist, ist es in Verwaltungsbezirke unterteilt, die Provinzen heißen. Eine davon ist Fujian an der Südostküste Chinas. Sie liegt über 9000 Kilometer von der Pfalz entfernt. Ein Flug dorthin dauert fast zwölf Stunden. Der Name Fujian setzt sich aus zwei Städten dieser Region zusammen: Fuzhou (Fu-) und Jian'ou (-jian). Fujian hat rund 35 Millionen Einwohner (das sind neunmal mehr als in Rheinland-Pfalz) und ist sechsmal so groß wie unser Bundesland. Fujian ist eine bergige Provinz mit viel Wald, aber auch einer langen Küste. Und sie ist Chinas größter Teeproduzent: Bekannte Sorten wie Grüner Tee oder Jasmintee wachsen dort." (nasu)

 

Inhaltsverzeichnis fujian-dai-yi

Vorwort

Geografische Beschreibung

Klima

Bevölkerung und Sprache
   Bevölkerung
   Sprache

Geschichte
   Die Provinz bis zum Ende des Kaiserreichs
   Die Provinz von 1911 bis heute

Regierungs- und Verwaltungsaufbau der Provinz
   Liste der Parteisekretäre 1949 – 2012
   Liste der Gouverneure der Provinz

Wirtschaft
   Landwirtschaft
   Industrie

Infrastruktur und Verkehr

Bildung und Erziehung

Religionen
   Daoismus
   Buddhismus
   Konfuzianismus
   Christentum
   Islam

Die neun Verwaltungsbezirke der Provinz Fujian
Ningde 宁德 (5)
   Sehenswürdigkeiten
Fuzhou 福州 (1)
   Sehenswürdigkeiten
Putian 莆田 (6)
   Sehenswürdigkeiten
Quanzhou 泉州 (7)
   Sehenswürdigkeiten
Xiamen 厦门 (2)
   Sehenswürdigkeiten
Zhangzhou 漳州 (9)
   Sehenswürdigkeiten
Nanping 南平 (4)
   Sehenswürdigkeiten
Sanming 三明 (8)
   Sehenswürdigkeiten
Longyan 龙岩 (3)
   Sehenswürdigkeiten

Praktische Tipps für Besucher

Literaturverzeichnis

Literaturhinweise

Zeittafel

 

Bezirke der Provinz Fújiàn (福建)

Zhangzhoukl
福州
Fúzhōu
龙岩
Lóngyán
南平
Nánpíng
宁德
Níngdé
莆田
Pútián
泉州
Quánzhōu
三明
Sānmíng
厦门
Xiàmén
漳州
Zhāngzhōu

Nato Kan

Naoto Kan

Als Premierminister während der Fukushima-Krise

Aus dem Japanischen von Frank Rövekamp

München: Iudicium, 2015

165 Seiten

ISBN: 978-3-86205-426-8

Klappentext

„Nach dem Erdbeben begab ich mich unmittelbar in das Krisenzentrum im Untergeschoss des Premierministeramtes. Inmitten der Mobilisierung aller Kräfte für die Rettungsaktionen erreichte mich die Nachricht: ‚Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ist die Kühlung ausgefallen‘. Anschließend gab es nur eine Richtung: Der Unfall weitete sich immer weiter aus. Wenn nichts geschah, würde das zum Zusammenbruch des Landes führen. Würden alle Reaktoren außer Kontrolle geraten, müsste ganz Ost-Japan einschließlich des Hauptstadtgebietes, müssten 50 Millionen Menschen evakuiert werden …

Was hat der Premierminister unter einem Rechtssystem, das auf einen Atomnotstand nicht eingerichtet ist, und in einer Situation, wo gleich mehrere strukturelle Schwächen Japans an die Oberfläche traten, wie entschieden? In diesem historischen Rechenschaftsbericht gibt der höchste Verantwortliche selbst Zeugnis über seine Qualen und Entschlüsse.“

Naoto Kan (菅直人 Kan Naoto)
4. Juni 2010 – 2. September 2011
Premierminister von Japan

Kan Naoto BuchtitelVorwort zur Originalausgabe 2012

『東電福島原発事故 総理大臣として考えたこと』
(Tōden Fukushima·Genpatsu jiko sōri daijin to shite kangae tako to)

„Meine Amtszeit als Premierminister erstreckte sich vom 8. Juni 2010 bis zum 2. September 2011 und dauerte damit 452 Tage. Natürlich waren die größten Ereignisse in dieser Zeit das Tōhoku-Erdbeben und der dadurch verursachte TEPCO-Fukushima Atomunfall. Nach meinem Rücktritt bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich, als der Premierminister, der mit diesem Atomunglück konfrontiert worden war, dazu in irgendeiner Form meine Erinnerungen dokumentieren muss.

Seit meinem Rücktritt als Premierminister ist über ein Jahr vergangen. Inzwischen sind verschiedene Untersuchungsberichte zum Unfall, wie etwa der der Regierungskommission, erschienen. Ich habe daher zur Feder gegriffen, bevor die Erinnerung verblasst.

Es ist meine Absicht, die mir bekannten Fakten so genau wie möglich darzulegen. Aber ich möchte nicht nur einfach die Fakten nachzeichnen; ich möchte auch unter Erinnerung der Geschehnisse darüber berichten, was ich als Premierminister während des Atomunglücks gedacht habe, wie ich zu Entscheidungen gelangt bin und von welchen Gefühlen meine Handlungen begleitet wurden.

Die Aktionen und die Arbeit eines Politikers zu beurteilen, ist nicht die Sache des Politikers selbst. Ich habe unter völliger Aufgabe meiner selbst gehandelt, aber es ist mir nicht gegeben, das selbst zu bewerten. Die Bewertung der Taten eines Politikers muss letztendlich der Geschichte überlassen werden.“

Naoto Kan

Vorwort zur deutschen Ausgabe 2015

„Seit dem Atomunfall von Fukushima sind vier Jahre vergangen. Ich bin seither Einladungen aus aller Welt gefolgt, um über dieses Ereignis zu berichten. Eine davon war im Rahmen einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages 2014. Dort hatte ich die Gelegenheit, über den Fukushima Atomunfall und seine Konsequenzen aus der Sicht des an vorderster Front stehenden damaligen Premierministers auszusagen.

Ich freue mich sehr darüber, dass mein Buch zu diesem Thema nun in deutscher Übersetzung vorliegt und die deutschsprachige Leserschaft damit die Möglichkeit erhält, die ganze Wahrheit über den Fukushima Atomunfall zu erfahren, wie ich ihn als Premierminister erlebt habe. ...

Nach dem Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 haben wir von der deutschen Bevölkerung vielfältige Hilfe und Unterstützung erfahren; als damaliger Premierminister Japans möchte ich dafür erneut meinen Dank aussprechen.

Es ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben, dass Deutschland das erste Land gewesen ist, das den gleichzeitig mit der Erdbebenkatastrophe aufgetretenen Fukushima-Atomunfall zum Anlass genommen hat, die Atomkraft erneut auf den Prüfstand zu stellen. Unmittelbar nach dem Unfall wurde auf Initiative von Bundeskanzlerin Merkel eine Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung eingesetzt. Ich war erstaunt darüber, dass die Regierung Merkel dann nach kurzer Zeit entschieden hat, bis zum Jahr 2022 vollständig aus der Kernenergie auszusteigen. Wie war es möglich, eine solche Entscheidung so kurzfristig herbeizuführen? Experten haben mich darüber aufgeklärt, dass dies reflektiert, wie ernst die Tatsache genommen wurde, dass sich ein schwerer Atomunfall in einem technisch fortgeschrittenen Land wie Japan ereignet hatte. Die schnelle Entscheidung war weiter darauf zurückzuführen, dass in Deutschland schon seit dem Unfall von Tschernobyl eine entsprechende Diskussion geführt wurde.

Ich habe mit Bundeskanzlerin Merkel an einigen internationalen Konferenzen teilgenommen und dabei den Eindruck gewonnen, dass sie als Politikerin mit naturwissenschaftlichem Hintergrund sowohl eine rationale als auch eine ethische Sicht auf die Dinge hat. Wie eingangs gesagt, hatte ich auch Physik studiert, und bis heute ist meine Denkweise von der Tatsache geprägt, dass Wissenschaft und Technik zum Glück der Menschen beitragen können, aber auch das Potential haben, Unglück für diese herbeizuführen. Symbolisch für das Letztere sind die Erfahrungen meines Landes mit den Tragödien von Hiroshima und Nagasaki.“

Prolog

„Auf alles gefasst

Auch wenn seit dem großen Erdbeben und dem Atomunfall bereits eineinhalb Jahre vergangen sind, sind mir die Bilder der ernsten Lage der ersten Woche sehr präsent. Die ganze Woche nach dem Erdbeben am 11. März 2011 habe ich im Premierministeramt übernachtet. Wenn ich allein war, habe ich in voller Notfallkleidung das Sofa meines Empfangszimmers für einen kurzen Schlaf genutzt. „Schlaf“ heißt dabei allerdings, dass ich mich lediglich etwas zum Ausruhen hingelegt habe. Der Kopf war hellwach. Wie bekämpfen wir die Folgen von Erdbeben und Tsunami? Welche Ausmaße wird der Atomunfall annehmen, und wie kann man ihn stoppen? Darüber habe ich mir unablässig das Hirn zermartert. Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur einmal fest geschlafen zu haben.

Vor Schlimmerem bewahrt

„Eigentlich sei Naoto Kan an der Atomkatastrophe von Fukushima schuld, hat der bekannte Japanologe Jeff Kingston einmal die Anschuldigungen der Medien und vieler konservativer Politiker gegen den ehemaligen Premier zusammengefasst. Doch Kingston, Direktor des Asien-Instituts an der Temple Universität, der selbst eine Studie über Fukushima verfasst hat, ist überzeugt: Kan habe Japan vor einer viel größeren Katastrophe bewahrt. Wie er das tat, lässt sich jetzt in Kans Buch ‚Als Premierminister während der Fukushima-Krise‘ nachlesen, das nun auf Deutsch erschienen ist. Am Mittwoch stellte der 69-Jährige es vor der Ostasiengesellschaft in Tokio vor. …

Kan sagt von sich, bis Fukushima habe er nicht an der Sicherheit der japanischen Kernkraftwerke gezweifelt. Er kannte die Untersuchungsberichte von Tschernobyl und war überzeugt, dergleichen sei in Japan nicht möglich. Heute hält er Fukushima für die größere Katastrophe als Tschernobyl. Die Tage unmittelbar nach dem Unglück, in denen fast alles falsch lief, was falsch laufen konnte, haben ihn, wie er in seinem Buch beschreibt, zum Kernkraft-Gegner werden lassen. … Sein tagebuchartiger Rückblick liest sich als Beinahe-Untergang Japans. TEPCO hatte sich nie auf eine Atomkatastrophe vorbereitet, man hatte sie ja schließlich für unmöglich erklärt.“
(Christoph Neidhart in der Süddeutschen Zeitung vom 16. September 2015: Vor Schlimmerem bewahrt)

Rezension

„Durch die Ausmaße der geballten Katastrophe von Erdbeben und Tsunami, vor allem aber auch dadurch, dass ein Atomunfall für absolut unmöglich gehalten wird, wird Kan vollkommen überrumpelt. Experten, die ihm beratend zur Hilfe stehen. fehlen, denn beispielsweise der Leiter der Atomaufsichtsbehörde ist überhaupt kein Atomexperte, sondern hat den Posten aus anderen Gründen bekommen. …
Durch seinen kurzzeitigen Aufenthalt im Zentrum der Macht hat Kan einen Einblick darin erhalten, wie die japanische Atomlobby, das ‚Atomdorf‘, tatsächlich arbeitet und ist damit zum entschiedenen Atomkraftgegner geworden.“ (Amazon-Rezension)

Siehe auch

Frank Rövekamp: Der Premierminister und der Atomunfall

StEAM: Ein Beben - Elf Perspektiven

Wieland Wagner im Spiegel-Online: Ex-Premier Kan über Fukushima-Katastrophe: "Die Frage war, ob Japan untergeht"

Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“


Schon längere Zeit ist der Wechselkurs des Landes offiziell festgeschrieben: Demnach kann ein US-Dollar in 300 Yen umgetauscht werden, wenn denn tatsächlich jemand das wollte. Der Preis der Währung wurde jedoch administrativ festgelegt, genauso wie die Preise vieler anderer Güter auch. Bereits seit einigen Monaten sind umfangreiche Kapitalverkehrskontrollen in Kraft gesetzt. Die Menschen dürfen nur noch bestimmte Höchstbeträge von ihren Konten abheben. Sparkonten und Depots sind eingefroren. Der Überweisungsverkehr mit dem Ausland ist für Privatpersonen völlig ausgesetzt. Für eine Reihe von Gütern des täglichen Bedarfs und für Mieten gelten gesetzliche Preisobergrenzen. Einige Produkte sind knapp in den Läden und werden für ein Vielfaches des offiziellen Preises auf Schwarzmärkten gehandelt. Die Verkündung einer Sonderabgabe in Höhe von mindestens 50% auf alle Vermögen in der letzten Woche hat hier und da zu Unruhen geführt, die aber dank der Leidensfähigkeit und Disziplin der japanischen Bevölkerung bisher nicht ausufern.

Dabei hatte alles hatte so gut angefangen. 

Im April 2013 verkündete die Bank of Japan eine drastische Lockerung der Geldpolitik. Durch eine massive Ausweitung der Geldbasis mittels Ankauf von Staatsanleihen sollten die deflatorischen Tendenzen ein für alle Mal überwunden werden. Durch die Durchbrechung der Deflationspsychologie sollte das Fundament für einen neuen Wachstumsschub gelegt werden. In Antizipation dieses Schrittes hatte sich die Währung bereits seit Beginn 2013 abgeschwächt und erreichte bald das Niveau von 100 Yen für den US-Dollar. Die Unternehmen der exportorientierten Branchen wie Auto, Elektronik und Maschinenbau konnten dadurch kurzfristig ihre Gewinne steigern. Der Aktienindex Nikkei erreichte die Marke von 14.000.

Abwartend blieben jedoch die inländischen Konsumenten. Umfragen ergaben, dass die meisten Menschen das Ziel der Zentralbank, 2% Inflation zu erreichen, unterstützten. Sie wollten jedoch zunächst eine Erhöhung ihrer Einkommen verspüren, bevor sie ihren Konsum verstärkten. Die Unternehmen auf der anderen Seite sahen sich nicht veranlasst, in großem Stile zu investieren und Lohn- und Gehaltssteigerungen zu akzeptieren, bevor nicht auch der inländische Konsum anzog.

Einen entscheidenden Einschnitt markierte die Wahl zum Oberhaus im Juli 2013, mit der die LDP unter der Führung von Premierminister Abe, auf einer Welle der Popularität durch die frühen Erfolge der expansiven Geldpolitik schwimmend, die Mehrheit im Oberhaus zurückeroberte. Nun verfügte sie über komfortable Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments. Die LDP hätte diese Position für ein ehrgeiziges wirtschaftspolitisches Reformprogramm nutzen können. Das System der staatlichen Renten- und Krankenversicherung hätte den demographischen Gegebenheiten angepasst werden können, um Kostensteigerungen in engen und gut kalkulierbaren Grenzen halten zu können. Gleichzeitig bot sich eine Reform des Steuersystems an, um strukturell höhere Einnahmen zu generieren. PM Abe hatte jedoch andere Prioritäten. Er wollte die Verfassung des Landes reformieren, die nach dem 2. Weltkrieg von den amerikanischen Besatzern durchgesetzt worden war. PM Abe unterschätzte allerdings den Widerstand, den insbesondere sein Plan, dem Kaiser wieder politische Funktionen zuzuweisen, hervorrief. Für eine Änderung der Verfassung wären zunächst Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern des Parlaments erforderlich gewesen. Es erschien nicht unmöglich, aber das politische Geschachere, das im Rahmen dieses Projektes einsetzte, zog sich über viele Monate hin und ließ keinen Raum für wirtschaftspolitische Vorhaben. Am Ende waren die Parteien untereinander und intern wieder so zerstritten, dass an schmerzhafte gesetzliche Regelungen zur Haushaltssanierung nicht mehr zu denken war.

Keine nachhaltig positive Entwicklung zeichnete sich längerfristig trotz der Yen-Schwäche im Export ab. Einbrüche gab es im chinesischen Markt, da die geplanten Verfassungsänderungen in Japan zu Protestwellen in China und einem Boykott vieler japanischer Waren führte. In Europa brach die Eurokrise wieder auf, die diesmal auch die Konjunktur und damit Importe aus Japan nachhaltig mit in Mitleidenschaft zog. In Anbetracht dieser Situation blieb auch der inländische Konsum in Japan verhalten.

All das brachte die Bank of Japan in eine unangenehme Lage. Plangemäß wurde die Geldbasis durch den Kauf der Staatsanleihen immer weiter ausgedehnt. 2015 zeichnete sich aber noch immer kein Anstieg der Inflationsrate auf 2% ab. Noch stärker wurde die Glaubwürdigkeit der Notenbank von anderer Seite untergaben. Stets hatte die BoJ betont, dass Staatsanleihen nur zu geldpolitischen Zwecken, d.h. zur Ausweitung der Geldbasis, aufgekauft würden. Keinesfalls diene dies der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Nachdem jedoch wirtschaftspolitische Reformen ausblieben, das Haushaltsdefizit damit nur weiter wachsen konnte, machte sich zunehmende Skepsis breit. Würde die BoJ je aus dem Programm aussteigen können, egal wie sich der Geldwert entwickelte?

Das Jahr 2016 war durch weitere negative Entwicklungen gekennzeichnet. BoJ-Gouverneur Kuroda hatte stets die Rolle der Erwartungen betont. Nur wenn die Menschen erwarten würden, dass das einst ausgegebene Inflationsziel auch erreicht würde, könnte es geschehen. Inzwischen erwartete aber niemand mehr eine ruhige und positive Entwicklung. Regelmäßig erschienen nun Bücher, die vor den Gefahren einer Hyperinflation warnten. Ein Buch mit dem Titel „Deutschland 1923 – Das Ende des Geldes“ eroberte die Bestsellerlisten. Mehr und mehr erwarteten die Menschen, dass bald entweder eine drastische Kehrtwende in der Geldpolitik mit verheerenden Konsequenzen für die Realwirtschaft erfolgen werde, oder dass eine massive Geldentwertung unvermeidlich ist.

2017 schließlich sah eine verstärkte Flucht in die Sachwerte. Insbesondere die Immobilienpreise stiegen stetig weiter an. Die lang ersehnte Inflation hatte eingesetzt, blieb aber nicht auf dem Niveau von 2% stehen, sondern überschritt in schnellem Tempo die Marke von 10%. Die Preise in Geschäftsverträgen wurden indexiert, sobald der Erfüllungshorizont einen Monat überschritt. Der – bis dahin noch freie – Wechselkurs erreichte 300 Yen für den US-Dollar, aber da die meisten Länder Einfuhrkontingente für japanische Waren eingeführt hatten, ergab das keine positiven Impulse mehr für den Export.

In einer dramatischen Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der BoJ wurde noch einmal jede Option unter die Lupe genommen. Eine Hyperinflation wollte man nicht zulassen. Unabhängig von den Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeigte sich jedoch, dass eine Reduktion der Geldbasis schon aus bilanztechnischen Gründen nicht zu bewerkstelligen wäre. Inzwischen lagen die Renditen für Staatsanleihen bei weit über 10%; die Anleihen in der Bilanz der Zentralbank hätten daher nur unter großen Verlusten im Markt verkauft werden können. Das Eigenkapital der BoJ wäre dadurch aufgezehrt worden, und niemand hatte ein Konzept, um mit diesem Problem umzugehen. Also blieb alles beim Alten.

Am Ende gab es keinen Ausweg mehr. Ohne besondere Maßnahmen würde es einen Staatsbankrott geben, oder die galoppierende Inflation würde sich zur Hyperinflation entwickeln. In dieser Situation entschloss sich die neue Regierung – die LDP war seit 2016 wieder in der Opposition - für die Einführung umfangreicher Kapitalverkehrskontrollen.

2. Mai 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

Mit dem Wasser kommt der TodManuel Vermeer

Mit dem Wasser kommt der Tod

395 Seiten

KBV, Juli 2015

ISBN: 978-3954412648

Produktbeschreibung bei Amazon.de

Skrupellose Geschäfte mit dem höchsten Gut Eigentlich wollte Cora Remy, eine junge Ingenieurin aus dem Westerwald, nur ihren Kollegen vertreten, aber ihre Reise nach Tibet entpuppt sich vom ersten Moment an als wahrer Albtraum. Kurz nach ihrer Ankunft entgeht sie nur knapp einem Anschlag, und von einem Moment auf den anderen steckt sie mitten in einer schmutzigen Korruptionsaffäre. Während ihrer Eisenbahnfahrt durch das geheimnisvolle, fremde Land verfolgt ein unbekannter Feind sie bis aufs Dach der Welt. Während der Reise muss sie in Qingdao und Lhasa, in der Abgeschiedenheit eines alten Klosters, im Base Camp des Mount Everest und an den Ufern des Brahmaputra um ihr Leben kämpfen. Aber Cora lässt sich nicht einschüchtern. Mit jeder neuen Information, die mehr Licht in das Dunkel um die Drahtzieher der Mordanschläge bringt, kommt sie Schritt für Schritt einer gigantischen geplanten Umweltsünde auf die Spur. Ein Krieg um Wasser zeichnet sich drohend am Horizont ab – ein Krieg, der die ganze Welt ins Chaos stürzen könnte.

„Spannender, eindrücklicher kann man nicht beschreiben, dass es uns alle angeht, wie wir mit unseren knappen Ressourcen umgehen, dass die Entscheidungen, die in einem fernen Land getroffen werden, unser Leben hier bestimmen. Dieses Buch ist ein Muss für jeden, der Wasser zum Leben braucht…“
(Eveline Lemke, Staatsministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung und stellvertretende Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz)

Leseprobe

1. Kapitel

Die Jagd hatte ihre Instinkte geschult. Als sie den Schatten sah, der ihr über die Schulter fiel, wusste sie sofort, dass Gefahr drohte. Sie duckte sich, aber es war zu spät. Der Schlag kam mit voller Wucht, auch wenn er durch das Ausweichen nur ihre Schulter traf und nicht ihren Kopf. Sie stöhnte auf und ging in die Knie, riss im Fallen ein paar Papiere vom Tisch; der Schmerz kam härter, als er ihr seitlich an den Knöchel trat. Sie registrierte, dass Li Ping im Nebenzimmer am Kopierer aufschrie, es mussten also mehrere Angreifer sein. Das Summen der Klimaanlage verstummte, und es wurde schlagartig dunkel im Büro. Jemand war am Sicherungskasten. Sie rollte sich zur Seite ab, wie sie es im Judotraining gelernt hatte, sah etwas Dunkles vor sich und stieß instinktiv mit der Schere, die sie noch umklammert hielt, darauf ein. Ein lauter Aufschrei, der Fuß verschwand, Und sie hörte, wie der Mann im Fallen einen Tisch umstieß und laut fluchte. Obwohl sie vor Schmerzen Tränen in den Augen hatte, kroch sie auf allen vieren in die Richtung, in der sie die Tür vermutete. Noch ein Schrei aus dem Kopierraum, dort fand ein Kampf statt; waren es mehr als zwei Angreifer?

Aber wer, warum — egal, sie hatte jetzt keine Zeit zu überlegen. Da war die Tür; als sie sich vorsichtig erhob und geduckt Richtung Flur schlich, dämpfte der Teppichboden ihre Schritte. Sicher auch die des Angreifers. Wo war er? Die Frage beantwortete sich sofort, als sie einen weiteren Schlag auf den Rücken erhielt. Sie trat nach hinten, Volltreffer, er schrie erneut auf, sie rannte zur Tür, die auf den Flur führte, schlug auf den Türöffner in der Wand, riss die Tür auf und zog sie geistesgegenwärtig sofort hinter sich zu. Ein lautes Krachen und Splittern verriet ihr, dass er gegen das Glas gerannt war, Wohin jetzt? Was war mit Li Ping? Sollte sie zurück und ihr helfen? Nein, sinnlos, gegen zwei oder mehr Angreifer hatte sie keine Chance. Sie rannte den Gang entlang, da waren die Aufzüge, daneben die Toiletten und der Abstellraum mit den Putzmitteln. Cora drückte auf den Aufzugknopf, die Tür öffnete sich, dann drückte sie auf den untersten Knopf.

Als der Angreifer den Aufzug erreichte, schlossen sich die Türen gerade. Er sah auf der Anzeige oberhalb der Türen, dass sich der Aufzug nach unten bewegte, nahm den zweiten Aufzug und fuhr ebenfalls nach unten. Ein zweiter Marin nickte ihm wortlos zu, riss die Tür zum Treppenhaus auf und sprang, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinunter. So konnte sie nicht entkommen.

 

Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“


Vor 5 Jahren leitete die Bank of Japan einen radikalen Kurswechsel ein. Durch eine drastische Erhöhung der Geldbasis mittels Ankauf von Staatsanleihen sollten die deflatorischen Tendenzen ein für alle Mal überwunden werden, um das Fundament für einen neuen Wachstumsschub zu legen. Der riskante Schritt hat sich gelohnt: Der Aktienindex Nikkei hat gerade die Marke von 25.000 übersprungen. Der Unternehmenswert von Sony nähert sich wieder dem von Apple und Samsung an. Exportorientierte Unternehmen verdienen prächtig bei einem Wechselkurs von 120 Yen für den US-Dollar. Auch die inländische Konjunktur ist gut in Fahrt, denn ein reales Wachstum von knapp 3%, ein gutes Klima auf dem Arbeitsmarkt und Lohnsteigerungen, die leicht über der Inflationsrate von 2,3% liegen, sorgen für stete Kauflaune bei den Konsumenten. Die Staatsverschuldung liegt mit einer Quote (dem Verhältnis von absoluter Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt) von 190% noch immer sehr hoch, aber die Trendwende ist eingeleitet. Hohe Steuereinnahmen machen einen Primärüberschuss im Staatshaushalt möglich, d.h. Zins und Tilgung von Staatsschulden werden heute wieder wesentlich aus Überschüssen finanziert. Die BoJ hat inzwischen den Ankauf neuer Staatsanleihen und den Handel mit diesen eingestellt. Die noch hohen Bestände in der Zentralbankbilanz werden nach und nach dadurch abgebaut, dass der Staat die Anleihen bei Fälligkeit zurückzahlt. So konzentriert sich die BoJ heute wieder auf die Kontrolle der Inflation mit traditionellen geldpolitischen Instrumenten.

Der Einstieg in diese günstige Entwicklung gelang mit der geldpolitischen Wende im April 2013. Die Ankündigung einer drastischen Erhöhung der Geldbasis sollte die Menschen davon überzeugen, dass die BoJ die deflatorischen Tendenzen um jeden Preis brechen wollte. Natürlich war der massive Eingriff in den Markt für Staatsanleihen sehr riskant. Japan war mit dem über Zweifachen seines BIP verschuldet, Anleihen im Wert von 950 Bio. Yen, die weitgehend von Finanzinstitutionen wie Banken und Versicherungen gehalten wurden, standen also vor einer potentiellen Umverteilung.  Erhöhten sich die Kurse der Anleihen aufgrund der BoJ-Käufe, würden gleichzeitig die Renditen fallen. Lebensversicherer und Banken könnten dann schnell vor der Situation stehen, ihren Kunden höhere Zinsen bieten zu müssen, als sie selbst erwirtschaften. Bei den Summen im Spiel könnte dies im ungünstigen Fall gar die Stabilität des Finanzsystems belasten. Würden die Finanzinstitutionen, diese Gefahr vor Augen, Anleihen im großen Stil für alternative Anlagen verkaufen, könnte das umkehrt deren Kurse nachhaltig drücken; die Renditen würden steigen und der Staat würde künftig höhere Zinsen zahlen müssen. Ein Staatsbankrott könnte damit in den Bereich des Möglichen rücken. Tatsächlich schwankten die Kurse der Staatsanleihen im Verlauf der kommenden Jahre nicht unbeträchtlich. Die japanischen Wirtschaftspolitiker hatten jedoch noch eine Trumpfkarte in der Hand: Die Post. Postbank und Postversicherung zusammen sind die größte Kapitalsammelstelle im Lande und hielten 2013 etwa 25% aller Staatsanleihen. Als öffentliche Institution konnte die Post veranlasst werden, ihren Handel mit Staatsanleihen so zu steuern, dass dieser größeren Kursschwankungen entgegenwirkte. Dass die Kunden der Post, insbesondere die Millionen Sparer, trotz der Manipulationen bei diesem Institut stillhielten und keine Einlagen im großen Stil abzogen, erwies sich dabei als kritisch.

Den entscheidenden Beitrag zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung und dafür, dass die neue Geldpolitik Früchte trug, leistete die Wirtschaftspolitik ab August 2013. Im Monat zuvor hatte die LDP unter der Führung von Premierminister Abe, auf einer Welle der Popularität durch die frühen Erfolge der expansiven Geldpolitik schwimmend, die Mehrheit im Oberhaus zurückerobert. Nun verfügte sie über komfortable Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments. Die LDP nutzte diese Position für ein ehrgeiziges Reformprogramm. Das System der staatlichen Renten- und Krankenversicherung wurde den demographischen Gegebenheiten angepasst; Kostensteigerungen konnten damit in engen und gut kalkulierbaren Grenzen gehalten werden. Gleichzeitig wurde das Steuersystem reformiert. Zahlreiche Schlupflöcher bei der Einkommenssteuer wurden geschlossen und die Mehrwertsteuer wurde bis 2017 in mehreren Schritten von 5% bis auf 15% erhöht. All das führte zu erheblichen politischen Auseinandersetzungen. PM Abe hielt jedoch Kurs, und da der positive wirtschaftliche Trend immer offenbarer wurde, konnte er die Widerstände erfolgreich überwinden. Die Grundlagen für die langsame aber stete Sanierung des Staatshaushaltes waren damit geschaffen.

Die außenwirtschaftliche Front entwickelte sich ebenfalls zu Japans Gunsten. Seit Anfang 2013 verlor der Yen zur Freude der exportorientierten Industrie schnell an Wert. Zunächst pendelte er sich auf den Kurs von 100 Yen später von 120 Yen für den US-Dollar ein. Die ausländischen Handelspartner, die selbst einen moderaten Wirtschaftsaufschwung erlebten, ließen es gewähren. Überdies wurde Japan 2016 Mitglied der Trans-Pacific Partnership (TPP), einem multilateralen Freihandelsabkommen pazifischer Anrainerstaaten unter Führung der USA. Dies senkte weiter das Risiko von Handelskonflikten.

Selbsttragend wurde der Aufschwung ab 2016. Binnen- und Exportnachfrage veranlasste die Unternehmen zu mehr Investitionen. Kredite dafür standen ausreichend zur Verfügung, da diese den Banken höhere Zinsen boten, als schwach rentierliche Staatsanleihen, die man lieber an die BoJ weitergab. Qualifizierte Arbeitskräfte wurden knapper. In Antizipation dessen stiegen Löhne und Gehälter bereits 2014 wieder an; 2016 erreichten die Steigerungen im Durchschnitt 2,5% mit entsprechenden Rückimpulsen auf den Konsum.

Ebenfalls 2016 begann die Bank of Japan, ihre expansive Geldpolitik wieder vorsichtig zurückzufahren. Die Inflationsrate lag offenbar nachhaltig bei leicht über 2%. Bei der Neuausgabe von Staatsanleihen musste daher auch der Staat inzwischen Renditen von über 2% hinnehmen, aber die guten Steuereinnahmen erlaubten dies auch. Die BoJ kündigte zunächst an, sich wieder an der „Banknotenregel“ orientieren zu wollen, gemäß der der Wert von ihr gehaltener Staatsanleihen nicht höher sein soll, als der Wert des umlaufenden Bargelds. Einige Staatsanleihen wurden von der BoJ wieder verkauft, wenn auch unter Verlusten. Der Ausstieg aus der hyperexpansiven Geldpolitik wurde jedoch einfach dadurch eingeleitet, dass der An- und Verkauf von Staatsanleihen drastisch eingeschränkt wurde mit der Absicht, die Papiere bis zur Fälligkeit in der Bilanz zu halten.

29. April 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

Frank Rövekamp, Moritz Bälz und Hanns Günther Hilpert (Ed.)

Central Banking and Financial 2015Central Banking and Financial Stability in East Asia

Berlin: Springer, 14. Juli 2015

187 Seiten

ISBN: 978-3-319-17379-5

Klappentext:

"This book explores financial stability issues in the context of East Asia.

In the East Asian region financial stability has been a major concern ever since the Asian crisis of 1997/98, which still looms large in the collective memory of the affected countries. The global crisis, which had its starting point in 2007, only served to exacerbate this concern. Safeguarding financial stability is therefore a major goal of any country in the region. Diverging cultural, political and economic backgrounds may however pose different stability challenges and necessary cooperation may be complicated by this diversity. Against this backdrop the contributions of this book by leading academics from the fields of economics and law as well as by practitioners from central banks shed light on various financial stability issues. The volume explores the legal environment of central banks as lenders of last resort and analyzes challenges to financial stability such as shadow banking and the choice of exchange rate regimes. Case studies from China, Japan and Indonesia are contrasted with experiences from Europe."

Prof. Dr. Frank Rövekamp is professor for Asian Studies with a focus on Japan and director of the East Asia Institute of the Ludwigshafen University of Applied Sciences. Formerly he worked for over 15 years in industry and held senior management positions in Germany, Japan and Hong Kong. He obtained his PhD in Business Studies from the University of Cologne. His current research interests include international monetary, currency and trade policy.

Prof. Dr. Moritz Bälz, LL.M. (Harvard) is professor of Japanese Law and its Cultural Foundations at the Faculty of Law of Goethe University Frankfurt, where he currently also serves as deputy director of the Interdisciplinary Centre for East Asian Studies (IZO). Prior to assuming his current position in 2008, he for several years worked as an attorney with international law firm Freshfields Bruckhaus Deringer in New York and Frankfurt. His research focuses on Japanese business law from a comparative perspective and dispute resolution in Japan.

Dr. Hanns Günther Hilpert is Senior Associate in the Research Unit Asia at the German Institute for International and Security Affairs (“Stiftung Wissenschaft und Politik”, SWP), Berlin. Formerly he worked for the German Institute for Japanese Studies (DIJ), Tokyo and the Ifo Institute for Economic Research, Munich. He has written and published many books and articles on the Japanese economy and on Asian trade and economic integration. His current research focuses at various policy oriented economic issues of East Asia.

 

 

Die neue Geldpolitik der Bank of Japan

Am 4. April hat die Bank of Japan (BoJ) eine – wie sie es selbst bezeichnet – drastische neue Geldpolitik verkündet, die seitdem auch international hohe Wellen schlägt. In der Wirtschaftspresse wird allerdings oft ungenau und unvollständig davon berichtet. Was genau wurde also beschlossen, wie soll es wirken, und welche Risiken sind damit verbunden?

Die BoJ spricht von einer neuen Phase der quantitativen und qualitativen geldpolitischen Lockerung mit dem Ziel, die seit 15 Jahren vorherrschenden deflatorischen Tendenzen zu überwinden, und innerhalb von zwei Jahren eine nachhaltige jährliche Inflationsrate von 2% zu erreichen. 
Quantitative Lockerung bedeutet eine massive jährliche Ausweitung der Geldbasis von 60-70 Bio. Yen. Ende 2014 soll diese 270 Bio. Yen (über 2 Bio. €) und damit etwa 60% des BIP erreichen, so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Dies soll insbesondere durch den Ankauf von Staatsanleihen erreicht werden. Dafür wird die seit 2001 geltende Beschränkung aufgehoben, dass der Wert der von der BoJ aufgekauften Staatsanleihen nicht höher sein darf als der des umlaufenden Bargeldes im Lande.

Die Geldbasis (B) ist nicht zu verwechseln mit der Geldmenge (M). Die Geldbasis umfasst das umlaufende Bargeld und die Einlagen auf den Konten, die Geschäftsbanken bei der Bank of Japan unterhalten. Die Geldmenge umfasst das umlaufende Bargeld und die Einlagen die Nicht-Finanzinstitutionen (insbesondere Unternehmen) und Individuen bei Geschäftsbanken unterhalten. Es ist die Geldmenge, die nachfragewirksam ist und sich damit auf das reale Wirtschaftsgeschehen und die Preise auswirkt. Es bestehen Zusammenhänge zwischen der Geldbasis und der um ein Vielfaches höheren Geldmenge, die jedoch vom Verhalten der Wirtschaftssubjekte abhängen und nur sehr eingeschränkt von der Zentralbank beeinflusst werden können. Noch weniger direkt ist daher der Einfluss der Zentralbank auf die Inflationsrate.

BoJ-Gouverneur Kuroda betonte, dass mindestens so wichtig wie die quantitative die qualitative Lockerung der Geldpolitik sei. Die Zentralbank reguliert die Geldbasis durch Wertpapiergeschäfte. So erhöht sie die Geldbasis, indem sie Geschäftsbanken Wertpapiere abkauft und ihnen den Gegenwert auf dem Zentralbankkonto gutschreibt. Traditionell beschränkt sie sich dabei auf erstklassige Wertpapiere mit geringem Ausfallrisiko, die geringen Wertschwankungen unterliegen und nur kurz – bis zu drei Monate - im Portfolio der Bank verbleiben. Dieses Prinzip wurde schon vor Jahren durchbrochen, seit damit begonnen wurde, Staatsanleihen mit verbleibenden Laufzeiten von bis zu drei Jahren aufzukaufen. Qualitative Lockerung heißt also, dass die BoJ nicht nur die Geldbasis erhöht, sondern dies auch durch den Ankauf von Wertpapieren tut, die im Wert stark schwanken und ein höheres Ausfallrisiko haben können. Die neue Geldpolitik geht noch massiv darüber hinaus. Künftig werden auch Staatsanleihen mit bis zu 40 Jahren Laufzeit akzeptiert. Im Durchschnitt soll die Fälligkeit der sich im BoJ-Portfolio befindlichen Anleihen von drei auf sieben Jahre erhöht werden. Die BoJ erhofft damit, nicht nur kurzfristige sondern auch langfristige Zinsen niedrig halten zu können.  
Schließlich kauft die Zentralbank nicht nur Staatsanleihen sondern auch Wertpapiere an, deren Wert mit der Änderung der Aktienpreise (sog. Exchange Traded Funds) und der Immobilienpreise (sog. J-REITs) schwanken. Aktien- und Grundstückpreise sollen damit höher tendieren und entsprechende Finanzprodukte für mehr Investoren attraktiv werden.

So klar wie das Ziel der neuen Geldpolitik – 2% Inflation in zwei Jahren – formuliert ist, und so drastisch und transparent die dafür eingeleiteten Maßnahmen zur Ausweitung der Geldbasis auch sind, so dünn und abstrakt bleiben die Erläuterungen der Bank of Japan jedoch zur Begründung des Ziels, zur Wirkweise der Maßnahmen und zu möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Gar nicht erläutert wird, warum gerade genau 2% Inflation erreicht werden sollen.

Die beabsichtigten Wirkungen der Geldbasisausweitung werden nur sehr abstrakt formuliert: Bisherige Halter von Staatsanleihen sollen ihr Portfolio umschichten und dadurch niedrigere Zinsen herbeiführen. Die sollen Unternehmen zu mehr Investitionen anreizen. Gouverneur Kuroda betont weiterhin die Rolle der Erwartungen: Durch die drastischen Maßnahmen sollen die Menschen nachhaltig davon überzeugt werden, dass die BoJ es diesmal ernst meint mit dem Inflationsziel. Dies fördert die Ausweitung des Konsums.

Auf mögliche Risiken hingewiesen hat die Zentralbank durch eine Rede am 18. April 2013 von Ryuzo Miyao, der Mitglied des geldpolitischen Ausschusses ist. Miyao spricht von instabilen Finanzmärkten aufgrund vielleicht überschießender Risikoneigung, von „Bilanzrisiken“ bei der BoJ selbst und davon, dass es keinen einfachen Weg geben wird, die quantitative und qualitative Lockerung wieder einzuschränken oder den Kurs ganz zu wechseln.

Die diffuse Ausdrucksweise der BoJ hat sicherlich Methode. Die Komplexität der Zusammenhänge und damit auch das Risikopotential sind so hoch, dass deren genauere Diskussion die Stimmung verderben könnte. Diese scheint zwei Wochen nach den Beschlüssen zunächst euphorisch. Der Aktienindex Nikkei ist weiter angestiegen und liegt jetzt deutlich über der Marke von 13.000. Der Yen hat den Abwertungstrend fortgesetzt, was die Erwartung für eine boomende Exportwirtschaft nährt, zumal die G-20 Staaten am letzten Wochenende den Vorwurf des „Währungskrieges“ nicht in den Vordergrund gespielt haben.

22. April 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

 2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?