Volkskommune

人民公社 rénmín gōngshè (Volk + allgemein + Gesellschaft)
 
 
 
„In der Chaoying-Kommune wird bei Tagesanbruch geläutet und gepfiffen. In ungefähr einer Viertelstunde sind die Bauern zum Dienst angetreten. Auf Befehl der Zug- und Kompanieführer marschieren die Kolonnen mit Fahnen auf die Felder. Hier sieht man keine Bauern mehr, die in kleinen Gruppen von zwei oder drei Mann gemütlich rauchend und langsam auf die Felder gehen. Was man jetzt hört, sind Marschgesänge und abgemessene, militärische Schritte. Die vollkommen freizügigen Lebensgewohnheiten, wie sie die Bauern seit Jahrtausenden kannten, sind endgültig vorüber.
 
Wie gewaltig ist doch der Wechsel! Um sich an die Gemeinschaftsarbeit und das Gemeinschaftsleben anzupassen, hat die Volkskommune eine Bewegung gestartet, um ganze Dörfer miteinander zu verschmelzen und ihre Mitglieder von einer Behausung in die andere umziehen zu lassen. Die Bauern trugen ihr Gepäck auf dem Rücken in Gruppen und zogen in neue Wohnungen in der Nähe ihrer Arbeitsplätze. Wie wundervoll ist doch dieser Wechsel! Seit altersher haben die Bauern ihre von den Ahnen ererbten Häuser mehr geschätzt als alles andere! jetzt aber, da private Grundstücke, Häuser und teilweise auch die Viehbestände in das Eigentum der Volkskommune übergegangen sind, sind alle Bande, die die Bauern noch an ihr Eigentum fesseln, zerbrochen, und sie fühlen sich viel freier und unbeschwerter als früher. Die Bauern sagen: Es macht keinen Unterschied, wohin wir umziehen. In jedem Fall sind wir in unserer Chaoying-Heimat zu Hause.' Es gibt nichts mehr in ihren alten Häusern, wonach sie sich sehnen. Die Volkskommune ist ihre Heimat.

Gemeinschaftsspeisehäuser und Kindergärten sind jetzt in den Dörfern zu finden. Alle Häuser sind abgeschlossen, da alle Bewohner auf die Felder oder in die Fabriken marschieren. Man kann nicht länger das altgewohnte Phänomen beobachten, daß in jeder einzelnen Familie gekocht wird und die Kinder großgezogen werden. Der Rahmen der individuellen Familie, die für Tausende von Jahren existiert hat, ist vollständig zerschlagen worden."

(Zhongguo Qingnian Bao, 27. September 1958)
 
 
 
人民公社好。 人民公社万岁!
Rén​mín​ gōng​shè​ hǎo. Rén​mín​ gōng​shè​ wàn​suì!
Die Volkskommunen sind gut. Lang leben die Volkskommunen!
 
Durch die Kollektivierung des gesamten Lebens sollte einem der gefährlichsten Widerstandsnester gegen die Parteidiktatur, dem chinesischen Familiensystem, das Rückgrat gebrochen werden. Man begann, die Wohnsiedlungen abzureißen und die Bevölkerung, getrennt nach Geschlechtern, in Barackenlagern zu kasernieren. den Mitgliedern blieb als persönliches Eigentum nur Kleidung, einiges Haushaltsgerät und ein paar Haustiere und Hühner. Eigenbesitz an Grund und Boden gab es überhaupt nicht mehr. Das Leben vollzog sich fast durchweg im Kollektiv.
 
Als besonders katastrophal erwiesen sich die Verhältnisse in den Säuglingskrippen und Kindergärten der Kommunen. „Dagongbao“ schreibt zum Beispiel über die Kindergärten der Kommune Rote Fahne in einem Stadtteil von Peking:

„...Zuerst waren die Säuglingskrippen und Kindergärten, die von allen Kindern der Kommune frequentiert werden, nur ein Stück Land, auf dem einige Dutzend Kinder spielten, während ein Erwachsener zuschaute. Es war wirklich schwierig, sich um die Kinder zu kümmern. Kaum hatte die Tante' sich umgedreht, schon fehlte ein Junge, oder ein anderes Kind weinte und wollte nach Hause gehen. Manche Mutter sagte: Wir möchten lieber unsere Kinder zu Hause haben' und sie schickten ihre Kinder nicht mehr....
 
Nachdem sie unsaubere oder kalte Mahlzeiten gegessen hatten, bekamen die Kinder Durchfall. In einem Kindergarten gab es 20 Durchfall-Erkrankungen an einem Tage. Wenn die Kinder krank wurden, litt die Produktionskapazität der Eltern darunter, ja, die Mütter verurteilten sogar die Kindergärten.“
(Ta Kung Pao, 16. November 1958)

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