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09. Dezember 2012

Vierundzwanzig Beispiele kindlicher Pietät

二十四孝 èrshísì xiào (zwei + zehn + vier + Kindespietät)
 
 
„Es gab viele Menschen, die sich für die Eltern masochistisch aufopferten. Während der dreijährigen Trauerzeit errichteten nicht wenige eine Hütte neben dem Grab der Eltern und wohnten dort. Die drei Jahre wurden aufgewandt, um das Bedauern über den Verlust der Eltern auszudrücken.“
(Choi, Miseon: Die Vater-Sohn-Beziehung in Korea. Universität Bonn, 2006)
 

Berühmt sind die 24 Beispiele kindlicher Pietät, die von sinnvoll bis abstrus reichen. Aus heutiger Sicht sind einige der Beispiele vollständig überzogen, was mittlerweile auch in China so gesehen wird.
 
Die 24 Beispiele wurden vor etwa 700 Jahren zusammengestellt und gehen teilweise auf wahre Begebenheiten zurück. Sie fordern von den Kindern eine unterwürfige Haltung gegenüber den Eltern.
 
Da alte Menschen in China oft sehr respektvoll behandelt wurden, galt dort nicht die Kindheit als schönste Zeit im Leben, sondern das Alter.
 
 24-01  24-02
1
孝感動天。
Xiào găn dòng tiān.
Seine Pietät rührte den Himmel.
2
親嘗湯藥。
Qīn cháng tāng yào.
Er testete persönlich Suppe und Medizin.
Der spätere Kaiser Shun 舜 lebte mit einem blinden Vater, einer hochmütigen Mutter und einem arroganten Bruder in einer Familie. Doch er blieb freundlich zu allen, auch als sie versuchten, ihn zu töten. Das rührte den Himmel so, dass er ihm einen Elefanten sandte, der ihm beim Pflügen half und Vögel, die das Unkraut aufpickten. Der Han-Kaiser Wendi 漢文帝 sorgte sich persönlich um seine kranke Mutter und pflegte sie unermüdlich. Um ganz sicher zu gehen, testete er auch ihre Arznei zuerst an sich selbst aus. Dafür wurde er vom Himmel mit einer langen und friedlichen Regierungszeit belohnt.
 24-03 24-04 
3
嚙指痛心。
Niè zhĭ tòng xīn.
Sie biss sich in den Finger und sein Herz schmerzte.
4
單衣順母。
Dān yī shùn mŭ.
Er gehorchte der Mutter mit einfachen Kleidern.
Zeng Shen 曾参 war in den Bergen, als seine Mutter überraschend Besuch bekam. Ratlos wie sie den Gast bewirten sollte, biss sie sich in einen Finger. Ihr Sohn spürte sofort den Schmerz und wusste: „Mama ruft!“ Dann eilte er schleunigst nach Hause, um ihr zu helfen. Min Shuns 閔損 Stiefmutter gab nur ihren eigenen Söhnen warme Kleidung und ließ ihren Stiefsohn frieren. Als sein Vater das bemerkte, wollte er sich von ihr scheiden lassen. Doch Min Shun sagte: „Wenn du sie behältst, friere nur ich. Wenn du dich aber von ihr trennst, werden wir alle drei frieren.“
 24-05  24-06
5
負米養親。
Fù mĭ yàng qīn.
Er schleppte Reis, um seine Mutter zu ernähren.
6
戲彩娛親。
Xì căi yú qīn.
Er spielte und kleidete sich bunt, um seine Eltern zu erfreuen.
Der arme Zhong You 仲由 aß nur Kräuter und gab den Reis seiner Mutter. Später wurde er sehr wohlhabend, doch nun klagt er, dass seine Mutter nicht mehr lebe und sagte traurig zu sich: „Es war besser Kräuter mit der Mutter zu essen, als Reis ohne die Mutter.“ Als Lao Laizi 老萊子 70 Jahre alt war, lebten seine alten Eltern immer noch, waren aber bereits sehr senil. Damit sie ihre Freude hatten, benahm sich Lao Laizi kindisch, kleidete sich wie ein Clown und spielte zu ihren Füßen wie ein Kleinkind.
 24-07 24-08 
7
鹿乳奉親。
Lù rŭ fèng qīn.
Er bot seinen Eltern Hirschmilch an.
8
賣身葬父。
Mài shēn zàng fù.
Er verkaufte sich selbst, um seinen Vater zu bestatten.
Da Tan Zis 郯子 Eltern Probleme mit den Augen hatten, empfahl der Arzt, sie mit Hirschmilch zu behandeln. Tan Zi zog sich das Fell eines Hirschkalbs über und es gelang ihm so tatsächlich an Hirschmilch zu gelangen. Doch eines Tages wäre er beinahe das Opfer von (kurzsichtigen) Jägern geworden. Auf dem Weg zu einem reichen Mann, dem er sich selbst als Sklave andienen wollte, traf Dong Yong 董永 auf eine junge Frau, die seine Frau werden wollte und im Haushalt des Reichen arbeitete bis das Geld für die Beerdigung aufgebracht war, dann flog sie hoch zum Himmel.
 24-09 24-10 
9
行佣供母。
Xíng yōng gòng mŭ.
Er verdingte sich als Tagelöhner, um für seine Mutter zu sorgen.
10
扇枕溫衾。
Shān zhĕn wēn qín.
Er fächelte das Kissen und wärmte die Bettdecke an.
Jiang Ge Er 江革 verdingte sich als Tagelöhner, um für seine Mutter zu sorgen. Auf der Flucht vor Kriegswirren wurde er, mit seiner Mutter auf dem Rücken, von Räubern überfallen, die von seiner Kindespietät so beeindruckt waren, dass sie beide gehen ließen. Um seinem alten Vater die Nachtruhe zu erleichtern, fächelte Huang Xiang 黄香 an heißen Tagen das Kofkissen seines Vaters bis es kühl war und wärmte an kalten Tagen sein Bett, indem er sich zuvor hinein legte.
 24-11 24-12 
11
涌泉跃鯉。
Yŏng quán yuè lĭ.
Die Quelle floss und Karpfen sprangen heraus.
12
刻木事親。
Kē mù shì qīn.
Er schnitzte Holz, um seine Eltern zu ehren.
Da Jiang Shis 姜詩 Mutter nur das Wasser aus einem entfernten Fluss mochte, holten Jiang und seine Frau abwechselnd von dort Wasser. Da die Mutter außerdem gern Fisch aß, besorgten sie welchen in einer fernen Stadt. Ihre Pietät bewegte den Drachenkönig und bald floss ein Bach voller Fisch ums Haus. Ding Lan 丁蘭 schnitzte ein Bild seiner früh verstorbenen Eltern, vor dem er täglich opferte. Doch seine Frau hatte nach einiger Zeit genug davon und stach mit einer Nadel in das Bild. Da floss Blut aus dem Bild und als ihr Mann kam, weinte es sogar. Weshalb er sich sofort von seiner Frau trennte.
 24-13  24-14
13
爲母埋兒。
Wèi mŭ mái ér.
Er wollte seine Söhne für seine Mutter begraben.
14
搤虎救父。
È hŭ jiù fu.
Er kämpfte mit dem Tiger, um seinen Vater zu retten.
Guo Ju 郭巨 wusste, dass er nicht genug zu Essen für die ganze Familie hatte. Deshalb sagte er zu seiner Frau: „Wir können immer Kinder haben, aber eine Mutter kann ich nur einmal haben.“ So beschlossen sie, ihre Söhne zu beerdigen, doch  beim Graben stießen sie auf Gold, auf dem stand: „Der Gott des Reichstums gibt dieses Gold dem pietätvollen Guo und seiner Frau.“ Als der 14-jährige Yang Xiang 楊香 im Wald mit seinem Vater von einem Tiger angegriffen wurde, hatte er nur eine Sorge, wie er seinen Vater schützen könnte. Furchtlos griff er die gestreifte Raubkatze mit bloßen Händen an und setzte ihr so zu, dass sie die Flucht ergriff.
 24-15  24-16
15
拾桑供母。
Shí shèn gòng mŭ.
Er sammelte Maulbeeren, um sie mit seiner Mutter zu teilen.
16
懷橘遺親。
Huái jú wèi qīn.
Er versteckte die Orange, um sie seiner Mutter zu geben.
Während einer Hungersnot sammelte Cai Shun 蔡順 im Wald Maulbeeren; eine Schale mit reifen, schwarzen für seine Mutter, eine Schale mit roten, unreifen für sich selbst. Dabei wurde er von Räubern aufgegriffen, die ihn fragten, wofür er denn zwei Schalen brauche. Als sie den Grund erfuhren, waren sie so bewegt, dass sie Cai Shun von ihrem Reis abgaben. Der sechsjährige Lu Ji 陸績 bekam von einem Beamten eine Orange, aß sie aber nicht gleich auf, wie man es von einem Jungen seines Alters erwarten würde, sondern verbarg sie in seinem Ärmel. Gefragt, warum er das mache, antwortete er, dass seine Mutter gerne Orangen äße und er sie deshalb für sie aufhebe.
 24-17  24-18
17
聞雷泣墓。
Wén léi qì mù.
Er hörte Donner und weinte am Grab.
18
哭竹生筍。
Kū zhú shēng sŭn.
Er weinte bis der Bambus spross.
Wang Pos 王裒 Mutter hatte schreckliche Angst vor Gewittern und musste oft von ihrem Sohn beruhigt werden. Nach ihrem Tod ging der Sohn bis ans Ende seines Lebens bei jedem Gewitter zu ihrem Grab, kniete sich nieder und sagte weinend: „Ich bin hier, hab keine Angst!“ Meng Zongs 孟宗 Mutter hatte eine Krankheit, die nur mit Bambussprossen kuriert werden konnte. Doch woher sollte man mitten im Winter Bambussprossen bekommen. Weinend umarmte er den Bambus und betete. Da brach plötzlich die Erde auf und frische Bambussprossen keimten aus dem Boden.
 24-19 24-20 
19
卧冰求鯉。
Wò bīng qiú lĭ.
Er legte sich aufs Eis, um Karpfen zu bekommen.
20
恣蚊飽血。
Zì wén băo xuĕ.
Er fütterte Moskitos mit seinem Blut.
Wang Xiangs 王祥 Stiefmutter liebte frischen Fisch. Doch es war Winter und selbst auf dem Markt war kein Fisch zu bekommen. Was tat nun unser Wang Xiang? Er legte sich nackt auf einen zugefrorenen Fluss und betete. Da brach das Eis und zwei prächtige Fische hüpften heraus, die bald darauf in der Pfanne schmurgelten. Wu Mengs 吴猛 Familie war so arm, dass sie sich keine Moskitonetze leisten konnte. Deshalb zog er sich aus, ließ sich aussaugen, damit die satten Viecher seine Eltern nicht mehr behelligten. Er äußerte sich dazu mit einem Konfuzius-Gedanken: „Mein Blut kommt von meinen Eltern und damit möchte ich sie ehren.“
 24-21  24-22
21
嘗糞憂心。
Cháng fèn yōu xīn.
Er probierte Kot mit besorgtem Herzen.
22
乳姑不怠。
Rŭ gū bū dài.
Sie nährte ihre Schwiegermutter unermüdlich mit ihrer Milch.
Der Beamte Yu Qianlou 庾黔婁 hörte vom Arzt, dass der Stuhlgang seines schwerkranken Vaters eine Diagnose erlaube. Bitter bedeute heilbar, süß bedeute den sicheren Tod. (Diabetes?) Yu Qianlou probierte (!) und fand es süßlich. Weinend bot er den Göttern sein Leben für das Leben seines Vaters. Der Vater erholte sich und auch er selbst lebte noch lange. Madame Tangs 唐夫人 Schwiegermutter war alt und zahnlos, sodass sie große Schwierigkeiten hatte, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Aber da Tang gerade ein Baby stillte, fand sie einen Ausweg darin, auch der Oma von ihrer Milch zu geben. So ging das noch einige Jahre und auf dem Sterbebett rief die Schwiegermutter alle Angehörigen zusammen, um Tang zu loben.
 24-23  24-24
23
棄官尋母。
Qì guān xún mŭ.
Er gab seinen Beamtenposten auf, um seine Mutter zu suchen.
24
滌親溺器。
Dí qīn niào qì.
Er reinigte den Nachttopf seiner Mutter.
Zhu Shouchangs 朱壽昌 Mutter war eine Nebenfrau seines Vaters, die von der eifersüchtigen Hauptfrau aus dem Haus gejagt wurde. Als diese Hauptfrau fünfzig Jahre später starb, gab Zhu sein hohes Amt im Kaiserpalast auf und machte sich auf die Suche nach seiner Mutter. Durch Zufall fand er die mittlerweile 70jährige und nahm sie in sein Haus auf. (Warum so spät?) Selbst als hoher Beamter säuberte der berühmte Gelehrte Huang Tingjian 黃庭堅 den Nachttopf seiner Mutter, denn die zahlreichen Diener in seinem großen Haushalt reinigten der alten Dame nicht gut genug.
 《唐土二十四孝》
 

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