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09. Dezember 2012

Vier Schätze des Gelehrtenzimmers

文房四寶 wénfáng sì bǎo (Kultur, Schrift + Zimmer + vier + Schätze)
 
(Foto: Wikimedia)
 

„Malerei ist ‚erweiterte Kalligraphie’, die trotz der Farben- und Formenvielfalt ihren „kalligraphischen Charakter" eigentlich nie aufgegeben hat. Die Situation des Malers gleicht der des Schreibenden. Auch er sitzt in seinem leeren Arbeitszimmer, das der geistigen Vertiefung dient, über den ebenen Tisch gebeugt und führt mit freier Hand den Pinsel übers Papier.

Er benötigt keine Staffelei und kein Atelier, kein Nordlicht und kein Modell. Sein Rüstzeug sind Pinsel, Tusche, Papier und Reibstein, die ‚Vier Schätze des Literatenzimmers’.

Oft schon nach wenigen Minuten ist das Bild fertig, mit kalligraphischer Aufschrift und Siegel versehen. Jahrzehnte hat er dazu gebraucht, jeden Strich und jeden Farbtupfer so auswendig zu lernen, daß er sein Thema mit atemberaubender Perfektion beherrscht.“
(Friedemann Berger: Die Milchstraße am Himmel — und der Kanal auf Erden. 1988. ISBN 7-119-00621-5/Z.242)

Die vier Schätze des Gelehrtenzimmers waren im traditionellen China die Gegenstände, die ein Gelehrter zum Schreiben und Malen brauchte.

 



Schreibpinsel

Mit seiner weichen Spitze kann der Schreibpinsel jeder Bewegung der Hand folgen. Die Spitze  ermöglicht die dicken und dünnen Striche, die so typisch für die chinesische Kalligrafie sind. Die Erfindung des Pinsels wird dem General Méng Tián (蒙恬; ? - 210 v. u. Z.) zugeschrieben.

„Der Chinese handhabt den Pinsel so leicht wie seine Essstäbchen. Man kann sagen, die Fähigkeit mit dem Pinsel umzugehen, ist ihm angeboren.
Für den Ausländer mag das nicht zutreffen, denn er findet wohl das Handhaben des Pinsels viel schwerer als das der Essstäbchen. Trotzdem ist es wichtig, dass er es erlernen sollte, wenn er es erreichen will, auf den Geschmack der ‚geistigen Nahrung’ des chinesischen Volkes zu kommen, sowie er ja auch nicht erwarten kann, auf den Geschmack seiner köstlichen Gerichte zu kommen, wenn er es versäumt, zu erlernen, mit den Essstäbchen umzugehen. ...
Der Gebrauch verschiedener Pinselarten ist bestimmt durch die persönlichen Idiosynkrasien der Schreiber und Maler oder durch die Erfordernisse eines besonderen Schreib- oder Malstiles. Allgemein gesprochen, sind die Wolf- und Hasenhaarpinsel gut für zarte und feine Schrift und Malerei. Für kühn geschwungene Schriftzüge ist der Ziegenhaarpinsel gewöhnlich vorzuziehen. ... Der berühmte Sū Dōngpō
[蘇東坡] bevorzugte Pinsel aus Schnurrbarthaaren der Maus und bediente sich sein Lebtag lang solcher.
(Liu Sze-Hsun)

 



Stangentusche

Zum Schreiben und Malen wird die Stangentusche auf dem Reibstein mit Wasser gerieben, bis der gewünschte Farbgrad erreicht ist.

„Die Tusche ist für den Schreibenden von ebenso großer Wichtigkeit wie für den Malenden.
Der Chinese bewahrt seine Tusche nicht in ‚flüssiger Form auf, sondern in festen Stangen. Das chinesische Schriftzeichen für Tusche setzt sich aus zwei Wurzelzeichen zusammen, die die Bedeutung ‚schwarze Erde’ haben. Die Tusche wird aus Lampenruß, Kienruß oder Graphit angefertigt. ... Die Rauchrückstände werden mit Gummi gemischt und zu kurzen Stangen verschiedenen Formats gestaltet. Dann gelangen die Stangen an einen temperierten Platz zum Trocknen. Es dauert gewöhnlich zwanzig oder mehr Tage, bevor die Stangen benutzt werden können.
Soweit festgestellt werden kann, ergibt Graphit mit Wasser zerrieben, eine ausgezeichnete schwarze Flüssigkeit. ... Je schwärzer der Kienruß, umso besser werden die Tuschstangen. Einzelne Tuschmacher glauben, dass die besten Kiefern für die Gewinnung von Tusche die von Lúshān [廬山], dem berühmten Gebirgskurort in Jiǔjiāng [九江] sind. ...
Es gab einmal einen Kunstsammler, der Hunderte von Tuschstangen verschiedenen Formats angehäuft hatte, und an den Neujahrstagen stellte er sie an die Seite seiner Ahnenbilder und verbeugte sich vor ihnen in tiefer Verehrung. Dergleichen mag sonderbar erscheinen, zeigt aber die Liebe zu den Tuschstangen. Zu sagen, dass die Tuschstangen ‚Curios’, Sammelobjekte sind, ist keine Uhertreibung. Sie werden gewöhnlich viele Jahre auf bewahrt vor dem Gebrauch, ähnlich wie der Shaoxing-Wein [紹興酒 Shàoxīngjiu]. Wenn eine Tuschstange dreißig oder vierzig Jahre aufbewahrt worden ist, so glaubt man von ihr, dass sie die Würde der Pinselstriche des Malers oder des Schreibers erhöht.“
(Liu Sze-Hsun)

 


yàn
Reibstein

Der Reibstein ist umso wertvoller, je feiner sich das Tintenstäbchen darauf zerreiben lässt.

„Um flüssige Tusche zu bekommen, zerreibt man die Stange mit Wasser auf einem flachen Stein, auf dem sogenannten Tusch-Stein. Mancher behauptet, dass es ein besonderer Genuss ist, die Tuschstange auf dem Tusch-Stein zu zerreiben. Nicht nur Stein, auch Jade, Eisen, Backstein und Ziegel können als Unterlage für die Zerreibung der Tusche dienen, doch ist heutzutage allein die steinerne Type gebräuchlich.
Der beste Stein soll jener sein, den man im Bezirk von Tuanxi in der Provinz Guǎngdōng [廣東] findet. Er ist gewöhnlich gräulich-blau und malvenfarbig. Bereits seit der Tang-Dynastie [唐朝 Tángcháo, 681 - 907] hält man den Stein aus jenem Bezirk für den geeignetsten als Unterlage für die Zerreibung der Tusche. ...
Viele künstlerische Tusch-Steine sind auf Geheiß der Kaiser gemacht worden. Während der Tang-Dynastie, während welcher die Förderung der Kunst durch die Kaiser sprichwörtlich war, galt das Herstellen von Tusch-Steinen als eine Kunst. ...
Es ist allgemein üblich, den Tusch-Stein jedes Mal nach Gebrauch zu waschen. Chinesische Künstler ziehen vor, frische Tusche zu gebrauchen, denn sie meinen, dass die schale Tusche ihre Vitalität als Farbe verliert. Man glaubt, dass der mit schaler Tusche befleckte Tusch-Stein nicht von langer Lebensdauer ist. In strengen Wintern werden die Tusch-Steine gut versorgt, damit sie zufolge der Kälte nicht brechen sollen."

(Liu Sze-Hsun)

 


zhĭ
Papier

Das handgefertigte chinesische Papier ist weich und hat die richtige Saugfähigkeit für Kalligrafie und Malerei.

„Das Papier wird im Allgemeinen als ‚verfeinert’ oder als ‚unverfeinert’ bezeichnet. Der Unterschied liegt im Herstellungsverfahren. Das ‚verfeinerte’ Papier ist von feinerer und dichter Struktur und wird in einer Lösung von Alaun und Gummi gewaschen, während das ‚unverfeinerte’ diese Vorzüge vermissen lässt und gleich nach dem Anfangsprozess der Herstellung in Gebrauch genommen wird.
Für die Erzeugung von Papier wird Gras, Tuch, Baumrinde, Hanf und Bambus verwendet. Obschon das chinesische Papier grober ist als das westliche, eignet es sich besonders für Schrift und Malerei der Chinesen.
Vor Erfindung des Papiers schrieben die Chinesen auf Bambustäfelchen. Die ersten in China hergestellten Papiersorten wurden aus Baumrinde und Hanf hergestellt. Als der Erfinder gilt Cài Lún [蔡倫] aus der Zeit der Han-Dynastie [漢朝 Hàncháo, 206 v. u. Z. - 220].
Die verschiedenen Papierarten haben interessante Namen. Eine davon heisst ‚Fisch-Ei’ weil die Papierfarbe der der gelben Fischroggen ähnelt. ... Die chinesischen Maler und Schreiber ziehen bis auf den heutigen Tag das Papier der Seide vor. Sie sind der Meinung, dass Papier das einzige Mittel für den künstlerischen Ausdruck sei...
Es gab einen besonderen Beamten, der beauftragt war, die Papiererzeugung zu überwachen."
(Liu Sze-Hsun)

(Liu Sze-Hsun: Die vier Schätze der Schreibstube in Adolf Josef Storfer: Gelbe Post. Heft 1 - 7. Shanghai, 1933. Reprint: Turia + Kant. ISBN 3-85132-210-X)

 

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