Selbst Affen fallen mal vom Baum. (Japanische Sprichwörter)

Sarumokikaraochiru 

„Selbst Affen fallen mal vom Baum“ scheint eines der beliebtesten Sprichwörter der Japaner zu sein und wird immer wieder gerne verwendet, wie das folgende Zitat zeigt:

 

 „Mit diesem Sprichwort kommentierte Sensei ITO einen meiner gescheiterten Versuche, das von ihm vermittelte Material mit großem Elan und noch größerer Gestik an der Taiko [太鼓] umzusetzen, um dann doch auf halber Strecke kläglich im Zusammenspiel mit der Gruppe zu scheitern. …
 

Dass ich nicht der einzige 'Affe' war, der im Verlauf der folgenden Woche vom Baum fallen sollte, zeigte sich bereits innerhalb der ersten Übungseinheit und am Ende dieser Woche stellte sich mir die Frage, ob Affen überhaupt die größte Spanne ihres Lebens in den Bäumen verbringen.“
(Peter Markus: „Auch in Japan fällt ab und zu ein Affe vom Baum“)
 
Jun Hashimoto, David Galef:
Even Monkeys Fall from Trees.
The Wit and Wisdom of Japanese Proverbs
Tuttle, 2000. ISBN: 978-0-804832267
猿も木から落ちる。
Saru mo ki kara ochiru.
Selbst ein Affe fällt mal vom Baum.
(Jeder macht mal Fehler. Nobody is perfect.)

Diese Liste enthält japanische Sprichwörter und idiomatische Wendungen in alphabetischer Reihenfolge.
 
Es gibt – grob gefasst – drei Arten japanischer Sprichwörter (諺 kotowaza):
  • überlieferte Aussprüche (言い習わし iinarawashi)
  • idiomatische Redewendungen (慣用句 kan'yōku)
  • aus vier Kanji bestehende Komposita (四字熟語 yojijukugo)
Die feststehende Fügungen aus vier Schriftzeichen leiten sich von chinesischen Chéngyǔ (成語) ab und setzen die Vorkenntnisse der historischen Hintergründe voraus.

雨降って地固まる。
Ame futte ji katamaru.
Nach dem Regen wird die Erde hart.
(Regen ist gut um ein Fundament zu legen.)

争いには高声の者が勝つ。
Arasoi ni wa takagoe ga katsu.
Im Streit gewinnt der Lauteste.

明日のことをいうと天井の鼠が笑う。
Ashita no koto o iu to tenjō no nezumi ga warau.
Sprich von morgen, und die Maus in der Zimmerdecke wird lachen.

明日は明日の風が吹く。
Ashita wa ashita no kaze ga fuku.
Morgen bläst ein anderer Wind.
Morgen ist ein anderer Tag.

頭隠して尻隠さず。Atama kakushite, shiri kakusazu.
Wenn man den Kopf in den Sand steckt, bleibt doch der Hintern zu sehen.
 
Diese Verhaltensweise schreibt man dem Vogel Strauß zu. Allerdings muss man sagen, dass dieser Laufvogel so dumm auch wieder nicht ist, denn er rettet sich meist durch Davonlaufen oder er verteilt Fußtritte.

馬鹿も一芸。
Baka mo ichi gei
Sogar ein Narr hat eine Fähigkeit.
 
Das japanische Wort für Dummkopf (馬鹿 baka) geht vermutlich auf ein bekanntes chinesisches Sprichwort zurück:

指鹿為馬
Zhǐ lù wéi mǎ
einen Hirsch für ein Pferd ausgeben
(鹿 = Hirsch, 馬 = Pferd)
 
baka

馬鹿は死ななきゃ直らない。
Baka wa shinanakya naoranai.
Ein Dummkopf wird erst durch seinen Tod geheilt.
(Es gibt kein Heilmittel gegen Dummheit.)

万事は夢。Banji wa yume.
Die zehntausend Dinge sind ein Traum.
 
Ähnliche Gedanken finden sich auch unserem Kulturkreis. So ist „Das Leben ist ein Traum“ (La vida es sueño) eines der bekanntesten Dramen des spanischen Dramatikers Calderón.

武士は食わねど高楊枝。Bushi wa kuwanedo taka yōji.
Ein Krieger reinigt seine Zähne mit dem Zahnstocher, auch wenn er nichts gegessen hat.
(Ein Samurai zeigt seinen Hunger nicht.)
 
Ein Erbe der kriegslosen Edo-Zeit ( 江戸時代 Edo jidai; 600 - 1867) verarmten viele Samurai. Ihren Stolz aber behielten sie. Deshalb benutzen manche Samurai betont einen Zahnstocher, um so zu tun als hätten sie reichlich zu essen.

塵も積もれば山となる。
Chiri mo tsumoreba yama to naru
Auch wenn man Dreck aufhäuft, wird ein Berg draus.
(Kleinvieh macht auch Mist. Steter Tropfen höhlt den Stein.)

朝三暮四
chōsan boshi
drei am Morgen und vier am Abend
(Situation, in der man so sehr sich in Details verrennt, dass man nicht merkt, dass man von einer höheren Warte her gesehen, auf das gleiche Resultat kommt)

Im alten China lebte ein Affenzüchter, der seine Affen liebte und auch von ihnen sehr geliebt wurde. Eher sparte er am Essen für seine Familie, als dass er seinen Affen weniger Futter gab. Seine Lage aber verschlechterte sich, und schließlich musste er die Futterration der Affen herabsetzen. Um jedoch keinen Aufruhr zu erwecken, erklärte er ihnen: ‚Wenn ich euch von jetzt an jeden Morgen drei Kastanien und abends vier gebe, seid ihr dann zufrieden?’

Wütend sprangen die Affen auf und schrien zornig durcheinander.

„Nun gut, da will ich euch morgens vier und abends drei Kastanien geben“, sagte er. „Nun solltet ihr aber wirklich zufrieden sein.“

Freudig setzten sich die Affen wieder auf ihr Hinterteil.

大事の前の小事。
Daiji no mae no shōji.
Wer Großes will, muss zuerst das Kleine tun.

蛇足
dasoku
Schlangenfüße
(Überflüssiges)

Ein Adliger aus dem altchinesischen Staat Chǔ (楚) hatte nach seinem Ahnenopfer noch eine Kanne Wein übrig. Er ging zu seinen untätig herumsitzenden Gefolgsleuten und sagte: „Ich habe hier ein gutes Tröpfchen. Macht euch einen schönen Nachmittag damit.“

Doch die Gefolgsleute sahen rasch, dass die Kanne zu wenig für alle war. Da machte einer von ihnen einen Vorschlag: „Wir veranstalten einen Wettbewerb. Wer es am schnellsten schafft, eine Schlange zu malen, dem gehört die ganze Weinkanne.“

Gesagt, getan. Die Leute aus Chǔ galten zwar als nicht besonders helle, aber eine Schlange zeichnen konnten sie doch. Als nun der erste fertig war, wurde er übermütig und sagte: „Ich war viel schneller als ihr. Schaut, ich habe sogar noch Zeit, um der Schlange Füße zu malen.“

Während er, den Weinkrug bereits in Händen haltend, noch mit dem Malen beschäftigt war, wurde ein anderer fertig. Dieser entriss ihm den Krug, trank den Wein und belehrte ihn: „Eine Schlange hat keine Füße! Wieso zeichnest du denn welche?“

„Eine Schlange malen und Füße hinzufügen“ bedeutet etwas Überflüssiges tun. Diese Redewendung entspricht unserem „Eulen nach Athen tragen“.
 
画蛇添足
Huà shé tiān zú
Eine Schlange zeichnen und Füße hinzufügen

出る杭は打たれる。Deru kui wa utareru.
Der vorstehende Nagel wird eingeschlagen.
(Wer es wagt, aus der Menge herauszuragen, wird kürzer gemacht.)
 
Es wird angenommen, dass dieses Sprichwort die Mentalität der Japaner beschreibt. Es gibt aber auch andere Ansichten:
„Ich kenne den Spruch vom 'vorstehenden Nagel', aber ich glaube nicht daran. Wenn man meinen Kopf reinschlägt, dann strecke ich ihn wieder raus."  (Miyozo Yamazaki)

同床異夢
dōshō imu
gleiches Bett, verschiedene Träume
(gleichzeitige körperliche Anwesenheit aber geistige Getrenntheit)
 
„Drei schwitzende Schuster sind so gut wie ein Zhūgě Liàng.“ Mit diesem Sprichwort ist der geniale Stratege Zhūgě Liàng (诸葛亮, 181 - 234) immer noch im Bewusstsein des chinesischen Volkes:

三个臭皮匠,顶个诸葛亮。
Sāngè chòu píjiàng, dǐng gè Zhūgě Liàng.

Mit 26 Jahren war Zhūgě Liàng immer noch nicht verheiratet. Das war zu jener Zeit ein recht hohes Heiratsalter. Sein älterer Bruder und seine Schwägerin unternahmen alles, um ihn endlich zu verheiraten. Nachdem er schon sieben Bewerberinnen abblitzen gelassen hatte, machte ihm seine Schwägerin eine Szene.

Zhūgě Liàng versuchte sie zu beschwichtigen: „Ich habe Angst davor, mit jemandem im selben Bett zu schlafen, aber unterschiedliche Träume zu träumen.“
 
同床异梦
Tóng chuáng yì mèng
 
Die Schwägerin wandte ein: „Die Ehe ist eine himmlische Fügung. Da kannst du nicht so wählerisch sein wie bei einem Esels- oder Pferdekauf. Sieben feengleiche Mädchen habe ich dir schon vorgeschlagen. Willst du wirklich warten, bis die Rechte erst noch für dich geboren wird?“

Zhūgě Liàng wusste, wie viel seinem Bruder und seiner Schwägerin daran lag, ihn endlich aus dem Haus zu haben. Deshalb sagte er: „Bitte, Schwägerin, sucht weiter für mich!“

Letzlich heiratete er Huáng Yùeyīng (黄月英), die als als sehr begabt galt. Um die Männer dazu zu bringen, sie für ihre Fähigkeiten und nicht für ihr Aussehen zu bewundern, ließ sie das Gerücht verbreiten, dass sie recht hässlich sei. Der einzige Mann, der sich daraufhin für sie interessierte, war Zhūgě Liàng.

猿猴が月をとる。

Enkō ga tsuki o toru.
Ein Affe fängt den Mond.
 
Ein Affe versucht, den Mond zu fangen, der sich in einem Brunnen spiegelt, fällt dabei ins Wasser und ertrinkt. Das Sprichwort warnt davor, Wunschträumen hinterherzulaufen.
 

Der Affe und der Mond

Der Affe greift
nach dem Mond
im Wasser.

Nie gibt er auf,
bis der Tod
ihn ereilt.


父母いませば遠く遊ばず。
Fubo imaseba tōku asobazu.
Solange Vater und Mutter leben, sollst du nicht in die Ferne reisen.

Es ist eine Grundforderung der konfuzianischen Kindespietät, den Körper, den man von den Eltern bekommen hat, möglichst unversehrt durch das Leben zu bringen. Außerdem muss das Kind für die Eltern sorgen und sie unterhalten, um deren „Gunst des Ernährens und Aufziehens zu vergelten“. Es darf nicht allzu weit reisen und sich damit seiner Verpflichtungen entziehen.

父母在不远游。
Fùmǔ zài bù yuǎn yóu.
Solange Vater und Mutter auf der Welt sind, solltest du nicht in die Ferne reisen.
(Tust du es dennoch, so gib' wenigstens dein Reiseziel bekannt.)
 
Würde dies heute noch gelten, käme der gesamte Tourismus zum Erliegen.

覆水盆に返らず。
Fukusui bon ni kaerazu.
Verschüttetes Wasser kann man schwer wieder in eine Schale zurücktun.
(Geschehen ist geschehen.)

In den letzten Jahren der chinesischen Shang-Dynastie (商朝 Shāngcháo; 16. - 11. Jahrhundert  v. u. Z.) gab es einen Beamten namens Jiāng Zǐyá (姜子牙), der wegen der brutalen Herrschaft des Königs Zhòu (纣王) auf seinen Posten verzichtete.

Manchmal machte er merkwürdige Dinge. Dazu gehörte, dass Jiang jeden Tag zum Fluss ging, um Fische zu fangen, mit einem geraden Haken. Das war aber Teil seines Plans, die Aufmerksamkeit der Herrschenden auf sich zu lenken. Jiang fischte den ganzen Tag, fing jedoch nichts, denn er wollte nur die Fische fangen, die freiwillig an seine Angel sprangen.

Dafür fand er durchaus kein Verständnis bei seiner Frau Mǎ (马). Sie dachte, Jiāng sei ein Taugenichts ohne Lebensplan. Sie bemitleidete sich selbst, mit einem solchen Mann verheiratet zu sein, und beschloss, ihn zu verlassen. Jiāng versuchte, seine Frau umzustimmen, und erklärte ihr sogar seinen Plan. Doch sie verstand ihn nicht. Und je mehr er auf sie einredete, desto mehr zweifelte sie an seinen Worten. Jetzt hielt sie ihn nicht mehr nur für faul, sondern auch für dumm und unehrenhaft. Deshalb verließ sie ihn.

Aber Jiāngs Plan ging auf. Einige Jahre später gewann Jiāng Zǐyá das Vertrauen des späteren Königs Wen (文王 Wén Wáng) und half später König Wu bei der Gründung der Zhōu-Dynastie (周朝 Zhōu Cháo). Seine ehemalige Frau bemerkte, dass Jiang nun einen hohen Posten innehatte und bereute, ihn verlassen zu haben. So ging sie zu ihm und bat ihn, sie wieder aufzunehmen. Da holte Jiang Ziya eine Schüssel Wasser und schüttete es auf den Boden. Dann sagte er ruhig:
„Wenn du das verschüttete Wasser in die Schüssel zurückholen kannst, können wir es noch einmal miteinander versuchen.“

Als seine Frau diese Worte hörte, schämte sie sich sehr und ging weinend weg.

覆水难收。
Fù shuǐ nán shōu.
Ausgeschüttetes Wasser kann man schwer wieder aufheben.

我田引水
gaden insui
Ableiten von Wasser aufs eigene Feld
seine Schäfchen ins Trockene bringen.

学問に王道なし。
Gakumon ni ōdō nashi.
Es gibt keinen Königsweg zur Gelehrsamkeit.

画竜点睛を欠く
garyō tensei o kaku
einen Drachen malen und die Pupillen hinzfügen
(Es fehlt noch das i-Tüpfelchen.)

Der berühmte chinesische Maler Zhāng​ Sēng​yóu (张僧繇, 502-519) besuchte eines Tages einen Tempel - und als die Mönche ihn erkannten, baten sie ihn eine der Tempelwände mit vier Drachen zu verzieren. Ein Wunsch, den Zhang natürlich nur schwerlich abschlagen konnte.

Der Abt kam, um die Arbeit zu kontrollieren. Er betrachtete sie ganz genau und aus nächster Nähe, Plötzlich rief er: „Aber Eure Drachen haben ja gar keine Augen!“

„Wie Ihr seht“, erwiderte Zhāng, „habe ich die Augen sehr wohl gemalt. Nur die Pupillen fehlen noch. Das ist aber Absicht. Sobald ich nämlich die Augen fertig gemalt habe, könnten die Drachen wegfliegen.“

Der Abt lachte laut und sagte: „Und das soll einer glauben? Malt sofort die Pupillen hinein! Ich lasse es doch nicht zu, dass Ihr nach der halben Arbeit weglauft.“

Da griff Zhāng noch einmal zum Pinsel und tupfte einem Drachen die Pupillen auf die Augen. Plötzlich donnerte es. Der Himmel verdunkelte sich und ein Sturm fegte durch den Tempel. Der Drache aber löste sich von der Wand und schwang sich in den Himmel. Nur die drei Drachen ohne Pupillen blieben an der Wand.
 
画龙点睛
huà lóng diǎn jīng
einen Drachen malen und die Pupillen hinzfügen

呉越同舟
Go Etsu dōshū
(Wu und Yue im gleichen Boot)
(Wir sitzen alle im gleichen Boot.)

Während der Zeit der chinesischen Streitenden Reiche (春秋 Chūnqiū, 770 – 221) führten die Staaten ( 吴) und Yuè (越) oft Krieg miteinander. Da geschah es eines Tages, dass beide Staaten von einer gewaltigen Flut heimgesucht wurden. Männer aus beiden Staaten saßen zufällig zusammen in einem Boot als in der Mitte des Flusses ein heftiger Wind das Boot in schwere Bedrängnis brachte. Nun griffen alle gemeinsam in die Riemen und brachten das Boot mit letzter Kraft ans rettende Ufer.

Seitdem stehen diese Worte für gemeinsame Anstrengungen, um Schwierigkeiten zu überwinden.

Von diesen Worten hat auch die Tongji-Universität (同济大学 Tóngjì Dàxué) ihren Namen. Diese Shanghaier Hochschule fing im Jahr 1900 ganz ärmlich an. Damals gründete der deutsche Arzt Dr. Erich Paulun mit den Spenden deutscher Kaufleute eine Ambulanz für chinesische Patienten – zu einer Zeit, in der ein einfacher Chinese weniger wert war als ein Hund, wie es Paulun bei seiner Ankunft erleben musste. Der Name Tung-Chi (heute: Tongji), den die Schule 1912 bei der Erweiterung um technische Studiengänge bekam, ist dargestellt im Logo der Universität, das vier Ruderer in einem Kahn darstellt.
 
Siegel der Tongji-Universitättongji
 
同舟共济
Tóng zhōu gòng jì
im gleichen Boot übersetzen

五十歩百歩
gojippo hyappo
(fünfzig Schritte – hundert Schritte)
(Wer selbst fünfzig Schritte geflohen ist, lache nicht über den, der hundert Schritte flieht.)

Diese Redewendung stammt aus der klassischen chinesischen Philosophie:

五十步笑百步。
Wǔshí bù xiào bǎi bù.
Fünfzig Schritte lachen über hundert Schritte

„In meinem Staat ist alles wohlbestellt,“ sagte König Hui (梁惠王) einmal zum Philosophen Menzius (孟子 Mèngzǐ). „Wenn es westlich des Flusses eine Missernte gibt, so schicke ich die Bevölkerung auf die Ostseite oder lasse Getreide in die Notstandsgebiete schaffen. Gibt es östlich des Flusses eine Missernte, helfe ich in gleicher Weise. Wenn ich jedoch sehe, wie viel weniger Sorge sich die Herrscher der Nachbarstaaten um ihr Volk machen und sich deren Bevölkerung dennoch nicht mindert, meine aber auch nicht wächst, möchte ich dich nach der Ursache fragen.“

„Da Ihr den Kampf liebt“, antwortete Menzius, „will ich Euch ein Beispiel vom Krieg geben. Wenn die Trommeln zum Kampfe schlagen, kämpfen beide Seiten heftig mit Schwert und Lanze. Die Geschlagenen werfen schließlich ihre Rüstungen und Waffen von sich und ergreifen die Flucht. Einige nun, die erst fünfzig Schritte weit gelaufen sind, rufen den anderen, die sich schon hundert Schritte vom Kampfplatz entfernt haben, empört zu, dass sie Feiglinge seien.“

„Das ist natürlich unrecht“, empörte sich König Hui, „denn wenn sie auch nur fünfzig Schritte gelaufen sind, geflohen sind sie doch!“

Da entgegnete ihm Menzius: „Wenn Ihr das einseht, dann solltet ihr auch nicht erwarten, dass Eure Bevölkerung schneller wachse als die der Nachbarstaaten.“

群盲象を評す。
Gunmō zō o hyōsu.
Eine Menge Blinder will einen Elefanten beurteilen.
 
Dieses Sprichwort geht auf ein ähnliches chinesisches zurück:

盲人摸象 — 各执一端。
Mángrén mō xiàng — gè zhí yīduān.
Blinde tasten einen Elefanten ab – jeder greift nach einem Körperteil.
 

Die dazu gehörige Legende geht folgendermaßen:
 
In einer kleinen indischen Stadt lebten einmal vier Blinde, die begierig darauf waren, eines Tages einem Elefanten zu begegnen. Ein ungewöhnliches Tier sollte das sein; das hatten sie gehört.
Und dann war es soweit: Ein Elefant kam in die kleine Stadt. Die Blinden wollten sich die Gelegenheit keinesfalls entgehen lassen und ließen sich daher zu dem Elefanten führen. Dann standen sie vor dem gewaltigen Tier.

Da umfasste der Erste das Bein des Elefanten und rief: „Oh, jetzt weiß ich Bescheid: Ein Elefant sieht aus wie eine Säule!“

Der Zweite betastete einen der Stoßzähne und stellte fest: „Ein Elefant gleicht einem riesigen Rettich.“

Der Dritte warf erregt ein: „Sind nicht nur eure Augen blind, sondern auch eure Hände? Ein Elefant ist wie eine Wand; das spüre ich genau!“ Er tastete nämlich gerade die Flanke des Elefanten ab.

„Was redet ihr da?“ widersprach der vierte Blinde. „Gerade eben befindet sich der Elefant in meiner Hand und ich sage euch: Er ist wie ein Strick.“ Dabei zog er am Schwanz.

Der Streit zwischen den vier Blinden dauerte noch lange und sie konnten sich nicht einigen, wie ein Elefant aussieht.

Das Erzählte ist nur eine von zahlreichen Versionen eines, die sich alle ähneln und sich nur in der Anzahl der Männer, der abgetasteten Körperteile und der anschließenden Diskussion unterscheiden. Die Geschichte soll aufzeigen, dass die Wirklichkeit unterschiedlich verstanden werden kann.
 
1872 schrieb der US-amerikanische Schriftsteller John Godfrey Saxe ein Gedicht mit dem Titel „Die blinden Männer und der Elefant“ (The Blind Men and the Elephant), das mit folgender Moral endet:

„Häufig im Krieg der Theologen bekämpfen sich Koryphäen.
Was der Eine als Wahrheit hat erkannt, die Andren als Lüge schmähen,
Und plappern über 'nen Elefant, den keiner hat je gesehen!“

漁夫の利
 
gyofu no ri
(des Fischers Profit)

鷸蚌の争い
ippō no arasoi
der Streit von Schnepfe und Muschel
(Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte.)

Der König des altchinesischen Staates Zhào (赵) wollte das benachbarte Reich Yān (燕) überfallen. Yān aber schickte einen Gesandten nach Zhào. Dieser erzählte dem König das Gleichnis von der Muschel und der Schnepfe. Als die Muschel ihre Schale öffnete, steckte eine Schnepfe ihren Schnabel hinein und die Muschel klappte zu. Keine Seite wollte nachgeben, bis ein Fischer daherkam und beide griff.

鷸蚌相爭, 漁翁得利 。
Yù bàng xiāng zhēng,yú wēng dé lì.
(Als Schnepfe und Muschel miteinander stritten, hatte der Fischer den Nutzen.)

花よりだんご
 
hana yori dango
lieber Knödel als Blumen
(Praktische Werte sind wichtiger als Ästhetik.)
 
Mit einem ironischen Beigeschmack fasst dieses Sprichwort die Realität der einfachen Leute zusammen, die sich nicht die ästhetischen Ideale der Elite leisten können. Hana Yori Dango (花より男子) ist außerdem eine Manga-Serie, die von einer 16-Jährigen aus der Arbeiterklasse erzählt, die an eine Eliteschule wechsel.  Im Titel der Serie wurden allerdings die Hiragana-Zeichen für Klößchen (Dango, だんご) durch die Schriftzeichen für Junge (男子) ersetzt.
 
Dango ist ein japanischer Kloß aus Reismehl, von denen es viele verschiedene Sorten gibt, deren Namen sich meist nach dem Belag oder der Geschmackrichtung richten.

誉人千人悪口万人。
Homete sennin warukuchi mannin.
Zu loben, sind nur tausend Menschen bereit, zur üblen Nachrede aber zehntausend.

仏の顔も三度
Hotoke no kao mo sando
Buddhas Gesicht drei Mal
(Wenn man ihn zu sehr reizt, fährt auch der Geduldigste aus der Haut.)

百語より一笑。
Hyaku go yori isshou
Ein Lächeln ist hundert Worte wert.

百里をいく者は九十を半とす。
Hyakuri o iku mono wa kyūjū o nakaba tosu.
Wer hundert Meilen laufen muss, sagt sich am besten, dass neunzig erst die Hälfte ist.
 
„Weil Baumann aber weiß, wie der Hase läuft, behält er die Kontrolle über diesen Abend. Er teilt ihn sich klug und kräfteschonend genug ein, lässt sich taktisch mitunter etwas zurückfallen, um nötigenfalls wieder heranzusprinten. Er beherzigt das Motto: 'Wer hundert Meilen zu laufen hat, sollte neunzig als die Hälfte ansehen' - es ist als japanisches Sprichwort dem Lenz-Roman vorangestellt."
(Wilhelm Triebold in der Südwest Presse: Wie der Hase läuft)
 
Auch hier gibt es ein chinesisches Original:
 
行百里者半九十。
Xíng bǎi lǐzhě bàn jiǔ​shí.

百発百中
hyappatsu hyakuchū
hundert Schuss – hundert Treffer
(hundertprozentige Treffsicherheitf)

Während der chinesischen Song-Dynastie (宋朝 Sòngcháo; 960 – 1279) gab es einen berühmten Bogenschützen namens Chén Yáozī (陈尧咨), der bei seinen Vorführungen immer große Menschenmengen anlockte, denn er traf jedes Mal das Ziel, wie schwierig es auch sein mochte. Er konnte auf einer Entfernung von hundert Schritten ein Blatt treffen.

百发百中
Bǎi fā bǎi zhòng.
Hundert Mal ins Schwarze treffen

Als Chén Yáozī wieder einmal seine Treffsicherheit vorführte kam ein alter Mann vorbei, der neugierig stehenblieb, um zu sehen, was da vor sich ging. Chén Yáozī war wie immer treffsicher und brachte seine Zuschauer zu Begeisterungsrufen. Nur der alte Mann schien nicht besonders beeindruckt. Als Chén dies bemerkte, ging er auf den Alten zu und fragte ihn verärgert: „Kannst du es vielleicht besser? Hast du überhaupt eine Ahnung vom Bogenschießen?“

Der Alte verneinte und sagte: „Nein, überhaupt nicht. Aber ich glaube, dass deine Vorführung nichts Besonderes ist. Es ist nur eine Sache der Übung.“

Chén fühlte sich in seiner Ehre gekränkt und schimpfte: „Du hast keine Ahnung vom Bogenschießen und willst trotzdem ein Experte sein?“

„Reg dich nicht auf“, sagte der Alte. „Ich verkaufe seit Jahrzehnten Öl und habe einen kleinen Trick gelernt, den ich dir gerne zeigen möchte.“

Er stellte seine Kürbisflasche auf den Fußboden. Oben auf die Öffnung legte er eine Münze mit einem kleinen Loch in der Mitte. Dann nahm er seinen Schöpflöffel und holte damit Tafelöl aus dem Eimer. Ganz gelassen hob er den Löffel auf Augenhöhe und goss das Öl in das Gefäß. Das Öl floss wie ein Faden durch das Loch der Münze und füllte den Kürbis, ohne dass auch nur ein Tropfen daneben spritzte.

„Perfekt!“ riefen die Leute und sogleich brach starker Applaus aus.

„Ich verkaufe schon seit vierzig Jahren Öl. Jeden Tag muss ich Öl aus dem Eimer löffeln und in die Flasche füllen. Übung macht den Meister, das ist alles!“ sagte der Alte und ging seines Weges.
 
熟能生巧。
Shú néng shēng qiǎo.
Aus Übung entsteht Kunstfertigkeit.
(Übung macht den Meister.)

井の中の蛙、大海を知らず。I no naka no kawazu, taikai o shirazu.
Der Frosch im Brunnen weiß nichts vom großen Meer.

Hintergrund ist ein chinesisches Sprichwort:

井蛙不可以语于海者。
Jǐngwā bù kěyǐ yǔ yú hǎi zhě.
Mit einem Frosch kann man nicht über das Meer sprechen.
 
Man kann es auch kürzer sagen:
 
坐井观天
Zuò jǐng guān tiān
im Brunnen sitzend den Himmel betrachten
 
In einem verfallenen Brunnen lebte ein glücklicher Frosch. Er suhlte sich im Schlamm und schlief in den Löchern der Brunnenmauer. Als eines Tages eine Schildkröte aus dem Meer vorbeikam und von oben fragte, wie es da unten so sei, schwärmte er von seinem Brunnen: „Hier ist es herrlich! Komm und sei Gast in meinem Reich, in dem ich König bin.“

Doch als die Schildkröte ihren rechten Fuß in den Brunnen setzen wollte, blieb sie mit dem linken Fuß an einem Mauervorsprung hängen und zögerte. Dann erzählte sie dem Frosch vom Meer: „Kennst du das Meer? Du glaubst gar nicht, wie gewaltig es ist. Selbst wenn du dir eine Entfernung von tausend Meilen vorstellst, hast du noch keine Idee von der Weite des Meeres - und selbst wenn du dir tausend Meter vorstellst, hast du noch keine Idee von seiner Tiefe. Vor langer Zeit gab es eine neunjährige Flut - aber der Meeresspiegel stieg nicht. Später gab es eine siebenjährige Dürre - aber der Meeresspiegel sank nicht.“

Da war der Brunnenfrosch vor Staunen starr, die Schildkröte aber ging ihres Weges.

一条の矢は折るべく、十条は折るべからず。sanfrecce
Ichijō no ya wa orubeku, jūjō wa orubekarazu.
Ein Pfeil bricht, zehn Pfeile brechen nicht.
(Einigkeit macht stark.)

Der Name des japanischen Fußballvereins Sanfrecce Hiroshima (サンフレッチェ広島, Sanfuretche Hiroshima; von japanisch san = drei, italienisch frecce = Pfeil) erinnert an ein Gleichnis, das dem Samurai Mōri Motonari aus dem 16. Jahrhundert zugeschrieben wird: Mori soll seine drei Söhne aufgefordert haben, je einen Pfeil zu zerbrechen. Nachdem dies allen gelungen war, sollten sie ein Bündeln von drei Pfeilen zerbrechen, wozu keiner in der Lage war.
 
Seitdem sind die drei Pfeile ein bekanntes Symbol dafür, dass man mit vereinten Kräften mehr erreichen kann als alleine.
 
Auch von diesem Sprichwort gibt es eine chinesische Variante:
 
一根筷子易折断,十根筷子硬如铁。
Yīgēn kuàizi yì zhéduàn, shígēn kuàizi yìng rú tiě.
Ein Stäbchen wird leicht gebrochen, zehn Stäbchen sind hart wie Stahl.
(Gemeinsam sind wir stark.)

一年の計は元旦にあり。
Ichinen no kei wa gantan ni ari.
Die Pläne für das Jahr beginnen am Neujahrstag.

生き恥かくより 死ぬがまし。
Ikihaji kaku yori, shinu ga mashi.
Besser zu sterben, als in Schande zu leben.
 
„Im Jahre 1333 begingen 800 Gefolgsleute des Shōgun in einer Höhle in der Nähe von Kamakura Seppuku, um nicht in Gefangenschaft zu geraden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich etwas Neues, Unheimliches entwickelt. Selbstmord wurde von nun an endgültig zur Ehrenpflicht der Samurai. Es galt als Schande, in Kriegsgefangenschaft zu geraten."
(Seppuku - der ehrenvolle Tod: „Wenn die Ehre verloren ist, ist es besser zu sterben, der Tod ist eine sichere Rettung vor der Schande.“)
 
„Nach dem Beben von Kobe habe Japan viel ausländische Hilfe abgelehnt... In Zeitungen kursierten damals Gerüchte, Opfer wollten 'lieber sterben', als die Schande zu erleben, von weißen Männern ohne japanischen Benimm behandelt zu werden."
(WAZ vom 3. November 2012: Wie Japaner das Leid ertragen)

命あっての物種。
Inochi atte no monodane.
So lange es Leben gibt, gibt es Hoffnung.

石の上にも三年
ishi no ue nimo sannen
drei Jahre Sitzen auf einem Stein
(Ausdauer siegt. Drei Jahre Sitzen erwärmen auch einen Stein.)
 
„Ein altes japanisches Sprichwort lautet: Selbst auf einem Stein - drei Jahre. Das bedeutet, dass man selbst etwas für etwas so Einfaches wie für das Sitzen auf einem Stein drei Jahre braucht, um es zu lernen.“
(Die unmögliche Kampfkunst)

急がば回れ。
Isogaba maware.
Wenn Du es eilig hast, mach einen Umweg.
(Eile mit Weile!)
 
„Man stößt, vor allem im Fahrwasser esoterischer und ‚spiritueller‘ Veröffentlichungen, häufiger auf das japanische (fälschlich auch: chinesische) Sprichwort: ‚Wenn du es eilig hast, mache einen Umweg.‘

Kurzes Nachdenken führt zur Erkenntnis, dass dieser Rat reichlich unsinnig ist und in dieser Form wohl mangels Nützlichkeit kaum Jahrhunderte überdauert hätte. Meine Nachforschungen im Internet haben zu zwei anderslautende Interpretationen geführt, die ich beide für sinnvoller halte:
  1. Wenn Du die Sache überstürzt, wirst Du wieder dort landen, wo du begonnen hast (= zu große Hast verwirrt, lieber erst mal gründlich nachdenken, anstatt blind loszulegen
  2. Wenn du es eilig hast, wähle lieber den sicheren Weg, auch, wenn er etwas länger ist.“
    (Trinculo)

一石二鳥
isseki nichō
ein Stein - zwei Vögel
(zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen)
 
Chinesisch: 一石兩鳥
 
Auf Englisch sagt man: "to kill two birds with one stone".

一寸の虫にも五分の魂。
Issun no mushi nimo gofun no tamashii.
Auch ein Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird.

言わぬが花。
Iwanu ga hana.
Nichts sagen ist eine Blume.
(Schweigen ist Gold.)

蛇の道は蛇。
Ja no michi wa hebi.
Die Bösen durchschauen einander leicht.

地獄で仏

jigoku de hotoke
Buddha in der Hölle
(ein Freund in der Not)
 
Jizō-Armee auf einem Friedhof
(Foto: Wikimedia)
 
Jizō (地蔵, Schutzherr der Erde) ist der Schirmherr der Kinder, der Pilger und der Reisenden. Er sammelt alle Verdienste in sich an und verteilt sie weiter. Er hat zwei Gelübde abgelegt:
  1. Erst wenn alle Höllen leer sind, will ich ein Buddha werde.
  2. Erst wenn alle Wesen die Erleuchtung erlangt haben, will ich ins Nirvana eingehen.
Es heißt, dass er im Nirvana weilte und beschloss, auf die Erde zurückzukehren, um bis zum künftigen Erscheinen des Buddha Maitreya alle Wesen durch die Finsternis zu führen.
 
Man findet ihn vor allem in den Höllen und insbesondere in der Hölle, in der die kleinen Kinder leiden. Er ist liebevoll und spielt mit ihnen.

地獄の沙汰も金次第。
Jigoku no sata mo kane shidai.
Geld ist der Schlüssel zu allem.

地震、雷、火事、親父
jishin, kaminari, kaji, oyaji
Erdbeben, Donner, Feuer, Vater
(Der Vater ist gefürchtet als schlimmstes Naturereignis.)

重箱の隅を楊枝でほじくる
Jūbako no sumi o yōji de hojikuru
die Ecken eines Lackschalensatzes mit dem Zahnstocher untersuchen
(Haarspalterei betreiben; immer ein Haar in der Suppe finden; bis ins allerkleinste Detail gehen)

十人十色jūnin toiro
(zehn Menschen – zehn Farben)
(viele Köpfe, viele Sinne)
 
Schon der römische Dichter Terenz war der gleichen Ansicht, als er schrieb: „Quot homines, tot sententiae.“ (Wieviele Menschen, soviele Ansichten.)

壁に耳あり、障子に目あり。
Kabe ni mimi ari shōji ni me ari.
Die Wände haben Ohren, die Türen haben Augen.

火中の栗を拾うkachū no kuri o hirou
die Kastanien aus dem Feuer holen
(etwas riskieren)
 
Diese Redewendung stammt aus Jean de la Fontaines Fabel Der Affe und die Katze, in der ein Affe eine Katze überredet, für ihn geröstete Kastanien aus dem Feuer zu holen. Anschließend isst er die Kastanien allein isst, während sich die Katze die verbrannten Pfoten reibt.
 
Wenn jemand die Kastanien aus dem Feuer holt, bedeutet das, dass er sich für einen anderen in Gefahr begibt und womöglich keinen Dank dafür erntet.

瓜田に履を納れず
kaden ni kutsu o irezu
sich im Melonenfeld nicht die Schuhe wieder anziehen
(eine Situation vermeiden, die einen Verdacht auf einen wirft)
 
Diese idiomatische Wendung geht auf eine ähnliche chinesische zurück:
 
瓜田李下
guātián lǐxià
auf dem Melonenfeld unter dem Pflaumenbaum

In einem alten chinesischen Gedicht heißt es:

瓜田不納履,李下不整冠。
Gūatián bù nà lǚ, lǐ xià bù zhěng guān.
Mach dich in einem Melonenfeld nicht an deinen Schuhen
und unter einem Pflaumenbaum nicht an deinem Hut zu schaffen.
 
Denn damit setzt man sich dem Verdacht aus, Melonen zu stehlen oder Pflaumen zu stibitzen.
 
„Liu Xiang – der Dichter, nicht der Hürdenläufer – hatte eigentlich mit seinen „Überlieferungen von ausgewählten Frauen“ ein moralisches Erziehungswerk für Frauen entworfen. Doch dieser Auszug aus der Geschichte über Yu Ji, die Frau des Königs Zhao von Chu, kann allen Sportlern helfen, weiblichen wie männlichen.
‚Mach dich in einem Melonenfeld nicht an deinen Schuhen und unter einem Pflaumenbaum nicht an deinem Hut zu schaffen.‘ Was rätselhaft klingt, bekommt durch eine Ergänzung Sinn: ‚...man könnte dich sonst des Diebstahls verdächtigen‘. Ist es nicht so? Selbst wenn der Betreffende im Melonenfeld unter Beobachtung des Bauern nur seine Schuhe zubindet, bleibt der Makel, er könnte unlautere Absichten gehabt haben. Also: Gebe keinen Anlass für Verdächtigungen.“
(Benedikt Voigt im Tagesspiegel vom 8. Juli 2008)

蛙の子は蛙。
Kaeru no ko wa kaeru.
Das Kind eines Frosches ist ein Frosch.
(Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.)

鏡を見て物を言え。
Kagami o mite mono o ie.
Erst betrachte dich im Spiegel, dann rede.

果報は寝て待て。
Kahō wa nete mate.
Erwarte das Glück schlafend.
(Das Glück kommt über Nacht.)

金の切れ目が縁の切れ目。
Kane no kireme ga en no kireme.
Wenn das Geld endet, endet auch die Liebe.

彼も人なりわれも人なり。
Kare mo hito nari ware mo hito nari.
Er ist ein Mensch und ich bin auch ein Mensch.
(Gefühl, einem Vorbild gleichkommen zu können)

夏炉冬扇

karo tōsen
Ofen im Sommer und Fächer im Winter
(Unnützes)

勝てば官軍、負ければ賊軍。
Kateba kangun, makereba zokugun.
Als Sieger eine Armee der Regierung, als Verlierer Rebellen.
(Sieger haben immer Recht.)

可愛い子には旅をさせよ。
Kawaii ko ni wa tabi o saseyo.
Schicke das Kind, das du liebst, auf Reisen.
(Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.)

可愛さ余って憎さ百倍。
Kawaisa amatte nikusa hyaku bai.
Aus zuviel Liebe wird leicht hundertfacher Hass.

風が吹けば桶屋が儲かるKaze ga fukeba okeya mōkaru.
Wenn der Wind weht, machen die Fasshändler ihr Geschäft.

Dieses Beispiel für den Schmetterlingseffekt (kleine Ursache – große Wirkung) hat folgenden Gedankengang:

Der Wind wehte den Leuten Sand in die Augen. Einige wurden davon blind und mussten sich ihren Lebensunterhalt als wandernde Geschichtenerzähler verdienen. Ihre Geschichten begleiteten sie dabei traditioneller Weise mit dem Shamisen (三味線). Die Saiten dieses Instruments wurden aus Katzendärmen gemacht und dafür musste so manche Katze ihr Leben lassen. Wenn nun also die Anzahl der Blinden zunahm, nahm folglich die Zahl der Katzen ab und es gab mehr Mäuse. Um den Reis vor den Mäusen in Sicherheit zu bringen, kaufte man Fässer, was die Aktien der Fassmacher steigen ließ.
(Bild: Wikimedia)

鶏口となるも牛後となるなかれ。
Keikō to naru mo gyūgo to naru nakare.   
Lieber der Schnabel eines Hahnes als der Schwanz eines Ochsen werden.
Besser der Erste auf dem Lande, als der Zweite in der Hauptstadt.

聞いて極楽見て地獄
kiite gokuraku mite jigoku
vom Hörensagen her ein Paradies, beim Anblick die Hölle

騎虎難下。
Kiko no ikioi.
Wenn man den Tiger reitet, kann man schwer absteigen.
(Dinge, die man nicht in der Mitte abbrechen kann)

Auch dieses Sprichwort greift eine Episode aus der chinesischen Geschichte auf:

骑虎难下。
Qí hǔ nán xià.

Am Ende der kurzlebigen Nördlichen Zhou-Dynastie (Beǐzhōu 北周, 557 - 581) kam ein unerfahrener Prinz auf den Thron, der vom mächtigen Regenten Yáng Jiān (杨坚) gelenkt wurde, der immer mehr Macht an sich zog. Dieser hatte eine ehrgeizige Frau, die ihm sagte:
„Da die Zhou-Dynastie dem Untergang geweiht ist, befindest du dich in einer Position als würdest du auf einem Tiger reiten. Jetzt abzusteigen ist zu gefährlich. Du musst also weitermachen!"

Yáng Jiān fand diese Argumentation einsichtig und wurde zum Gründer der Sui-Dynastie (隋朝 Suícháo, 581-618), deren erster Kaiser er wurde.

聞くは一時の恥聞かぬは末代の恥。
Kiku wa ichiji no haji, kikanu wa matsudai no haji.
Fragst Du, brauchst Du dich nur einen Augenblick zu schämen, fragst du nicht, schämst du dich bis an dein Lebensende.
 
Auch hierzu gibt es ein chinesisches Äquivalent:
 
不耻下问,才能有学问。
Bù chǐ xià wèn cái néng yǒu xuéwen.
Erst wenn man sich nicht schämt, Fragen zu stellen, kann man gelehrt werden.

子を持って知る親の恩。
Ko o motte shiru oya no on"
Erst wenn man selbst Kinder hat, erkennt man der eigenen Eltern Güte.

弘法にも筆の誤り。
Kōbō ni mo fude no ayamari.
Auch Kōbō Daishi verschreibt sich manchmal.

Der Mönch Kōbō Daishi (弘法大師) oder Kūkai (空海) gilt als einer der drei größten Kalligrafen Japans. er studierte in China und verbesserte dort seine Schrift. Ein auf dem Kōya-san (高野山) gehütete Manuskript von Kūkais Hand zählt zu den Nationalschätzen Japans. Angeblich erfand er auch die Kana-Silbenschrift.
 
Wenn selbst ein solches Genie sich gelegentlich einmal verschreibt, müssen wir uns nicht für unsere Fehler schämen.

好事魔多し。
Kōji maōshi.
Gute Dinge werden leicht gestört.
Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

虎威
ko'i
Tigermacht
(sich mit fremden Federn schmücken)

Hintergrund dieses Begriffs ist die folgende chinesische Fabel:

狐假虎威。
Hú jiǎ hǔ wēi.
Der Fuchs leiht sich die Macht des Tigers.

Vor vielen Jahren war ein kleiner, hungriger Fuchs im Wald unterwegs. Zu gleicher Zeit war dort auch ein Tiger auf der Jagd. Er sah den ahnungslosen Fuchs und freute sich über diese leichte Beute. Der Fuchs drehte sich um und sah voll Entsetzen den großen Tiger vor sich stehen. Er überspielte aber seine Angst und herrschte den Tiger an: „Du willst mich also auffressen? Weißt du denn nicht, dass ich vom Himmel als Herrscher über die Tiere eingesetzt worden bin? Sie haben alle Angst vor mir.“

„Dummes Gerede!“ brummte der Tiger „Jeder weiß doch, dass ich der König der Tiere bin.“

„Ich kann es dir beweisen. Geh einfach ein paar Schritte hinter mir und du wirst sehen, dass alle Tiere im Wald mich fürchten.“

Auf ihrem Weg durch den Wald scheuten daraufhin in der Tat alle Tiere zurück, sodass der Tiger bald überzeugt war, mit dem Fuchs den Herrscher der Tiere vor sich zu haben. Er entschuldigte sich mit vielen Worten und suchte das Weite.

恋と咳は隠せない。
Koi to seki to wa kakusarenu.
Liebe und Husten lässt sich nicht verbergen.

恋は盲目。
Koi wa mōmoku.
Liebe macht blind.

虎穴に入らずんば虎児を得ず。
Koketsu ni irazunba koji o ezu.
Nur wer in die Höhle des Tigers geht, fängt ein Tigerjunges.
(Wer wagt, gewinnt!)
 
Das Sprichwort hat einen historischen Hintergrund. Während der chinesischen Han-Dynastie (汉朝 Hàncháo) wurde General Bān Chāo (班超) in diplomatischer Mission in die Westgebiete entsandt. Zuerst gelangte er in das Reich Lóulán (楼兰), also im heutigen Xinjiang. Der König des Reiches nahm ihn zunächst sehr herzlich auf, aber schon nach kurzer Zeit behandelte er ihn kühler, denn die Hunnen hatten ebenfalls einen Gesandten geschickt. Der König zögerte noch, mit welcher Seite er einen Freundschaftsvertrag schließen sollte.

Als Bān Chāo davon erfuhr, rief er seine Begleiter zusammen und sagte:
„Wer sich nicht in die Tigerhöhle wagt, fängt auch keine jungen Tiger! In dieser entscheidenden Situation bleibt als einzige Maßnahme, die Delegation der Hunnen umzubringen. Nur so können wir dem König von Shanshan den Gedanken austreiben, sich mit denen zusammenzutun. Anderenfalls gibt es für unser Leben keine Sicherheit mehr.“

Noch in derselben Nacht führte Bān Chāo seine 36 Gefährten zum Überfall auf das Hunnenlager. Den Wind ausnutzend steckten sie es in Brand und töteten die flüchtenden Hunnen. Der König war darüber äußerst erschrocken und übermittelte ihnen alsbald seine Entscheidung, mit dem Herrscherhaus der Han Freundschaft zu schließen.

不入虎穴,焉得虎子?
Bù rù hǔ xué, yān dé hǔ zǐ?
Geht man nicht in die Tigerhöhle, wie kann man da ein Tigerjunges fangen?

この世わ仮の宿。
Kono yo wa kari no yado.
Diese Welt ist nur ein Rastplatz.
 
Diese negative Sicht des Menschenlebens findet sich auch in dem Kirchenlied Wir sind nur Gast auf Erden.

転ばぬ先の杖
Korobanu saki no tsue.
Um nicht zu fallen vorher ein Stock.
Vorbeugen ist besser als heilen.

紺屋の白ばかま。
Kōya no shiro・bakama.
Die Frau des Färbers ist am schlechtesten gekleidet.
Der Schuster trägt die schlechtesten Stiefel.

口は禍の元。
Kuchi wa wazawai no moto.
Der Mund ist die Wurzel des Unglücks.

空中楼閣
kūchū rōkaku
Luftschloss
(Luftspiegelung; Fata Morgana; Trugbild)

腐っても鯛
kusatte mo tai
verdorben, aber immerhin etwas Edles
(nämlich eine Meerbrasse, eine bis zu 2 Meter lange Fischart)

客と白鷺わたったが見事。
Kyaku to shirasagi wa tatta ga migoto.
Gäste und Reiher sind am schönsten, wenn sie sich erheben.
 
Die Chinesen haben ein eigenes Sprichwort für einen lästigen Gast:
 
久住非嘉宾,常来不欢迎。
Jiǔ zhù fēi jiābīn, cháng lái bú huānyíng.
Wer lange bleibt, ist kein Ehrengast. Wer oft kommt, wird nicht willkommen geheißen.
(Der Gast ist wie der Fisch, er bleibt nicht lange frisch.)

勝るを羨まざれ、劣るを卑しまざれ。
Masaru o urayamazare otoru o iyashimazare.
Wer dir überlegen, den beneide nicht, wer dir unterlegen, den verachte nicht.

目は心の鏡。
Me wa kokoro no kagami.
Die Augen sind der Spiegel der Seele.
 
Emotionen wie Angst, Freude oder Überraschung lassen sich direkt an den Pupillen ablesen. Auch wenn jemand Furcht gut verbergen kann, an seinen Augen lässt sich die Angst immer ablesen.

冥土の道に王わなし。
Meido no michi ni ō wa nashi.
Auf dem Weg zur Unterwelt gibt es keinen König.

名筆は筆を択ばず
Meihitsu wa hitsu o erabazu.
Wer schön schreiben kann, schreibt auch schön mit einem schlechten Pinsel.

盲蛇に怖じず。
Mekura hebi ni ojizu.
Ein Blinder fürchtet die Schlange nicht.
(Keine Angst vor unbekannten Dingen haben.)

三日坊主
mikka bōzu
Ein Mönch für drei Tage

Wer es nur drei Tage lang im Kloster aushält, hat keine Ausdauer und gibt zu schnell auf. Dieses Verhalten wird in unterschiedlichen Zusammenhängen gesehen, wie der unten angeführte Buchtitel zeigt, bei dem es z. B. um Diäten oder das Loskommen vom Glimmstengel geht.
 
三日坊主シンドローム
Mikka bōzu shindorōmu
Das Drei-Tage-Mönch-Syndrom

見ぬが花。
Minu ga hana
Nicht sehen ist eine Blume.
(angenehmes Leben während man die Realität ignoriert)

見ざる、聞かざる、言わざる。
Mizaru, kikazaru, iwazaru.
Nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen.

„Wer kennt sie nicht, die drei Affen von Nikkō? In Asien haben sie seit Jahrhunderten die Bedeutung, ‚über Schlechtes weise hinwegzusehen’. Dagegen meint die westliche Interpretation eher, ‚alles Schlechte nicht wahrhaben wollen’. Mit dem negativen Bedeutungswandel im Westen sind die drei Affen auch Sinnbild für mangelnde Zivilcourage. Der Vollständigkeit halber will ich auch den vierten Affen erwähnen, der nur ab und zu genannt wird. Dieser hat seine Hände im Schoss gefaltet und steht für ‚Nicht handeln’“.
(René Eichenberger: Die Metapher der drei Affen)

Die drei Affen (三猿 sanzaru) von Nikkō (日光) sollen den Göttern über die Menschen berichten. Aufgrund eines Abwehrzaubers sehen, hören und sprechen sie aber nichts Böses.

Die drei Affen befinden sich am Stall der heiligen Pferde in Nikkō
 
Warum gerade Affen?

Im klassischen Japanisch heißt mizaru, nichts (Böses) sehen, kikazaru, nichts (Böses) hören und iwazaru, nichts (Böses) sagen. Die verneinende Endung -zaru (ざる) klingt dabei fast so wie das Wort für Affe, saru (猿, さる).

水は方円の器に従い、人は善悪の友による。
Mizu wa hōen no utsuwa ni shitagai, hito wa zenaku no tomo ni yoru.
Das Wasser nimmt die Form des eckigen oder runden Gefäßes an, der Mensch den Charakter guter oder schlechter Freunde.

門前の小僧習わぬ経を読む。
Mon zen no kozō narawanu kyō wo yomu.
Ein Lehrling, der vor dem Tempeltor arbeitet, kann Sūtren rezitieren, auch wenn auch wenn er sie nicht gelernt hat.

矛盾
mujun
Schild -Speer
(Widerspruch)
 

Im alten China gab es einen Mann, der mit Schilden und Speeren handelte. Eines Tages pries er auf dem Marktplatz seine Waffen an: „Kauft meine Speere! Kein Schild dieser Welt kann sie stoppen!“


Nachdem sich eine kleine Menge um ihn versammelt hatte, hielt er eines seiner Schilde hoch und schrie: „Und seht meine Schilde! Kein Speer dieser Welt kann sie durchdringen!“

So angepriesen wechselte Speer um Speer und Schild um Schild den Besitzer, bis ihm einer der Marktbesucher entgegenrief: „Guter Mann, was wird dann wohl passieren, wenn einer deiner Speere auf eines deiner Schilde trifft?“

Der Kaufmann verstummte, denn er hatte Unmögliches versprochen - allesdurchdringende Speere und undurchdringbare Schilde kann es nicht gleichzeitig geben.
 
自相矛盾
zì xiāng máo dùn
den eigenen Speer gegen das eigene Schild

泣いて暮らすも一生笑って暮らすも一生。
Naite kurasu mo issei, waratte kurasu mo issei.
Ob man es weinend oder lachend hinbringt, ein Leben bleibt ein Leben.

七転び八起き
 
nanakorobi yaoki
sieben Mal fallen - acht Mal aufstehen
(hartnäckig sich von Niederlagen wieder aufrappeln)
 
„Wer siebenmal fällt, steht ein achtes Mal auf
‚Da müssen wir durch.‘ Nach Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe standen die Japaner 2011 inmitten ihrer zerborstenen Häuser und erzählten ruhig von dem anstehenden Neubeginn. Diese Gelassenheit traf im Westen auf Unverständnis. Warum scheinen Japaner so anders zu sein?“
(Christine Liew: Geschichte Japans)

Philippe Labro: Siebenmal fallen, achtmal wieder aufstehen. Ein Topmanager besiegt seine Depression

猫に小判
neko ni koban
Goldstücke für die Katze
(Perlen vor die Säue werfen)
 
Koban (小判) war eine ovale japanische Goldmünze mit dem Wert eines Ryō (両), einer frühen Währungseinheit, deren Wert etwa 1.000 Euro entsprach. Doch was sollte die Katze mit dem vielen Geld? Eine Maus oder ein vergammelter Fisch war ihr sicher lieber.
 
Es gibt aber noch eine direkte Übersetzung des Bibelzitats Perlen vor die Säue (werfen):
 
豚に真珠
buta ni shinju

逃がした魚は大きい。
Nigashita sakana wa ōkii.
Der entwischte Fisch ist immer der größte.

日光を見ぬうちは結構というな。
Nikkō o minu uchi wa kekkō to iu na.
Sage nicht, dass sei herrlich, bevor du Nikkō gesehen hast!

„Ein japanisches Sprichwort sagt: 'Sag nicht prächtig, bevor Du Nikkō gesehen hast!'. Und die Tempel in Nikkō sind wirklich prächtig mit viel Gold und Farbe. In Europa würde man den Stil als Barock bezeichnen. Nikkō liegt am Rand der zentralen Gebirgskette Japans. Wenig entfernt von Nikkō im Nationalpark, befindet sich einer der größten Wasserfälle Japans, ein schöner Bergsee, ausgedehnte Wälder etc.“
(www.tripsbytips.de)
 

人間万事塞翁が馬。
Ningen banji saiō ga uma.
Das Glück der Menschen ist wie Saiōs Pferd.

二兎を追う者は一兎をも得ず。
Nito o ou mono wa itto o mo ezu.
Jemand der zwei Hasen jagt wird nicht einmal einen bekommen.

能ある鷹は爪を隠す。
Nō aru taka wa tsume wo kakusu.
Der kluge Falke verbirgt seine Klauen.
(Stille Wasser gründen tief.)

老いたる馬は道を忘れず。
Oitaru uma wa michi o wasurezu.
Ein altes Pferd vergisst seinen Weg nicht.
 
Auch dazu gibt es eine chinesische Anekdote:
 
老马识途。
Lǎo mǎ shì tú.
Ein altes Pferd kennt den Weg.
 
Während der Frühlings- und Herbstperiode (春秋 Chūnqiū, 770 – 476) eroberte Herzog Huan (桓公) des Fürstentums Qi (齊) zwei weit entfernte Fürstentümer. Die Truppen waren im Frühling ausgezogen, und zur Zeit ihres Sieges herrschte schon Winter, deshalb hatte sich die Landschaft völlig verändert, und auf halbem Wege verirrte sich das Heer. Nun war guter Rat teuer, wie sollten sie wieder nach Hause kommen?
Da sprach der Premierminister zum Herzog: „Ein altes Pferd erkennt den Weg wieder. Warum wollen wir das nicht nutzen?“

So wählte man einige alte Pferde aus und ließ sie vor den Truppen herlaufen. Das Heer folgte und fand so glücklich den Weg nach Hause.

鬼の目にも涙。
Oni no me ni mo namida.
Selbst ein Teufel weint Tränen.

女心と秋の空。
Onna gokoro to aki no sora.
Frauenherzen sind launisch wie das Herbstwetter.

親の意見と冷や酒は後で効く。
Oya no iken to hiyazake wa ato de kaku.
Die Meinung der Eltern und kalter Sake wirken erst im Nachhinein.

ペンは剣よりも強し。
Pen wa ken yori mo tsuyoshi.
Die Feder ist stärker als das Schwert.
(Vom englischen „The pen is mightier than the sword.”)

来年のことお言えば鬼が笑う。
Rainen no koto o iu to oni ga warau.
Wenn man vom nächsten Jahr spricht, lachen nur die Teufel.
(Niemand weiß, was nächstes Jahr sein wird.)

落花枝にかえらず、破鏡再び照らさず。
Rakka eda ni kaerazu, hakkyou futatabi terasazu.
Gefallene Blätter kehren nicht an dem Zweig zurück, ein gebrochener Spiegel reflektiert nicht mehr.
(Geschehen ist geschehen.)

Der zerbrochene Spiegel steht für eine eingereichte Scheidung.

Auch hierzu gibt es ein chinesisches Sprichwort:

破镜重圆。
Pò jìng chóng yuán.
Der zerbrochene Spiegel ist wieder ganz.

Xú Déyán (徐德言) war Kammerherr des Kaisers Chén Shúbǎo (陳叔寶, 553–604) und mit Prinzessin Lèchāng (乐昌), der Schwester des Kaisers, verheiratet. Die Chen-Dynastie (陳朝 Chéncháo; 557-589) befand sich jedoch im Niedergang und Xú Déyán sagte voller Sorge zu seiner Frau: „Bald wird es zum Krieg kommen. Dann muss ich den Kaiser schützen und wir verlieren uns aus den Augen. Vielleicht werden wir für immer getrennt sein. Wenn wir uns in Zukunft wieder treffen mögen, sollten wir ein Zeichen der Verbindung haben.“

Dann teilte Xú einen Bronzespiegel in zwei Hälften und gab eine Hälfte davon seiner Frau mit der Vereinbarung: „Wenn du in Zukunft diesen halben Spiegel an einem 15. des ersten Monats auf der Straße verkaufst, werde ich nach dir suchen.“

Das Chen-Reich wurde schließlich von der Sui-Dynastie (隋朝 Suícháo, 581-618) beseitigt und Xú Déyán war gezwungen, im Exil zu leben. Die Prinzessin Lèchāng aber wurde die Nebenfrau eines Beamten der Sui-Dynastie, Yáng Sù (杨素).

Xú Déyán schaffte es schließlich, zurück in die Hauptstadt zu gelangen. Dort ging er an einem 15. des ersten Monats zum Markt und sah dort einen älteren Mann einen halben Spiegel verkaufen. Dieser verlangte dafür aber einen derart hohen Preis, dass ihn alle Leute auslachten.

Der alte Mann war ein Diener der Prinzessin Lèchāng. Xú erzählte dem Alten alles. Dann holte er seine Hälfte des Spiegels und legte sie an die andere, an. Die beiden Teile passten genau zusammen. Von ihm erfuhr Xú, wie es seiner ehemaligen Frau ergangen war. Dann schrieb er ein Gedicht auf den jetzt wieder kompletten Spiegel:
„Getrennt wurden Spiegel und zwei Liebende.
Jetzt findet der Spiegel wieder zusammen, nicht aber die beiden Menschen.“

Als Prinzessin Lèchāng das Gedicht auf dem Spiegel sah, begann sie laut zu weinen und konnte kein Essen mehr zu sich nehmen. Ihr Ehemann reagierte sehr mitfühlend und entschied, Xú Déyán seine Ehefrau zurückzugeben, einschließlich einer stattlichen Geldsumme.

„Ein zerbrochener Spiegel wird wieder gekittet“ bedeutet heute in China, dass ein getrenntes Ehepaar wieder zusammenkommt.

楽あれば苦あり。
Raku areba, ku ari.
Wo Annehmlichkeiten sind, da gibt es auch Schmerz.

ローマは一日にして成らず。
Rōma wa ichinichi ni shite narazu。
Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.
(Morgen ist auch noch ein Tag.)

良薬口に苦し。
Ryō yaku kuchi ni nigashi.
Gute Medizin schmeckt bitter.
 
Chinesisch:
良药苦口利于病,忠言逆耳利于行。
Liáng yào kǔ kǒu lì yú bìng, zhōng yán nì ěr lì yú xíng.
Gute Medizin ist bitter, aber nützlich gegen Krankheiten. Aufrichtige Worte gefallen den Ohren nicht, sind aber nützlich für das Handeln.
(Gute Medizin schmeckt bitter, guter Rat klingt unangenehm.)

竜車に向こう蟷螂の如し
ryūsha ni mukō tōrō no gotoshi
wie eine Gottesanbeterin, die einen Streitwagen angreift
(Kampf mit einem überlegenen Gegner)

Hierzu gibt es eine chinesische Anekdote:

螳臂当车。
Táng bì dāng chē.
Eine Gottesanbeterin blockiert mit ihren Armen den Wagen.

In der Zeit der Streitenden Reiche war der König des Landes Yuè (越) unterwegs zum Angriff auf das Land Wú (吴), das aber erheblich stärker war, weshalb die Kampfmoral seiner Soldaten nicht sehr hoch war. Da sah er eine Gottesanbeterin, die mit erhobenen Armen seinen Streitwagen aufhalten wollte. Er ließ alle Fahrzeuge anhalten und, wie erwartet, fragten seine Generäle: „Warum lasst Ihr uns hier anhalten?“

„Weil die Gottesanbeterin da vorne versuchte, meinen Streitwagen aufzuhalten.“

Alle lachten laut: „Überrollt das Tier doch einfach!“

Der König blieb aber ernst, und ordnete an, dass alle Fahrzeuge um die Gottesanbeterin herumfahren sollten und ließ die Soldaten die Gottesanbeterin für ihren Mut salutieren. Die Soldaten waren gerührt und kämpften so tapfer wie nie zuvor.
 
Heute hat diese Wendung die negative Bedeutung, dass man etwas Unmögliches versucht, weil man größenwahnsinnig ist.

竜頭蛇尾 ryūtō dabi 
Drachenkopf - Schlangenschwanz
(starker Anfang und schwaches Ende)
 
„Die beiden fanden die Eröffnungsfeier am Anfang richtig gut und am Ende eher schlecht. Sie hatten dafür ein chinesisches Sprichwort: Die Show hatte einen Drachenkopf, aber einen Schlangenschwanz. Also guter Anfang, schlechtes Ende."
(Hendrik in Hefei)

歳月人を待たず。
Saigetsu hito o matazu.
Die Zeit wartet nicht.

塞翁が馬
Saiō ga uma
Saiōs Pferd
(Ironie des Schicksals)
 
Die Redewendung geht auf eine chinesisch Geschichte zurück mit dem Titel  Der alte Mann an der Grenze verliert ein Pferd (塞翁失马 Sàiwēngshīmă)
 
塞翁失马 — 焉知非福。
Sài Wēng shī mǎ — yān zhī fēi fú?
War es denn nicht ein Glück, dass dem Alten an der Grenze sein Pferd davonlief?
 
In dieser Geschichte wird Folgendes erzählt:
 
An der nördlichen Grenze Chinas lebte ein Mann, den die Menschen Sài Wēng (Alter Grenzbewohner) nannten. Dessen Pferd riss sich eines Tages los und galoppierte in das Barbarengebiet jenseits der Großen Mauer.
Die Nachbarn besuchten Sài Wēng, um ihr Mitgefühl zu bekunden, aber Sài Wēng überraschte sie, indem er fragte: „Wer weiß, ob das nicht ein Segen ist?“

Monate später kehrte das Pferd mit einer Stute zurück. Damit hatte sich Sài Wēngs Besitz auf einmal verdoppelt. Viele kamen vorbei, um das neue Pferd zu bewundern und ihm zu gratulieren, aber wieder zeigte Sài Wēng keine großen Emotionen. Er sagte: „Wer sagt, dass dies nicht Unglück sein kann?“

Sài Wēngs Sohn ritt stolz mit dem neuen Pferd herum, stürzte dabei und zog sich dabei einen kompizierten Beinbruch zu. Wieder kamen mitfühlende Nachbarn und wieder sagte Sài Wēng so ruhig, wie immer: „Wer sagt, dass dies nicht eine Art Segen ist?“

Ein Jahr später überquerten die Barbaren die Grenze. Alle wehrtauglichen jungen Männer wurden in die Armee berufen, um das Land zu verteidigen. Es gab hohe Verluste auf beiden Seiten. Neun von zehn Männern starben.
Sài Wēngs Sohn aber wurde nicht eingezogen, da sein Bein verkrüppelt war. Daher blieb ihm das schreckliche Schicksal erspart und seine Familie überlebte den Krieg vollständig.

才子多病佳人薄命。
Saishi tabyō kajin hakumei.
Wen die Götter lieben, stirbt jung.
Ein talentierter Mensch hat viele Krankheiten, und eine schöne Frau stirbt früh.

酒は百薬の長。
Sake wa hyaku yaku no chō.
Sake ist unter hundert Arzneien die beste.
 
Es gibt eine weniger gebräuchliche Erweiterung, der zufolge Sake von den hundert Giften das stärkste ist:
 
酒は百薬の長、百毒の長。
Sake wa hyaku yaku no chō, hyaku doku no chō.

触らぬ神に祟りなし。
Sawaranu kami ni tatari nashi.
Von einem ungestörten Gott wird man nicht verflucht.
Schlafende Hunde soll man nicht wecken.

三人寄れば文殊の知恵。Sannin yoreba Monju no chie.
Aus dem Ratschlag von Dreien kommt Weisheit.
(Drei Köpfe sind klüger als einer.)
 
Manjushri (文殊 Monju; Sanskrit:  मञ्जुश्री Mañjuśrī) gehört zu den drei großen Bodhisattvas. Er hilft, die Unwissenheit zu überwinden und Weisheit zu erlangen. Rechts trägt er das Schwert, das die Unwissenheit zerschneidet und gleichzeitig als eine Fackel Licht in die Dunkelheit bringt. In der linken, der „Weisheitshand“ hält er das Buch der Weisheit. Er ist der Schutzherr der Gelehrten und Studierenden.

去る者日々にうとし。
Saru mono hibi ni utoshi.
Aus den Augen, aus dem Sinn.

晴耕雨読。
Seikō udoku.
Bestell das Feld wenn die Sonne scheint, lese wenn es regnet.

隻手声あり、その声を聞け。
Sekishu koe ari, sono koe wo kike.
Zwei Hände haben einen Klang. Was ist das Klatschen einer Hand?
 
Dieses berühmte Kōan (公案) von Hakuin Ekaku (白隠慧鶴) ist auch im Westen bekannt. Ein Koan ist eine paradoxe Aussage, die Zenschülern als Rätsel aufgegeben wird und nicht durch Nachdenken gelöst werden kann.

船頭多くして船山に上る。
Sendō ōku shite, fune yama ni noboru.
Mit vielen Kapitänen fährt das Schiff den Berg hinauf.
(Viele Köche verderben den Brei.)

千里の道も一歩から。
Senri no michi mo ippo kara.
Eine Reise von tausend Meilen beginnt unter deinem Fuß.
 
Dieser oft gebrauchte Spruch ist ein Zitat aus dem 64. Kapitel des Tao Te King (道德经 Dàodéjīng):
 
千里之行,始於足下。
Qiān lǐ zhī xíng, shǐ yú zúxià.
 
合抱之木,生於毫末;
hé bào zhī mù shēng yú háo mò,
九層之台,起於累土;
jiǔ céng zhī tái qǐ yú lěi tǔ,
千里之行,始於足下。
qiān lǐ zhī xíng shǐ yú zú xià.
Ein beidarmig zu umfassender Baum
wächst aus des Sprösslings feinstem Flaum,
ein Turm, der einmal neunstöckig werde,
erhebt sich aus einem Häufchen Erde.
Eine Reise, tausend Meilen lang,
mit einem ersten Schritt fing sie an!

色即是空。
shiki soku ze kū.
Alles Sein ist Leere.
(zentraler Satz des Hannya Shingyō)

四面楚歌
shimen soka
von allen vier Seiten Chu-Gesänge
(aussichtslose Lage, in der man von allen Seiten von Feinden umgeben ist)
 
Um diese Redewendung zu verstehen, hilft es, die zugrunde liegende chinesische Geschichte kennen:
 
四面楚歌
Sì miàn Chǔ gē
auf allen vier Seiten Chu-Gesänge

Am Ende der kurzlebigen Qin-Dynastie (秦朝 Qíncháo, 221 - 206 v. u. Z.) kämpften die Heerführer Liú Bāng (刘邦) vom Han-Fluss (汉江 Hànjiāng) und Xiàng Yǔ (项羽), ein Nachkomme des Adels von Chǔ (楚) erbittert um die Vorherrschaft. Es gelang, einen Hinterhalt zu legen und die Armee von Xiàng Yǔ zu umzingeln. Xiàng Yǔs Truppen wurden demoralisiert, der Proviant ging allmählich zur Neige und alle Versuche, die Einkreisung zu durchbrechen, misslangen.

Mitten in der Nacht ertönte plötzlich aus dem Lager der Han-Armee lauter Gesang. Doch merkwürdig, die Lieder waren alle Lieder aus Chǔ. Bestürzt murmelte Xiàng Yǔ vor sich hin. „Es ist aus mit uns. Hat Liú Bāng nun auch schon Chǔ erobert? Woher kommen alle die Leute aus Chu im Lager der Han?“

In Wirklichkeit hatte Liú Bāng das Chǔ-Gebiet nicht erobert. Er hatte lediglich Männer aus Chǔ in allen vier Richtungen postiert und ihnen die Anweisung gegeben, Lieder aus ihrer Heimat zu singen.

Wie erwartet, gab der nächtliche Gesang den Chǔ-Soldaten den Rest. Überwältigt von Heimweh, sangen sie mit und es begann ein vereinzeltes Fliehen, das schließlich zur Massenflucht wurde. Die Chǔ-Armee brach völlig zusammen. Seine Konkubine Yújī (虞姬) beging Suizid; von dieser Tragik erzählt die Oper und der Film „Lebewohl meine Konkubine“ (霸王别姬 Bàwáng bié jī). Der Titel ist dabei einer Zeile der Arie entnommen, die Xiàng Yǔ für Yújī singt, bevor er in die letzte Schlacht zieht.

Xiàng Yǔ brachte es nicht über sich, nach Hause zurückzukehren, weil er viele Tausende seiner Männer verloren hatte. Im Angesicht seiner Feinde beging er Suizid, indem er sich in sein Schwert stürzte.

失敗は成功のもと。
Shippai wa seikō no moto.
Scheitern ist die Grundlage des Erfolges.

死人に口無し。
Shinin ni kuchi nashi.
Tote können nicht sprechen.
Tote können keine Aussage machen.

知らぬが仏。
Shiranu ga hotoke.
Unwissenheit ist Buddha.
(Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.)

知る者は言わず、言う者は知らず。
Shiru mono wa iwazu, iu mono wa shirazu.
Die Wissenden reden nicht, die Redenden wissen nicht.

住めば都。
Sumeba miyako
Wo man lebt, ist die Hauptstadt.
(Zuhause ist, wo man sich wohl fühlt. Lateinisch: Ubi bene, ibi patria.)

旅は道連れ世は情け。
Tabi wa michi zure yo wa nasake.
Auf Reisen wie im Leben sollte man einen Gefährten haben.

蓼食う虫も好き好き。Tade kuu mushi mo suki・zuki.
Es gibt Insekten die selbst Knöterich fressen.
(Über Geschmack kann man nicht streiten.)

高木は風に嫉まる
Takaki wa kaze ni sonemaru
Je höher der Baum, desto neidischer der Wind
 
Chinesisch:
 
树大招风。
Shù dà zhāo fēng.
Ein hoher Baum steht im Wind.
(Bedeutende Persönlichkeiten ziehen viel Kritik auf sich.)

玉磨がかざれば光なし。
Tama migakazareba hikari nashi.
Wenn man den Edelstein nicht schleift, hat er keinen Glanz.

Auch dieses Sprichwort hat einen chinesischen Hintergrund:
 
玉不琢,不成器; 人不学,不知理。
Yù bù zhuó, bù chéng qì; rén bù xué, bù zhī lǐ.
Jade, die nicht bearbeitet wird, wird nicht zum Gefäß;
Menschen, die nicht lernen, erkennen die Vernunft nicht.

卵と誓いは砕けやすい。
Tamago to chikai wa kudakeyasui.
Eier und Eide brechen leicht.

矯めるなら若木のうち。
Tameru nara wakagi no uchi.
Ein junger Baum kann leicht gebogen werden.

燈台下暗し。
Todai moto kurashi.
Unter dem Leuchtturm ist es dunkel.
(Dinge, die einem am Nächsten sind, kann man schlecht beurteilen.)

唐人の寝言
Tōjin no negoto
Schlafreden eines Tang-Menschen
(Unverständliches)
 
Tang steht hier für die chinesische Tang-Dynastie (唐朝 Tángcháo), die von 618 bis 907 dauerte. Tang-Menschen nennen sich heute noch viele Überseechinesen. Die Chinatowns heißen folglich auch nicht 中國城 Zhōngguó Chéng (Chinastadt) sondern 唐人街 Tángrénjiē (Straße der Tang-Menschen).

時は金なり。
Toki wa kane nari.
Zeit ist Geld.
 
Diese Erkenntnis geht auf Benjamin Franklin zurück: “Remember, that time is money.”

馬の耳に念仏
uma no mimi ni nenbutsu
Nenbutsu in Pferdeohren
(Predigt an taube Ohren)
 
Nenbutsu (念仏) bedeutet „Buddha vergegenwärtigen“. Die Formel lautet „Namu Amida Butsu“ (なむあみだぶつ; „Verehrung dem Buddha Amitabha“). Wird es mit vollkommener Hingabe ausgeführt, soll es eine Wiedergeburt im Reinen Land des Amitabha bewirken.

海に千年、山に千年
Umi ni sen'nen, yama ni sen'nen
tausend Jahre zur See, tausend Jahre in den Bergen.
(ein alter Fuchs sein)

嘘も方便。
Uso mo hōben.
Die Umstände können eine Lüge rechtfertigen.

笑う門には福来たる。
 
Warau kado niwa fuku kitaru.
Das Glück tritt gern in ein Haus ein, in dem Frohsinn herrscht.

夜郎自大。
Yarō Jidai.
Yelang hält sich für groß.
(Yèláng zì dà.)

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde das geheimnisvolle Königreich Yèláng in Südchina wieder entdeckt, das man eigentlich nur noch von einem Sprichwort her kannte.

Dieses Königreich bestand für zwei Jahrhunderte und ging dann unter. Im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung reiste ein Gesandter der chinesischen Han-Dynastie (汉朝 Hàncháo, 206 v. u. Z. - 220) in verschiedene südwestchinesische Königreiche. Bei einem Gespräch mit dem Gesandten fragte der König von Yèláng, welches Reich größer sei, das der Han oder sein Reich. Dabei war Yelang lediglich ein auf ein regionales Berggebiet beschränktes Reich, während die Han-Dynastie über ein riesiges Reich mit mehreren Millionen Quadratkilometern Fläche herrschte.

Seither stand Yelang für dummstolze Beschränktheit und Einbildung.

油断大敵
Yudan taiteki.
Nachlässigkeit ist ein großer Feind.

善は急げ。
Zen-wa isoge.
Gutes ist am besten gleich getan.