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Die neue Vokabel: Menschenrechte |
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1. Februar 2012
Chinesisch 人权 rénquán
Japanisch 人権 jinken

Über Menschenrechte soll auch mal wieder gesprochen werden, aber vor allem geht es ums Geld, wenn Angela Merkel (安格拉•默克尔 Āngélā Mòkè'ěr) China besucht. Sie braucht Milliarden für die kriselnde Eurozone (欧元区 Ōuyuánqū). Bis Sonntag ist sie in China, trifft sich zunächst mit Präsident Hú Jǐntāo (胡锦涛) und Regierungschef Wēn Jiābǎo (温家宝).
Angelas Vorgänger im Amt, Helmut Schmidt, ist der Ansicht, man möge den Chinesen nicht dauernd mit den Menschenrechten kommen. Gebetsmühlenhaft muss jeder deutsche Spitzenpolitiker bei einer Chinareise die Einhaltung der Menschenrechte einfordern.
Der Journalist Henrik Bork beschrieb in seinem 1997 erschienenen Buch „Chinas Wirklichkeiten: ein ausgewiesener Reporter berichtet“, wie das Ansprechen der Menschenrechte zumindest aus Sicht von Journalisten aussieht:
„Das Gespräch begann wie erwartet mit höflichem Geplänkel, bis einer von uns Journalisten die Frage stellte, ob denn bei dem Staatsbesuch in Deutschland auch über die Einhaltung der Menschenrechte in China gesprochen werden würde. Es war unter anderem deshalb eine berechtigte Frage, weil zu diesem Zeitpunkt noch immer die von der Europäischen Union nach dem Pekinger Massaker verhängten Sanktionen gegenüber China in Kraft waren. Plötzlich verkleinerten sich die Augen des Chinesen, er spitzte die Lippen, um dann mit einer uns alle schockierenden Aggressivität zu antworten. ‚Ich glaube, daß diese Frage während meines Besuches in Bonn aufgeworfen werden wird’, sagte Außenminister Qian, ‚doch wenn Deutschland mit China Menschenrechtsfragen diskutiert, dann bedeutet dies nicht, daß Deutschland nicht selbst Menschenrechtsprobleme hätte.’ Dann warf er dem Fragesteller einen bösen Blick zu. ‚Deutschlands Ruf in Sachen Menschenrechten ist nicht so ehrenhaft’, fügte der Minister hinzu. Es war eine Anspielung auf die gewalttätigen Übergriffe gegenüber Ausländern, die sich zu dieser Zeit in Deutschland häuften. Selbstverständlich ist die Ausländerfeindlichkeit etwas, wofür man sich als Deutscher schämen muß. Ich selbst war schon vor dem Interview mit Minister Qián Qíchēn [钱其琛] immer wieder von chinesischen Freunden danach gefragt worden. Doch es ist auch klar, daß solche Brutalitäten Rechtsradikaler nicht mit gezielten Menschenrechtsverletzungen seitens einer Regierung zu vergleichen sind, die Menschen wegen ihrer Überzeugung oder ihrer Religion ins Gefängnis sperrt.“ |
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Die neue Vokabel: Bergdorf |
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31. Januar 2012
Chinesisch 山寨 shānzhài (Berg + Lager, Dorf)
Japanisch 山寨 sansai
Shanzhai ist der chinesische Begriff für den grauen Markt von Produktfälschungen oder Plagiaten in nicht kontrollierbaren Herstellungsorten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren damit die Rückzugsgebiete der chinesischen Warlords (军阀 jūnfá) in unzugänglichen Gebieten gemeint. Der Begriff könnte sich aber auch von der kantonesischen Aussprache des Ortsnamens Shēnzhèn (深圳) herleiten, wo besonders viele Fabriken stehen, in denen nachgemachte Handys (手机 shǒujī) hergestellt werden. Man vermutet, dass etwa zehn Prozent aller Handys weltweit in solchen Fabriken hergestellt werden.
Heute steht Shanzhai für eine kreative Kopier-Kultur:
„Die Chinesen kopieren doch bloß. Alles, gnadenlos. Saubande! - Gegen solcherlei Vorurteilsballung hilft ein schmales Buch, das sich der chinesischen Kultur des Kopierens widmet. Und unsere Begriffe Original und Kopie radikal dekonstruiert:"
- Byung-Chul Han: Kultur des Kopierens. Shanzhai 山寨 - Dekonstruktion auf Chinesisch.
(Byung-Chul Han ist Professor für Philosophie und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe). |
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24. Januar 2012
Chinesisch 苹果手机 píngguǒ shǒujī (Apfel + Frucht + Hand + Gerät)
Japanisch IPhone アイフォーン aifōn
 Foxconn-Fabrik in Shenzhen (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Electronics_factory_in_Shenzhen.jpg; Foto von Nutzer Steve Jurvetson; Lizenz: Creative Commons)
Apple (苹果公司 Píngguǒ Gōngsī // アップル Appuru) lässt sein iPhone in China herstellen, weil die dortigen Auftragshersteller in kürzester Zeit auf Änderungswünsche reagieren. Wie das abläuft, hat ein früherer Topmanager der New York Times erzählt:
„2007 hatte Steve Jobs führende Manager zu einer Krisensitzung zusammengerufen. Jobs hatte den iPhone-Prototyp zusammen mit seinen Schlüsseln in der Tasche getragen. Verärgert hielt er das iPhone hoch, so dass jeder die vielen kleinen Kratzer auf dem Display sehen konnte. Dann holte er die Schlüssel aus der Hosentasche:
„Die Menschen würden dieses Telefon in der Tasche bei sich tragen, sagte er. Und sie tragen auch ihre Schlüssel in der Tasche. ‚Ich werde kein Produkt verkaufen, das zerkratzt werden kann’, sagte der Vorstandschef. Kratzfestes Glas sei darum die einzige Lösung. ‚Ich will ein perfektes Glasdisplay, und zwar in sechs Wochen.’ Einer der Manager buchte sofort nach dem Treffen einen Flug nach Shēnzhèn [深圳] zu Foxconn [富士康 Fùshìkāng]. Ein Vorarbeiter weckte dort sofort 8.000 Arbeiter in den Schlafsälen von Foxconn in Shēnzhèn. Jeder bekam einen Keks und eine Tasse Tee und wurde an den Arbeitsplatz geführt. Binnen 30 Minuten war alles für den Beginn einer Zwölfstundenschicht vorbereitet, bei der passende Gläser in die Gehäuse eingesetzt wurden. Binnen 96 Stunden betrug die Tagesproduktion bereits 10.000 iPhones.“ (http://www.golem.de/1201/89254.html)
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24. Januar 2012
Japanisch テニス tenisu (tennis) 庭球 teikyū (Hof + Ball)
Chinesisch 网球 wǎngqiú (Netz + Ball)

(http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kei_Nishikori.jpg; Foto von Nutzer Kate; Lizenz: Creative Commons)
„Ryōsuke Nunoi [布井良助 Nunoi Ryōsuke] und Jirō Satō [佐藤次郎 Satō Jirō]? Nein, diese beiden Namen hatte Kei Nishikori [錦織圭 Nishikori Kei] noch nie gehört. Dass seine Landsleute vor 80 Jahren die letzten beiden Japaner waren, die bei den Australian Open [全豪オープン Zen Gō Ōpun] das Viertelfinale [クオーターファイナル kuōtā fainaru ] erreicht hatten, war dem neuen Tennis-Helden nicht bekannt. Doch trotz dieser verzeihbaren Wissenslücke sorgt der 22-Jährige mit seinen Leistungen in Melbourne [メルボルン Meruborun] in seiner Heimat für Begeisterung." (http://www.tennisnet.com/deutschland/welttennis/herren/Filzball-Floh-Nishikori-macht-Japan-froh/3612280)
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Die neue Vokabel: Babyboom |
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23. Januar 2012
Chinesisch 婴儿潮 yīng’ércháo (Baby + Kind + Gezeiten, Flut) 嬰兒潮 yīng’ércháo (das Gleiche in Langzeichen)
Japanisch ベビーブーム bebī būmu (baby + boom)
Heute beginnt nach dem traditionellen chinesischen Kalender das Jahr des Drachen (龙年 lóngnián), in dem es vermutlich bei den Chinesinnen innerhalb und außerhalb Chinas einen Babyboom geben wird. Anders als die feuerspeienden Ungeheuer in der westlichen Mythologie gilt der chinesische Drache als Glücksbringer.
Drachen-Kinder sollen mit Mut und Weisheit gesegnet sein und der ganzen Familie Glück bringen. Viele Paare hatten ihren Kinderwunsch im abgelaufenen Jahr des Hasen aufgeschoben. Hongkong befürchtet einen Ansturm von Chinesinnen aus dem Festland, denn viele chinesische Mütter versuchen, ihr Kind in Hongkong zur Welt zu bringen, um Wohnrecht und Bildungschancen zu erlangen und die Ein-Kind-Politik zu umgehen.
Das geburtenschwache Singapur freut sich auf einen Zuwachs von etwa zehn Prozent mehr Geburten als in normalen Jahren. Bis zum 2. Mai sollte ein Kind nach Berechnungen der Ärzte gezeugt werden, damit es vor Ende des Mondjahres am 9. Februar 2013 geboren wird. Also: Haltet euch ran!
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Die neue Vokabel: Frühlingsfest |
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20. Januar 2012
Chinesisch 春节 chūnjié (Frühling + Fest)
Japanisch 旧正月 kyū shōgatsu (alt + genau + Monat; 正月 shōgatsu = Neujahr)

Am Montag beginnt das chinesische Neujahr. Der 23. Januar 2012 ist der Anfang eines Drachenjahrs (龍年 / 龙年 lóngnián), das (angeblich) eine positive Aufbruchsstimmung mit sich bringt. Es wird aufregende Zeiten mit sich bringen und wir sind aufgefordert, ehrgeizige Projekte in Angriff zu nehmen. Aber Achtung: Der Drache sorgt (angeblich) für große Überraschungen und in seinem Jahr nimmt auch Unschönes größere Ausmaße an.
Hunderte Millionen von Chinesen (die größte Völkerwanderung aller Zeiten) begeben sich in ihre Heimat, um mit ihren Angehörigen zu feiern. „Das Fest der Freude und Familie ist für manche Chinesen allerdings ein Riesenproblem. Sie haben Eltern und Freunden vorgegaukelt, sie hätten in der Fremde längst Anhang gefunden. Und nun können sie ihn nicht präsentieren. Doch es gibt einen Ausweg: Die Freundin auf Zeit per Internetanzeige. ‚Ich möchte eine Freundin anstellen’, schreibt ein junger Mann. Zwischen 20 und 25 Jahre alt soll sie sein, ein ‚guter Schulabschluss wäre angenehm’. Attraktiv aussehen soll sie, ‚muss aber nicht schön sein’. Spezialisierte Internetseiten helfen dabei, die richtige zu finden und bohrende Fragen zu Hause zu vermeiden. Denn kaum etwas ist so schrecklich wie die ewigen Debatten am Familientisch, warum der Sohn oder Bruder noch immer allein ist.“ (Jutta Lietsch in der Rheinpfalz vom 20. Januar 2012, S. 1) |
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Die neue Vokabel: Shitizen |
19. Januar 2012
Chinesisch 屁民 pìmín (Gesäß, Furz + Volk, Bürger)
“A shitizen of a particular country like China is legally accepted as belonging to that country without any right of citizen.” P民是在特定的国家,如中国,在法律上被认定属于这个国家但没有任何公民权利的“ 公民“ 。 |
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17. Januar 2012
Chinesisch 酷 kù (das zweite Zeichen von 残酷 cánkù = grausam) 牛 niú (eigentlich Rind)
Japanisch クール kūru (cool)
Verwendung 你好牛啊! Nǐ hǎo niú a! (Du bist cool! – eigentlich: du gute Kuh) 真牛! Zhēn niú! (Echt cool!)
クール・ジャパン kūru japan (cooles Japan - Cool Japan ist eine Wortschöpfung, mit der der US-Journalist Douglas McGray die erfolgreiche japanische Populärkultur bezeichnet.) |
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Die neue Vokabel: Mailbox |
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16. Januar 2012
Chinesisch 语音信箱 yǔyīn xìnxiāng (Sprache + Ton, Laut + Brief + Kasten)
Japanisch メール・ボックス mēru bokkusu (mail + box)
Horst von Buttlar stellt in der Financial Times Deutschland einige Fragen an Christian Wulff (克里斯蒂安•武尔夫 Kèlǐsīdì'ān Wǔ’ěrfū bwz. クリスティアン・ヴルフ Kurisutian Vrufu), die er doch bitte umgehen veröffentlichen möchte. Darunter Folgendes:
- „Als Sie Kai Diekmann auf die Mailbox gequatscht haben, haben sie da den Piepton (哔哔声 bìbìshēng // 発信音 hasshin on) abgewartet oder sofort losgeschimpft?
- Hat Diekmann eine Standardansage oder eine persönliche Ansage auf der Mailbox?“
(Financial Times Deutschland vom 16. Januar 2012, S. 25) |
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Die neue Vokabel: Havarie |
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16. Januar 2012
Chinesisch 海损 hǎisǔn (Meer + Schaden, Verlust)
Japanisch 海損 kaison (Meer + Schaden, Verlust)

(http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Collision_of_Costa_Concordia_5.jpg; Foto von Nutzer Rvongher; Lizenz: Creative Commons)
Eine Havarie (arabisch: عوار, ʿawār = Fehler, Schaden) ist eine Betriebsstörung eines Wasserfahrzeugs. Am vergangenen Wochenende hatte die 290 Meter lange Costa Concordia (歌诗达协和号 Gēshīdá Xiéhé Hào // コスタ・コンコルディア Kosuta Konkorudia), das größte italienische Kreuzfahrtschiff, Bodenberührung. Getauft wurde das Schiffes 2006 vom tschechischen Top-Model Eva Herzigová, der es nicht gelang, die Champagnerflasche am Bug zerschellen zu lassen, was als schlechtes Vorzeichen gilt. Womit wir schon wieder beim Thema Aberglauben wären. |
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