Die folgenden Publikationen wurden von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Ostasieninstituts verfasst. Es sind dies (in umgekehrter chronologischer Reihenfolge):

Mit dem Wasser kommt der Tod

Manuel Vermeer

Mit dem Wasser kommt der Tod

Hillesheim: KBV, 2016 (2. Auflage)

395 Seiten

ISBN: 978-3-9544-1264-8

 

Praxishandbuch Indien

Manuel Vermeer und Clas Neumann

Praxishandbuch Indien: Wie Sie Ihr Indiengeschäft erfolgreich managen

189 Seiten

Wiesbaden: Gabler, 2016 (2. Auflage)

ISBN: 978-3-8349-4702-4

 

Central Banking and Financial 2015 

Frank Rövekamp, Moritz Bälz und Hanns Günther Hilpert (Ed.)

Central Banking and Financial Stability in East Asia

Berlin: Springer, 2015

212 Seiten

ISBN: 978-3-319-17379-5

 

China de

Manuel Vermeer

China.de: Was Sie wissen müssen, um mit Chinesen erfolgreich Geschäfte zu machen

179 Seiten

Wiesbaden: Gabler, 2015 (3. Auflage)

ISBN: 978-3-8349-4704-8

 

 Currency-Cooperation-in-East-Asia

Frank Rövekamp und Hanns Günther Hilpert (Ed.)

Currency Cooperation in East Asia

Berlin: Springer, 2014

166 Seiten

ISBN: 978-3-319-03061-6

 

Die-Provinz-Fujian

Siegfried Englert

Die Provinz Fujian in der VR China

Eine Einführung in das Partnerland von Rheinland-Pfalz

Annweiler: Plöger, 2013

352 Seiten

ISBN 978-3-89857-289-7

 

Ethics

Frank Rövekamp und Friederike Bosse

Ethics in Science and Society - German and Japanese Views

München: Iudicium, 2013

166 Seiten

ISBN: 978-3-86205-075-8

 

Quanzhou-Zhongwenban

Siegfried Englert

走近泉州

Zǒujìn Quánzhōu

Shanghai: Wén​huàchū​bǎn​shè, 2013

ISBN 978-7-5535-0079-9

 

Christine Liew

Kyūshū Daisuki II

Ludwigshafen: Puster, 2013

1beben11perspektiven

Students of East Asia Marketingmanagement e.V. (StEAM)

Ein Beben - Elf Perspektiven

München: Iudicium, 2012

116 Seiten

ISBN: 978-3-86205-078-9

 

liew-japanisch-2-0

Christine Liew

Japan 2.0 - Eine Lesetour durch Social Media und andere Welten

197 Seiten

Hamburg: Buske, 2012

ISBN: 978-3-87548-625-4

 

liew-geschichte-japans

Christine Liew

Geschichte Japans

176 Seiten

Stuttgart: Theiss, 2012

ISBN: 978-3-8062-2542-6

 

deutscheinchina1920bis1950

Barbara Schmitt-Englert

Deutsche in China 1920-1950: Alltagsleben und Veränderungen

667 Seiten

Großgossen: Ostasien Verlag, 2012

ISBN: 978-3-940527-50-9

 

englert-quanzhou

Siegfried Englert

Quanzhou - Versuch einer Annäherung

Annweiler: Plöger, 2012

280 Seiten

ISBN: 978-3-89857-269-9

 

rudolph_2010_2

Jörg-M. Rudolph und Thomas Heberer

China - Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zwei alternative Sichten

297 Seiten

Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für politische Bildung, 2010

ISBN: 978-3-927-127-87-3

 

liew-japan

Christine Liew

Japan: Unterwegs in einem Land zwischen Tradition und Innovation

510 Seiten

Trescher, 2010

ISBN-13: 978-3897941618

 

liew-reisegast-in-korea

Christine Liew

Reisegast in Korea 

224 Seiten

Iwanowski-Reiseverlag, 2010

ISBN: 978-3-861970040

 

liew-schattenlaufer

Christine Liew

Schattenläufer und Perlenmädchen: Abenteuer Alltag in Japan

234 Seiten

Oldenburg: Dryas-Verlag, 2010

ISBN: 978-3-940855-22-0

 

funatsu_2008_2

Kayo Funatsu-Böhler

Wortschatztraining Japanisch

PONS mobil Wortschatztraining Japanisch (Audio CD)

PONS Verlag; 2008

ISBN: 978-3125614178

 

liew-tohoku

Christine Liew und Aya Puster

Kyūshū Daisuki I: Landeskunde auf Japanisch für Anfänger

88 Seiten

Ludwigshafen: Puster, 2008

ISBN 978-3-9811583-4-2

 

liew-kyushu

Christine Liew, Aya Puster und Arno Moriwaki

Tōhoku Daisuki I: Ein japanisches Lesebuch für Anfänger

Ludwigshafen: Puster, 2009

88 Seiten

ISBN: 978-3-9811583-3-5

 

funatsu_2007_2

Kayo Funatsu-Böhler

PONS Grammatik Japanisch kurz und bündig. Einfach, verständlich, übersichtlich

128 Seiten

PONS, 2007

ISBN: 978-3-125613317

 

wetzler_2006_2

Peter Wetzler und Moriyama Naomi

ゆがめられた昭和天皇像

Yugamerareta Shōwa Tennō-zō - Ōbei to Nihon no gokai to goyaku

442 Seiten

Tokyo: 原書房 (Hara shobō), 2006

ISBN: 978-4562039548

 

kontrastive-analyse

Satomi Adachi-Bähr

Kontrastive Analyse von Gliederungsprinzipien in argumentativen schriftlichen Texten im Deutschen und Japanischen: am Beispiel der Textsorte Leitartikel / Kommentare

Mannheim: Institut für Deutsche Sprache: 2006

341 Seiten

ISBN: 978-3-9372-4112-8

 

Grundfragen-und-Organisation

Barbara Darimont, Ulrich Becker und Gongcheng Zheng

Grundfragen und Organisation der Sozialversicherung in China und Deutschland

Nomos: 2004

322 Seiten

ISBN: 978-3-8329-1532-2

 

Barbara Darimont

Sozialversicherungsrecht der V. R. China

Nomos, 2004

ISBN: 978-3832906191

 

rudolph_2005_2

Jörg-M. Rudolph

Wenn China über die Welt kommt...: Die Chinesen, ihre Gesellschaft, Staat, Partei und Wirtschaft

172 Seiten

Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für politische Bildung, 2005

ISBN: 978-3927127630

 

wetzler_2002_2

Peter Wetzler

昭和天皇と戦争

Shōwa Tennō to sensō

409 Seiten

原書房 (Hara Shobō), 2002

ISBN: 978-4-562035731

 

roevekamp_1999_2

Frank Rövekamp

Die Struktur der Chemieindustrie in Japan: Entwicklung und Analyse im internationalen Kontext und im Vergleich mit Deutschland

239 Seiten

Frankfurt: Peter Lang, 1999

ISBN: 978-3631339572

 

vermeer_1999_2

Manuel Vermeer

Langenscheidts Sprachführer, Chinesisch 

227 Seiten

München: Langenscheidt, 1999

ISBN: 978-3468220913

 

wetzler_1998_2

Peter Wetzler

Hirohito and War: Imperial Tradition and Military Decision Making in Prewar Japan

294 Seiten

Honolulu: University of Hawaii Press, 1998

ISBN: 978-0824819255

englert_1985_2

Siegfried Englert und Folker Reichert

Shanghai: Stadt über dem Meer

257 Seiten

Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 1985

ISBN: 978-3920431352

 

englert_1980_2

Siegfried Englert und Gert Grill

100 x China. Das Wichtigste auf 100 Text- und 100 Bildseiten

209 Seiten

Mannheim: Bibliographisches Institut, 1980

ISBN: 978-3-825370237

 

Zeitschriftenartikel

Manuel Vermeer bei ISPSW Strategy Series: Corruption, Guanxi, Family and Favors – An Intercultural Approach to Doing Business in Asia
Christine Liew im Focus-Online: Japans Premierminister Shinzo Abe provoziert China
Christine Liew im Focus-Online: Japans Mount Fuji – vom Müllberg zum Weltkulturerbe
Christine Liew im Focus-Online: Koreas Männer schlagen nicht mehr ungestraft zu.
Christine Liew im Focus Online:Japanische Massenbewegung heißt Stromsparen.
Christine Liew im Focus-Online: Nordkoreas Wunderwurzeln heilen (fast) alles.
Christine Liew im Focus-Online: Die Angst vor dem Bruder und dem Rest der Welt
Jörg-Meinhard Rudolph in der FAZ: Barbaren mit Barbaren in Schach halten 

 

Barbara Schmitt-Englert

Es gibt Zeiten da fließt der Neckar in den Huangpu

272 Seiten

Annweiler: Plöger Medien, 2015

ISBN: 978-3-89857305-4

Es gibt ZeitenKlappentext

Nach über einem halben Jahrhundert reist Ernest Bloomberg gemeinsam mit seiner an Demenz erkrankten Schwester Rose in die elterliche Wohnung nach Heidelberg zurück. Ihre Familie hatte 1936 die Flucht vor dem NS-Terror nach Shanghai angetreten. Die Wohnung ist mittlerweile eine Studenten-WG. Der Besuch wirbelt nicht nur das Leben der studentischen Bewohner völlig durcheinander, die tief in die Geschichte der 1930er Jahre und einer abenteuerlichen Flucht eintauchen.

Leseprobe

Heidelberg, Donnerstag, 4. Juli

An manchen Tagen empfindet man bereits den Gedanken ans Aufstehen als Zumutung. Nun, dieser, so entschied Sebastian Renner mit dem ersten Augenaufschlag, war ein solcher. Noch dazu wäre er heute genau ein Jahr mit Evi zusammen gewesen! Doch nicht allein das Datum legte eine gewisse Verweigerungshaltung nahe. Auch der seit Stunden ununterbrochen prasselnde Regen, der im Rhythmus des Pochens in seinen Schläfen an das Fenster trommelte, der deprimierende Mangel an Licht und überhaupt – der Tag schien verratzt, so viel war klar. Warum sollte er sich an einem solch düsteren Morgen eigentlich aus dem warmen, weichen Bett quälen? Eine eigene Entscheidung blieb Sebastian erspart, denn bevor es so weit kommen konnte, schrillte das nervtötende Geräusch der Türglocke in seiner eustachischen Röhre und quälend laut in seinem pulsierenden Schädel. Es war eher ein Reflex, denn eine bewusste Handlung: Er schwang die Beine über die Bettkante, stemmte seinen trägen Körper wie von einem Stromschlag angetrieben in eine aufrechte Position und schnellte in voller Lebensgröße und Shorts, ohne Pantoffeln – diese hatten sich scheinbar in Luft aufgelöst – zur Tür. Im selben Moment, als er die Tür erreicht hatte, hätte er auch schon wieder kraftlos zusammen sacken können, denn sein geplagter Kopf machte ihm schlagartig deutlich, dass solch ruckartige Bewegungen momentan nicht angesagt waren. Er lehnte sich an die Tür ohne zu ahnen, dass mit dem Öffnen eben dieser, nicht nur die Luft im Flur, sondern sein gegenwärtiges Leben ziemlich durcheinandergewirbelt würde!!! Aber das ist eine lange Geschichte!

Der Reihe nach.

 

Barbara Schmitt-Englert

Es gibt Zeiten da fließt der Neckar in den Huangpu

Nato Kan

Naoto Kan

Als Premierminister während der Fukushima-Krise

Aus dem Japanischen von Frank Rövekamp

München: Iudicium, 2015

165 Seiten

ISBN: 978-3-86205-426-8

Klappentext

„Nach dem Erdbeben begab ich mich unmittelbar in das Krisenzentrum im Untergeschoss des Premierministeramtes. Inmitten der Mobilisierung aller Kräfte für die Rettungsaktionen erreichte mich die Nachricht: ‚Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ist die Kühlung ausgefallen‘. Anschließend gab es nur eine Richtung: Der Unfall weitete sich immer weiter aus. Wenn nichts geschah, würde das zum Zusammenbruch des Landes führen. Würden alle Reaktoren außer Kontrolle geraten, müsste ganz Ost-Japan einschließlich des Hauptstadtgebietes, müssten 50 Millionen Menschen evakuiert werden …

Was hat der Premierminister unter einem Rechtssystem, das auf einen Atomnotstand nicht eingerichtet ist, und in einer Situation, wo gleich mehrere strukturelle Schwächen Japans an die Oberfläche traten, wie entschieden? In diesem historischen Rechenschaftsbericht gibt der höchste Verantwortliche selbst Zeugnis über seine Qualen und Entschlüsse.“

Naoto Kan (菅直人 Kan Naoto)
4. Juni 2010 – 2. September 2011
Premierminister von Japan

Kan Naoto BuchtitelVorwort zur Originalausgabe 2012

『東電福島原発事故 総理大臣として考えたこと』
(Tōden Fukushima·Genpatsu jiko sōri daijin to shite kangae tako to)

„Meine Amtszeit als Premierminister erstreckte sich vom 8. Juni 2010 bis zum 2. September 2011 und dauerte damit 452 Tage. Natürlich waren die größten Ereignisse in dieser Zeit das Tōhoku-Erdbeben und der dadurch verursachte TEPCO-Fukushima Atomunfall. Nach meinem Rücktritt bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich, als der Premierminister, der mit diesem Atomunglück konfrontiert worden war, dazu in irgendeiner Form meine Erinnerungen dokumentieren muss.

Seit meinem Rücktritt als Premierminister ist über ein Jahr vergangen. Inzwischen sind verschiedene Untersuchungsberichte zum Unfall, wie etwa der der Regierungskommission, erschienen. Ich habe daher zur Feder gegriffen, bevor die Erinnerung verblasst.

Es ist meine Absicht, die mir bekannten Fakten so genau wie möglich darzulegen. Aber ich möchte nicht nur einfach die Fakten nachzeichnen; ich möchte auch unter Erinnerung der Geschehnisse darüber berichten, was ich als Premierminister während des Atomunglücks gedacht habe, wie ich zu Entscheidungen gelangt bin und von welchen Gefühlen meine Handlungen begleitet wurden.

Die Aktionen und die Arbeit eines Politikers zu beurteilen, ist nicht die Sache des Politikers selbst. Ich habe unter völliger Aufgabe meiner selbst gehandelt, aber es ist mir nicht gegeben, das selbst zu bewerten. Die Bewertung der Taten eines Politikers muss letztendlich der Geschichte überlassen werden.“

Naoto Kan

Vorwort zur deutschen Ausgabe 2015

„Seit dem Atomunfall von Fukushima sind vier Jahre vergangen. Ich bin seither Einladungen aus aller Welt gefolgt, um über dieses Ereignis zu berichten. Eine davon war im Rahmen einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages 2014. Dort hatte ich die Gelegenheit, über den Fukushima Atomunfall und seine Konsequenzen aus der Sicht des an vorderster Front stehenden damaligen Premierministers auszusagen.

Ich freue mich sehr darüber, dass mein Buch zu diesem Thema nun in deutscher Übersetzung vorliegt und die deutschsprachige Leserschaft damit die Möglichkeit erhält, die ganze Wahrheit über den Fukushima Atomunfall zu erfahren, wie ich ihn als Premierminister erlebt habe. ...

Nach dem Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 haben wir von der deutschen Bevölkerung vielfältige Hilfe und Unterstützung erfahren; als damaliger Premierminister Japans möchte ich dafür erneut meinen Dank aussprechen.

Es ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben, dass Deutschland das erste Land gewesen ist, das den gleichzeitig mit der Erdbebenkatastrophe aufgetretenen Fukushima-Atomunfall zum Anlass genommen hat, die Atomkraft erneut auf den Prüfstand zu stellen. Unmittelbar nach dem Unfall wurde auf Initiative von Bundeskanzlerin Merkel eine Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung eingesetzt. Ich war erstaunt darüber, dass die Regierung Merkel dann nach kurzer Zeit entschieden hat, bis zum Jahr 2022 vollständig aus der Kernenergie auszusteigen. Wie war es möglich, eine solche Entscheidung so kurzfristig herbeizuführen? Experten haben mich darüber aufgeklärt, dass dies reflektiert, wie ernst die Tatsache genommen wurde, dass sich ein schwerer Atomunfall in einem technisch fortgeschrittenen Land wie Japan ereignet hatte. Die schnelle Entscheidung war weiter darauf zurückzuführen, dass in Deutschland schon seit dem Unfall von Tschernobyl eine entsprechende Diskussion geführt wurde.

Ich habe mit Bundeskanzlerin Merkel an einigen internationalen Konferenzen teilgenommen und dabei den Eindruck gewonnen, dass sie als Politikerin mit naturwissenschaftlichem Hintergrund sowohl eine rationale als auch eine ethische Sicht auf die Dinge hat. Wie eingangs gesagt, hatte ich auch Physik studiert, und bis heute ist meine Denkweise von der Tatsache geprägt, dass Wissenschaft und Technik zum Glück der Menschen beitragen können, aber auch das Potential haben, Unglück für diese herbeizuführen. Symbolisch für das Letztere sind die Erfahrungen meines Landes mit den Tragödien von Hiroshima und Nagasaki.“

Prolog

„Auf alles gefasst

Auch wenn seit dem großen Erdbeben und dem Atomunfall bereits eineinhalb Jahre vergangen sind, sind mir die Bilder der ernsten Lage der ersten Woche sehr präsent. Die ganze Woche nach dem Erdbeben am 11. März 2011 habe ich im Premierministeramt übernachtet. Wenn ich allein war, habe ich in voller Notfallkleidung das Sofa meines Empfangszimmers für einen kurzen Schlaf genutzt. „Schlaf“ heißt dabei allerdings, dass ich mich lediglich etwas zum Ausruhen hingelegt habe. Der Kopf war hellwach. Wie bekämpfen wir die Folgen von Erdbeben und Tsunami? Welche Ausmaße wird der Atomunfall annehmen, und wie kann man ihn stoppen? Darüber habe ich mir unablässig das Hirn zermartert. Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur einmal fest geschlafen zu haben.

Vor Schlimmerem bewahrt

„Eigentlich sei Naoto Kan an der Atomkatastrophe von Fukushima schuld, hat der bekannte Japanologe Jeff Kingston einmal die Anschuldigungen der Medien und vieler konservativer Politiker gegen den ehemaligen Premier zusammengefasst. Doch Kingston, Direktor des Asien-Instituts an der Temple Universität, der selbst eine Studie über Fukushima verfasst hat, ist überzeugt: Kan habe Japan vor einer viel größeren Katastrophe bewahrt. Wie er das tat, lässt sich jetzt in Kans Buch ‚Als Premierminister während der Fukushima-Krise‘ nachlesen, das nun auf Deutsch erschienen ist. Am Mittwoch stellte der 69-Jährige es vor der Ostasiengesellschaft in Tokio vor. …

Kan sagt von sich, bis Fukushima habe er nicht an der Sicherheit der japanischen Kernkraftwerke gezweifelt. Er kannte die Untersuchungsberichte von Tschernobyl und war überzeugt, dergleichen sei in Japan nicht möglich. Heute hält er Fukushima für die größere Katastrophe als Tschernobyl. Die Tage unmittelbar nach dem Unglück, in denen fast alles falsch lief, was falsch laufen konnte, haben ihn, wie er in seinem Buch beschreibt, zum Kernkraft-Gegner werden lassen. … Sein tagebuchartiger Rückblick liest sich als Beinahe-Untergang Japans. TEPCO hatte sich nie auf eine Atomkatastrophe vorbereitet, man hatte sie ja schließlich für unmöglich erklärt.“
(Christoph Neidhart in der Süddeutschen Zeitung vom 16. September 2015: Vor Schlimmerem bewahrt)

Rezension

„Durch die Ausmaße der geballten Katastrophe von Erdbeben und Tsunami, vor allem aber auch dadurch, dass ein Atomunfall für absolut unmöglich gehalten wird, wird Kan vollkommen überrumpelt. Experten, die ihm beratend zur Hilfe stehen. fehlen, denn beispielsweise der Leiter der Atomaufsichtsbehörde ist überhaupt kein Atomexperte, sondern hat den Posten aus anderen Gründen bekommen. …
Durch seinen kurzzeitigen Aufenthalt im Zentrum der Macht hat Kan einen Einblick darin erhalten, wie die japanische Atomlobby, das ‚Atomdorf‘, tatsächlich arbeitet und ist damit zum entschiedenen Atomkraftgegner geworden.“ (Amazon-Rezension)

Siehe auch

Frank Rövekamp: Der Premierminister und der Atomunfall

StEAM: Ein Beben - Elf Perspektiven

Wieland Wagner im Spiegel-Online: Ex-Premier Kan über Fukushima-Katastrophe: "Die Frage war, ob Japan untergeht"

Mit dem Wasser kommt der TodManuel Vermeer

Mit dem Wasser kommt der Tod

395 Seiten

KBV, Juli 2015

ISBN: 978-3954412648

Produktbeschreibung bei Amazon.de

Skrupellose Geschäfte mit dem höchsten Gut Eigentlich wollte Cora Remy, eine junge Ingenieurin aus dem Westerwald, nur ihren Kollegen vertreten, aber ihre Reise nach Tibet entpuppt sich vom ersten Moment an als wahrer Albtraum. Kurz nach ihrer Ankunft entgeht sie nur knapp einem Anschlag, und von einem Moment auf den anderen steckt sie mitten in einer schmutzigen Korruptionsaffäre. Während ihrer Eisenbahnfahrt durch das geheimnisvolle, fremde Land verfolgt ein unbekannter Feind sie bis aufs Dach der Welt. Während der Reise muss sie in Qingdao und Lhasa, in der Abgeschiedenheit eines alten Klosters, im Base Camp des Mount Everest und an den Ufern des Brahmaputra um ihr Leben kämpfen. Aber Cora lässt sich nicht einschüchtern. Mit jeder neuen Information, die mehr Licht in das Dunkel um die Drahtzieher der Mordanschläge bringt, kommt sie Schritt für Schritt einer gigantischen geplanten Umweltsünde auf die Spur. Ein Krieg um Wasser zeichnet sich drohend am Horizont ab – ein Krieg, der die ganze Welt ins Chaos stürzen könnte.

„Spannender, eindrücklicher kann man nicht beschreiben, dass es uns alle angeht, wie wir mit unseren knappen Ressourcen umgehen, dass die Entscheidungen, die in einem fernen Land getroffen werden, unser Leben hier bestimmen. Dieses Buch ist ein Muss für jeden, der Wasser zum Leben braucht…“
(Eveline Lemke, Staatsministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung und stellvertretende Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz)

Leseprobe

1. Kapitel

Die Jagd hatte ihre Instinkte geschult. Als sie den Schatten sah, der ihr über die Schulter fiel, wusste sie sofort, dass Gefahr drohte. Sie duckte sich, aber es war zu spät. Der Schlag kam mit voller Wucht, auch wenn er durch das Ausweichen nur ihre Schulter traf und nicht ihren Kopf. Sie stöhnte auf und ging in die Knie, riss im Fallen ein paar Papiere vom Tisch; der Schmerz kam härter, als er ihr seitlich an den Knöchel trat. Sie registrierte, dass Li Ping im Nebenzimmer am Kopierer aufschrie, es mussten also mehrere Angreifer sein. Das Summen der Klimaanlage verstummte, und es wurde schlagartig dunkel im Büro. Jemand war am Sicherungskasten. Sie rollte sich zur Seite ab, wie sie es im Judotraining gelernt hatte, sah etwas Dunkles vor sich und stieß instinktiv mit der Schere, die sie noch umklammert hielt, darauf ein. Ein lauter Aufschrei, der Fuß verschwand, Und sie hörte, wie der Mann im Fallen einen Tisch umstieß und laut fluchte. Obwohl sie vor Schmerzen Tränen in den Augen hatte, kroch sie auf allen vieren in die Richtung, in der sie die Tür vermutete. Noch ein Schrei aus dem Kopierraum, dort fand ein Kampf statt; waren es mehr als zwei Angreifer?

Aber wer, warum — egal, sie hatte jetzt keine Zeit zu überlegen. Da war die Tür; als sie sich vorsichtig erhob und geduckt Richtung Flur schlich, dämpfte der Teppichboden ihre Schritte. Sicher auch die des Angreifers. Wo war er? Die Frage beantwortete sich sofort, als sie einen weiteren Schlag auf den Rücken erhielt. Sie trat nach hinten, Volltreffer, er schrie erneut auf, sie rannte zur Tür, die auf den Flur führte, schlug auf den Türöffner in der Wand, riss die Tür auf und zog sie geistesgegenwärtig sofort hinter sich zu. Ein lautes Krachen und Splittern verriet ihr, dass er gegen das Glas gerannt war, Wohin jetzt? Was war mit Li Ping? Sollte sie zurück und ihr helfen? Nein, sinnlos, gegen zwei oder mehr Angreifer hatte sie keine Chance. Sie rannte den Gang entlang, da waren die Aufzüge, daneben die Toiletten und der Abstellraum mit den Putzmitteln. Cora drückte auf den Aufzugknopf, die Tür öffnete sich, dann drückte sie auf den untersten Knopf.

Als der Angreifer den Aufzug erreichte, schlossen sich die Türen gerade. Er sah auf der Anzeige oberhalb der Türen, dass sich der Aufzug nach unten bewegte, nahm den zweiten Aufzug und fuhr ebenfalls nach unten. Ein zweiter Marin nickte ihm wortlos zu, riss die Tür zum Treppenhaus auf und sprang, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinunter. So konnte sie nicht entkommen.

 

Frank Rövekamp, Moritz Bälz und Hanns Günther Hilpert (Ed.)

Central Banking and Financial 2015Central Banking and Financial Stability in East Asia

Berlin: Springer, 14. Juli 2015

187 Seiten

ISBN: 978-3-319-17379-5

Klappentext:

"This book explores financial stability issues in the context of East Asia.

In the East Asian region financial stability has been a major concern ever since the Asian crisis of 1997/98, which still looms large in the collective memory of the affected countries. The global crisis, which had its starting point in 2007, only served to exacerbate this concern. Safeguarding financial stability is therefore a major goal of any country in the region. Diverging cultural, political and economic backgrounds may however pose different stability challenges and necessary cooperation may be complicated by this diversity. Against this backdrop the contributions of this book by leading academics from the fields of economics and law as well as by practitioners from central banks shed light on various financial stability issues. The volume explores the legal environment of central banks as lenders of last resort and analyzes challenges to financial stability such as shadow banking and the choice of exchange rate regimes. Case studies from China, Japan and Indonesia are contrasted with experiences from Europe."

Prof. Dr. Frank Rövekamp is professor for Asian Studies with a focus on Japan and director of the East Asia Institute of the Ludwigshafen University of Applied Sciences. Formerly he worked for over 15 years in industry and held senior management positions in Germany, Japan and Hong Kong. He obtained his PhD in Business Studies from the University of Cologne. His current research interests include international monetary, currency and trade policy.

Prof. Dr. Moritz Bälz, LL.M. (Harvard) is professor of Japanese Law and its Cultural Foundations at the Faculty of Law of Goethe University Frankfurt, where he currently also serves as deputy director of the Interdisciplinary Centre for East Asian Studies (IZO). Prior to assuming his current position in 2008, he for several years worked as an attorney with international law firm Freshfields Bruckhaus Deringer in New York and Frankfurt. His research focuses on Japanese business law from a comparative perspective and dispute resolution in Japan.

Dr. Hanns Günther Hilpert is Senior Associate in the Research Unit Asia at the German Institute for International and Security Affairs (“Stiftung Wissenschaft und Politik”, SWP), Berlin. Formerly he worked for the German Institute for Japanese Studies (DIJ), Tokyo and the Ifo Institute for Economic Research, Munich. He has written and published many books and articles on the Japanese economy and on Asian trade and economic integration. His current research focuses at various policy oriented economic issues of East Asia.

 

 

Corruption, Guanxi, Family and Favors – An Intercultural Approach to Doing Business in Asia
Dr. Manuel Vermeer
January 2014


Executive Summary
Everybody knows you have to be corrupt in order to do business in Asia. Or at least this what you can hear from so-called experts, who will tell you the Western way of keeping in mind compliance rules won’t work over there. This paper tries to separate corruption from Asian ways of doing business, which is not the same. What about Chinese Guanxi, Indian family ties? Not everything we do is good and everything they do is bad. Try to understand Asian way of doing business and you will be more successful. Without being corrupt!

Weiterlesen ...

Die-Provinz-FujianSiegfried Englert

Die Provinz Fujian in der VR China. Eine Einführung in das Partnerland von Rheinland-Pfalz

Schriftenreihe der Rheinland-Pfälzischen Fujian-Gesellschaft

Annweiler: Plöger, 2013

352 Seiten

ISBN 978-3-89857-289-7

 

Kurzbeschreibung

„Die Provinz Fújiàn liegt im Südosten der VR China an der Küste, der Insel Taiwan gegenüber. Seit 1989 ist sie die Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz. Heute leben dort 37 Millionen Menschen auf einer Fläche von 124.000 Quadratkilometern mit einer teilweise atemberaubenden Küste von über 3.000 Kilometern Länge.

Die Städte Neustadt an der Weinstraße und Trier haben bereits eine lebendige Partnerschaft mit den Städten Quanzhou und Xiamen, weitere Städte bereiten derzeit entsprechende Verträge vor, Grund genug für eine kleine Landeskunde in der vorliegenden Form.“

Vorwort

„Seit 1989 unterhält das Land Rheinland-Pfalz eine Partnerschaft mit der Provinz. 1995 begann die erste Städtepartnerschaft zwischen Neustadt/Weinstraße und Quánzhōu [泉州], 2010 wurde eine weitere Partnerschaft zwischen Trier und Xiàmén [厦门] besiegelt, 2012 werden weitere Städtepartnerschaften angestrebt. Damit wird auch schon das Ziel der Partnerschaft sichtbar: miteinander reden ist immer besser als übereinander. Trotz vieler kultureller Unterschiede bietet die Partnerschaft eine Plattform des Dialoges zur Förderung des gegenseitigen Verstehens, eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung wechselseitigen Respekts, ohne den keine Völkergemeinschaft auf Dauer existieren kann.

Seit 2005 wird die deutsche Sprache an der Universität Fuzhou gelehrt, seit 2008 wird auch an der Universität
Xiàmén das Fach Deutsch angeboten. Chinesisch gibt es in Rheinland-Pfalz an den Universitäten Mainz-Germersheim und Trier, sowie am Ostasieninstitut der Fachhochschule Ludwigshafen. Studierende aus Fújiàn [福建] studieren mittlerweile auch bei uns, vor allem an der Technischen Universität Kaiserslautern, während Studierende unseres Landes in vorwiegend in Fúzhōu [福州] und Xiàmén Chinesisch lernen.

Die Provinz Fújiàn unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den anderen 26 Provinzen und autonomen Regionen: Fújiàn ist nicht nur die Heimat eines Großteils der Bevölkerung von Taiwan, sondern darüber hinaus die Heimat vieler sogenannter Überseechinesen in Südostasien, den USA und in Europa. Fújiàn wurde 1979 neben ihrer Nachprovinz Guǎngdōng [广东] dazu auserkoren, mit Hilfe der ersten Sonderwirtschaftszonen China in die Marktwirtschaft zu führen. Nach dreißig Jahren strenger planwirtschaftlicher Experimente, die alle nicht nur erfolglos geblieben waren, sondern zum Teil in Katastrophen geendet hatten, bedeutete die Einrichtung von vier Sonderwirtschaftszonen
[经济特区 jīngjì tèqū] den Aufbruch in eine neue Ära, die seitdem wegen ihrer Erfolge weltweit bestaunt oder beargwöhnt wird.

Das vorgestellte statistische Material basiert, falls nicht anders angegeben, auf Veröffentlichungen der VR China für das Jahr 2010.“

Eine kleine Landeskunde

Fujian heißt die chinesische Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz – Ein neues Buch stellt sie vor
(Stefan Keller in der Rheinpfalz vom 29. Oktober 2013)

China und Deutschland, das ist eine wechselvolle Beziehung seit Jahrhunderten. Rheinland-Pfalz und die Provinz Fujian, das ist eine Partnerschaft seit 24 Jahren. Auf der Ebene darunter gibt es bislang drei Städtepartnerschaften. Die jüngste ist Speyer gerade mit Ningde eingegangen. Weitere stehen vor der Gründung. Nach wie vor aber ist eine Reise nach China ein Aufbruch ins Unbekannte.

Das Reich der Mitte ist ein altes Land mit großer Vergangenheit und -wahrscheinlich - großer Zukunft mit spürbaren Auswirkungen auf den Rest der Welt. Ein Land, das Ängste wecken kann - weil es so unbekannt ist -, allen Reiseführern, allen wirtschaftlichen Beziehungen und menschlichen Kontakten zum Trotz. Aufklärungsbedarf besteht. Insofern ist es - besonders für Rheinland-Pfälzer - ein Glücksfall, dass sich eine neue Informationsquelle aufgetan hat: „Die Provinz Fujian in der Volksrepublik China. Eine Einführung in das Partnerland von Rheinland-Pfalz", heißt ein neues Buch. 352 Seiten stark, stellt es die Provinz an der Südostküste Chinas umfassend vor. ...

„Eine kleine Landeskunde" steht auf dem Rücken des gelb-orange gebundenen Buchs. Die Titelseite ziert ein alter Stich der „Provincia Fokien" aus dem Novus Atlas Sinensis von1655 von Joan Blaeu. Der Titel selbst ist eine kleine Untertreibung. Denn die Autoren zeichnen ein facettenreiches Bild Fujians, dessen wechselvolle und interessante Geschichte bis ins 6. Jahrtausend vor Christus zurückreicht, also in die Neusteinzeit.

Historie, Volksstämme, Sprachen, Einflüsse von außen, Religionen, Politik, Wirtschaft, der Wandel ,von der landwirtschaftlich geprägten Provinz zur heute boomenden Industrie-Region, Infrastruktur, Verkehr, Bildung und Erziehung werden angesprochen, in Beziehung gesetzt, Zusammenhänge und Entwicklungen hergeleitet. Dabei erfährt der Leser auch, dass Fujian Heimat vieler „Überseechinesen" in USA, Südostasien und Europa ist - und was das für die Aufgeschlossenheit der Region und letztlich von ganz China bedeutet. Vorzüge und Probleme werden anhand von Zahlen und Fakten schonungslos benannt: „Grundsätzlich muss jedoch betont werden, dass in formaler Hinsicht zwar alle Institutionen vorhanden sind, die eine Demokratie für die Gestaltung einer politischen Willensbildung braucht, de facto aber existiert in der VR China keine Demokratie im westlichen Sinne", analysieren Englert & Co. „Gleichwohl konnten in den letzten 30 Jahren Veränderungen in der Haltung der Regierenden registriert werden, die den Schluss erlauben, dass eine Demokratisierung der Gesellschaft (... ) wohl die logische Konsequenz (... ) sein wird", lautet ein Fazit der Bestandsaufnahme. Eigene Erfahrungen, aber auch die akribisch ausgewerteten Forschungsergebnisse Dritter liegen dem zugrunde.

Die kleine Landeskunde ist deshalb aber keine trockene Faktensammlung. Im Gegenteil: Sie liest sich leicht, Daten und Fakten sind gut aufbereitet, Grafiken, Karten und Tabellen ergänzen und helfen beim Verstehen. Den neun Verwaltungsbezirken Fujians sind jeweils eigene Kapitel gewidmet. Von Autokennzeichen über Telefonvorwahl und Postleitzahl bis hin zu den Sehenswürdigkeiten und einer Liste mit Prominenten findet sich auf alle Fragen eine Antwort. Chinesische Schriftzeichen in den Texten vervollständigen die Handhabbarkeit des Buches für Kenner. Zitate und Beschreibungen früherer China-Reisender vom spanischen. Augustinermönch Mitte des 16. Jahrhunderts bis zu Marco Polo im 13. Jahrhundert, die pointierten, teils versteckten Wertungen und süffisanten Anmerkungen von Siegfried Englert sowie das Kapitel „Praktische Tipps für Besucher" machen das Buch zur amüsanten, informativen Lektüre.

Das Werk kommt gerade noch rechtzeitig: 2014 wird die Partnerschaft 25 Jahre alt. Es sei weder als Reiseführer, noch als Investitionshilfe gedacht, so die Verfasser. Das stimmt: Als Führer ist das Buch viel zu schwer. Aber der China-, vor allem der Fujian-Reisende, sollte es zweimal lesen: Vor dem Flug zur Vorbereitung und danach zum Verständnis dessen, was er erlebt hat. Die Einführung in das Partnerland ist die erste zusammenfassende Darstellung Fujians. Sie war dringend nötig und kommt gerade noch rechtzeitig: 2014 wird die Landes-Partnerschaft 25 Jahre alt."

Nils fragt: Wo liegt die Provinz Fujian?

China ist ein riesiges Land: Nach Russland und Kanada ist es das drittgrößte Land der Erde. Fast 1,4 Milliarden Menschen leben dort, also ein Fünftel der Weltbevölkerung. Weil China so groß ist, ist es in Verwaltungsbezirke unterteilt, die Provinzen heißen. Eine davon ist Fujian an der Südostküste Chinas. Sie liegt über 9000 Kilometer von der Pfalz entfernt. Ein Flug dorthin dauert fast zwölf Stunden. Der Name Fujian setzt sich aus zwei Städten dieser Region zusammen: Fuzhou (Fu-) und Jian'ou (-jian). Fujian hat rund 35 Millionen Einwohner (das sind neunmal mehr als in Rheinland-Pfalz) und ist sechsmal so groß wie unser Bundesland. Fujian ist eine bergige Provinz mit viel Wald, aber auch einer langen Küste. Und sie ist Chinas größter Teeproduzent: Bekannte Sorten wie Grüner Tee oder Jasmintee wachsen dort." (nasu)

 

Inhaltsverzeichnis fujian-dai-yi

Vorwort

Geografische Beschreibung

Klima

Bevölkerung und Sprache
   Bevölkerung
   Sprache

Geschichte
   Die Provinz bis zum Ende des Kaiserreichs
   Die Provinz von 1911 bis heute

Regierungs- und Verwaltungsaufbau der Provinz
   Liste der Parteisekretäre 1949 – 2012
   Liste der Gouverneure der Provinz

Wirtschaft
   Landwirtschaft
   Industrie

Infrastruktur und Verkehr

Bildung und Erziehung

Religionen
   Daoismus
   Buddhismus
   Konfuzianismus
   Christentum
   Islam

Die neun Verwaltungsbezirke der Provinz Fujian
Ningde 宁德 (5)
   Sehenswürdigkeiten
Fuzhou 福州 (1)
   Sehenswürdigkeiten
Putian 莆田 (6)
   Sehenswürdigkeiten
Quanzhou 泉州 (7)
   Sehenswürdigkeiten
Xiamen 厦门 (2)
   Sehenswürdigkeiten
Zhangzhou 漳州 (9)
   Sehenswürdigkeiten
Nanping 南平 (4)
   Sehenswürdigkeiten
Sanming 三明 (8)
   Sehenswürdigkeiten
Longyan 龙岩 (3)
   Sehenswürdigkeiten

Praktische Tipps für Besucher

Literaturverzeichnis

Literaturhinweise

Zeittafel

 

Bezirke der Provinz Fújiàn (福建)

Zhangzhoukl
福州
Fúzhōu
龙岩
Lóngyán
南平
Nánpíng
宁德
Níngdé
莆田
Pútián
泉州
Quánzhōu
三明
Sānmíng
厦门
Xiàmén
漳州
Zhāngzhōu

Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“


Schon längere Zeit ist der Wechselkurs des Landes offiziell festgeschrieben: Demnach kann ein US-Dollar in 300 Yen umgetauscht werden, wenn denn tatsächlich jemand das wollte. Der Preis der Währung wurde jedoch administrativ festgelegt, genauso wie die Preise vieler anderer Güter auch. Bereits seit einigen Monaten sind umfangreiche Kapitalverkehrskontrollen in Kraft gesetzt. Die Menschen dürfen nur noch bestimmte Höchstbeträge von ihren Konten abheben. Sparkonten und Depots sind eingefroren. Der Überweisungsverkehr mit dem Ausland ist für Privatpersonen völlig ausgesetzt. Für eine Reihe von Gütern des täglichen Bedarfs und für Mieten gelten gesetzliche Preisobergrenzen. Einige Produkte sind knapp in den Läden und werden für ein Vielfaches des offiziellen Preises auf Schwarzmärkten gehandelt. Die Verkündung einer Sonderabgabe in Höhe von mindestens 50% auf alle Vermögen in der letzten Woche hat hier und da zu Unruhen geführt, die aber dank der Leidensfähigkeit und Disziplin der japanischen Bevölkerung bisher nicht ausufern.

Dabei hatte alles hatte so gut angefangen. 

Im April 2013 verkündete die Bank of Japan eine drastische Lockerung der Geldpolitik. Durch eine massive Ausweitung der Geldbasis mittels Ankauf von Staatsanleihen sollten die deflatorischen Tendenzen ein für alle Mal überwunden werden. Durch die Durchbrechung der Deflationspsychologie sollte das Fundament für einen neuen Wachstumsschub gelegt werden. In Antizipation dieses Schrittes hatte sich die Währung bereits seit Beginn 2013 abgeschwächt und erreichte bald das Niveau von 100 Yen für den US-Dollar. Die Unternehmen der exportorientierten Branchen wie Auto, Elektronik und Maschinenbau konnten dadurch kurzfristig ihre Gewinne steigern. Der Aktienindex Nikkei erreichte die Marke von 14.000.

Abwartend blieben jedoch die inländischen Konsumenten. Umfragen ergaben, dass die meisten Menschen das Ziel der Zentralbank, 2% Inflation zu erreichen, unterstützten. Sie wollten jedoch zunächst eine Erhöhung ihrer Einkommen verspüren, bevor sie ihren Konsum verstärkten. Die Unternehmen auf der anderen Seite sahen sich nicht veranlasst, in großem Stile zu investieren und Lohn- und Gehaltssteigerungen zu akzeptieren, bevor nicht auch der inländische Konsum anzog.

Einen entscheidenden Einschnitt markierte die Wahl zum Oberhaus im Juli 2013, mit der die LDP unter der Führung von Premierminister Abe, auf einer Welle der Popularität durch die frühen Erfolge der expansiven Geldpolitik schwimmend, die Mehrheit im Oberhaus zurückeroberte. Nun verfügte sie über komfortable Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments. Die LDP hätte diese Position für ein ehrgeiziges wirtschaftspolitisches Reformprogramm nutzen können. Das System der staatlichen Renten- und Krankenversicherung hätte den demographischen Gegebenheiten angepasst werden können, um Kostensteigerungen in engen und gut kalkulierbaren Grenzen halten zu können. Gleichzeitig bot sich eine Reform des Steuersystems an, um strukturell höhere Einnahmen zu generieren. PM Abe hatte jedoch andere Prioritäten. Er wollte die Verfassung des Landes reformieren, die nach dem 2. Weltkrieg von den amerikanischen Besatzern durchgesetzt worden war. PM Abe unterschätzte allerdings den Widerstand, den insbesondere sein Plan, dem Kaiser wieder politische Funktionen zuzuweisen, hervorrief. Für eine Änderung der Verfassung wären zunächst Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern des Parlaments erforderlich gewesen. Es erschien nicht unmöglich, aber das politische Geschachere, das im Rahmen dieses Projektes einsetzte, zog sich über viele Monate hin und ließ keinen Raum für wirtschaftspolitische Vorhaben. Am Ende waren die Parteien untereinander und intern wieder so zerstritten, dass an schmerzhafte gesetzliche Regelungen zur Haushaltssanierung nicht mehr zu denken war.

Keine nachhaltig positive Entwicklung zeichnete sich längerfristig trotz der Yen-Schwäche im Export ab. Einbrüche gab es im chinesischen Markt, da die geplanten Verfassungsänderungen in Japan zu Protestwellen in China und einem Boykott vieler japanischer Waren führte. In Europa brach die Eurokrise wieder auf, die diesmal auch die Konjunktur und damit Importe aus Japan nachhaltig mit in Mitleidenschaft zog. In Anbetracht dieser Situation blieb auch der inländische Konsum in Japan verhalten.

All das brachte die Bank of Japan in eine unangenehme Lage. Plangemäß wurde die Geldbasis durch den Kauf der Staatsanleihen immer weiter ausgedehnt. 2015 zeichnete sich aber noch immer kein Anstieg der Inflationsrate auf 2% ab. Noch stärker wurde die Glaubwürdigkeit der Notenbank von anderer Seite untergaben. Stets hatte die BoJ betont, dass Staatsanleihen nur zu geldpolitischen Zwecken, d.h. zur Ausweitung der Geldbasis, aufgekauft würden. Keinesfalls diene dies der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Nachdem jedoch wirtschaftspolitische Reformen ausblieben, das Haushaltsdefizit damit nur weiter wachsen konnte, machte sich zunehmende Skepsis breit. Würde die BoJ je aus dem Programm aussteigen können, egal wie sich der Geldwert entwickelte?

Das Jahr 2016 war durch weitere negative Entwicklungen gekennzeichnet. BoJ-Gouverneur Kuroda hatte stets die Rolle der Erwartungen betont. Nur wenn die Menschen erwarten würden, dass das einst ausgegebene Inflationsziel auch erreicht würde, könnte es geschehen. Inzwischen erwartete aber niemand mehr eine ruhige und positive Entwicklung. Regelmäßig erschienen nun Bücher, die vor den Gefahren einer Hyperinflation warnten. Ein Buch mit dem Titel „Deutschland 1923 – Das Ende des Geldes“ eroberte die Bestsellerlisten. Mehr und mehr erwarteten die Menschen, dass bald entweder eine drastische Kehrtwende in der Geldpolitik mit verheerenden Konsequenzen für die Realwirtschaft erfolgen werde, oder dass eine massive Geldentwertung unvermeidlich ist.

2017 schließlich sah eine verstärkte Flucht in die Sachwerte. Insbesondere die Immobilienpreise stiegen stetig weiter an. Die lang ersehnte Inflation hatte eingesetzt, blieb aber nicht auf dem Niveau von 2% stehen, sondern überschritt in schnellem Tempo die Marke von 10%. Die Preise in Geschäftsverträgen wurden indexiert, sobald der Erfüllungshorizont einen Monat überschritt. Der – bis dahin noch freie – Wechselkurs erreichte 300 Yen für den US-Dollar, aber da die meisten Länder Einfuhrkontingente für japanische Waren eingeführt hatten, ergab das keine positiven Impulse mehr für den Export.

In einer dramatischen Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der BoJ wurde noch einmal jede Option unter die Lupe genommen. Eine Hyperinflation wollte man nicht zulassen. Unabhängig von den Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeigte sich jedoch, dass eine Reduktion der Geldbasis schon aus bilanztechnischen Gründen nicht zu bewerkstelligen wäre. Inzwischen lagen die Renditen für Staatsanleihen bei weit über 10%; die Anleihen in der Bilanz der Zentralbank hätten daher nur unter großen Verlusten im Markt verkauft werden können. Das Eigenkapital der BoJ wäre dadurch aufgezehrt worden, und niemand hatte ein Konzept, um mit diesem Problem umzugehen. Also blieb alles beim Alten.

Am Ende gab es keinen Ausweg mehr. Ohne besondere Maßnahmen würde es einen Staatsbankrott geben, oder die galoppierende Inflation würde sich zur Hyperinflation entwickeln. In dieser Situation entschloss sich die neue Regierung – die LDP war seit 2016 wieder in der Opposition - für die Einführung umfangreicher Kapitalverkehrskontrollen.

2. Mai 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“


Vor 5 Jahren leitete die Bank of Japan einen radikalen Kurswechsel ein. Durch eine drastische Erhöhung der Geldbasis mittels Ankauf von Staatsanleihen sollten die deflatorischen Tendenzen ein für alle Mal überwunden werden, um das Fundament für einen neuen Wachstumsschub zu legen. Der riskante Schritt hat sich gelohnt: Der Aktienindex Nikkei hat gerade die Marke von 25.000 übersprungen. Der Unternehmenswert von Sony nähert sich wieder dem von Apple und Samsung an. Exportorientierte Unternehmen verdienen prächtig bei einem Wechselkurs von 120 Yen für den US-Dollar. Auch die inländische Konjunktur ist gut in Fahrt, denn ein reales Wachstum von knapp 3%, ein gutes Klima auf dem Arbeitsmarkt und Lohnsteigerungen, die leicht über der Inflationsrate von 2,3% liegen, sorgen für stete Kauflaune bei den Konsumenten. Die Staatsverschuldung liegt mit einer Quote (dem Verhältnis von absoluter Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt) von 190% noch immer sehr hoch, aber die Trendwende ist eingeleitet. Hohe Steuereinnahmen machen einen Primärüberschuss im Staatshaushalt möglich, d.h. Zins und Tilgung von Staatsschulden werden heute wieder wesentlich aus Überschüssen finanziert. Die BoJ hat inzwischen den Ankauf neuer Staatsanleihen und den Handel mit diesen eingestellt. Die noch hohen Bestände in der Zentralbankbilanz werden nach und nach dadurch abgebaut, dass der Staat die Anleihen bei Fälligkeit zurückzahlt. So konzentriert sich die BoJ heute wieder auf die Kontrolle der Inflation mit traditionellen geldpolitischen Instrumenten.

Der Einstieg in diese günstige Entwicklung gelang mit der geldpolitischen Wende im April 2013. Die Ankündigung einer drastischen Erhöhung der Geldbasis sollte die Menschen davon überzeugen, dass die BoJ die deflatorischen Tendenzen um jeden Preis brechen wollte. Natürlich war der massive Eingriff in den Markt für Staatsanleihen sehr riskant. Japan war mit dem über Zweifachen seines BIP verschuldet, Anleihen im Wert von 950 Bio. Yen, die weitgehend von Finanzinstitutionen wie Banken und Versicherungen gehalten wurden, standen also vor einer potentiellen Umverteilung.  Erhöhten sich die Kurse der Anleihen aufgrund der BoJ-Käufe, würden gleichzeitig die Renditen fallen. Lebensversicherer und Banken könnten dann schnell vor der Situation stehen, ihren Kunden höhere Zinsen bieten zu müssen, als sie selbst erwirtschaften. Bei den Summen im Spiel könnte dies im ungünstigen Fall gar die Stabilität des Finanzsystems belasten. Würden die Finanzinstitutionen, diese Gefahr vor Augen, Anleihen im großen Stil für alternative Anlagen verkaufen, könnte das umkehrt deren Kurse nachhaltig drücken; die Renditen würden steigen und der Staat würde künftig höhere Zinsen zahlen müssen. Ein Staatsbankrott könnte damit in den Bereich des Möglichen rücken. Tatsächlich schwankten die Kurse der Staatsanleihen im Verlauf der kommenden Jahre nicht unbeträchtlich. Die japanischen Wirtschaftspolitiker hatten jedoch noch eine Trumpfkarte in der Hand: Die Post. Postbank und Postversicherung zusammen sind die größte Kapitalsammelstelle im Lande und hielten 2013 etwa 25% aller Staatsanleihen. Als öffentliche Institution konnte die Post veranlasst werden, ihren Handel mit Staatsanleihen so zu steuern, dass dieser größeren Kursschwankungen entgegenwirkte. Dass die Kunden der Post, insbesondere die Millionen Sparer, trotz der Manipulationen bei diesem Institut stillhielten und keine Einlagen im großen Stil abzogen, erwies sich dabei als kritisch.

Den entscheidenden Beitrag zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung und dafür, dass die neue Geldpolitik Früchte trug, leistete die Wirtschaftspolitik ab August 2013. Im Monat zuvor hatte die LDP unter der Führung von Premierminister Abe, auf einer Welle der Popularität durch die frühen Erfolge der expansiven Geldpolitik schwimmend, die Mehrheit im Oberhaus zurückerobert. Nun verfügte sie über komfortable Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments. Die LDP nutzte diese Position für ein ehrgeiziges Reformprogramm. Das System der staatlichen Renten- und Krankenversicherung wurde den demographischen Gegebenheiten angepasst; Kostensteigerungen konnten damit in engen und gut kalkulierbaren Grenzen gehalten werden. Gleichzeitig wurde das Steuersystem reformiert. Zahlreiche Schlupflöcher bei der Einkommenssteuer wurden geschlossen und die Mehrwertsteuer wurde bis 2017 in mehreren Schritten von 5% bis auf 15% erhöht. All das führte zu erheblichen politischen Auseinandersetzungen. PM Abe hielt jedoch Kurs, und da der positive wirtschaftliche Trend immer offenbarer wurde, konnte er die Widerstände erfolgreich überwinden. Die Grundlagen für die langsame aber stete Sanierung des Staatshaushaltes waren damit geschaffen.

Die außenwirtschaftliche Front entwickelte sich ebenfalls zu Japans Gunsten. Seit Anfang 2013 verlor der Yen zur Freude der exportorientierten Industrie schnell an Wert. Zunächst pendelte er sich auf den Kurs von 100 Yen später von 120 Yen für den US-Dollar ein. Die ausländischen Handelspartner, die selbst einen moderaten Wirtschaftsaufschwung erlebten, ließen es gewähren. Überdies wurde Japan 2016 Mitglied der Trans-Pacific Partnership (TPP), einem multilateralen Freihandelsabkommen pazifischer Anrainerstaaten unter Führung der USA. Dies senkte weiter das Risiko von Handelskonflikten.

Selbsttragend wurde der Aufschwung ab 2016. Binnen- und Exportnachfrage veranlasste die Unternehmen zu mehr Investitionen. Kredite dafür standen ausreichend zur Verfügung, da diese den Banken höhere Zinsen boten, als schwach rentierliche Staatsanleihen, die man lieber an die BoJ weitergab. Qualifizierte Arbeitskräfte wurden knapper. In Antizipation dessen stiegen Löhne und Gehälter bereits 2014 wieder an; 2016 erreichten die Steigerungen im Durchschnitt 2,5% mit entsprechenden Rückimpulsen auf den Konsum.

Ebenfalls 2016 begann die Bank of Japan, ihre expansive Geldpolitik wieder vorsichtig zurückzufahren. Die Inflationsrate lag offenbar nachhaltig bei leicht über 2%. Bei der Neuausgabe von Staatsanleihen musste daher auch der Staat inzwischen Renditen von über 2% hinnehmen, aber die guten Steuereinnahmen erlaubten dies auch. Die BoJ kündigte zunächst an, sich wieder an der „Banknotenregel“ orientieren zu wollen, gemäß der der Wert von ihr gehaltener Staatsanleihen nicht höher sein soll, als der Wert des umlaufenden Bargelds. Einige Staatsanleihen wurden von der BoJ wieder verkauft, wenn auch unter Verlusten. Der Ausstieg aus der hyperexpansiven Geldpolitik wurde jedoch einfach dadurch eingeleitet, dass der An- und Verkauf von Staatsanleihen drastisch eingeschränkt wurde mit der Absicht, die Papiere bis zur Fälligkeit in der Bilanz zu halten.

29. April 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

Die neue Geldpolitik der Bank of Japan

Am 4. April hat die Bank of Japan (BoJ) eine – wie sie es selbst bezeichnet – drastische neue Geldpolitik verkündet, die seitdem auch international hohe Wellen schlägt. In der Wirtschaftspresse wird allerdings oft ungenau und unvollständig davon berichtet. Was genau wurde also beschlossen, wie soll es wirken, und welche Risiken sind damit verbunden?

Die BoJ spricht von einer neuen Phase der quantitativen und qualitativen geldpolitischen Lockerung mit dem Ziel, die seit 15 Jahren vorherrschenden deflatorischen Tendenzen zu überwinden, und innerhalb von zwei Jahren eine nachhaltige jährliche Inflationsrate von 2% zu erreichen. 
Quantitative Lockerung bedeutet eine massive jährliche Ausweitung der Geldbasis von 60-70 Bio. Yen. Ende 2014 soll diese 270 Bio. Yen (über 2 Bio. €) und damit etwa 60% des BIP erreichen, so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Dies soll insbesondere durch den Ankauf von Staatsanleihen erreicht werden. Dafür wird die seit 2001 geltende Beschränkung aufgehoben, dass der Wert der von der BoJ aufgekauften Staatsanleihen nicht höher sein darf als der des umlaufenden Bargeldes im Lande.

Die Geldbasis (B) ist nicht zu verwechseln mit der Geldmenge (M). Die Geldbasis umfasst das umlaufende Bargeld und die Einlagen auf den Konten, die Geschäftsbanken bei der Bank of Japan unterhalten. Die Geldmenge umfasst das umlaufende Bargeld und die Einlagen die Nicht-Finanzinstitutionen (insbesondere Unternehmen) und Individuen bei Geschäftsbanken unterhalten. Es ist die Geldmenge, die nachfragewirksam ist und sich damit auf das reale Wirtschaftsgeschehen und die Preise auswirkt. Es bestehen Zusammenhänge zwischen der Geldbasis und der um ein Vielfaches höheren Geldmenge, die jedoch vom Verhalten der Wirtschaftssubjekte abhängen und nur sehr eingeschränkt von der Zentralbank beeinflusst werden können. Noch weniger direkt ist daher der Einfluss der Zentralbank auf die Inflationsrate.

BoJ-Gouverneur Kuroda betonte, dass mindestens so wichtig wie die quantitative die qualitative Lockerung der Geldpolitik sei. Die Zentralbank reguliert die Geldbasis durch Wertpapiergeschäfte. So erhöht sie die Geldbasis, indem sie Geschäftsbanken Wertpapiere abkauft und ihnen den Gegenwert auf dem Zentralbankkonto gutschreibt. Traditionell beschränkt sie sich dabei auf erstklassige Wertpapiere mit geringem Ausfallrisiko, die geringen Wertschwankungen unterliegen und nur kurz – bis zu drei Monate - im Portfolio der Bank verbleiben. Dieses Prinzip wurde schon vor Jahren durchbrochen, seit damit begonnen wurde, Staatsanleihen mit verbleibenden Laufzeiten von bis zu drei Jahren aufzukaufen. Qualitative Lockerung heißt also, dass die BoJ nicht nur die Geldbasis erhöht, sondern dies auch durch den Ankauf von Wertpapieren tut, die im Wert stark schwanken und ein höheres Ausfallrisiko haben können. Die neue Geldpolitik geht noch massiv darüber hinaus. Künftig werden auch Staatsanleihen mit bis zu 40 Jahren Laufzeit akzeptiert. Im Durchschnitt soll die Fälligkeit der sich im BoJ-Portfolio befindlichen Anleihen von drei auf sieben Jahre erhöht werden. Die BoJ erhofft damit, nicht nur kurzfristige sondern auch langfristige Zinsen niedrig halten zu können.  
Schließlich kauft die Zentralbank nicht nur Staatsanleihen sondern auch Wertpapiere an, deren Wert mit der Änderung der Aktienpreise (sog. Exchange Traded Funds) und der Immobilienpreise (sog. J-REITs) schwanken. Aktien- und Grundstückpreise sollen damit höher tendieren und entsprechende Finanzprodukte für mehr Investoren attraktiv werden.

So klar wie das Ziel der neuen Geldpolitik – 2% Inflation in zwei Jahren – formuliert ist, und so drastisch und transparent die dafür eingeleiteten Maßnahmen zur Ausweitung der Geldbasis auch sind, so dünn und abstrakt bleiben die Erläuterungen der Bank of Japan jedoch zur Begründung des Ziels, zur Wirkweise der Maßnahmen und zu möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Gar nicht erläutert wird, warum gerade genau 2% Inflation erreicht werden sollen.

Die beabsichtigten Wirkungen der Geldbasisausweitung werden nur sehr abstrakt formuliert: Bisherige Halter von Staatsanleihen sollen ihr Portfolio umschichten und dadurch niedrigere Zinsen herbeiführen. Die sollen Unternehmen zu mehr Investitionen anreizen. Gouverneur Kuroda betont weiterhin die Rolle der Erwartungen: Durch die drastischen Maßnahmen sollen die Menschen nachhaltig davon überzeugt werden, dass die BoJ es diesmal ernst meint mit dem Inflationsziel. Dies fördert die Ausweitung des Konsums.

Auf mögliche Risiken hingewiesen hat die Zentralbank durch eine Rede am 18. April 2013 von Ryuzo Miyao, der Mitglied des geldpolitischen Ausschusses ist. Miyao spricht von instabilen Finanzmärkten aufgrund vielleicht überschießender Risikoneigung, von „Bilanzrisiken“ bei der BoJ selbst und davon, dass es keinen einfachen Weg geben wird, die quantitative und qualitative Lockerung wieder einzuschränken oder den Kurs ganz zu wechseln.

Die diffuse Ausdrucksweise der BoJ hat sicherlich Methode. Die Komplexität der Zusammenhänge und damit auch das Risikopotential sind so hoch, dass deren genauere Diskussion die Stimmung verderben könnte. Diese scheint zwei Wochen nach den Beschlüssen zunächst euphorisch. Der Aktienindex Nikkei ist weiter angestiegen und liegt jetzt deutlich über der Marke von 13.000. Der Yen hat den Abwertungstrend fortgesetzt, was die Erwartung für eine boomende Exportwirtschaft nährt, zumal die G-20 Staaten am letzten Wochenende den Vorwurf des „Währungskrieges“ nicht in den Vordergrund gespielt haben.

22. April 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

 2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

 

1beben11perspektivenStudents of East Asia Marketingmanagement e.V. (StEAM)

Ein Beben - Elf Perspektiven

München: Iudicium, 2012

116 Seiten

ISBN: 978-3-86205-078-9

Vorwort

„Katastrophen verändern Leben. Sie verändern möglicherweise sogar ganze Nationen. Das Erdbeben vom März 2011 in Japan ist so ein Beispiel. Betroffen waren nicht nur normale Menschen, in Deutschland und Japan wurden auch die Prioritäten auf staatlicher Ebene in Frage gestellt. Dieses Buch beinhaltet elf Aufsätze von Menschen, die diese Katastrophe am eigenen Leib erfahren haben. Zu jener Zeit waren sie alle Studenten, die, als Teil ihrer Ausbildung am Ostasieninstitut in Ludwigshafen, ein verpflichtendes Auslandsjahr in Japan absolvierten. Sie berichten von den Vorfällen ohne jede mediale Überzeichnung und Sensationsgier authentisch, persönlich und einzigartig. Einige von ihnen waren direkt vor Ort, beispielsweise in Sendai. Manche waren in der Umgebung von Tokio und Osaka oder andernorts. Man erhält einen Überblick über die damalige Situation in Japan. Zweifellos werden die hier enthaltenen Informationen jene interessieren, die bereits sehr vertraut mit dem Land sind. Jedoch wird es auch Nichtfachleuten leicht zugänglich sein. Sicherlich wird diese Sammlung bei denjenigen auf Interesse stoßen, die auf eine Debatte um Atomenergie bedacht sind und ferner zu einer überfälligen Diskussion über Medienverantwortung und -verlässlichkeit anregen. Die Autoren berichten nicht nur von ihren unterschiedlichen Erfahrungen, sie laden auch zu einer Reflexion darüber ein, wohin es uns führen wird und wie wir dort hingelangen könnten.“ (Peter Wetzler, Univ. of California, Berkeley)

Vorwort

Mathias Obst: Erinnerungen an das Tohoku-Erdbeben
Claudio Segura Schmitz: Wie mich die deutschen Medien enttäuschten
Zhang Chicheng: Das japanische Erdbeben aus meiner Sicht
Bastian Lidzba: Erdbeben im 27. Stock
Dominik Wörns: Warum ich nicht nach Japan zurückkehrte
Kim Siemund: Nächtliche Odyssee nach dem Erdbeben
Christopher Lee Hütte: Aus dem Kreis einer japanischen Gastfamilie
Son Anh Bui: Mein dramatisches Erlebnis in Miyagi
Ulli Stähle: Schwankende Hochhäuser in Tokio
Carsten Linke: Das Beben und die Folgen von Kansai aus erlebt
Christoph Schwinghammer: Urlaub zum falschen Zeitpunkt

Leseprobe

Matthias Obst: Erinnerungen an das Tohoku-Erdbeben

Rezension

„Das Buch bietet eine sehr spannende und berührende Lektüre. Wie haben elf Austauschstudenten, die urplötzlich von jener Urkatastrophe des 11. März 2011 in ihren Semesterferien überrascht wurden, reagiert und jenen Schock überwunden? Sie hatten in fünf japanischen Universitäten, in Akita in Nordjapan, in Takasaki in der Gunma-Präfektur, an der Aoyama Gakuin in Tokyo, in Nagoya und an der Kansai Gaidai Universität nahe Kyoto, studiert. Teilweise befanden sie sich weitab vom Katastrophenzentrum, teils wurden sie urlaubsbedingt in Matsushima mitten im Tsunami-Gebiet getroffen oder strandeten auf der Durchreise auf dem Bahnhof von Chiba. Interessant und bemerkenswert ist, wie beherrscht und umsichtig alle, der japanischen Sprache oft nicht vollständig mächtig, mit der Katastrophe, den Beben, dem Strom- und Netzwerkausfall, dem vorübergehenden Zusammenbruch des Bahnverkehrs und den Versorgungsengpässen umgegangen sind. Vor allem auf Druck ihrer Eltern und auf Anweisung ihrer Hochschule flogen sie nach der Wasserstoffexplosion in Fukushima kurzfristig aus Japan aus, um dann fast alle zwei bis drei Wochen später – oft gegen den Widerstand der besorgten Angehörigen – zu Semesterbeginn in die oft recht leeren Vorlesungssäle für Austauschstudenten zurückzukehren.

Oft wurden jene Ausreisen mit sehr schlechtem Gewissen angetreten, ließ man doch japanische Freunde, Kommilitonen, Gastfamilien und Freundinnen zurück. Wer ganz schlecht in diesen Berichten wegkommt, sind die deutschen Medien mit ihrer hysterischen Panikmache, die den besorgten Angehörigen in der Heimat den Eindruck vermittelten, ganz Japan sei verstrahlt und unbewohnbar geworden oder jene Politiker, die ihre schmutzige politische Suppe mit der Dreifachkatastrophe kochen wollten – wobei sich, wie richtig beobachtet wurde, das deutsche Mitgefühl mit den Tausenden Tsunami-Opfern durchaus in Grenzen hielt. Zu den Tartarenmeldungen zählt die Information, ganz Sendai sei zerstört worden oder jener amerikanische Sender, der die Diskothek „Nuclear Plant“ im Herzen Tokyos in eine Karte der japanischen AKWs aufnahm. Viel mehr waren die Medien hauptsächlich am apokalyptischen Ausmalen der „Tschernobyl Katastrophe“ interessiert. Auch die deutsche Botschaft in Tokyo, die, nachdem sie am Notfalltelefon zunächst zum Bleiben aufgefordert hatte und einige Tage später nach Osaka evakuiert wurde, bekommt in diesen Berichten für ihre Tipps, die Nachrichten in Rundfunk und Fernsehen zu verfolgen und der undifferenzierten Empfehlung Jodtabletten einzunehmen, keine besonders guten Noten. Auch beim Ausfliegen gab es keine  Hilfe. Im Wesentlichen blieben diese jungen Leute in der Stunde der Not sich selbst überlassen, mussten sich angesichts der verqueren Nachrichtenlage, der Abwiegelung der japanischen Behörden und der Panikmache der deutschen und amerikanischen Medien selbst einen Reim machen und angemessen reagieren. Am spannendsten ist sicher der Bericht eines Pärchens, das in Matsushima an der Sanriku-Küste urlaubte. Man war gerade dabei, sich Schiffstickets am Hafen zu kaufen, als das Erdbeben gefolgt von der Tsunami-Warnung eintritt. ...

Wer in diesen Berichten am besten wegkommt, ist die japanische Bevölkerung. Es ist ganz unglaublich, wie hier unisono das hohe Lied auf die Disziplin, den Stoizismus, das Gemeinschaftserlebnis der zusammengewürfelten Notgemeinschaften und die spontane Hilfsbereitschaft der Japaner angestimmt wird. …
Erfreulich ist auch für den Leser zu erfahren, dass eine Generation, der oft nachgesagt wird, sie sei angesichts der Verführungen des Internets kaum noch des Lesens und Schreibens mächtig, doch eine sehr lesbare und stilistisch meist anspruchsvolle Prosa geliefert hat. Alles in allem: Ein sehr schönes und nachdenklich machendes Buch. “

Dr. Albrecht Rothacher (EU-Diplomat, Osteuropa- und Ostasienspezialist): Buchvorstellung II

Japanisch 2.0 - Eine Lesetour durch Social Media und andere Welten

197 Seiten

Hamburg: Buske, 2012

ISBN: 978-3-87548-625-4

Inhalt

„Wer sich für Japan interessiert und Japanisch lernt, möchte auch in der Lage sein, dort Internet und Social Web zu nutzen. Mehr noch als in Deutschland wird in Japan mithilfe des Internets gelernt, geforscht und vor allem kommuniziert, es wird gebloggt, gechattet und getwittert. Der dabei verwendete Sprachstil wird gewöhnlich an keiner Schule unterrichtet. 
Das zweisprachige Textbuch ermöglicht nun den Einstieg in diesen Bereich der Kommunikation. Zu Themen wie der Erdbebenkatastrophe und den Reaktorunfall von Fukushima, Uni-Aufnahmeprüfung, Jugendarbeitslosigkeit, Partnersuche u.a.m. gibt es eine kurze informative Einleitung, gefolgt von einem Interview, der Wiedergabe eines Threads oder eines Blogs usw. Es werden nur Originaltexte aus dem Internet verwendet, sie vermitteln die im Netz und auf der Straße herrschende Umgangssprache. Anmerkungen geben Erläuterungen zur Grammatik oder vermitteln Hintergrundwissen.
Zusätzlich beinhaltet das Buch Zeitungsartikel zu unterhaltsamen Themen wie Mode, Manga oder Musik. Bei der Themenauswahl wurde insbesondere darauf geachtet, dass das Vokabular vielfältig ist und die Sätze nicht zu anspruchsvoll formuliert sind.

Vorwort

Briefe schreiben oder kurz mailen? Telefonieren oder lieber chatten, bloggen oder gleich twittern? Diese Fragen stellen sich Japaner kaum noch, sie nutzen vielmehr eifrig die offenen Kommunikationstechniken des Web 2.0. Bei Facebook und Konsorten ist nicht nur die jüngere Generation sozial komplett vernetzt. Über die sozialen Medien wird gelernt, geforscht und vor allem eifrig kommuniziert. Und das in einem Sprachstil, der gewöhnlich an keiner Hochschule unterrichtet wird.
Das vorliegende zweisprachige Buch bietet erstmals im deutschsprachigen Raum einen Einblick in das Japanisch des Web 2.0. Texte aus Chatrooms, Tweets, Blogs und anderen Internetveröffentlichungen handeln vom japanischen Alltag mit Jobsuche, Freizeitvergnügen oder auch dem Erdbeben vom März 2011. Dem Japanisch-Lernenden ermöglichen Original und parallel verlaufende Übersetzung eine selbstständige Erarbeitung dieser neuen Form der Kommunikation. Zahlreiche Erläuterungen erklären grammatikalische und inhaltliche Besonderheiten, umfangreiche Lesehilfen sorgen für einen ungebremsten Lesefluss. Der Leser erfährt hier einen virtuos-spielerischen Umgang mit dem Medium Japanisch, der nicht nur junge Lernende, sondern auch „alte Hasen" Japans fasziniert. Japan ist bereit für neue Kommunikationswege, ist Ihr Japanisch das auch?"
(September 2012, Christine Liew)

 

liew-geschichte-japansChristine Liew

Geschichte Japans

176 Seiten

Stuttgart: Theiss, 2012

ISBN: 978-3-8062-2542-6

Kurzbeschreibung

Erdbeben, Tsunami und atomare Kernschmelze: Katastrophen haben Japan im vergangenen Jahr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Doch was wissen wir über den Inselstaat?

In ihrem Buch nimmt Christine Liew den Leser mit auf eine Reise durch die japanische Geschichte. Dabei liefert sie einen anschaulichen Überblick über die historischen Entwicklungen, von der frühen Altsteinzeit über die Feudalzeit des späten Mittelalters bis hin in die Moderne. Kritisch analysiert sie darüber hinaus auch die gegenwärtige japanische Gesellschaft: Sie beschreibt die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, thematisiert die erfolgreiche Produktion von Unterhaltungselektronik und erläutert die heutigen Folgen der Tsunami-Katastrophe.

Wer siebenmal fällt, steht ein achtes Mal auf

»Da müssen wir durch.« Nach Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe standen die Japaner 2011 inmitten ihrer zerborstenen Häuser und erzählten ruhig von dem anstehenden Neubeginn. Diese Gelassenheit traf im Westen auf Unverständnis. Warum scheinen Japaner so anders zu sein?
Wer die moderne Gesellschaft des Inselreichs verstehen will, muss sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen – dem Wechsel zwischen Stabilität und Umbruch, zwischen Isolation und Offenheit, aber auch mit den Folgen der zahllosen Naturkatastrophen, die das Land seit der Antike immer wieder heimsuchen.
Das Buch vermittelt dem Leser einen fundierten Abriss der Geschichte des Landes. Die Kenntnis über das historische Japan soll ihn zu einem verständigen Zeitzeugen unserer bewegten Gegenwart machen. Ein japanisches Sprichwort besagt: »Nana korobi, ya oki.« Wer siebenmal fällt, steht ein achtes Mal auf. Japans Geschichte wird weitergehen.
(Christine Liew)

Inhalt
Japan - was ist das?
Vorwort
Frühgeschichte
Japaner, woher kommst du?
Jōmon-Periode (10 000 - 300 v. Chr.)
Yayoi-Periode (300 v. Chr. - 300 n. Chr.)
- Geheimnisvolle Himiko - Herrscherin über Yamatai
Altertum
Yamato (ca. 250 - 710 n. Chr.)
Nara (710 - 794)
- Buddhismus in Japan
Heian (794 - 1185)
- Literaten und Erfinder bei Hof
- Der alles entscheidende Schuss des Nasu na Yoichi
Mittelalter
Kamakura (1185 - 1333)
- Wer war die Frau hinter dem Shōgun?
Muromachi (1333-1568)
- Bühne frei für neues Theater
60 Sengoku-Ära und Azuchi Momoyama (1467-1603)
- Familienwappen
Frühe Neuzeit
Edo (1603-1868)
- Reiserouten quer durchs Land
- Bushidō – Die Wege des Kriegers
- Yoshiwara
- Dejima
Neuzeit
Meiji (1868 - 1912) 109 Reformen
Industrialisierung
Außenpolitik
- Deutsche in Japan
Taishō (1912 - 1926)
- Kantō-Erdbeben
Shōwa (1926 - 1989)
- Fliegen mit dem Götterwind-Kamikaze
147 Nachkriegsjahre (1945-1989)
- Olympiade 1964 158
Heisei (1989–heute)
- Ausländische Japaner

deutscheinchina1920bis1950Barbara Schmitt-Englert

Deutsche in China 1920-1950: Alltagsleben und Veränderungen

667 Seiten

Großgossen: Ostasien Verlag, 2012

ISBN: 978-3-940527-50-9

Kurzbeschreibung

Für viele deutsche Ingenieure, Kaufleute oder Wissenschafter ist ein längerer Aufenthalt in der VR China in den letzten Jahrzehnten Bestandteil ihrer beruflichen Laufbahn geworden. Die wenigsten von ihnen wissen, dass bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Tausende junger Deutscher nach China aufbrachen, wo sie einen Teil ihrer beruflichen Karriere absolvierten. Für viele von ihnen wurde China zur zweiten Heimat. Dieses Buch beschreibt den Alltag von Deutschen, die zwischen 1920 und 1950 in China, vor allem in Beijing, Tianjin und Shanghai, lebten.

Aus dem Vorwort

„Die Bundesrepublik Deutschland nahm im Jahre 1972 diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf, nachdem sie während des zweiten Weltkrieges abgebrochen waren. 1973 sandte sie die ersten Studenten nach Beijing zum Studium, 1976 nahmen die ersten chinesischen Studenten ihr Studium an der Universität Heidelberg auf. Dies mündete 1979 schließlich in das erste Kulturabkommen der beiden Staaten.
Deutsche Unternehmen hatten in diesen Jahren keine permanent besetzten Repräsentanzen in der VR China. Für den Außenhandel gab es bis in die Mitte der 1970er Jahre eigentlich nur die Frühjahrs- und Herbstmesse in Guangzhou sowie das 1952 gegründete China Council for the Promotion of International Trade (CCPIT). Im Herbst 1975 fand die erste deutsche Industrieausstellung in Beijing statt, die noch keine spürbare Verbesserung des Handels nach sich zog. Eine vorsichtige Öffnung Chinas begann erst nach 1978 mit der von Deng Xiaoping eingeleiteten Reform der Wirtschaftspolitik, die in der chinesischen Öffentlichkeit gleichwohl von einer durchaus kontrovers geführten Diskussion über Art und Umfang der Öffnung begleitet wurde.
Seit der Jahrtausendwende ist Deutschland der wichtigste europäische Handelspartner und größter Investor in China. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass die Zahl der deutschen Staatsbürger, die in China studieren oder arbeiten, stetig wächst. Aus diesem Grund entstanden nach und nach deutsche Gemeinden in den Großstädten der VR China, eine Schule wurde in Beijing 1978 gegründet, die mittlerweile bis zur Hochschulreife führt, eine weitere folgte 1995 in Shanghai. 1999 entstand eine deutsche Industrie- und Handelskammer in Beijing, Shanghai und Guangzhou, die über den engeren Zuständigkeitsbereich für Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auch eine wichtige kulturpolitische Funktion im Hinblick auf die deutschen Gemeinden wahrnimmt. Und in dem Maße, in dem sich deutsche Gemeinden in China bildeten und entwickelten, folgten ihnen die einschlägigen Dienstleistungsunternehmen: Bäckereien, Metzgereien, Restaurants, juristische, medizinische, logistische und religiöse Angebote. Seit 1994 existiert wieder eine evangelisch-lutherische Gemeinde in Beijing mit einer Filiale in Shanghai, die aber inzwischen eine eigenständige ökumenische Gemeinde ist.5 Eine katholische Gemeinde gibt es, mit Blick auf die Spannungen zwischen der Zentralregierung und dem Vatikan, noch nicht, gleichwohl gibt es regelmäßige Gottesdienste – im Dezember 2006 verunglückte ein junger deutscher Austauschstudent in Beijing tödlich unter nicht zweifelsfrei geklärten Umständen, die in die katholische Untergrundkirche Beijings weisen.
Doch gehört dieser Fall eher zu den Ausnahmen; in den meisten ausländischen Gemeinden, so auch der deutschen, verläuft der Alltag eher harmonisch, es gibt Stammtische, Bälle, Wohltätigkeitsveranstaltungen und vieles mehr. Seit 2006 gibt es wieder Rotary Clubs in Beijing und Shanghai; sie waren schon einmal gegründet worden, nämlich 1919, und hörten mit der Gründung der VR China auf zu existieren. Einer der Neubegründer des Rotary Clubs Beijing, Michael J. Furst, steht sozusagen stellvertretend für den Neuanfang und die unterbrochene Tradition; die Eltern des US-Bürgers waren in den 1930er Jahren als politische oder ethnische Flüchtlinge aus Deutschland nach Shanghai gekommen.“
(Barbara Schmitt-Englert)


Rezension

„Der Namensindex zu diesem Buch führt – geschätzt – mehr als tausend Personen auf, überwiegend die von sogenannten Chinadeutschen. Vierzig von den insgesamt 667 Seiten umfaßt allein die Bibliographie, aber sie zeigt längst nicht alles Material das in dieses gewichtige Buch eingegangen ist: „Deutsche in China 1920-1950. Alltagsleben und Veränderungen“, von Barbara Schmitt-Englert.
In ihrem Vorwort geht B. Schmitt-Englert ausführlich auf ihre Quellen ein. Von diesen sind unveröffentlichte autobiographische Aufzeichnungen und Interviews mit Zeitzeugen eine wichtige Quellengattung, vor allem 71 Interviews, die der Chinakenner Fritz van Briessen (1906-1987) in seinen letzten Lebensjahren aufgenommen hatte und die Schmitt-Englert durch 44 in den 1990er Jahren geführte Interviews ergänzte. Derlei ist für Historiker eine überaus problematische Quellengattung, aber über die bei ihrer Auswertung gebotene Vorsicht verfügt die Autorin, und der lange Zeitraum der Materialsammlung und dann des Schreibens dieses Buches erweist zusätzlich, daß Nachdenklichkeiten in dieses eingegangen sind. ...“

Weiterlesen auf der Website des Hamburger Sinologie-Professors Hans Stumpfeldt: Ein China-Schmöker zu einem historischen Detail


Veröffentlichte autobiographische Aufzeichnungen

Johannes Barth (*1891, †1981) veröffentlichte seine Autobiographie unter dem Titel Als deutscher Kaufmann in Fernost. Darin ist vor allem das Kapitel über die Verteidigung von Qingdao und die Gefangenschaft der deutschen Verteidiger in Internierungslager in Japan für die untersuchte Thematik von Bedeutung.

Otto Braun (*1901, †1974), der 1932 nach China gekommen und einziger ausländischer Teilnehmer des legendären „Langen Marsches“ 1934–1935 war, gehörte bereits in den 1920er Jahren zu den Aktiven der KPD. In seinem Buch Chinesische Aufzeichnungen schildert er sein gefährliches Leben als Abgesandter der Komintern in China.

Hugo Burkhard (*1899, †1971), der zwischen 1933 und 1940 die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald durchlitten hatte und 1940 nach Shanghai geflohen war, erzählt in Tanz mal Jude! seine Lebensgeschichte von 1933 bis zu seiner Ausreise aus China im Jahr 1948 in die USA.

Ce Shaozhen (*1914, †1995), vielen Beijing-Deutschen unter dem Namen Georg Palta bekannt, stammt aus einer fürstlich-mongolischen Familie. Er ging auf europäische Schulen, unter anderem in Deutschland. In seinem Büchlein Flaneur im alten Peking beschreibt er sein Leben im Widerstreit zwischen mongolischer und chinesischer Tradition, zwischen westlichen Einflüssen und kommunistischer Umerziehung.

Ernst Cordes (*1903, †1983), Schwager von Paul Wilm, beschreibt in seinem Buch Peking – der leere Thron die Stadt Beijing, seine Erlebnisse in dieser Stadt sowie das Leben der Ausländer und Einheimischen in ihren jeweiligen Stadtvierteln und den gegenseitigen Umgang miteinander.

Eleanor von Erdberg, verwitwete Consten (*1907, †2002), unterrichtete an der amerikanischen Yenching University und der Beijing Daxue (Peking University) und schrieb gelegentlich Artikel für die Monatszeitschrift The XXth Century, die 1941 von Klaus Mehnert in Shanghai ins Leben gerufen worden war. In ihrem Buch Der strapazierte Schutzengel schildert sie ihr Leben.

Otto Franke (*1863, †1946) nannte seine Lebensgeschichte Erinnerungen aus zwei Welten. Er war von 1888 bis 1901 als Dolmetscher in Beijing, Tianjin, Shanghai und Xiamen tätig und kehrte anschließend nach Deutschland zurück, wo er 1910 den Lehrstuhl für Sinologie in Hamburg übernahm. Er wechselte 1923 nach Berlin.

Wolfgang Franke (*1912, †2007), Sohn von Otto Franke, kam 1937 als Mitarbeiter des Deutschland-Instituts nach Beijing. Nach dem Krieg hielt er sich 1946–1948 in Chengdu (Sichuan), der Heimat seiner Ehefrau, auf. Über den Abschnitt seines Lebens, den er zwischen 1937 und 1948 in China verbracht hat, berichtet er im ersten Band seiner Autobiographie unter dem Titel Im Banne Chinas. 1950 kehrte er schließlich nach Deutschland zurück.

Irmgard Grimm (*1896, †1997) schildert in ihren Memoiren Aus meinem bunten Leben unter anderem ihr Leben in Beijing und Tianjin mit all seinen Unterschieden. Sie war mit ihrem Ehemann, Reiner Grimm (*1868, †1968), der als HNO- und Augenarzt praktizierte, 1923 nach Beijing gekommen. Die mit der Umsiedelung der Familie nach Tianjin im Jahr 1930 verbundenen Umstellungen fielen ihr, aber ihrem Sohn Tilemann sehr schwer. 1936 verließen sie und ihr Mann China endgültig.

Ernest G. Heppner (*1921, †2004) beschreibt in Fluchtort Shanghai seinen Weg als jüdischer Flüchtling aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Shanghai, wo er mit seiner Mutter 1939 eintraf. Seinem Vater und seiner Schwester gelang die Flucht nicht mehr, sie wurden in Vernichtungslagern ermordet. In dem Buch schildert er seinen Alltag und den anderer jüdischer Emigranten in Shanghai.

Rena Krasno (*1923 in Shanghai) wuchs in einer russisch-jüdischen Familie in Shanghai auf und führte von 1942 an Tagebuch. Auf dieser Grundlage veröffentlichte sie eine Rückblende auf das Leben ihrer Familie in Form von Tagebuchaufzeichnungen unter dem Titel Strangers Always.

Emily Lehmann (*1912, †?) reiste 1936 als Missionarin der Berliner Missionsgesellschaft nach Südchina, später war sie in Beijing tätig. In ihren Erinnerungen Scheitern, um zu begreifen beschrieb sie die Zeit, die sie bis 1949 in China verbrachte, ihr Leben sowie die sozialen und politischen Verhältnisse, die damals dort herrschten.

Fritz Maass (*1910, †2005) war im Februar 1940 als protestantischer Pastor nach Shanghai gekommen, nachdem er zuvor Seelsorger in Jerusalem gewesen war. Seine spätere Frau, Elisabeth Raamsdonk-Maass (*1909 [an anderer Stelle: 1908], † 2004), lernte er in Shanghai kennen, wo sie in der evangelischen Kirchengemeinde aktiv war. Schon bald nach seiner Ankunft erregte er den Unmut konservativer Gemeindemitglieder und vor allem der NSDAP. Seine kritische Haltung dem Nationalsozialismus gegenüber, ebenso wie seine ungewohnt tolerante Amtsführung, stieß bei einer Reihe von Gemeindemitgliedern auf Unverständnis. Pastor Maass hatte sich nach Februar 1943, trotz massiven Drucks der Partei, nicht daran hindern lassen, Gottesdienste im jüdischen Getto abzuhalten und dort Besuche zu machen. Er ließ sowohl in passiver Form, das heißt durch bewusste Auslassungen, als auch in aktiver Form in Predigten und Aufsätzen keinen Zweifel an seiner kritischen Haltung dem Nationalsozialismus gegenüber aufkommen. Aus diesen Gründen wurde er im August 1944, kurz vor Martin Fischer, der großes Verständnis für die Haltung des Pastors gezeigt hatte, ebenfalls aus seinem Amt entlassen. Nach dem Krieg wurde er wieder in sein Seelsorgeramt eingesetzt und kehrte 1947 nach Deutschland zurück. Die Umstände, die nach Shanghai führten, sowie die Lebenserfahrungen, die er dann dort machte, beschrieb er in seinem Buch Von Jerusalem nach Shanghai. Eine Fülle religionsphilosophischer und politischer Betrachtungen ergänzt den autobiographischen Rückblick dieses Theologen.

Klaus Mehnert (*1906 in Moskau, †1984) hielt sich als Student 1929 auf der Rückreise aus den USA erstmals zwei Monate lang in China auf. Als Journalist besuchte er das Land 1936 ein zweites Mal und hielt sich während des Krieges von 1941 bis 1946 ununterbrochen in China auf, wo er im Auftrag des deutschen Auswärtigen Amtes in Shanghai die kulturell ausgerichtete Monatszeitschrift The Twentieth Century gründete, die finanziell vom Propagandaministerium unterstützt wurde und dem entsprechend von nationalsozialistischer Propaganda geprägt war. Daneben war er als Dozent für Geschichte und Politikwissenschaft an der deutschen Medizinischen Akademie und der St. John’s University in Shanghai tätig. In Ein Deutscher in der Welt beschreibt er sein bewegtes Leben, das ihn in viele Länder geführt hat.

Isabelle Zimmermann Maynard (*1929 in Tianjin, †2007) schilderte in ihrer autobiographischen Rückblende China Dreams ihren Lebenslauf innerhalb einer russisch-jüdischen Familie, inmitten einer gemischten ausländischen Gesellschaft in China, zwischen 1929 und ihrer Ausreise in die USA 1948.

Ernst Günther Mohr (*1904, †1991) kam 1932 als junger Attaché zuerst an das Generalkonsulat Shanghai und wurde dann an die Gesandtschaft nach Beijing versetzt. In seinem Buch Die unterschlagenen Jahre schildert er in einem autobiographischen Rückblick auch seine Dienstzeit und die Lebensumstände in China.

Elisabeth Maria Rein (*1897, †?), die in Russland geboren wurde und in Deutschland gelebt hatte, erzählt in ihrem 1941 veröffentlichten Buch Das Schmetterlingshaus aus ihren Erinnerungen an die Zeit im China der 1920er Jahre. Sie hatte sich innerhalb weniger Minuten entschieden, ihren Chef als Sekretärin nach China zu begleiten, und reiste zwei Tage später ab. Auch nach Jahren in China hat sie, wie sie schreibt, ihren Entschluss nie bereut.

Wolf Schenke (*1914, †1989) hielt sich zwischen 1937 und 1947 als Journalist in China auf. Im sogenannten „Shanghai-Prozess“ wurde er von der Anklage, ein Kriegsverbrecher zu sein, freigesprochen, doch gilt als erwiesen, dass er für den Geheimdienst tätig war. 1935 war er zunächst mit einem Langemarck-Stipendium nach China gekommen und reiste 1936 nach Deutschland, kehrte aber bereits 1937 wieder nach China zurück, wo er offiziell für das Deutsche Nachrichtenbüro tätig war. In seiner autobiographischen Retrospektive China im Sturm beschreibt er China im Wechselspiel von in- und ausländischer Politik und die Zeit, die er dort verbrachte.

Eva Siao (*1911, †2001 in Beijing), eine Fotografin und Journalistin, entstammte einer jüdischen Familie aus Breslau und flüchtete aus dem nationalsozialistischen Deutschland über Schweden in die Sowjetunion, wo sie Emi Siao kennen lernte und 1934 heiratete. 1940 folgte sie ihm nach China, ging mit ihren beiden Söhnen 1943 nach Kasachstan, um 1949 wieder nach China und zu ihrem Mann zurückzukehren. Beide saßen während der Kulturrevolution im Gefängnis. Ihr Leben, das sie überwiegend in China verbracht hat, schildert sie in dem Buch China – mein Traum, mein Leben.

Max Springweiler (*1906, †1994) kam 1931 als Bordmonteur und -funker über die Deutsche Lufthansa zur deutsch-chinesischen Eurasia Aviation Corporation nach China, um beim Aufbau der EURASIA Fluglinie zu helfen. China wurde zu seiner zweiten Heimat. Seine Frau Ruth heiratete er in Hongkong, beide Töchter wurden in China geboren. 1941–1945 war er an der Deutschen Botschaft im Nachrichtendienst beschäftigt. Von 1946 bis 1949 war er als Pilot bei der Lutheran World Federation angestellt. Er gehörte zu den letzten Flugteams, die westliche Ausländer, darunter viele Missionare, 1949 aus dem Landesinneren evakuierten. In dem Buch Flugpionier in China beschreibt er sein abenteuerliches berufliches und privates Leben in China.

Erwin Wickert (*1915, †2008), wurde 1940 vom Auswärtigen Amt als Rundfunkattaché nach Shanghai geschickt, wo er den deutschen Sender (XGRS) leiten und aufbauen sollte. Differenzen über die Ausgestaltung des Programms, vor allem mit dem damaligen Landesgruppenleiter der NSDAP, Siegfried Lahrmann, führten schließlich zu seiner Versetzung nach Tokio. In dem Buch Mut und Übermut berichtet er über sein Leben, seine Familie und die politischen Verhältnisse jener Zeit. Er war 1976–1980 der erste deutsche Botschafter in der Volksrepublik China. Nach seiner Pensionierung setzte er John Rabe (*1882, †1950) einen Gedenkstein, für dessen Verdienste um die Rettung vieler Chinesen in Nanjing während der Besetzung durch japanische Truppen – honi soit qui mal y pense.

Otto Wiesinger (*1885, †1956) schildert in seinem Büchlein Als Kriegsfreiwilliger in Tsingtau seine Erlebnisse während der Verteidigung der Stadt Qingdao im Jahre 1914. Zwar liegt der erste Weltkrieg vor dem hier untersuchten Zeitraum, doch eignet sich dieses Buch sehr gut, um Selbstverständnis und Zeitgeist vor und nach dem verlorenen Krieg einander gegenüber stellen zu können.

 


Unveröffentlichte autobiographische Aufzeichnungen

Die im Folgenden aufgeführte Liste eher zufällig als gezielt gesammelter unveröffentlichter autobiographischer Aufzeichnungen, Erinnerungen oder Tagebücher, konnten für diese Arbeit herangezogen werden:

Helene Bayha (1904–1997) war von 1934 bis 1947 als Krankenschwester im Deutschen Hospital in Beijing tätig. Sie führte zwischen 1939 und 1949 ein Tagebuch, aus dem sie Auszüge in einem Manuskript zusammengefasst hat, das unveröffentlicht im Wolfgang-Müller-Archiv in Kreuth liegt. Die Aufzeichnungen geben ein vielschichtiges Bild des Lebens und der Arbeit deutscher Schwestern, Pfleger, Ärzte und ihrer Patienten im deutschen Hospital in Beijing wieder.

Rolf Heinrich Blume (1910–2006) war 1928 nach Shanghai gekommen und arbeitete dort für die Schweizer Firma Sandoz, ab 1935 für Carlowitz in Tianjin. Im Jahr 1949 verließ er China und lebt seither in den USA. In seinen nicht veröffentlichten Erinnerungen „Glimpses from the Past“ beschreibt er die Zeit von 1928 bis 1949, den Lebensabschnitt, den er in China erlebte.

Wilhelm Dunsing (1907–2002), der 1930 nach China gekommen war, verfasste einen Bericht über die Zeit, die er in China erlebt hatte. Sein „Biographischer Überblick“ liegt im Wolfgang-Müller-Archiv in Kreuth. 17 Jahre lang war er in Yantai bei der Firma Niggemann & Co tätig, 1947 übernahm er mit einem Kollegen die Organisation der Firma Tongshi [Tung Hsi], eine Gründung von Werner Jannings und Chiang Kaishek. Er blieb mit seiner Familie auch nach der kommunistischen Machtübernahme in China, doch änderte sich dort zu Beginn des Koreakrieges die Situation grundlegend. Wilhelm Dunsing wurde zunächst als Beamter in die chinesische Außenhandelsorganisation integriert. Ein Ausreiseantrag, den er im Herbst 1950 stellte, wurde abgelehnt; im Februar 1951 wurde Wilhelm Dunsing unter Spionageverdacht festgenommen, kurz darauf seine Frau Suzanne (1914–2004). Ihre vier Kinder wurden nach der Verhaftung  von Bekannten nach Deutschland gebracht. Erst 1954 wurde das Ehepaar, das während der Haft keinerlei Kontakt zueinander hatte, aus der Haft in die Heimat abgeschoben.

Harry Glathe (1914–?), geboren in Qingdao, lernte seinen Vater, Alfred Glathe (1886–1954), der im Ersten Weltkrieg in japanische Kriegsgefangenschaft geraten war, erst 1920 in Shanghai kennen. Aus dieser Zeit hatte er keine allzu guten Erinnerungen an Shanghai, wo Kinder anderer europäischer Nationen Steine nach ihm warfen und ihn beschimpften. Anders war es dagegen in Chefoo, wo Alfred Glathe bis 1923 die Firma H.C. Augustesen & Co vertrat. 1923 siedelte die Familie wieder nach Shanghai über, wo Harry Glathe die Kaiser-Wilhelm-Schule besuchte und sein Vater 1928, nach dem Tod von H.C. Augustesen, mit einem Kollegen die Firma Glathe & Witt gründete. Von 1930 bis 1933 machte Harry Glathe ein Handelsdiplom in Deutschland und Antwerpen und kehrte danach als Angestellter von Glathe & Witt zurück, wo er bis 1939 vorwiegend in Shanghai tätig war. Die Verlobung mit einer „nicht-arischen“ Französin machte seine berufliche Karriere schwierig. Die Firma Melchers stellte ihn dennoch ein, schickte ihn aber zuerst nach Hongkong, dann nach Neu Guinea. Nach Kriegsausbruch saß er dort bis 1946 in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg wanderte er mit seiner Familie nach Australien aus. Von dort aus schickte er im Jahr 2000 per Post einen Lebenslauf, einen Reisebericht mit Originalfotos über Reisen in den südlichen Provinzen Yunnan, Guangxi und Guangdong, die er zwischen Februar 1934 und Februar 1936 unternommen hatte und einige Kopien von amtlichen Dokumenten sowie viele Originalfotos aus seiner Zeit in China.

Ursula Haas (geb. Corwegh, 1907–1994), die „jüdische“ Ehefrau des späteren ersten Botschafters der BRD in Moskau, Dr. Wilhelm Haas, lebte zwischen 1939 und 1946 mit ihrem Mann und drei Söhnen in Beijing. Trotz ihres hohen Alters war sie ein Quell der Erinnerung und gab sehr detaillierte Schilderungen ihres Lebens und der Verhältnisse in Beijing. Sie überließ mir die sehr umfangreiche Korrespondenz, die sie in dieser Zeit mit ihren in der Schweiz lebenden Eltern geführt hatte. Es handelt sich dabei um einen dicken Aktenordner voll von authentischen Momentaufnahmen, die hervorragend den Alltag, die Wahrnehmungen und die Sorgen der Familie Haas widerspiegeln.

Wilhelm Haas (1896–1981), geboren in Bremen, Ehemann von Ursula Haas, war zwischen 1927 und 1929 als Vizekonsul, 1929/30 als Legationssekretär am deutschen Konsulat in Shanghai tätig. Nach Zwischenstationen in Berlin und Genf war er Vizekonsul in Tokio. 1938 wurde er aus dem diplomatischen Dienst „in den dauernden Ruhestand“ entlassen, weil er sich nicht von seiner „jüdischen“ Ehefrau trennen wollte. Einem Rat Ernst von Weizsäckers folgend, nahm er eine Stelle als Vertreter der IG Farben in Beijing an und ließ sich noch im selben Jahr mit seiner Frau und den vier Söhnen dort nieder. Die Familie Haas blieb dort bis 1946. Berufliche Angelegenheiten führten ihn häufig auch nach Shanghai. Au ßerdem musste sich Eberhard, einer seiner vier Söhne, einer Augenoperation unterziehen, zu der ihn sein Vater nach Shanghai begleitete und ihn betreute. Der Augenarzt Christoph Schwarzenburg führte die Operation erfolgreich durch. Christoph Schwarzenburg war Professor für Ophthalmologie am PaulunHospital und gehörte der Shanghaier Ärztevereinigung an. Nach Kriegsende wurde er wieder in den diplomatischen Dienst eingesetzt und vertrat die Bundesrepublik Deutschland als Botschafter erst in der Türkei, dann in der UdSSR und schließlich in Japan. 1974 brachte er seine Lebenserinnerungen zu Papier. Dieses unveröffentlichte Manuskript, in dem auch Hintergründe und politische Wechselspiele aufgearbeitet werden und das zu den wichtigsten nicht veröffentlichten Zeitzeugnissen gehört, wurde mir von Frau Haas, die bis zu ihrem Tod in Bremen wohnte, ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Eva-Inge Hintze (geb. Kelsen, *1924) beschreibt in ihrem Tagebuch den Zeitraum zwischen 1941 und 1946 in Shanghai. Sie kam 1941 völlig mittellos mit ihrer deutschen Mutter und ihrem dänischen Vater als Kriegsflüchtling aus Niederländisch-Indien nach Shanghai, wo sie, wegen des kriegsbedingten Wegfalls der letzten transsibirischen Rückreiseroute, bis 1946 bleiben mussten. Ihr späterer Ehemann, Helmut Hintze, arbeitete für den deutschen Sender XGRS in Shanghai. Eva-Inge Hintze, die heute in Karlsruhe lebt, führte sehr ausführlich Tagebuch, das äußerst genau Aufschluss über die sukzessive Verschlechterung der psychologischen und materiellen Lebensumstände im Shanghai der 1940er Jahre bis Kriegsende gibt.

Ilse Hoferichter (*1925 in Berlin) erzählte außerordentlich anschaulich ihre Lebensgeschichte, von der sie die wesentlichen Teile ihrer China-Erfahrungen sogar für mich niederschrieb und einige Fotos beifügte. Ihre Mutter, Lucie Hoferichter (1900–1946), war „jüdischer Abstammung“, und so beschlossen die Eltern, aus dem nationalsozialistischen Deutschland zu emigrieren. Ihr Vater, der Lehrer Max Hoferichter (1889–?), war 1936 zunächst alleine nach Tianjin emigriert. Nachdem er sich beruflich als Lehrer der Berlitz-School einigermaßen etabliert hatte, folgten ihm 1937 seine Frau und die beiden Kinder Ilse und Rudolf (1924–?, vermutlich zwischen 1947 und 1950) nach. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1946 kehrte ihr Vater zusammen mit ihrem Bruder nach Deutschland zurück. Ilse Hoferichter blieb in Tianjin, wo sie schwer erkrankte. Durch die Krankheit bewegungsunfähig und morphiumsüchtig geworden, wurde sie 1947 schließlich in ein katholisches Krankenhaus eingeliefert und musste bis 1950 dort zubringen. Nach ihrer Genesung kehrte sie nach (Ost-)Berlin zurück, wo sie seither lebt. Ilse Hoferichter hatte während ihrer Chinazeit immer wieder Notizen gemacht, die ihr als Grundlage für ihre schriftliche Zusammenfassung dienten.  Hans Kochmann wurde 1920 als Kind jüdischer Eltern in Worms geboren. 1939 gelang ihm mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern die Flucht nach Shanghai, wo seine Mutter an Krebs starb. Hans heiratete im August 1945 in Shanghai Dorothea Anita Blumenstein (*1926) mit der er seit Ende der 1940er Jahre in New York lebt. Sein Leben in Shanghai beschrieb er mir in einer Reihe von Briefen, die ich mit ihm zwischen 1992 und 1994 wechselte.

Margarete Krüer, geb. Reitzig (1915–2006) schrieb ihre Erinnerungen an ihr Leben in China 1992 nieder. Sie wurde in Beijing als Tochter des Sattlermeisters Otto Alfred Reitzig (1876–1933) und dessen Ehefrau Clara geboren. Die Familie kehrte nach der 1919 erfolgten Repatriierung bereits 1921 wieder nach Beijing zurück, wo der Vater sein Geschäft bis zu seinem Tod 1933 weiterführte. Danach übernahm Clara Reitzig mit Hilfe ihrer Töchter das Geschäft, das allerdings verkleinert werden musste. Frau Krüer war als Aushilfe an verschiedenen deutschen Konsulaten tätig, zuletzt bis zur Repatriierung in Japan. Bis zu ihrem Tode lebte sie in Bremen.

Fritz Kuck (1901–1985) schilderte seine Zeit in China aus der Sicht eines Lehrers der Kaiser-Wilhelm-Schule in Shanghai. Entsprechend betitelte er seine Memoiren „Die Kaiser-Wilhelm-Schule Shanghai, 1927–1938“. Im Sommer 1927 kam der bis dahin in Oldenburg tätige Mittelschullehrer Fritz W. Kuck nach Shanghai und blieb bis 1938. Als erster deutscher Lehrer trat er der Shanghai International Teachers’ Association (SITA) bei, wurde 1937 Vizepräsident dieser Organisation und nach dem Ausscheiden des Präsidenten, Reverent Quick, fungierte Fritz Kuck bis zu seiner Rückreise nach Deutschland 1938 als deren Präsident. Das umfangreiche Archiv des Fritz Kuck ging leider nach dessen Tod verloren, nachdem er sich in seinen letzten Jahren vergeblich bemüht hatte, die Sammlung zu verkaufen, um sich noch einmal eine Reise nach China finanzieren zu können.

Wolfgang Müller (1911–2003), der zwischen 1938 und 1948 in Tianjin als evangelischer Pastor, Religions- und Sportlehrer tätig war, bewahrte in seinem Archiv in Kreuth einige seiner Tagebuchaufzeichnungen, Berichte und schriftlich niedergelegte Erinnerungen auf, die Einblicke vor allem in die Jugendarbeit, die Situation der evangelischen Kirchengemeinde und der deutschen Schule ermöglichen. Er galt als leidenschaftlicher Sportler und Naturliebhaber und engagierte sich stets für die Jugend. Nach seiner Repatriierung versuchte er recht erfolgreich den Kontakt zwischen den ehemaligen „Tianjin-Deutschen“ aufrecht zu erhalten und galt bis zu seinem Tod als Integrationsfigur. Im Archiv Wolfgang Müller lagert u. a. eine Reihe von, häufig nicht namentlich gekennzeichneten, biographischen Aufzeichnungen über einzelne herausragende „China-Deutsche“. Auszüge aus diesen Manuskripten werden in der dreimal jährlich erscheinenden Mitgliederzeitschrift des von Pastor Müller ins Leben gerufenen „Studienwerk Deutsches Leben in Ostasien“ (StuDeO), abgedruckt.

Fred Siemssen (1888–1950) Chef der Firma Siemssen & Krohn in Shanghai und zeitweise Gemeindevorstand der dortigen deutschen Gemeinde, schrieb seine unveröffentlichten Lebenserinnerungen unter dem Titel „Wie ich das Leben sah und erlebte“ für seine Familie nieder. Diese Autobiographie befindet sich im Privatarchiv seiner Tochter Wera Schönfeld (*1920) in Aumühle bei Hamburg.

Hermann Siemssen (1894–?), ein Onkel von Wera Schönfeld, brachte seine Lebensgeschichte unter dem Titel „Blick über die Gartenmauer“ zu Papier. Auch diese befinden sich im Privatarchiv seiner Nichte. Er verbrachte einen großen Teil seines Lebens als Teehändler in Fuzhou.

Fritz Sommer (1907–1994?) verfasste eine Lebensbeschreibung mit dem Titel „Aus meinem Leben“. Sein Vater, Friedrich Martin Sommer, war 1868 in Bremen geboren, seine Mutter 1882 in Lemgo. Er hatte sie bei einem Heimaturlaub 1903 kennengelernt. 1904 heirateten sie in China, wohin die Norddeutsche Wollkämmerei F. M. Sommer geschickt hatte. Bald wurde er Juniorpartner der Firma Telge & Schröder, dann ging er für die chinesische Regierung in die Mongolei, um Pferde zu züchten, „von denen sechs ein Krupp’sches Geschütz ziehen konnten“, wofür zuvor 20 Ponys nötig waren. Zwar spielten Pferde auch weiterhin eine Rolle für die ganze Familie, doch kehrte er wieder nach Tianjin zurück, wo er zum alleinigen Inhaber der Firma Telge & Schröder avancierte. Eine besondere Freundschaft verband die Familien Sommer und von Hanneken. Constantin von Hanneken (1854–1925) war lange Zeit Vertrauter und Militärberater von Li Hongzhang (1823–1901) gewesen und hatte von der Kaiserin als Anerkennung eine Konzession zum Abbau von Kohle erhalten; den kaufmännischen Bereich seiner Ching-hsing-Mine übertrug er seinem Freund Friedrich Martin Sommer. 1917 wurde die Mine enteignet (die Hälfte bekam er später zurück).

Hans Traut (*1930), Sohn des gleichnamigen deutschen Konsuls, wurde gleich nach seiner Geburt in die Obhut seiner chinesischen Amah gegeben, die ihn gemeinsam mit einem chinesischen Jungen erzogen hat. In seinen autobiographischen Aufzeichnungen „Das Wasser im Kessel“ berichtet er unter anderem über die Beziehung zu seiner Amah und dem Boy, die enger war als die zu seinen Eltern.

Alfred Tritthart, ein österreichischer Wasserbauingenieur, war 1927 nach China gekommen und lebte mit seiner schließlich sechsköpfigen Familie in Tianjin, wo  er eine wechselvolle, zuletzt nervenaufreibende Zeit erlebte, bis der Familie 1948 endlich die Ausreise gelang. Seine in zahlreichen Schulheften vorliegenden handgeschriebenen Tagebuchaufzeichnungen sind in ihrer detaillierten Schilderung des Alltags, der Lebensumstände und deren Veränderungen zwischen 1938 und 1948 kaum zu übertreffen.

Wolfgang Tröger, der 1925 in Shanghai geboren wurde, dort die Kaiser- Wilhelm-Schule besuchte und später in Shanghai arbeitete, schildert in einem unveröffentlichten Manuskript seine Kindheit, Jugend und sein Erwachsenendasein in China bis zu seiner Ausreise im Jahr 1951, die ihn nach Australien führte, wo er heute lebt.

Wilhelm Weis (1907–?) war von 1937 bis zur Schließung der Schule nach dem Krieg Lehrer für die Fächer Deutsch, Latein, Französisch und Sport an der Kaiser- Wilhelm-Schule. Er blieb bis zu seiner Repatriierung 1947 in Shanghai und war gut befreundet mit dem Lehrer und Landesjugendführer Helmut Wiedemann, mit dem er zahlreiche Reisen ins Landesinnere unternahm. Mitte der 1940er Jahre heiratete er eine Deutsche aus Niederländisch-Indien, die mit ihren Kindern 1941 nach Shanghai geflohen war. Er betitelte seine Retrospektive auf die Zeit, die er in China verbrachte, mit „China: Zusammenstoß mit dem Westen“. In weiteren Aufzeichnungen formulierte er, ebenfalls stark autobiographisch gefärbt, seine Gedanken zu China und dessen Verhältnis zu Japan. Über seine Erfahrungen und Analysen verfasste Wilhelm Weis ein Manuskript, das den Alltag jedoch nur in wenigen Teilen durchscheinen lässt.

Paul Wilhelm Wilm (1900–2004) war bereits 1924 nach China gekommen war, um dort seinen Onkel Alfred Eggeling zu besuchen, der in Beijing die Deutsch- Asiatische Bank betreute. Der Diplomlandwirt arbeitete zuerst in einer Molkerei in der Mongolei, anschließend als landwirtschaftlicher Berater für die Deutsche Stickstoff Handelsgesellschaft Krauch & Co (DSH). Er sollte auf dem Land die Vorzüge der chemischen Düngung mit Nitrophoska propagieren und Versuchsreihen anlegen und war viel auf Reisen. 1928 heiratete er Charlotte Cordes (1905–1993), deren Vater, der preußische Konsul Heinrich Cordes (1866– 1927), beim Anschlag auf den deutschen Gesandten von Ketteler schwer verwundet worden war. Charlotte Cordes war bis zu ihrer Heirat als Dolmetscherin bei Oberst Max Bauer, zeitweise auch bei Chiang Kaishek und später als Sekretärin bei der deutsch-chinesischen Fluglinie EURASIA tätig gewesen. Sie und ihre acht Geschwister sprachen, als Kinder einer chinesischen Mutter und eines deutschen Vaters, fließend Chinesisch, Deutsch und Englisch. Bis 1950 lebte Familie Wilm in China, überwiegend in Tianjin und Beijing. Nach dem Krieg bis zur Ausreise 1950 betrieb die Familie eine Milchfarm am Stadtrand Beijings. Paul Wilm erwies sich als eine schier unerschöpfliche und ungeheuer aufschluss-  reiche Informationsquelle. Seine gesamten Lebenserinnerungen aus der Zeit zwischen 1924 und 1949 schrieb Paul Wilm in sieben lange unveröffentlichten Bändchen nieder, die inzwischen, zusammen mit Erinnerungen an die Zeit zwischen 1956 und 1965, bei StuDeO unter dem Titel Damals: Erinnerungen aus China, der Mongolei und dem übrigen fernen Osten, zumindest auszugsweise herausgegeben wurden.

Inhaltsverzeichnis

 

VORWORT

Zum Stand der wissenschaftlichen Forschung
Veröffentlichte autobiographische Aufzeichnungen
Unveröffentlichte autobiographische Aufzeichnungen
Die Interviews von Fritz van Briessen
Eigene Interviews
1. EINLEITUNG
1.1. Deutsch-chinesische wirtschaftliche Beziehungen 1840-1920
1.2. Chits, Compradores, Shroffs und andere sprachliche Besonderheiten
2. SHANGHAI
2.1. Geographie
2.2. Historische Voraussetzungen Für die Entwicklung Shanghais
2.2.1. Voraussetzungen für die Entwicklung des Handels
2.2.2. Die ersten deutschen Firmen in Shanghai
2.2.2.1 Verkehrsmittel
2.2.2.2 Racecourse und Recreation Ground
2.2.3 Anfänge einer deutschen Kirche und Schule
2.2.4 Erste Gründung einer deutschen Gemeinde
2.2.5 Entstehung einer deutschen Hochschule
2.3. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges
2.3,1. Unternehmen
2.3.2 Die politischen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg
2.4. Die Phase des Wiederaufbaus (1920-1933)
2.4.1. Unternehmen
2.4.1.1 Deutsch-Asiatische Bank
2.4.2. Schule und Alltag
2.4.3. Die Neugründung der Tongji-Universität
2.4.4 Shanghai als Ausgangspunkt innenpolitischer Veränderungen und deren Einfluss auf die internationale Gemeinschaft
2.4.5. Intensivierung deutsch-chinesischer wirtschaftlicher Verbindungen
2.4.6 Die Entdeckung der Bildung als wirtschaftliches und politisches Potential
2.4.7 Der zunehmende Einfluss Japans
2.4.8. Außenseiter der ausländischen Gesellschaft
2.5. Von 1933 bis zum chinesisch-japanischen Krieg 1937
2.5.1. Unternehmen
2.5.2. Schule und Alltag
2.5.3 Die deutsche Gemeinde nach der Machtergreifung Hitlers
2.5.4 Deutschland zwischen Japan und China
2.6. Von 1937 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa
2.6.1 Unternehmen
2.6.2. Alltag
2.6.3 Außenseiter in der ausländischen Gemeinde
2.6.4. Schule
2.6.5. Politik
2.6.6 Beginn ‚jüdischer" Immigration
2.7. Kriegsbeginn in Europa bis Pearl Harbor
2.7.1 Unternehmungen, Unternehmen und Persönlichkeiten
2.7.2. Politik und Alltag
2.7.3. Schule
2.7.4 Japanische Interventionsversuche im International Settlement
2.7.5. Intensivierung nationalsozialistischer Intervention
2.7.6 Außenseiter in der ausländischen Gemeinde
2.8. Vom Pazifischen Krieg bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges
2.8.1 Unternehmen und wirtschaftliche Umbrüche
2.8.2 Alltag und Schule
2.8.3 Wechselwirkungen
2.8.4. Antifaschistische Aktivitäten
2.8.5 Ende des Krieges in Europa und Asien
2.9. Vom Kriegsende bis zur Gründung der Volksrepublik China
2.9.1. Auswirkungen der Kapitulation auf das Alltagsleben
2.9.2. Shanghai-Prozess und Repatriierung
2.9.3 Einschränkung lind Auflösung des Schulbetriebes
2.9.4 Alltag und Aufbruch unter kommunistischer Administration
2.10. Emigrationsort Shanghai
3. TIANJIN
3.1. Geographie
3.2. Historische Voraussetzungen
3.2.1. Politische und wirtschaftliche Einflüsse
3.2.2 Entstehung einer deutschen Schule
3.3. Nach Ende des ersten Weltkrieges
3.3.1. Alltag
3.3.2. Deutsche Schule
3.3.3. Politische und wirtschaftliche Einflüsse
3.4. Die Phase des Wiederaufbaus (1920-1933)
3.4.1 Unternehmen
3.4.2. Alltag
3.4.3. Deutsche Schule
3.4.4 Das Deutsch-Amerikanische Hospital
3.5. Vorabend des chinesisch-japanischen Krieges (1933-1937)
3.5.1. Entwicklung der Lebenshaltungskosten
3.5.2 Deutsche Schule
3.6. Von 1937 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa
3.6.1 Unternehmen
3.6.2 Ausweitung der wirtschaftlichen und politischen Einflussnahme Japans
3.6.3. Alltag
3.6.4 Deutsche Schule
3.7. Kriegsbeginn in Europa bis Pearl Harbor
3.7.1 Unternehmen
3.7.2. Alltag
3.8. Von Pearl Harbor bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges
3.8.1. Alltag
3.8.2 Deutsche Schule
3.9. Vom Kriegsende bis zur Gründung der Volksrepublik China
4. BEIJING
4.1. Geographie
4.2. Historische Voraussetzungen
4.2.1. Entstehung einer deutschen Schule
4.3. Nach Ende des Ersten Weltkrieges
4.4. Die Phase des Wiederaufbaus (1920-1933)
4.4.1 Unternehmen
4.4.2 Das deutsche Hospital
4.4.3 EURASIA
4.4.4 Kulturelle Verbindungen
4.4.5 Das besondere Kolorit
4.4.6 Deutsche Schule
4.4.7 Politik
4.5. Vorabend des chinesisch-japanischen Krieges (1933-1937)
4.5.1. Politik
4.5.2 Auswirkungen des zunehmenden japanischen Einflusses
4.5.3. Alltag
4.5.4 Deutsche Schule
4.6. Von 1937 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa
4.6.1. Alltag
4.6.2 Deutsche Schule
4.6.3. Politische Einflüsse
4.7. Kriegsbeginn in Europa bis Pearl Harbor
4.7.1. Politik
4.7.2. Alltag
4.7.3. Deutsche Schule
4.8. Vom Pazifischen Krieg bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges
4.8.1. Deutsche Schule
4.8.2 Auswirkungen des Krieges
4.9. Vom Kriegsende bis zur Gründung der Volksrepublik China
5. ZUSAMMENFASSUNG
6. ANHANG
6.1. Shanghai
6.1.1. Tongji-Universität
6.1.2 Finanzen der Kaiser-Wilhelm-Schule zu Shanghai
6.1.3. Kaiser-Wilhelm-Schule zu Schanghai
6.14 Emigranten 1934
6,1.5 Beamtenbezüge 1943
6,1.6 Währung
6.1.7. Lebenshaltung
6.1.8. Index-Zahlen der Lebenshaltungskosten (1937)
6.2. Tianjin
6.2.1. Einfuhrwerte einzelner Warengruppen für die Jahre 1937 und 1938
6.2.2. Deutsche Schule Tientsin
6.2.3. Offizielle Listen über die Entwicklung der Lebenshaltungskosten
6.2.4 Mitgliedernen der Deutschen Handelskammer
6.2.5. Gehalts- und Preisentwicklung 1944-1949 am Beispiel Alfred Tritthart
6.3. Beijing
6,3.1. Vorschüsse an Beamte der Gesandtschaft in Beijing 1922
6.3.2 Deutsche Schule Peking
6.3.3 Aufschlüsselung der Anzahl der Deutschen in China
6.3.4 Reglement über die Organisation des chinesischen Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten (1927)
6.3.5. Lebenshaltung
6,3.6 Dokumente im Zusammenhang mit der Gründung der Deutschen Gemeinde Peiping (1935)
6.3.7 Antwortschreiben von Vincenz Hundhausen (betr. Deutsche Gemeinde)
6.3.8 Runderlasse des Auswärtigen Amtes (1933)
6.3.9 Bestimmungen und Antragsformular für Travel Permits
6.3.10. Die chinesische Währung

englert-quanzhouSiegfried Englert

Quanzhou - Versuch einer Annäherung

Annweiler: Plöger Medien, 2012

280 Seiten

ISBN: 978-3-89857-269-9

Kurzbeschreibung

Quanzhou an der Südostküste der Volksrepublik China und seit 1995 Partnerstadt von Neustadt an der Weinstraße gehörte im 13. und 14. Jahrhundert zu den größten Häfen der Welt und stiftete dem globalen Wortschatz der Menschheit die Worte Tee, Dschunke und Ketchup.

 

Weiterlesen ...

rudolph_2010_2Jörg-M. Rudolph und Thomas Heberer

China - Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zwei alternative Sichten

297 Seiten

Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für politische Bildung, 2010

ISBN: 978-3-927-127-87-3

Kurzbeschreibung

„Einerseits ist China das große unbekannte Land voller Widersprüche. Andererseits glaubt fast jeder, das Wichtigste über das Land zu wissen. Mit den beiden Autoren haben sich zwei Kenner des Landes zusammengetan, um ihre unterschiedlichen Sichten auf das riesige chinesische Reich darzustellen. Beide haben lange dort gelebt und geforscht, beide sind der Sprache mächtig. Dass die Autoren nicht immer einer Meinung sind, stört nicht, sondern ist ein ausgesprochener Gewinn. Der Leser ist gefordert, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Der Blick auf Chinas Politik in Vergangenheit und Gegenwart, auf die aufstrebende Wirtschaft und eine Gesellschaft im Umbruch ist ebenso ungewöhnlich wie erhellend."
(Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung)

Weiterlesen ...

liew-japanChristine Liew

Japan: Unterwegs in einem Land zwischen Tradition und Innovation

510 Seiten

Trescher Verlag, 2010

ISBN-13: 978-3897941618

Vorwort

„Seit den Zeiten Marco Polos spukt Japan in den Köpfen der Europäer. Bevor die ersten Weltenbummler des Mittelalters das Inselreich tatsächlich erreichten, hatte man im mystischen Zipangu sagenhaften Reichtum und ein eigenwilliges Volk vermutet. Den eigenwilligen Charakter hat sich Japan bis ins zweite Millenn ium bewahren können. Die einen sehen in dem Land die Heimat von Geisha, Samurai und Zen-Philosophie. Die anderen bewundern Wirtschaftsdynamik und bunte Jugendkultur. Kritiker bemängeln zu viel Westen in einem asiatischen Land und vermissen das typisch Asiatische in Asiens östlicher Außenstelle. Das Schöne daran ist: Sie alle haben recht! Japan liebt seine Vergangenheit und bewahrt sie in Architektur, Kunsthandwerk und Brauchtum. Gleichzeitig verschließt es seine Augen nicht vor der Zukunft und heißt Innovationen und Weiterentwicklungen jederzeit willkommen. Seine kulturellen Wurzeln ruhen im asiatischen Kontinent, die Äste reichen bis in den Westen, und seine Früchte sind typisch japanisch. Diese Melange aus Alt und Neu, West und Ost sorgt für äußerst abwechslungsreiche Reisemöglichkeiten.


Reisende sollten sich nicht auf den so genannten Kimono-Trail zwischen Tōkyō, Kyōto und Nara beschränken. So bieten die nördlichen Regionen Tōhoku und Hokkaidō ebenso lohnenswerte Ziele. Hier befand sich einst die Heimat der Ainu, des Urvolks Japans mit seiner ausgeprägten Stammeskultur. Hokkaidö wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts von Japan besiedelt, noch heute umgibt die Insel am Eismeer ein Hauch Pioniergeist. Die Region Tōhoku als Reiskaminer Japans gilt als Bewahrerin von Tradition und Brauchtum. Schreinfeste werden hier mit besonders viel Freude und Einsatz gefeiert.
Die Region Chūbu nördlich von Nagōya umspannt die Japanischen Alpen und galt lange Zeit wie ihre Nachbarregion Chūgoku als schwer zugänglich. Viele kleinere Städte überstanden die Jahrhunderte wie in einer Zeitkapsel und sind heute begehrte Ausflugsziele inmitten imposanter Natur.
Shikoku als kleinste der vier Hauptinseln bietet der Seele Erholung, ein über 1200 Kilometer langer Pilgerweg zieht längst nicht nur fromme Buddhisten an. Die südlichste Hauptinsel Kyūshū ist vor allem für Geschichtsfans ein Muss. Schon in der Frühzeit diente die Region als Brücke zum Festland, Händler aus aller Herren Länder ließen sich in den Hafenstädten nieder. Für Europäer besonders faszinierend sind die ersten westlichen Handelsniederlassungen. Okinawa, die subtropischen Inseln in Sichtweite Taiwans, war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als eigenständiges Königreich Ryūkyū bekannt. Seit einigen Jahren genießen die Inseln mit dem gelassenen Südseecharme große Beliebtheit als vertraut-exotisches Ferienparadies.
Als langjährige Japan-Kennerin empfehle ich für die nächste Japan-Reise: Umwege gehen! Jenseits der unzähligen Sehenswürdigkeiten wartet der wohl größte Schatz dieses Landes: seine freundlichen und hilfsbereiten Menschen."
(Christine Liew)

Kurzbeschreibung

„Alle Regionen Japans auf 516 Seiten - Aktuelle Tipps zu Unterkünften, Restaurants, Tempeln und Museen - 50 Stadtpläne und Übersichtskarten - Alle wichtigen Verkehrsverbindungen - 300 Farbfotos - Unterhaltsame Essays - Mit Metroplan Tokyo
Eine Reise nach Japan verspricht den Zauber alter Tempel und Schreine, die Stille dunkler Zedernwälder und das erholsame Baden in heißen Quellen. Eine Reise nach Japan ist aber auch die Begegnung mit Technologie und Innovation auf höchstem Niveau, mit modernster Architektur und neuesten Medien- und Mode-Trends. In Japans Großstädten pulsiert das Leben rund um die Uhr, in abgelegenen Tälern und Wäldern wandert man hingegen für Stunden ohne Anzeichen jeglicher Zivilisation. Dieser Reiseführer hilft, die versteckten Schönheiten Japans auch außerhalb der üblichen Reiserouten zu entdecken. Zahlreiche praktische Informationen ermöglichen Individualreisen auch in die weniger bekannten Regionen dieses faszinierenden Landes."


Pressestimme

„Die studierte Japanologin Christine Liew kann in ihrem Reiseführer ihre gesamte Erfahrung aus 15 Jahren Leben in Japan einbringen. Ausgestattet mit tiefgründigem Hintergrundwissen beschreibt sie ein Land, von dem sie wahrhaft beseelt ist. Ihr gelingt damit das Kunststück, einen Reiseführer zu einem Stück lesenswerter Literatur zu machen." (Der Trotter - Die Zeitschrift der Globetrotter)

liew-reisegast-in-koreaChristine Liew

Reisegast in Korea

224 Seiten

Iwanowski-Reiseverlag, 2010

ISBN: 978-3-861970040

Pressestimme

„Ausführlicher, handlicher Reisebegleiter, der Interesse an Land, Kultur und Natur Südkoreas weckt und mit vielen Details aufwartet. Sehr anschaulich, detailliert und mit liebevollem Blick auf Land und Leute führt die Autorin ein in Geschichte, Vielfalt der Religionen, in die Auswirkungen extremer Jahreszeiten, die Entwicklung der politischen Verhältnisse, die Südkorea wirtschaftlich zum Trendsetter im ostasiatischen Raum machte. Neben den aufklärenden Kapiteln werfen Info-Artikel einen Blick auf kleine Besonderheiten wie den Kult um die Mülltrennung, die richtigen Tischmanieren oder die ungebrochene Tradition, Wahrsager aufzusuchen. - Ein sehr informatives, ausführlich in Land, Leute, Politik und Geschichte, und Lebensgewohnheiten einführender Reisebegleiter." (EKZ, 1/09)

 

Inhalt

Korea gibt es im Doppelpack, oder?! - Vorwort von Christine Liew
Land der Morgenstille — eine Annäherung
Korea passt in keine Schablone
Der Stachel der Teilung
Die geographischen Regionen
Das Klima — wechselhaft
Artenreichtum in Tier- und Pflanzenwelt.
Die Rose von Sharon — Koreas Nationalblume
Koreaner, woher kommst du?
Von besseren Menschen und anderen Besonderheiten
Die ersten Siedler
Urvater Dangun eint bis in die Gegenwart
Korea expandiert
Geburtsstunde des »Korean Way of Life«
Die Mongolen kommen!
Die letzte Dynastie Koreas
Joseons Erbe — Neokonfuzianismus
Moderne Zeiten, schwere Zeiten.
Das Ende Koreas?
Die Unabhängigkeitsbewegung Erster März
Die bitteren Jahre der Ausbeutung
Kriegsverbrechen der besonderen Art — Trostfrauen
»6.25«, der vergessene Krieg
Von Diktatur zu Demokratie
Booming Economy — Südkorea wird Industriestaat
Die Erfolgsstory beginnt bei Null
Das Rezept des Aufstiegs — Fünfjahrespläne
Der Tiger erwacht
Mischkonzerne — Koreas Wirtschaftsriesen
Die Kehrseite der Globalisierung — Reisbauem im Existenzkampf.
Hochgesteckte Ziele für das 21. Jahrhundert
Deutschkoreaner
Gestatten, ich bin eine Roboterfrau!
Flugblätter auf Seoul — Leben in einem geteilten Land
Bedrohung durch Nordkorea?
Reflexartiger Argwohn
Vom Saulus zum Paulus? — Südkoreas Geheimdienst
Auch Nordkoreaner sind Menschen
Zwei Jahre für das Vaterland — Wehrpflicht in Südkorea
Konkrete Schritte in Richtung Wiedervereinigung
Sonnenscheinpolitik
Wirtschaftssonderzone Gaeseong
Familienzusammenführung
Hyundai — Geschäfte mit dem Norden .
Will Korea wirklich die Wiedervereinigung?
Die lieben Geister und andere Glaubensformen
Supermarkt der Religionen
Guter Draht zur Geisterwelt — Schamanismus .
Religion der Erleuchtung — Buddhismus
Die perfekte Gesellschaft — Konfuzianismus
Mehr Kirchen als Tempel — Christen in Korea
Gesellschaftliche Momentaufnahmen
Familienleben — Konfuzius mischt mit
Abschied von den Patriarchen
Heiratsverbot für Herrn und Frau Kim
Zuhause die Zügel fest in der Hand
Kinder, Kinder
Von Vogelvätern und koreanischem Sexappeal
Im Alter ein sicheres Ehrenplätzchen.
Kleiner Knigge für Geschäftsreisende
West stößt auf Ost
Gruppenzugehörigkeit und Individualismus
Frühwarnsystem der Sinne
Wie man im Gespräch Fettnäpfchen umschifft.
Was erwartet Sie am Verhandlungstisch?
Was erwartet Sie im Restaurant?
Was erwartet Sie bei einer privaten Einladung?
Tun und Lassen im Geschäftsleben
Spannende Banalitäten — Alltag in Korea
Wohnträume auf Koreanisch ...
Kult um die Mülltrennung
Shopping in Asiens Einkaufsparadies.
Tipps zum Umgang mit koreanischem Geld
In Korea unterwegs — hier spricht die Erfahrung!
Feste, Freizeit und Vergnügen
Spagate zwischen Tradition und Moderne
Feier- und Gedenktage
Private Festtage im Laufe eines Lebens.
Heirate niemals ein Feuerpferd!
Von kunstsinnigen und anderen Späßen
Komm, wir gehen ins Bang!
Neues Image für das Land — die koreanische Welle
Sport
Kulinarisches Korea
Was kommt auf den Tisch?
Grundnahrungsmittel Reis
Geliebte Nudeln
Tischregeln und gute Manieren
Geschmacksfeuerwerk im Mund.
Meine Suppe ess' ich — doch!
Die breite Palette der Beilagen
Bello im Kochtopf?
Kulinarisches Heimweh
Die Traditionelle Koreanische Medizin
Über Heilkundige, Ärzte und Apotheker
Die philosophische Grundlage der traditionellen Medizin
Der koreanische Weg
Ginseng — die Wunderwurzel
Keine Angst vor Koreanisch!
Die Schrift — genial einfach
Die Satzstruktur — gewöhnungsbedürftig
Die Pein mit der Höflichkeit
Herr Yi, Herr Lee, Herr Li oder Herr I?
Zwei Länder, eine Sprache? Nordkoreanisch, Südkoreanisch?
Universalsprache Englisch
Kleiner Sprachführer für Korea
Kulturspiel
Medientipps
Register

Schattenläufer und Perlenmädchen - Abenteuer Alltag in Japan

234 Seiten

Oldenburg: Dryas-Verlag, 2010

ISBN: 978-3-940855-22-0

 

Kurzbeschreibung

Was machen Japans Angestellte, wenn sie nicht unter bezaubernden Kirschblüten feiern? Wohin geht die junge Dame, wenn sie ihren Kimono gegen Jeans getauscht hat und wer wohnt eigentlich in den blauen Zelten mitten im Park? Christine Liew nimmt Sie mit auf eine Reise in den japanischen Alltag und erzählt von den Menschen jenseits von Klischee und Hochglanzbroschüre. Schüchterne Sumo-Kämpfer kommen in ihren Geschichten ebenso zu Wort wie entrückte Anime-Fans. Hausfrauen findet man am Nachmittag im Takarazuka-Musicaltheater, Schulmädchen in einem Love Hotel und Roboter helfen im Altenheim. Facettenreich und unterhaltsam beschreibt die Autorin das ungewohnte Leben ganz gewöhnlicher Japaner.
Eine kurze Liste der wichtigsten Höflichkeitsregeln im Anhang des Buches erleichtern dem Leser den Einstieg in eine faszinierende Kultur."

 

Vorwort

„Die spannendsten Geschichten schreibt der Alltag — und das gilt für den japanischen Alltag natürlich ganz genauso. Manchmal ist der glitzernd bunt, wenn die Hausfrau ihren Lieblingsstar im Revuetheater bewundert oder der Manga-Fan für einen Nachmittag in seiner Traumwelt verschwindet. Ein andermal dagegen knallhart, wenn ein junger Obdachloser seine Nächte im Fast-Food-Restaurant bei einer Tasse Kaffee verbringen muss. Da sorgt sich das in die Jahre gekommene Perlenmädchen um ihre Altersvorsorge und sattelt mit über siebzig Jahren noch mal um. Der Firmenangestellte in den besten Jahren möchte am liebsten aussteigen, doch die Zukunft seiner Kinder hält ihn im Hamsterrad des Alltags. Ein junger Surno-Ringer träumt von der ganz großen Sportlerkarriere und das Schulmädchen von nebenan bessert sein Taschengeld mit Herrenbesuch im Love Hotel auf.
Neben sehr persönlichen Erzählungen über den Alltag ganz gewöhnlicher Japaner handeln andere Geschichten dieses Buches generell von Japan. Wie leben die Leute mit der ständigen Bedrohung durch Erdbeben? Warum wohnen Obdachlose in Zeltkommunen im Park, und sind Japaner wirklich ein homogenes Volk? Ein Blick auf die Vielfalt der Religionen, der einzigartigen Sprache, dem regionalen Reichtum sowie ein bunter Abriss der Jahresfeste runden den neugierigen Blick auf den japanischen Alltag ab.
Wer nach der Lektüre feststellt, dass Japan weit mehr als schöne Tempel, Sushi und Geisha-Damen zu bieten hat, dem sei vor seiner nächsten Reise die im Anhang verzeichneten Top Ten des guten Tons ans Herz gelegt. Die berühmten Fettnäpfchen wären damit erst einmal unter Kontrolle, denn welcher Gast blamiert sich schon gerne?“


Inhalt

Sexy Salariman: Ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag im Leben des Herrn Miura
Nylon-Kabuki: Die Traumwelt des Takarazuka-Tanztheaters
Hai, Toranaga-sama! Japanisch und andere Sprachen
Ketchupherzen und Zauberkaffee: Männerwelt zwischen Fantasie und Realität
Perlenmädchen: Die Taucherinnen von Toba
Kennst du das Land, wo die Kirschbäume blühen? Von Symbolen und Klischees
Bunte Vielfalt unter homogener Schale: Japans Regionen
Schattenläufer: Das Schicksal der Obdachlosen
Menschenkinder! Alltag mit Kindern
Knast goes Geriatrie: Eine Gesellschaft altert
Und ewig rattern die Kugeln: Flippern im Pachinko-Parlor
Tänzer auf dem Vulkan: Erdbeben und andere Katastrophen
Vom Schnitzel zum Schätzchen: Tierliebe im Wandel der Zeit
Götter sind auch nur Menschen: Koexistenz der Religionen
Zarte Kolosse: Die Welt der Sumo-Ringer
Darf's ein bisschen länger sein? Heiß geliebte Love Hotels
Süßer die Schellen nie rasseln: Feste feiern rund ums Jahr.
Anhang
Top Ten des guten Tons
Danksagung

funatsu_2008_2Kayo Funatsu-Böhler

PONS mobil Wortschatztraining Japanisch (Audio CD)

PONS Verlag; 2008

1 Audio-CD, zusätzlich mit MP3-Dateien

ISBN: 978-3125614178

 

Klappentext

Im Auto, beim Joggen oder zu Hause auf dem Sofa: mit mobil erweitern Sie Ihren Wortschatz mühelos. Was heißt eigentlich „Tintenfisch" oder was sagen Sie, wenn Sie mit Kreditkarte zahlen wollen? Mit mehr als 530 nützlichen Wörtern und Sätzen in 14 Themenbereiche sind Sie für die wichtigsten Situationen gewappnet. Einfacher geht Vokabellernen nicht: Hören Sie den deutschen Begriff, übersetzen Sie ihn ins Japanische und hören Sie anschließend die korrekte japanische Entsprechung. Auf der sicheren' Seite: Im Begleitbuch können Sie alle Wörter und Formulierungen samt Übersetzungen jederzeit nachschlagen.