Interview Konstantin Kriegelsteiner

„Man lernt ein Leben lang, und die Kunst ist es, das Gelernte so zu sortieren, dass man es bei Bedarf schnell wieder findet.“

KriegelsteinerKonstantin Kriegelsteiner
Head of Customer Services Asia bei Mitsubishi FUSO/Daimler Trucks Asia

 

1. Frage: Angefangen haben Sie als CAReer Trainee (Int. Management Associate - Mitsubishi FUSO/Daimler Trucks Asia)  und sind mittlerweile als Head of Customer Services Asia für die Marke tätig.

Die Internationale Nachwuchsgruppe (nun CAReer Programm) von Daimler ist eines der renommiertesten Traineeprogramme Deutschlands und man bekommt viele Gelegenheiten, an Projekten im In- und Ausland teilzunehmen und auch Führungskräfte kennenzulernen. Damals musste man sich noch im Laufe des Programms einen Landeplatz „erarbeiten“ und es stand zu Anfang keine Zielaufgabe fest. Im Rahmen eines Kamingesprächs lernte ich den zukünftigen CEO der neu erworbenen Nutzfahrzeugsparte von Mitsubishi kennen, der mich dank meiner Japankenntnisse dann in seine „Landungstruppe“ aufnahm und 2003 als Assistent mit nach Tokyo nahm.

Seit Anfang 2016 bin ich nun für den Kundendienst in der Region Asien/ASEAN/Ozeanien zuständig und arbeite an Themen wie z.B. Ersatzteilvertrieb, technischer Support, Garantie und Kulanzleistungen. Ein Nutzfahrzeug, das nicht auf der Straße ist, verdient kein Geld, und somit ist ein kompetenter und schneller Kundendienst ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

 

2. Frage: Wie war Ihr beruflicher Werdegang, bis Sie diese Position übernahmen?

Im Anschluss an meine 3 Jahre als Assistent in Japan wechselte ich zurück nach Stuttgart und steuerte dort Investitionen und Zeitleisten für gemeinsame Projekte mit Japan.

Von 2008 bis 2011 arbeitete ich dann in Portland (Oregon) bei Daimler Trucks North America und war dort für die Kostenplanung, d.h. Zielkostenberechnungen, Wettbewerber-Benchmarking zuständig.

Gerade als sich die Fukushima-Katastrophe ereignete, wechselte ich von den USA zurück nach Japan, um dort als Abteilungsleiter ein mittelfristiges Wachstums- und Effizienzprogramm zu leiten.

Im Anschluss daran habe ich als Leiter Marketingkommunikation auch Werbematerial, Markenstandards, Händlerkonferenzen und Messen organisiert.
Bis Ende 2015 war ich bei Mercedes-Benz PKW in Zusammenarbeit mit Nissan mit dem Aufbau eines neuen Produktionsstandorts in Mexiko  beschäftigt, bevor ich zurück nach Japan kam.

 

3. Frage: Entspricht das Ihrem Studienziel? Konnte Sie das Ostasieninstitut darauf vorbereiten?

Ich bin in Südostasien aufgewachsen und strebte schon immer eine Karriere im Ausland an. Auch während des Studiums organisierte ich Praktika im Ausland. Daimler war damals als Aushängeschild Deutschlands mit weltweiter Präsenz und internationalen Beteiligungen mein Wunscharbeitgeber.

Da ich den Großteil meiner Karriere in Asien verbracht habe und im Vertrieb bin, entsprach es genau dem Studienziel unseres Studiengangs. Das Studium am Ostasieninstitut war sehr hilfreich und legte einen guten Grundstein dafür. Vor allem die Vorlesungen zu japanischer Wirtschaft, aber auch im Marketing waren wertvoll.


 
4. Frage: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in Japan aus?

Auch wenn ich in Japan arbeite ist mein Umfeld sehr international. Somit findet über die Hälfte der Kommunikation auf Englisch statt. Die Unternehmenskultur ist zwar japanisch geprägt, aber keineswegs wie in einem typisch japanischen Unternehmen.

Jeder meine Märkte hat für den Ersatzteilvertrieb ein Umsatz- und Gewinnziel pro Monat, Quartal und Jahr. Ich bespreche mit meinen Mitarbeitern, welche Möglichkeiten wie z.B. Bonus Incentives, Volumennachlässe, Sonderkampagnen wir haben, um die Ziele zu erreichen. Mit meinen Technikern bespreche ich Fahrzeugausfälle, Rückrufaktionen, Garantie- und Kulanzfälle.
Etwa zweimal im Monat bin ich vor Ort, z.B. in Taiwan oder Neuseeland, um persönlich mit den Vertriebsgesellschaften Vertragsmodalitäten zu verhandeln, Preise und Volumen festzulegen, Flottenkunden zu besuchen oder auch die Werkstattausstattung zu prüfen.


 
5. Frage: Welche Erinnerungen haben Sie aus persönlicher Sicht an Ihre Studienzeit?

Ludwigshafen verdient sicher keinen Schönheitspreis und die ersten Wochen fragt man sich schon, wo man gelandet ist. Aber sobald man Anschluss gefunden hat und mit Kommilitonen das Umfeld erkunden kann, fühlt man sich schnell zu Hause.

Im Gegensatz zu anderen Studienorten ist das Ostasieninstitut ja sehr überschaubar und man kennt sich untereinander, was sehr angenehm ist. Dennoch hat jeder andere Ziele, Ambitionen, Pläne und nach jedem Semester fielen ein paar Kommilitonen von Bord. Im Studium lernt man, eigenständig zu arbeiten, sich und andere zu organisieren, realistisch zu planen, kreativ nach Lösungen zu suchen. Das sind alles Fähigkeiten, die im Arbeitsleben unabdingbar sind.

 

6. Frage: Welche Ratschläge können Sie den Studierenden mitgeben?

Man lernt ein Leben lang, und die Kunst ist es, das Gelernte so zu sortieren, dass man es bei Bedarf schnell wieder findet. Das können schematische Darstellungen und Denkmodelle, länderspezifische Informationen, praktische Links, Kontakte und Beispiele sein. Das Wichtige ist also, erst einmal eine Struktur zu haben, um die Informationsflut während des Studiums oder im Praktikum zu verarbeiten.

Da man nicht ganze Bücher oder Vorlesungen abheften kann, muss man sich auf die Inhalte beschränken, die man wirklich versteht, die einen weiterbringen und die man tatsächlich anwendet. Heute gibt es ja Apps wie Evernote und andere hilfreiche Werkzeuge, um verschiedene Inhalte abzulegen. Hat man mal seine Methode gefunden und nutzt sie konsequent, kommen die Inhalte überraschend oft im realen Arbeitsleben zum Einsatz.

 

Herr Kriegelsteiner, wir bedanken uns für das Gespräch!